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Titel:LSD-Trip in die Ewigkeit - Gedanken eines Hängengebliebenen
Droge:LSD
Autor:Crystalix
Datum:19.07.2017 17:56
Nützlichkeit:9,64 von 10 möglichen   (536 Stimmen abgegeben)

Bericht::

„Mein Religionslehrer hat immer gesagt, die Wolken sind der sichtbare Teil des Himmels. Für uns war der Himmel die Seele, und die Wolken waren unsere Visionen. Nur wenn zu viele Wolken aufziehen, siehst du den Himmel nicht mehr …“ (Zitat aus dem Film „Das weiße Rauschen“)

Ein kurzer Überblick: Ich werde nicht allzu ausführlich meine Drogenkarriere erzählen, um mich dann dem eigentlichen Thema zuzuwenden: die Zeit am Ende meiner Konsumphase, als ich auf einem Trip hängengeblieben bin. Ich habe dazu auch kurze Ausschnitte aus Berichten von zwei Kliniken, in denen ich war, beigefügt, in denen Ärzte und Psychologen ihre Meinung zu dem Thema äußern. Ich will mich Mit diesem Bericht möchte ich mich keinesfalls irgendwie in Szene setzen, ich hatte Lust, mal alles aufzuschreiben, hab lange an diesem Text geschrieben. Außerdem dachte ich, der Bericht könnte für User interessant sein, weil er einfach mal an einem Beispiel zeigt, was so alles passieren kann und welches Risiko man eingeht, wenn man sich für den psychedelischen Weg entscheidet.

Drogenkarriere: Ich habe bis zum Anfang meiner Jugendzeit eine relativ unbeschwerte Kindheit gehabt und bin in gutem Elternhaus aufgewachsen. Als die Schule jedoch immer anspruchsvoller wurde, kam der Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule, gleichzeitig ließen sich meine Eltern scheiden. Ich war 15 Jahre alt, als ich den ersten Kontakt mit illegalen Drogen hatte. Auf einem Schulausflug packte ein Freund einen Brocken Haschisch aus und wir rauchten einen Joint, der jedoch bei mir keinerlei Wirkung zeigte. Aber das Interesse war geweckt und so folgten bald erneute THC-Erlebnisse, die mir sehr gefielen, da ich am Alkoholrausch nie Freude finden konnte. Die folgenden zwei Jahre liefen ziemlich unspektakulär ab, ich schaffte meine Mittlere Reife gerade so, kiffte oft am Wochenende, aber konnte mich ganz gut behaupten – eigentlich lief alles zufriedenstellend. Nach meinem Schulabschluss entschied ich mich dazu, Zivildienst abzuleisten, ich wollte einfach mal raus aus dem Dorf, in dem ich wohnte. Und wie der Zufall es wollte, landete ich in einer der kriminellsten Städte Deutschlands, in Kehl am Rhein bei Straßburg. Dort lernte ich schnell viele Leute kennen und begann, jeden Tag zu kiffen, stieg dann in die Techno-Partyszene ein und machte meine ersten XTC-Erfahrungen.

Während der Woche leistete ich also meinen Zivildienst ab und am Wochenende fuhr ich meist in mein Heimatdorf, wo ich einen großen Freundeskreis hatte. In Kehl gab es Haschisch im Überfluss, und so pendelte ich immer hin und her. Ich hatte gute Kontakte und großen Spaß am Drogenleben, alles umfasste so eine zauberhafte Magie – Langeweile, das Wort kannte ich nicht mehr. Sessions bei Freunden, Goa-Partys oder einfach nur bei schönem Wetter in der Natur kiffen – der Spaß war unser ständiger Begleiter. Es schien, als würden alle gescheiten Menschen kiffen. Die anderen Menschen, die wir nur „Bauern“ nannten, wie armselig sie doch waren, immer nur Alkohol trinken, immer nur diese eine dumpfe Droge, wir hatten schon fast Mitleid mit ihnen. Wenn sie nur mal eine unserer Sessions miterleben würden … Einmal diese Magie spüren. Mein erklärtes Ziel war es, alle Menschen zu den Drogen zu bringen, mein Motto war: Wer Alkohol trinkt, löst darin seine Sorgen auf, wer Drogen nimmt, geht auf eine Abenteuerreise. Ich will Drogen mit diesen Sätzen nicht verherrlichen, ich will nur meine damaligen Gefühle wiedergeben. Ich rauchte nun täglich Haschisch, oft schon morgens vor dem Arbeiten. Am Wochenende war ich auf Partys unterwegs, auf chemischen Drogen von Freitag bis Sonntag, das war damals normal. Im Bekanntenkreis war ich beliebt und immer einer, der vorwärts gedacht und gehandelt hat. Ich war auf Wolke sieben, so war mein Leben perfekt. Eigentlich war alles eine einzige Party. Ich war sowas von begeistert von diesem Lebensstil. Drogen, das war unser Lifestyle, unsere Lebenseinstellung. Ein Bekannter von mir hatte damals ein eigenes Haus und das war für uns alle wie ein Zuhause und ein legendärer Ort, an dem wir unzählige Sessions feierten, lachten und uns einfach des Lebens freuten. Das alles ging ca. ein Jahr lang, in dieser Zeit machte ich auch meine erste Psilocybin-Erfahrung. Das Hinzukommen von Pilzen veränderte alles, wir haben ca. ein halbes Jahr lang jedes Wochenende auf Pilzen getrippt. Nach dieser Zeit waren wir alle psychisch sehr verschoben, auf der anderen Seite haben wir auch unglaubliche Erlebnisse gehabt. Nachts um 3 Uhr sind wir im Wald rumgelaufen, haben Ritterburgen besucht und wenn man dann so in der Dunkelheit in eine Schlucht im Wald schaut, während der Mond am Himmel scheint, dann bekommt man da ganz tiefe emotionale Einblicke in größere Dimensionen, die nicht jeder nachvollziehen kann. Ich hatte in Kehl eine Ausbildung begonnen, wo ich allerdings immer größere Probleme bekam. Ich rauchte schon vor Arbeitsbeginn Haschisch und ging teilweise auch auf MDMA, Kokain oder sogar Pilzen zur Arbeit. Eine Zeit lang hat das funktioniert, man war auch zufrieden mit mir.

