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Übersicht:

Titel:Kalter Entzug von Benzodiazepinen (Alprazolam) und Alkohol
Droge:Benzodiazepine
Autor:anonym
Datum:25.08.2018 13:15
Nützlichkeit:9,67 von 10 möglichen   (18 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Hi.



Vor ca. 2 Monaten habe ich einen kalten Entzug von Alprazolam und Alkohol gemacht und bin immer noch clean.

Während meines Entzugs habe ich mich hauptsächlich damit beschäftigt, mich mit mir selbst auseinander zu setzen und zu versuchen, zu reflektieren, inwieweit regelmäßiger Konsum mich verändert hat.

Vielleicht ist „verändert“ nicht das richtige Wort, jedoch habe ich sehr lange ein Leben geführt, als ob ich nichts zu verlieren hätte.

Dies hat meine Psyche in so weit beeinflusst, dass mein Charakter nahezu komplett nicht nur von dem rohen Bedürfnis, meiner Abhängigkeit nachzugehen, sondern davon, dass ich immer mehr Grenzen (sowohl meine, als auch die von anderen) überschritten habe, um dies tun zu können, dominiert wurde.

Während des Entzuges habe ich in 68 S. und 17 Kapiteln meine Entzugserscheinungen, wie z.B. Depersonalisierung, Rebound-Effekt, usw., wie auch meine Beweggründe, aufzuhören und die Art und Weise wie ich mich immer ein Stückchen mehr selbst aufgegeben habe, um in mir selbst Leere zu schaffen, die ich dann mit Rausch füllen konnte, aufgeschrieben.

Schlagworte dazu sind Selbstzerstörung, Abhängigkeit, Sucht, die Verwechslung von gemeinsamem Konsum und Freundschaft, Depression, Soziophobie, Kontrolle, …

Als ich den Text zu Ende geschrieben habe, habe ich ihn in einigen Foren hochgeladen, weil ich mir dachte, dass er vielleicht Menschen mit ähnlichen Problemen, das Gefühl geben würde, nicht alleine zu sein.

Hier im Forum bin ich neu und habe durch Zufall gesehen, dass jemand diesen Text aus einem anderen Forum hier geteilt hat.

Ich war wirklich sehr positiv überrascht und der Fakt, dass der Text tatsächlich jemandem auch nur ein bisschen geholfen hat, hat in mir das schönste Gefühl ausgelöst, was ich seit langem hatte.



Ein Träumer hat in einem Kommentar dazu geschrieben, dass der Text die Möglichkeit hat, mehr Leute anzusprechen, wenn er als Langzeitbericht gepostet wird, dies jedoch nur die Autorin selbst machen könnte.



Von daher schicke ich hier den Link zum PDF



Ich habe ganz oben gesagt, dass ich lange so gelebt habe, als ob ich nichts zu verlieren hätte.

Ich meine damit, dass nichts für mich genug Wert hatte, um meine Selbstzerstörung zu vermindern.

Das ist streng genommen immer noch so.

Der Unterschied ist, dass ich jetzt darauf hinarbeite, mir etwas aufzubauen, was ich nicht verlieren will.

(Was jedoch von niemandem abhängt, außer mir selbst, schließlich will ich nicht von einer Abhängigkeit in die nächste stürzen.)

Momentan würde ich mich leider noch als labil bezeichnen, da ich immer noch fiese Schlafstörungen (Einschlafprobleme, Durchschlafprobleme, Schlafparalysen, Alpträume) und vor allem sehr schlechte Impulskontrolle habe.

Impulsiv war ich schon immer, aber das Ausrasten kam erst nach dem Entzug. Demnächst irgendwann beginnt meine Therapie und diese Probleme werde ich da auf jeden Fall ansprechen.

Bezüglich der Impulskontrolle bin ich eher zuversichtig, da das kein ungewöhnliches Problem in dieser Gesellschaft ist und es mittlerweile genug Strategien geben sollte, die man ausprobieren kann, oder?

Die meiste Zeit fühl ich mich seltsam leer, zum einen liegt das daran, dass ich mein komplettes soziales Umfeld verloren habe und es jetzt regelmäßig vorkommt, dass ich an einem Freitag- oder Samstagabend zuhause sitze und nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll und die Zahl der Leute, die ich fragen könnte, etwas zu unternehmen, sich drastisch reduziert hat.

Als ich noch regelmäßig konsumiert habe, steckte ich ohne es zu merken, so sehr in dieser Routine fest, dass mir die Tage zwischen dem Konsum unerträglich lange vorkamen. Jedes Wochenende war im Endeffekt gleich und dennoch kam es mir jedes Mal vor wie ein Ausbruch aus meinem monotonen Alltag.

Mein Zeitgefühl ist auf jeden Fall realistischer geworden.

Allerdings ist der Kontrast zu dem Zeitgefühl, was ich hatte (auf Xanax: gar keins) ziemlich groß, es kommt mir so vor als wäre der Entzug ewig her.

Die Erinnerung an die Zeit, wo ich nur drauf war, ist sehr verschwommen und in Anbetracht dessen, dass es 3 Monate waren, sehe ich wenige Sachen davon klar.

Wenn ich mich in einer Gruppe befinde, die gerade anstoßen oder das Gemeinschaftsgefühl durch Shots stärken will, habe ich auf jeden Fall auch das Bedürfnis, kurz nachzugeben, erinnere mich jedoch dann immer daran, dass es gute Gründe hat, dass ich es nicht tue.

Vor meinem Konsum habe ich immer „gerne“ und immer „gerne“ viel getrunken, und setze das „gerne“ jetzt in Anführungsstriche, weil ich die Wirkung an sich nie geil fand. Ich war nur lieber besoffen, als nüchtern, weil ich mein schlechtes Selbstwertgefühl so betäuben konnte und mich mehr zugehörig gefühlt habe, aber ich sehe es nicht mehr ein, einen Preis für eine kurzzeitige Illusion von Zugehörigkeit zu zahlen.

An Xanax denke ich auch hin und wieder, aber von dem Ausmaß, was das erreichen kann, will ich mich so fern wie möglich halten.

Das stärkste Bedürfnis was ich habe, ist tatsächlich zu rauchen.

Aber ich denke mir, wenn ich „Nein.“ zu Xanax und Alkohol sagen kann, dann auch zu Gaulloises, selbst wenn es die blauen sind :b .

Ich habe jetzt die Chance herauszufinden, was ich vom Leben und von mir selbst erwarte und nichts hält mich davon ab, jede Änderung, selbst zu kontrollieren.

Natürlich bin ich immer noch depressiv und soziophob, aber zu wissen, dass ich clean bleiben will, stärkt mein Selbstbewusstsein und ich möchte hier absolut jedem Mut zusprechen, der auch mit Abhängigkeit zu kämpfen hatte oder hat: Es geht mir viel besser, seit ich diese Scheiße nicht mehr nehme; Ich bin clean und werde es auch bleiben, und wenn ich das kann, dann kannst Du das auch.



LG

Eine von Vielen



PS (diesmal wirklich):

Ich habe an den Text hinten noch eine Zeichnung drangehangen, die genau die Person darstellt, die ich, als noch regelmäßig konsumiert habe, war und hätte ich zu dem zeitpunkt die Möglichkeit gehabt, mich von der Seite zu sehen und in mich hineinzugucken, hätte ich genau das gesehen.








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