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Langzeit-Berichte lesen

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Titel:Wenn Rausch das neue Nüchtern wird
Droge:Alkohol
Autor:Hnofclbri
Datum:10.12.2022 10:43
Nützlichkeit:8,67 von 10 möglichen   (6 Stimmen abgegeben)

Bericht::





Nun sitze ich hier den 10te Tag in der Geschlossenen für Suchtis und tippe immmernoch zittrig diese Zeilen. Opioid- und Alkoholentzug. 6 Jahre bis zu 60g Kratom am Tag vernascht und die letzten 3-4 Jahre ca 1l Schnapps und ein paar Bier dazu getrunken -

generell alles in mein gierigen Schlund geschmissen. was ich in die Finger bekam.

Wie konnte es soweit kommen?





Der Anfang





Ich war zarte 12 Jahre alt, introvertiert, schüchtern und schon des Lebens müde als einer meiner wenigen Freunde mich zu sich einlud. Seine Eltern waren nicht daheim und es stand eine Flasche Brandwein auf dr Küchenzeile. Ich wusste damals noch nicht einmal

was das ist aber er meinte nur "es brennt im Mund, schmeckr scheise aber nach 2-3 von den kleinen Gläsern ist alles geil"

Nunja er machte mir die ssonderbare Flüssigkeit rechtt schmackhaft also lautet das Credo: Rein damit!

Es war ein wundervoller Tag, wir labeten nur Müll, versuchten Stunts im Garten, lachte und genossen die Wärme im Bauch und die Sonne auf der Haut.





Die Gier ist entfacht





Dieses Erlebnis hat sich tief in mir verankert. Inzwischen war es bei einem anderen Freund Gang und Gebe dass bei sturmfreier Bude - sein Vater hatte eine Bar in einer Partygarage - wir uns meist zu 3t trafen und jegliche Spirituose testeten und anschließend mit Wasser auffüllten. Es soll ja niemand wissen.

Schon damals war immer ich der erste der bewusstlos sabbernd auf dem Boden pennte.



Später mit ca 15 Jahren, während der Schulzeit, wurde es Normalität sich jede Mittagspause ein Sixpack Bier reinzustellen damit der Nachmittagsuntericht ein wenig mehr Spaß machte. Zudem wude ich zu dieser Zeit sehr depressiv inklusive ersten Selbstverletzungen, Mobbing, erste große Liebe die voll in die Hose ging. Nunja,

Trinken um einfach nicht im Hier und etzt zu sein, nicht denken zu müssen, Scheiße besser ertragen. Ich denke viele kennen es.

Und ich trank und ich rank und ich trank.



Die ersten Feiern inklusive Kontrollverlust

Die enthemmende Wirkung des Alkohols sollte ja auch bekannt sein und so kam es dass der kleine schüchterne Bub auch "ganz normal" mit Mädchen sprechen konnte. "Jackpot" dachte ich damals noch. Welch ein Wunderelexier. Nur das Problem war: ich kannte kein Trinklimit



Irgendwann hieß es allgemein im Freundeskreis: "Wenn mit ihm (mir) reden willst, über was auch immer, machs bald. Gegen halb 10 liegt er eh wieder bewusstlos im Dreck" Nunja, so kam es auch 9 von 10 mal.

Mit 17 ging ich zum ersten mal ins Jugendzentrum in meiner Stadt welches von Älteren geführt worden ist und sich zusaufen das normalste der Welt war. Der Freundeskreis zog mit und so kam es wie es kommen musste - es gab endlos viele Wochen wo jeden Tag Saufen bis es kracht angesagt war. Nächste Tag war nur Schule, da kann man schon einfach sabbernd auf dem Tisch pennen.

Später wurde ich selbst Vorstand in besagtem JuZe und die Saufwochen wurden Saufmonate.

Es war ein irre Zeit! Die Sachen die vorgefallen & passiert sind: abgefuckt bis großartig.

Ich will sie nicht missen.



Gekifft wie doof wurde selbstverständlich auch inklusive Upper & Psylos, aber das ist eine andere Geschichte





Der erste Hilfeschrei des Körpers





Es war Freitag Abend und ich fand ein Teil im Getränkelager im JuZe. Da wir eh feiern wollte gleich rein damit. Gedacht - gemacht. Anschließend soviel Goiß gesoffen, zudem Spirituosen sodass ich und ein Kumpel auf die geniale Idee kamen unsere alte Schule komplett zugedröhnt zu besuchen.

Aber nicht ohne dass ich mir zuvor noch eine halbe Flasche Jägermeister in wenigen minuten einveleibte.

Wir gingen durch die Klassenräume, Lehrer schrien uns an, machten nur Unsinn.

Ende der Geschichte: ich flog bewusstlos die Treppe runter. Die Schule rief die Sanis die keinen Puls mehr ertasten konnten, Blutdruck (ich weis die Zahlen nichtmehr) war angeblich kurz vor Tod und die Atmung setzte immer wieder aus und war kaum vorhanden. Das alles erfuhr ich als ich mich in Windeln und OP-Hemd auf der ITS wiederfand. Mit 3 Kanülen im Arm sämtlichen Kabeln am Körper und ich bekam sogar noch mit wie sie den Beatmungsschlauch aus dem Hals zogen.