Nach einem Arbeitsplatzwechsel bei demselben Arbeitgeber, aber in einer anderen Abteilung, nahm alles immer mehr Überhand und ich wurde auffällig, hatte dann viele Gespräche mit meinem Chef und wegen Fehlzeiten zwei Abmahnungen. Ich war mehrmals kurz davor, meinem Chef einfach zu sagen, er solle doch alles nicht so ernst nehmen, es sei doch eh alles nur ein chemischer Prozess. Schließlich wollte ich meine Ausbildung hinschmeißen, ich war 20 Jahre alt, abhängig von THC, Amphetaminen, Kokain und konsumierte noch viele andere Drogen – typischer Fall von Polytoxikomanie. Vergessen waren die unbeschwerten Zeiten, von denen ich gerade berichtet habe. Es war Winter 2004, es ging allen aus unserer Clique nicht besonders gut, der Spaß am Konsum war allen mehr oder weniger vergangen, aber das bedeutet eben genau nicht, dass nun alle aufhörten und vernünftig wurden. Die Drogen hatten uns fest im Griff, das wurde mir aber erst später bewusst. Mein Arbeitgeber drängte mich, eine Therapie zu beginnen und so kam es, dass ich mich in der Suchtberatungsstelle vorstellte. Ich willigte ein, eine Therapie zu machen. Mindestens 80 % würden rückfällig werden, sagte mir der Pädagoge, aber es liege an mir, ob ich zu den 80 % oder zu den 20 % gehören würde. Die drei Monate Wartezeit verbrachte ich in dem Dorf, wo unsere Clique war. Ich konsumierte noch weiter, jedoch hauptsächlich THC, ich stabilisierte mich psychisch etwas. Etwa zwei Wochen vor Therapieantritt war ich auf einer Goa-Party, wo ich zusammen mit zwei Kumpels zwei Trips kaufte, um diese an einem einsamen Ort im Wald zu konsumieren. Das war für mich als Abschied aus der Drogenszene gedacht, ein Trip zum Abschied, das erschien mir würdig …

Genau auf diesem Trip bin ich nun seit zehn Jahren. Der Trip verlief zunächst eigentlich relativ normal, ich nahm erst einen halben, habe dann später noch mal einen viertel Trip nachgeschmissen. Ich habe viel gelacht, wurde aber nach einigen Stunden auch sehr nachdenklich und zweifelte etwas an meinem Lebensentwurf. Als ich dann irgendwann morgens nach Hause gekommen bin und mich schlafen legen wollte, hatte ich krasse Halluzinationen und verbrachte einige Stunden in einem LSD-Halbschlaf. Es war komisch, aber solche Erlebnisse kennt, denke ich, jeder, der öfter getrippt hat. Ich lag im Bett, versuchte zu schlafen, aber die Sonne schien schon draußen und die Sonnenstrahlen haben an meine Zimmerdecke komische Muster geworfen, ich war noch voll auf dem LSD-Trip und dachte nur, dieses eine Mal muss ich es noch durchhalten, dann wollte ich ja eh ganz aufhören. Ich stand dann noch total verstrahlt vor dem Spiegel im Bad und war irgendwie einfach traurig und auch entsetzt über mein Spiegelbild.

