Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Wie ich meine große Liebe verspeiste - Die Bananenparabel |
| Drogen: | Mischkonsum von LSD, Speed und 2C-B (Reihenfolge vom Autor festgelegt) |
| Autor: | anonym |
| Datum: | 22.06.2011 21:00 |
| Set: | Matsch im Gehirn |
| Setting: | Auf einer Party mit Leuten die eine längere Zeit durchgefeiert haben |
| Nützlichkeit: | 7,50 von 10 möglichen (20 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Dies ist kein Tripbericht im eigentlichen Sinne, sondern eine Parabel.
Beschreibt die Wirkung von LSD m.E. gut!
Konsumiert an den Tagen vorher wurde Speed und ein wenig 2CB!
Viel Spaß.
Wie ich meine große Liebe verspeiste - Die Bananenparabel
Es war ein sonniger Sonntagmorgen. Dass es sonnig war, wusste ich allerdings nicht.
Es herrschte Aufbruchsstimmung, es war kaum noch jemand da. Aber ich hatte das Gefühl, gerade erst angekommen zu sein. Ich war seit Donnerstagmittag wach und unterwegs. Ich hatte dabei kein bestimmtes Ziel. Mein Grundmotiv, als ich von zu Hause weggegangen bin, war das alles zu vergessen. Den strapazierenden Alltag, die Grübelorgien, als ich allein war, diese Entscheidung, die ich treffen musste. Es war zu viel. Deshalb war ich nun hier - und spielte mit der Zunge an den Fetzen einer Pappe zwischen meinen Zähnen.
Es ist ein Wunder, dass es mir bisher noch nicht so schlecht ging, dass ich nach Hause musste. Vielleicht war ich aber auch einfach nur müde davon. Außerdem hatten die Unmengen an Drogen irgendwann am Samstagabend mein Hirn einfach vernichtet. Seitdem herrschte einfach nur eine gähnende Leere in meinem Kopf. Ich verstand auch nicht, was andere sagten. Ich hörte nur durchgängig irgendwen immer meinen Namen rufen - und dann noch nicht mal meinen Richtigen.
Durch die Leere in meinem Kopf hatte ich die seltsamen Erlebnisse dieser Nacht noch nicht wirklich verarbeitet. Und gerade als ich von der Suche nach einem Feuerzeug auf dem Boden, bei der ich alles von Spritzbesteck bis Unterwäsche alles gefunden hatte, nur kein Feuerzeug, zurückkam, fing mein Hirn wieder an, zu funktionieren. Ich setzte mich auf eine Bank mit guter Sicht auf die fast leere Tanzfläche. Und jetzt, da ich wieder denken konnte, war mein einziger Gedanke "Wow". Bewusster konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts bewerten, aber ich merkte, wie mein Gehirn unterbewusst weiterarbeitete und mich zweifellos in eine gute Richtung lenkte. Ich war endlich entspannt.
Die Musik tat ihr Übriges. Sie war schnell, dunkel und hatte kranke, verspielte Elemente. Ich hatte noch nie etwas schöneres gehört. Ich sah den etwa fünf noch tanzenden Menschen zu. Sie hätten kaum verschiedener sein können. Ich kannte alle. Die Jüngste war fast 20 Jahre jünger als der Älteste. Sie kamen alle aus völlig verschiedenen Welten. Sie waren alle in unterschiedlichen Umgebungen aufgewachsen, wurden von verschiedenen Menschen, Ereignissen, Zeiten geprägt worden. Sie hatten alle verschiedene Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist, verschiedenen Ziele, Götter, Normen. Und nun waren sie alle hier und sahen einfach völlig verschieden aus und tanzten.
Während einige von ihnen dabei fast vom Boden abhebten und wegflogen, waren einige ziemlich fest an ihrem Platz verankert und andere bewegten sich um sie herum oder zwischen ihnen durch, als würden sie zu jedem gehören wollen.