Dank Urinprobe die sie mir abgenommen hatten während der Beatmung dachten sie an ein versuchten Suizid. Vorhanden war alles im Urin: Opioide, Benzos, Amphe. Aber nur 2,9 Promille.



Als ich vor 10 Tagen hier zum Entzug eintraf hatte ich 3,4 und fühlte mich nüchtern.

So ein Aufstieg im Beruf wär mal was.





Scheiß drauf





Da dadurch, zudem kam langsam auf dass ich ein Problem hab, also bei den anderen, nicht bei mir, war daheim eine dermaßen beschissne Stimmung sodass ich beschloss ein Wochenende im JuZe zu wohnen. Nunja. Saufen war angesagt, saufen um zu vergessen.

So soff ich heiter weiter. Naja. Eher schwer depressiv.





Oh es gibt ja noch mehr Drogen





Das Gymnasium war mehr als nur zum Kotzen. Später sagte eine Psychologin darüber "Sie köönnten wir auch in die Traumagruppe schicken".

Also ging ich nach der 10ten ab und da ich kein Plan hatte was ich tun will entschloss ich mich für ein FSJ im Krankenhaus. Natürlich fleißig weiter gesoffen, ob dannach Frühschicht, Spätschicht - scheißegal. Ich musste einfach jeden Abend mein Hirn ausschalten.

Das fiel mir garnicht so wirklich selbst auf, naja, jede Frühschicht sah ich zwar aus wie eine Leiche aber scheiß drauf.

Im FSJ gibt es immer 4 Seminarwochen a 5 Tage. Dort waren 2 Gleichgesinnte also los geht die fröhliche Sauferei. Einer hatte zudem Kräutermische dabei, der andere ein Fläschchen Tilidin. Tilidin mit Wein war das VorFrühstück und dann ab zum Frühstücksraum.

Normal fühlte ich mich immer unglaublich unwohl unter so vielen fremden Menschen und traute mich niemand anzusprechen.

Ich hatte so viele Glücksgefühle im Bauch, konnte auf Leute noch besser zugehen als nur mit Alkohol, laberte all voll, wunderschön.



Die Woche verging wie im Flug, den ganzen Tag drauf und Dicht.

Auf Die Frage woher er das Zeug hat meinte er nur:"du arbeitest doch auch im Krankenhaus" - die Opioidsucht wurde erfolgreich geboren.



Medikamentensucht gesellt sich freudig dazu



Eine neue Welt eröffnete sich mir. Google wurde mein bester Drogenberater.

Ein paar Valoron hier, ein bisschen Tramadol da bis zu "oh shit ich merk a von 400mg Vaaloron nichts mehr"

Das Ergebniss war wild auf die Tramadol-Pumpflasche schnell was in mein Glas gespritzt - wieviel? kein Dunst. Die Toleranz stieg und stieg und die Mittel an denen ich mich vergriff wurden immer wilder zusammen gemixt. Sämtliche Benzos mit sämtlichen niederpotenten Opioiden in highdose und das alles immer halb besoffen.

(tödliche Kombiinationen vorallem wenn man keine Ahnung von der Dosis hat die man sich gibt. Passt auf euch auf.)

Nunja. FSJ ging zu ende, Quelle versiegte, ich lernte mein ersten Affen kennen.

War kein netter Zeitgenosse.

Der Alkohol blieb mein fast täglicher Begleiter. Gerne auch schon morgens zusammen mit meiner geliebten pflanze Cannabis sativa L.





Hallo noch tiefere Depression





So nun steckte ich in der Arbeitslosigkeit, hatte kein Plan was ich mal machen will, suizidal, selbstverletzend und wude von Tag zu Tag depressiver. Gegengift: Alkohol und Cannabis. So existierte ich ca 2 Jahre sinnlos vor mich hin und bekam von der Welt mehr oder weniger nichtsmehr mit und entwickelte zudem eine Angststörung.

Das war der Zeitpunkt: reif für die Klinik. Dort wurde ich 13 Wochen aufgepepplt und erlebte meinen ersten sehr leichten alkoholaffen. (es war eine pschosomatische Klinik also nichts zum entziehen. Aber zu meinem Glück konnte ich das zittern auf meinen eh vorhandenen Tremor schieben)

Nun machte sich Optimismus breit.





Das Suchtgedächtnis ist ein Arsch





Eines Abends meinte ein Freund wir sollten doch mal zusammen Kratom nehmen, soll morz Spaß machen. Wer mag schon keinen Spaß? Also: reini damit. Boom. Ich war überwältigt. Wie Valoron nur irgendwie fand ich es liebevoller und es hat einem ein stärkeren Antrieb verpasst, zudem legal & billig. fein.

Kaum kam die erste Packung bei mir an konnte ich mich nichtmehr an mich halten und es wurde sofort Tag für Tag alles Verschlungen. Immerhin hat es den Alkohol von mir ein bisschen fern gehalten, denn so ein schöner Rausch reichte mir damals.