Dann bin ich noch mal kurz fast runtergekommen, am nächsten Tag fühlte ich mich gut, war zwar ziemlich verpeilt und ein immer stärker werdendes Glücksgefühl kam auf. Es war Juni 2005, als ich dann meine Therapie in Frankfurt begann (zwei Wochen nach dem LSD-Erlebnis). Ich fühlte mich irgendwie seltsam, hatte leichte Panikattacken, startete aber ganz gut in die Therapie. Es waren echt nette Leute dort und es war insgesamt eine sehr schöne Zeit. Ich kann wirklich jedem, der ernsthaft aufhören will, eine Therapie empfehlen. Nach einer Woche Therapie wurde dieses Glücksgefühl, das ich seit dem Trip hatte, immer stärker und stärker. Ich war wahnsinnig aktiv, schlief kaum noch. Der Trip kam mit aller Gewalt zurück, was ich jedoch erst später rausgefunden habe. In diesem akuten Moment wusste ich nicht, was los war. Aber es ging mir gut, viel zu gut. Ich schlief so gut wie gar nicht mehr, war aber trotzdem den ganzen Tag aktiv, habe von morgens bis abends geredet, mir Gedanken über meine Mitpatienten gemacht und mich sogar den Psychologen dort überlegen gefühlt. Ich dachte, dass alle Patienten nur dort wären, um mich im Gespräch mit ihnen zum Superheiler auszubilden.

Den größten Spaß brachte mir die Gruppentherapie, was auch in dem Therapiebericht gewürdigt wurde. Die Psychologin schrieb: „In der Bezugsgruppe schien Herr M. von Beginn an interessiert und engagiert beteiligt, wobei er auffiel durch besonders konstruktive und reflektierte Rückmeldungen an andere.“ Ich hatte so dermaßen viel Dopamin im Kopf, ich hatte nie zuvor, egal von welcher Droge, solch einen genialen Rauschzustand gehabt. Das steigerte sich immer weiter, bis ich anfing, den Realitätsbezug völlig zu verlieren. Ich hielt mich für einen Superheiler.

Ich dachte, dass alle Mitarbeiter der Klinik auf Kokain wären und ich durch meine aktive Beteiligung und meine „besonderen Fähigkeiten“ bald in deren Kreis aufgenommen und eine Stelle als Psychologe bekommen, gutes Geld verdienen und mit Hilfe von Kokain gemeinsam mit den Mitarbeitern die Klinik leiten würde. Außerdem dachte ich, dass bald die BILD-Zeitung über mich berichten würde. Eine Mitpatientin hielt ich für meine zukünftige Ehefrau. Später dann hielt ich mich für Jesus und am Ende für Gott selbst. Dieser Zustand war im wahrsten Sinne für mich das Göttlichste, das man sich vorstellen kann. Dass ich mich für Gott oder Jesus hielt, habe ich damals den Ärzten nicht mitgeteilt, da diese krasse Ansicht nur einen Tag anhielt. Trotzdem wurde ich dann ziemlich mit Medikamenten abgeschossen, da ich Angst vor einem epileptischen Anfall äußerte. Ich bekam damals Tegretal-Saft, glaube ich. Der Arzt merkte schnell, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, und verordnete mir ein Neuroleptikum. Ich erzählte dem Arzt auch, mich zu fühlen, als hätte ich ein ganzes Kilo Kokain in mir, so fühlte ich mich tatsächlich auch. Was das alles genau für ein Zustand war, weiß keiner so genau, manche tippten auf eine Manie mit psychotischen Zügen, andere meinten schon eher, dass es eine richtige Psychose wäre.

Meiner Meinung nach war es der Trip, der mit voller Kraft zurückkam! Hier einige Ausschnitte aus dem Therapiebericht: „Die Interaktion zum jungen stets freundlichen, jedoch eher passiv und meist wenig emotional berührt erscheinenden Patienten war insbesondere geprägt durch das Auftreten unerwarteter und bizarrer Geschehnisse im Behandlungsverlauf, die bis zuletzt auch für uns nicht klar einzuordnen waren.“ „Innerhalb von zwei Wochen schien sein Stimmungszustand nicht mehr nur subeuphorisch, sondern ins präpsychotische gehend. Innere Anspannung sowie einer Art Wahnstimmung mit Ich-Störungen (dass etwas vorgehe um ihn; er sich verändert fühle), bizarre Denkinhalte und ansatzweise Größenideen (dass sich nun alles füge, er Klarheit über alles habe, auch wisse, was in anderen Mitpatienten vorgehe, und er das gelungene Experiment seiner Eltern darstelle). Daraufhin erfolgte ein erstes psychiatrisches Konsilium beim Leitenden Arzt und eine Medikation wurde verabreicht. Nachdem es bereits am Folgetag zu einer deutlichen Stabilisierung und Distanzierung des Patienten vom psychotischen Erleben gekommen war, entstand unsererseits der Verdacht auf Substanzkonsum, obwohl sämtliche Screenings negativ waren.“ „Nach dem vom Patienten gewünschten Absetzen der bislang verabreichten Medikation kam es zur Stimmungsverschlechterung, wobei er panikartige Zustände beschrieb, insbesondere die Befürchtung ‚psychotisch‘ zu werden.