Während sie so tanzten, sah ich dabei zu, wie sie sich in ihre Atome auflösten. Sie waren wie riesige Gebilde aus feinstem Staub. Ihre Atome stoßen sich voneinander ab, wurden von anderen angezogen, lösten sich an einer Stelle komplett voneinander und setzten sich an einer anderen Stelle neu zusammen. Die Hand an der einen Stelle war an einer anderen Stelle, nach nicht mal einer halben Sekunde des Tanzes, nicht mehr die selbe Hand. Sie hatte sich aus anderem Atomen anders zusammengesetzt. Und schon war sie wieder weg. Die Menschen als Ganzes betrachtet wirbelten durch den Raum, wobei sie eine Spur aus sich voneinander lösenden Atomen hinter sich herzogen. Diese völlig unterschiedlichen Menschen waren eigentlich alle gleich, was für mich nur durch die Musik, durch diesen Moment, sichtbar wurde. Vielleicht wussten sie es, vielleicht auch nicht. Plötzlich hatte ich das Gefühl, alles zu verstehen. Es hatte schon alles einen Sinn - oder eben keinen. Es war auf jeden Fall alles richtig so.
Alles, was auf dieser Welt passiert, so schlecht es auch scheinen mag, trägt zu ihrem Erhalt bei. Auch das, was sinnlos scheint, alles, was sich nicht zu verändern scheint, hat einen größeren Zweck, der durch kleinste Begebenheiten manifestiert wird. Dieser größere Zweck ist im Grunde nichts. Alles, was passiert, hat eigentlich kein großes, allumfassendes Ziel. Alles, was passiert, passiert, damit es passiert. Aber nichts passiert aus den Gründen, die man vermutet. Es endet auch alles anders, als man denkt. Es ist immer alles anders. So einfach ist das.
Es war richtig, da zu sein und richtig, dass Andere nicht da waren. Es war richtig, dass einige Menschen gar nichts von dieser Welt - und den Himmeln anderer Welten - wussten, weil sie damit nicht umgehen könnten. Es war richtig, dass ich da bin, weil dieser Moment, diese Einsicht, dieses Völlige Verständnis von allem, meine Welt, mein Leben für immer nachhaltig verändern, wahrscheinlich sogar verbessern oder vereinfachen würde. Dadurch, dass dieser Moment, durch das perfekte Zusammenspiel von Musik, einer bunten, verjunkten Atmosphäre, verschiedenster und doch gleicher Menschen, einfach still für sich existierte, würde sich für immer etwas in mir verändern. Niemand würde es jemals erfahren, weil es unmöglich wäre, jemals meine Gedanken in Worte zu fassen. Aber ich würde anders sein und dadurch auch etwas ändern können. Und dafür müsste ich nichts anderes tun, als das was ich tue. Die Welt die Welt sein lassen und die Musik, das Leben, diesen Moment einfach fließen zu lassen, erschien mir richtig. Deshalb war ich ja dort.
Und deshalb fing ich auch an, zu tanzen. Ich flog zwischen den verschiedenen Menschen durch, wahrte aber genug Abstand, um nicht mit den Atomspuren, die sie hinter sich herzogen, in Berührung zu kommen. Ich weiß nicht, wie lange ich getanzt habe. Vielleicht zwei Stunden, vielleicht aber auch nur zehn Minuten. Aber während ich immer höher Flog, wurde mir das Zusammenspiel der gesamten Welt immer bewusster. Und obwohl mir klar war, dass schon alles gut und richtig so ist, wie es ist, machte es mich traurig und erschreckte mich, dass viele das alles noch nicht begriffen hatten - nicht auf so eine deutliche und erleuchtende Art - und viele es nie verstehen oder wissen werden.