Die Monate zogen ins Land und ab und an sogar Konsumpausen (meistens weil ichs verballert hab nach zu bestelle) und somit lerne ich auch mal wieder den unanngenehmen Zeitgenossen namens Affe immer besser kennen.

Durch einen harten Schicksalsschlag dachte ich mir "scheiß drauf, das überstehst du nur mit Dauerkonsum, dann einfach abdosieren und fertig. das schaffst duu schon" (klassische Selbstverarsche) Nun sitzt ich hier 6 Jahre später in der Entzugsklinik und schreib an diesen inzwischen erstaunlich vielen Zeilen.

Shit.





Aber mal zurück zum Alkohol





Dass ich schon immer gut und gerne soff ist so glaube ich dem Text gut zu entnehmen.

Nunja. Ausgeartet, wenn man überhaupt nahezu täglich saufen noch groß außarten lassen kann, ist es während dem Studium. Alkohol hilft (kurzzeitig) bei meinem chronischen Händezittern.

Irgendwie hab ich dank meiner Angststörung und einem Grund den ich selbst nicht weiß eine Aversion dagegen bekommen. Es war auch schon immer mein Traum nichtmehr zu zittern. Also logische Schlussfolgerung: morgens was trinken, Schnapps in eine Wasserflasche füllen für unter Tags und Abends, joa, man kann sichs denken.

Und so steigete sich die Menge und ich brauchte immer mehr. Studium verkackt, wieder zurück gezogen und in meinem alten Beruf gearbeitet.Da war die Toleranz dann so hoch dass von 6 morgens bis 13 uhr schon mal ne Flasche Schnapps getrunken wurde. Zudem durfte Kratom natürlich nie fehlen. (auch mal gerne Speed oder kleine Mengen MDMA oder Opium)



Irgenndwann wurde es so schlimm dass ich nachts alle 2h aufwachte, die Schnappsflasche neber meinem Bett, und erstmal ordentlich dran nuckelte. zT. musste ich beide Arme auf meine Knie legen und mit beiden Händen die Flasche halten weil ich so zitterte. Manchmal musste ich dann auch kotzen doch behielt den Mund zu und schluckte es wieder runter.

Da ekelt man sich vor sich selbst.

Als dann auchnoch Anderen nichtmal mmehr aufgefallen ist wenn ich im Filmriss war, die Leberwerte mieserabel waren, Fettleber, dachte ich mir:"entweder du bringst dich jetzt um oder Entzug"



Das Lied von NMZS half "lange straße". Ich will die Person kennen lernen die dort inn diesem Haus wohnt.





Der Entzug





Ängstlich kam ich mit 3,4 Promill an und wär am liebsten weggeannt.

Als ich aufgenommen wurde erstmal Urintest und anschließend wurde mir mein Bett gezeigt und ich erfuhr dass man erst ab 1Promill Diazepam bekommt. Fuck.

Da es eine geschlossne Abteilung ist lief ich ewig den Gang auf und ab, auf und ab, bis ich immer nervöser, ängstlicher und zittriger wurde. Nach einer Gefühlten Ewigkeit ging der Spaß dann richtig los.

Ich schwitzte wie ein Schwein, habe auch ähnlich gerochen dann wurde es mi eiskalt und der Schweiß stand mir trotzdem auf der Stirn. Heiß - Kalt - Heiß - Kalt, viele werden es von Opioidentzügen kennen, es war nur ekelhafter. Es begannen Flaschen sich zu Bewegen, aus einer Lampe kam ein Wasserstrahl, und 2 Gläser gaben sich die Hand neben einer unsichtbaren Uhr. erneut: Fuck.

Als ich dann am ganzen Körper zitternd im Gang saß, nurnoch auf den Boden starrte, kam eine Ärztin zum Glück vorbei und meinte zur Schwestr "wir sollten Anfangen"



Endlich! 1,4 Promill und ich bekam endlich diazepam. Die Symptome waren die gleichen, nur leicht abgeschwächt und der Boden morphte nichtmehr und sonst bewegte sich auch nichtsmehr.

Also ab ins Bett. Arme und Beine taten was sie wollten, Beim Abendessen zitterte ichso sehr dass ich nichtmal ein Brot halten konnte geschwigedenn mit Messer und Gabel essen.

Wie so oft: Scheiß drauf, ess ich halt nichts. Zurück im Bett ging der Körper wieder steil, Depression, Lethargie, Nervösität und starke Schmerzen machten sich breit, aber immerhin bekam ich alle 2h mein Diazepam. 2 Tage zu nervös zum schlafen, zu fertig um zu stehen oder zu Laufen. Ab Tag 4 ging es einigermaßen, zumindest war es aushaltbar und ich konnte mit einem Löffel essen. Level up!

So wurde es Tag für Tag besser und inzwischen gehts mi soweit gut, bis auf dass ich bößen Suchtdruck hab, auf egal was. Demnächst Langzeittherapie und dann mal schauen was aus meinem Leben wird.



Passt auf euch auf.

Ein (fast) nüchternes Leben ist glaube ich ein besseres Leben.






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