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Übersicht:
| Titel: | Tripbericht: Strattera – brauchbar als Stimulans |
| Drogen: | Speed |
| Autor: | punkrocker |
| Datum: | 30.05.2010 21:06 |
| Set: | gestresst (Osterstress), wenig ausgeschlafen |
| Setting: | Hauptsächlich bei mir, im Heim, im Zimmer, desweiteren beim Einkaufen und an anderen Orten im Heim. |
| Nützlichkeit: | 6,00 von 10 möglichen (13 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Tripbericht: Strattera – brauchbar als Stimulans
Ich bat meinen Suchtarzt kurz vor Ostern 2010 darum, dass er mir eine kleine Packung Strattera verschreibt. Er fragte: Was macht das denn? Und ich antwortete: Das macht wach! Ich gab als Begründung des weiteren an, warum ich Strattera haben wollte, dass sich mein Tag-Nacht-Rhythmus mal wieder verschoben hätte und ich diesen lieber in Ordnung bringen würde, indem ich mich tagsüber mit einem stimulierenden Mittel wach halte, anstatt mich abends mit einem Schlafmittel „abzuschießen“, denn ich mag Schlafmittel nicht mehr. Dieser Arzt würde mir aber jederzeit Nitrazepam gegen Schlafstörungen verschreiben, ich will es aber nicht.
Überhaupt ist er so cool, dass er mir, solange es auf Privatrezept ist, alles verschreibt, was es auf dem Pharmamarkt gibt, solange es die Krankenkasse nicht mitbekommt.
Die Begründung mit dem Tag-Nacht-Rhythmus schien ihm plausibel zu sein, und er schrieb mir eine kleine Packung mit 7 Hartkapseln zu je 25 mg Atomoxetin auf, dem Wirkstoff von Strattera, der entfernt mit den Amphetaminen verwandt ist, aber im Gegensatz zu den herkömmlichen Amphetaminderivaten wurde das „Grundskelett“ des Moleküls geändert, und nicht nur die Seitenketten, das wird zurzeit auch bei vielen stimulierenden RCs gemacht.
Mein Suchtarzt sagte mir, wenn ich mir psychiatrisch bescheinigen lasse, dass ich ADHS habe, bekomme ich Strattera auch von der Kasse bezahlt, aber es spricht nur wenig dafür, dass ich ADHS habe, ein paar Symptome davon habe ich schon, aber nicht alle und nicht die wichtigsten, außerdem wurde, soweit ich weiß, bei ADHS bei Erwachsenen noch kein Medikament freigegeben, sodass der Patient sein Ritalin o.ä. bezahlt bekommt von der Krankenkasse.
Die Packung, die ich also in meiner Stammapotheke erwarb, die auch meine Substitution durchführt, also 7 x 25 mg Atomoxetin in Hartkapseln, kostet etwa 36 €, ich hatte bei dieser Apotheke schon öfters Schulden, denn sie geben mir „Bagatellmedikamente“ wie Nasenspray oder Koffeintabletten auf Pump und ich muss erst bezahlen, wenn ich kann. So machte wir das auch mit dem Strattera, und ich bin ihnen den Betrag dafür heute noch schuldig, dafür habe ich gerade gestern knapp 60 € Schulden zurückbezahlt.
Ich muss gleich sagen, von diesem Tripbericht darf keiner erwarten, dass ich hier von gedanklichen, sensorischen oder emotionalen Sensationen berichte, denn es handelt sich ja nur um ein ganz normales Stimulans und nicht etwas wie LSD.
Ich wohne hier in einem Wohnheim für psychisch Erkrankte, und meine Betreuer sollten möglichst nicht erfahren, dass ich mit Strattera herumexperimentiere, da es hier üblich ist, dass verschreibungspflichtige Medikamente unter Aufsicht im sog. „Mediraum“ genommen werden. Und darauf hatte ich bei Strattera ja nun gar keinen Bock.
Am Morgen nach dem Tag, an dem ich das Medikament bestellt hatte, war ich sehr aufgeregt, ob die Apotheke nicht doch etwas meinen Betreuern steckt. Aber ich ging wie jeden Morgen dorthin, um mein Substitut abzuholen, und sie gaben mir die Packung mit dem Strattera, ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Ich schaffte es auch, diese Packung durch das Haus zu schleusen und in meinem Zimmer in meinem geheimen-Geheimversteck unterzubringen, ohne dass jemand etwas davon mitbekam.