Ich setze mich wieder an den Rand und dachte über die anderen Menschen nach. Sie schienen zwar alle verschieden und waren im Grunde doch alle gleich, aber das wussten sie natürlich nicht. Vielleicht wussten sie es auch, aber es war ihnen nicht bewusst. Sie waren alle viel zu sehr auf sich konzentriert. Sie dachten nur über sich nach. Über ihre Probleme, über das, was sie als nächstes machen werden, über das, was andere von ihnen denken. Würden alle mit dem Bewusstsein leben, dass sie im Grunde unbedeutend sind, aber doch großes verändern können und dass die schwierigsten Probleme oft durch einfachste Dinge gelöst werden können, dass alles eben ist, wie es ist und dass es gut ist, wenn man es nur fließen lässt, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Das Zusammenleben und der Alltag wären deutlich einfacher. Selbst wenn nur alle wüssten, dass sie nicht der Mittelpunkt der Welt sind, aber doch durchaus wichtig.
Aber die Blindheit, der Egozentrismus und die Unwissenheit, Verschlossenheit der Menschen, verursachten in mir Übelkeit. Ich sah sie an und sie wirkten nicht mehr faszinierend, sondern bedrohlich.
Und in dieser Dunkelheit suchte ich nun nach etwas Gutem, etwas Schönem, etwas, was nichts mit diesen Abgründen der menschlichen Natur zu tun hatte. Ich brauchte etwas, was mich leitet, an dem ich mich festhalten konnte. Ich fand eine Banane.
Jemand hatte sie in der Hand. Sie war wunderschön. Sie hatte etwas leuchtendes an sich. Und ihre Form, ihre Farbe, die Vorstellung von ihrem Geschmack, waren einfach unbeschreiblich. Ich nahm sie ihrem Vorbesitzer aus der Hand. Eigentlich rechnete ich damit, dass er es nicht okay finden würde, sie mir wieder wegnehmen würde, böse werden würde. Aber das passierte nicht. Er schien es zu verstehen und ich konnte mit meiner Banane tanzen gehen. Das gab mir ein bisschen Glauben an die Menschheit zurück und so tanzte ich mit dieser wunderschönen Banane weiter.
Sie war das Gute im Raum. Sie hatte keine bösen Absichten, nie. Das konnte sie, als Banane, zwar eigentlich sowieso nicht, aber Fakt ist eben, dass sie keine hatte. Sowas ist nicht selbstverständlich. Die anderen Leute da waren meine Freunde - zweifellos - und doch übertraf sie die Banane in allem.
Ich hatte sie im genau richtigem Moment getroffen. Sie hat zwar schon vorher existiert und zu jemandem gehört, aber niemand anders hätte über sie so dankbar sein können, wie ich in diesem dunklen Moment, an diesem seltsamen, verwirrenden Ort der Offenbarungen. Die Banane half mir, sie gab mir eine Richtung vor, in die ich tanzen sollte, sie half mir bei der Orientierung. Und ich wusste, egal, wohin ich als nächtes gehe, es wird mehr als nur richtig und gut sein, denn meine Banane ist bei mir. Es war, als hätte ich endlich das gefunden, wonach ich seit Jahren gesucht hatte, von dem ich mir aber nie vorstellen konnte, wie schön es tatsächlich wäre. Diese eine Sache, auf die man wartet, nach der man sucht und die, wenn man sie endlich gefunden hat, dann doch alle Erwartungen übertrifft. Sie war es.
Nichts und niemand hat mir jemals so viel gegeben, wie diese unglaublich schöne Schöpfung der Natur. Und ich musste mir keine Sorgen darüber machen, was ich ihr geben sollte, womit ich sie für das, was sie für mich tut, belohnen könnte, weil ich ihr mehr Liebe gab als es jemals jemand Anderes hätte tun können. Und weil ich mein Leben mit ihr teilen wollte.
Irgendwann war Zeit zu gehen. Mein Hirn war wieder völlig ausgeschaltet und ich lief nur lächelnd mit meiner Banane in der Hand meiner Reisegruppe hinterher.
Als ich vor die Tür trat und bemerkte, dass es ausgesprochen sonnig ist, fand ich auf dem Boden ein Feuerzeug. Und wurde gezwungen, die Banane zu essen.