Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Eine Heilung - durch dir Hölle in die Erlösung. |
| Drogen: | Psilocybinhaltige Pilze |
| Autor: | Judaha |
| Datum: | 28.02.2011 19:16 |
| Set: | Spontan und naiv, psychisch sehr angeschlagen |
| Setting: | In der Nacht auf einer Waldwiese |
| Nützlichkeit: | 8,65 von 10 möglichen (23 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Aktueller Tripbericht
Ein weiterer TB, der schon eine Weile her ist. Meine Erinnerung daran ist jedoch kein bisschen schwacher geworden...es kommt mir vor, als wäre es vor ein paar Wochen gewesen.
Es ist wohl einer meiner schrecklichsten Erfahrungen, die ich mit Pilzen hatte, und ich sage gleich jetzt schon, es war allein meine Schuld...
Es war irgendwann zwischen Juli und August, der Abend war schon recht kühl.
Ich kam gerade mit drei Freunden von einer Stadtparty, als uns die Idee kam, bei M. Pilze zu holen und einen Trip zu schmeissen.
Bei ihm angekommen, packten wir für jeden eine (wie sich später herausstellte VIEL zu hohe) Dosis ein, packten einen Rucksack mit Picknik-Decke, 3 Liter Ice Tea und Schokoriegel.
Wir bestiegen einen Hügel, von dem man auf die ganze Stadt herunter sah, wo das Fest noch voll im Gange war. Irgendwo dort unten ist meine Schwester gerade, dachte ich, als ich diesen Ausblick erblickte.
Wir setzten uns auf eine Wiese, die von Bäumen umgeben ist. Da es schon dunkel war, sahen wir fast nichts. Die Umgebung war ohnehin schon ziemlich unheimlich...
Wir assen also die Shrooms mit einem Stück Schokolade, wobei wohl alle ziemlich Probleme damit hatten ausser mir...ich bin im allgemeinen ein ziemlicher Pilzfreak- und Liebhaber. :)
Ich muss noch erwähnen, dass meine damalige Einstellung gegenüber Magic Mushrooms völlig daneben war. Ich missbrauchte sie auch als Partydroge, und um mal aus dem Alltag zu chillen. Doch dafür ist dieser Pilz wohl entgültig nicht geschaffen.
Wie auch immer. Nach knapp 20 Minuten setzte ein ziemlich mieses Feeling ein. Da ich zwei Wochen zuvor gerade von Kenia zurückkahm, wo ich 4 Monate in einem Aids-Waisenhaus arbeitete, war ich durch die verschissenen Malaria-Tabletten sehr geschwächt, habe dadurch eine Psychose erlitten.
Ich hatte scho vor dem Konsum Angst, dass etwas passieren könnte, und genau diese Angst wurde mir dann zum grossen Verhängnis.
Schon nach einer halben Stunde schwitzte ich wie ein Schwein, stammelte vor mich hin, die Angst wurde schier unerträglich. Die Bäume hängten auf die Wiese runter, schrien mich an, fletschten mit ihren Zähnen. Am Himmel sah ich leuchtende Punkte, die in einem völligen Durcheinander um mich herumschwirrten, mich anpieksten, mich fertig machen wollten. Einen kurzen Blick zu meinen Freunden...D. war gerade daran, ein Kotzritual zu verrichten, die anderen waren völlig überrumpelt von der Situation, doch keinem ging es so schlecht wie mir. Ich stand auf, mein Körper viel auseinander, ich sah meinen Dünndarm zwischen meinen Beinen rauslaufen, ein Rippchen schaute aus meinem Bauch heraus, der Tod schaute mir ins Auge. Ich schrie, so laut ich konnte, doch es half mir niemand. Jemand zog an meinem Dünndarm und ich fühlte den Schmerz in jedem Quadratmillimeter meines Körpers.
Dann kam das Schlimmste. Wie ihr vielleicht in meinem Langzeitbericht gelesen habt, wurde ich in Kenia im Gefängniss, wo ich wegen Cannabis-Konsumes hinkam, mehrmals sexuell missbraucht und unzählige Male verprügelt.
Plötzlich war die Bilder wieder vor mir. Die Bilder dessen Männer, die ich vor mir sah, als sie es taten. Als sie mir unbeschreiblichen Schmerz hinzufügten. Ich fühlte das Gefühl das ich fühlte, als sie es taten. Das schwarze, leere Loch, das damals vor mir lag. Ich spürte es in mir bohren, ich spürte, wie die letzte Kraft aus meinem Körper schwand. Dies lief eine für mich unendliche Zeit, es hörte nicht mehr auf. Bis das nichts kam.
M. hatte sich glücklichweise noch halbwegs unter Kontrolle, konnte alles zusammenpacken und trug mich den Hügel hinunter. In seinen Armen verabschiedete sich mein Bewusstsein und ich wurde ohnmächtig, wie mir später erklärt wurde. In diesem Zeitfeld passierte unglaubliches. Ein helles Licht kam auf mich zu, ich spürte die Kraft, die mich packte und mit sich riss. Doch es war eine unglaublich angenehme Kraft, lieblich und irgendwie sanft.