Ich hatte nur mäßig geschlafen und war genau in der richtigen Stimmung für ein Stimulans. Ich schluckte eine dieser blau-weißen Kapseln mit etwas Zitronenbrause herunter, und während ich auf die Wirkung wartete, las ich mir den Beipackzettel durch.
Was mir besonders erwähnenswert erscheint, ist, dass der pure Wirkstoff sehr stark Schleimhäute reizt und deswegen keinesfalls auf Nase gezogen werden sollte! Ich halte das für einen wichtigen Warnhinweis, da ich weiß, wie gern die unterschiedlichsten Substanzen von manchen Traumländerleuten, auch mir, auf Nase gezogen werden. Überhaupt sollten die Kapseln nicht geöffnet werden, da auf jeden Fall Kontakt mit den Augen zu vermeiden ist, es droht laut Beipackzettel eine Beeinträchtigung des Sehvermögens!
Ich hatte schon einmal die 10 mg Strattera Kapseln ausprobiert, das war vor etwa ein oder zwei Jahren und da lebte ich noch in einem anderen Wohnheim. Damals war meine erste Reaktion, dass ich einschlief, bei mir keine ungewöhnliche Reaktion auf Aufputschmittel, auch auf Captagon passierte mir das öfters, sogar bei hohen Dosierungen.
Diesmal machte es mich angenehm wach und ich war fit für den Tag. Im folgenden sei nur kurz beschrieben, wie ich die nächsten Tage vor Ostern auf Strattera verbrachte, sozusagen im Zeitraffer, wobei gilt, dass ich etwa 2 Kapseln am Tag nahm, eine morgens und eine nachmittags.
Ich hatte das Gefühl, dem vorösterlichen Stress besser gewappnet zu sein als in den letzten Jahren und schaffte Dinge wie die Beschäftigungstherapie hier im Haus und Großeinkäufe wegen der Feiertage mit Leichtigkeit. Im übervollen Supermarkt bemerkte ich, dass ich mit meinen agoraphobischen Ängsten besser klar kam als sonst und für die Kassiererin sogar noch ein Lächeln übrig hatte.
Nachts schlief ich schlecht, hatte in der ersten Nacht auf Strattera einen schrecklichen Alptraum, der aber lange nicht so schlimm war, wie einer, den ich vor kurzem auf DHC hatte, über welches ich auch noch einen Tripbericht schreiben will.
Als dann das Osterfest kam, und die Kapseln alle weg waren, passierte mir etwas sehr schlimmes, denn auch das Pseudoephedrin, das ich regelmäßig nehme, und sogar Koffein ging mir über Ostern aus und ich saß schließlich ab Ostersonntag ohne Stimulanzien da, sodass ich einen heftigen Entzug hatte, denn meine Substitute Tavor und Subutex auch nicht besserten.
Ich hielt es nur noch im Bett aus und schlief den ganzen Tag und die ganze Nacht. Ostermontag machte ich dem ein Ende, indem ich mit dem Taxi zu einer Notapotheke fuhr und mir dort ein Präparat mit Pseudoephedrin kaufte. Es dauerte aber noch etwa drei Tage, bis ich wieder normal war, jedoch konnte ich schon für die Beschaffung und dann auch die Einname des Pseudoephedrins das Bett verlassen und sobald es wirkte, war es schon wieder etwas besser. Doch bis gleichmäßige Plasmaspiegel im Blut aufgebaut sind, kann es eben ein paar Tage dauern.
Nun, abschließend möchte ich sagen, dass das Strattera sicher nichts mit den Entzugserscheinungen zu tun hatte, dafür habe ich es zu kurz genommen, während ich verschiedene Ephedrine schon seit dem Jahr 1997 nehme und mit der Zeit immer weniger Konsumpausen gemacht habe.
Ich kann auch nicht bestätigen, was in Tripberichten auf  www.erowid.org über Atomoxetin zu lesen ist, dass es schwere Halluzinationen etc. macht. Diese Menschen hatten medizinische Höchstdosen genommen, die man ADHS-kranken Kindern nicht geben würde. Bei Atomoxetin kommt es sehr auf die Dosierung an, deswegen wird der Stoff auch in knapp zehn verschiedenen Wirkstärken angeboten. Generell gilt, dass 200 mg / Tag das absolute Ende der Fahnenstange ist, darüber rate ich keinem, zu gehen.
Punkrocker.