Plötzlich war ich in einem hellen Wald. Ein Holzturm mit einer Art Bett war zu sehen, darum herum viele Waldbewohner in grün gekleidet. Eine alte, weise Fraue empfang mich, trug mich die Holztreppen hoch und legte mich auf das Bett. Es folgte ein unglaublich liebliches Ritual, eine Heilung. Diese Frau strahlte eine solche Mutterliebe aus, als sie ihre Hand auf meinen Kopf legte und sang.
Dann wachte ich auf. Für einen Moment jedenfalls. Ich sah mich von oben am Strassenrand liegen, sah meine Freunde, wie sie verzweifelt auf der Strasse standen und versuchten, ein Auto anzuhalten. Doch niemand hielt. Niemand von uns hatte ein Handy oder sonst was um die Ambulanz zu alarmieren.
Schmerzen durchdringten nach wie vor meinen Körper, doch war es nicht mehr so schlimm wie vorhin, da sich mein Geist völlig vom Körper gelöst hat. Ich spürte den Schmerz - doch er war nicht relevant.
Ich erinnere mich noch, wie sich ein Mann über mich bückte und sein Handy hervorzog.
Nach einer Weile, so kann ich mich noch spärlich erinnern, trugen mich Sanitäter in den Wagen und fuhren mich weg.
Im Spital wachte ich auf. Gesund.
Mein Körper war geheilt, alles war ok. Doch meinen Geist - der war nun verletzt. Eine unglaubliche Schuld breitete sich in mir aus, die Schuld meinen Eltern gegenüber. Diese Schuld verstärker sich nur noch mehr, als mir der Arzt erklärte, dass ich mit einer Rechnung von über 3000 Franken (ca. 2300 Euro oder so...) rechnen müsse.
Er erklärte mir, dass meine Atemwege durch irgendein Grund blockiert waren, und dass ich dadurch fast gestorben wäre. Dies war während meiner Nahtoderfahrung...
Dann plötzlich war ich wieder im Flash...urplötzlich erschien die Frau, die mich heilte, auf dem Vorhang vor mir, schaute mich an und lächelte...dann erkannte ich noch die anderen Waldbewohner und den Wald...sie winkten...und da waren sie schon wieder weg.
Was sie mir zu verstehen gab war, dass sie meinen Körper heilte...doch meinen Geist ist in meiner Hand.
Und dies merkte ich sehr gut, als ich später mit einem kompletten Filmriss um knapp 3 Uhr Morgens in einem grossen Blumenbeet am Bahnhof mit einem Schuh und im Shirt aufwachte...
Ich wusste nicht mehr, was passiert ist, wie ich hingekommen bin, und wie lange ich dafür brauchte.
Nur eins wusste ich - Ich trug Schuld. Ich zwang mich, zwei Stunden reglos in diesem Beet liegenzubleiben, zu frieren und zu weinen. Schrecklich - doch es musste sein. Ab und zu lief jemand vorbei, schaute mich an oder fragte mich, ob alles ok sei. Ich nickte - doch eigendlich war nichts ok. Meine Freunde waren weg, ich lag alleine am Bahnhof und wusste, dass ich diese Nacht meinen Eltern beibringen muss. Ich weinte sehr lange.
Auf einmal stand meine Schwester vor mir. Sie schaute mich nur an, mit einem unglaublich ruhigen Blick. Zog mich aus dem Beet und führte mich in den Bus. Sie fragte nie danach, was in dieser Nacht passierte, sie begleitete mich nur nach Hause, brachte mich ins Bett und umarmte mich. Alles wird gut.
Das wurde es auch...in wahrer Reue entschuldigte ich mich bei meinen Eltern. Nie waren sie so verständnissvoll und zuvorkommend. Niemand thematisierte diese Nacht, niemand wollte mehr wissen. Es war mich sehr recht so.
In dieser Nacht habe ich Mutter- und Vaterliebe kennengelernt, habe die Natur zu lieben gelernt.
Seither verbringe ich meine freien Stunden in der Natur mit Freunden und Familie, unternehme Fahrrad-Tours und wandere über Wochen.
Mein Erlebniss in Kenia wurde in dieser Nacht überspielt und unaufrufbar gemacht. Ich leider seither nicht mehr.
Ich will diese Erfahrung nicht missen, doch ich will es nie mehr wieder erleben, denn es war eines der schrecklichsten Dinge, die ich je erlebte.
Jetzt stellt sich die Frage, warum ich weiter Mushrooms konsumierte.
Ich bin jemand, der eine schlechte Erfahrung nicht schlecht lassen kann. Vor allem wenn es um Sachen wie Pilze geht, von denen ich weiss, dass man wunderschöne Erfahrungen machen kann.
Nennt mich dumm oder unverbesserlich, doch ich wusste schon in dieser Nacht, dass ich wieder Pilze nehmen werde.
Und ich tat es. Mit Respekt. Mit Liebe. Mit Erfolg.
Eine Erfahrung kann noch so negativ sein - Aus jeder Erfahrung kann man positive Schlüsse ziehn.
Noch zur Dosierung:
Es waren Cubensis Golden Teacher, ich konsumierte ungefähr 8 Gramm, getrocknet, statt den üblichen 2,5-3,5.