Er schilderte ständig neue Befürchtungen: auf Drogen hängengeblieben zu sein; einen Hirnschaden zu haben; seine Hirnstrukturen durch LSD verätzt zu haben. Damit einhergehend beklagte er weitere Antriebs und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken, da eh alles zu spät sei; er nicht mehr lebensfähig sei. Interpersoneller Kontakt und Realitätsbezug waren jedoch stets gut herstellbar und er zeigte sich absprachefähig.“ Es folgte eine unglaublich schlimme depressive Phase, während derer plötzlich viele LSD-ähnliche Symptome auftauchten. In dieser Phase wurde mir bewusst, dass dieser letzte LSD-Trip mich noch lange begleiten würde. Das war wirklich der schlimmste Zustand, den man sich vorstellen kann. Nach einigen Wochen klang die Depression ab und ich wurde auch mit Neuroleptika eingestellt. Mit Zyprexa 10 mg und Mirtazapin 30 mg. Die LSD-ähnlichen Symptome blieben jedoch, zumindest die meisten. Die ganz schlimmen Halluzinationen, die ich im Ruhezustand hatte, klangen zum Glück schnell ab, was den Zustand erträglicher machte. Die Therapie schloss ich dann planmäßig ab, bin aber seitdem nicht von dem Trip runtergekommen. Ich wohnte nun wieder bei meiner Mutter und versuchte, bestmöglich klarzukommen. Ich habe mich auch schnell etwas erholt, ging wöchentlich zur Drogenberatung, aber an ein Runterkommen war nicht zu denken. Seitdem sind z. B. auch meine Pupillen immer unglaublich riesig, sodass mich auf Partys immer alle fragen, was ich mir denn eingebaut habe.

Es folgte ein ziemlich ereignisloses Jahr, ich war clean, nahm Medikamente, konnte aber nicht arbeiten. Ich versuchte, so gut wie möglich klarzukommen, was mit vielen unangenehmen Aufgaben verbunden war. Ich musste allen Verwandten und Freunden und eben allen Menschen, die ich kannte, erklären, was nun mit mir los sei, obwohl ich selbst nicht mal ganz verstand, was eigentlich mit mir war. Etwa eineinhalb Jahre nach dem Ereignis entschied ich mich, wieder arbeiten zu gehen. Ich schrieb einige Bewerbungen in meinem Heimatort und bekam schnell eine 400-Euro-Stelle in einer Metallfabrik angeboten. Dort arbeitete ich ein Jahr. Ich war teilweise sehr überfordert und hatte ständig Angst, Fehler zu machen, aber ich hielt durch. Meine Vorgesetzten dort waren sehr nett zu mir und man muss auch sagen, dass ich die Arbeit gut gemacht habe, obwohl es schwierig war, z. B. die Kommunikation usw. Stellt euch mal vor, ihr geht auf einem Trip in eine Metallfabrik und müsst vier Stunden dort irgendwie rumbekommen, möglichst unauffällig. Ich war ganz langsam am Runterkommen, war psychisch stabil und setzte auch das Mirtazapin ab. Nach einem Arztwechsel kam ich zu einer Psychiaterin, bei der ich äußerte, dass es mir gut gehe, aber ich mich von dem Zyprexa sehr müde fühle. Daher wurde ich umgestellt auf 15 mg Abilify – das war der wohl größte Fehler, den man sich vorstellen kann, wie sich nach zwei Wochen herausstellte. Zunächst war ich begeistert von diesem Medikament, war total fit und aktiv. Machte die Nächte durch, war wie drauf von dem Zeug. Nach zwei Wochen Einnahme schoss es den Trip, der in mir wirkte, von der einen auf die andere Sekunde in schwindelerregende Höhen! Ich war auf einmal wieder sowas von drauf, aber nicht positiv: Angststörung, soziale Phobie, allgemeines Draufsein, Halluzinationen, Stimmen denken (nicht hören). Natürlich habe ich sofort dieses Medikament abgesetzt, die neuen Symptome, die das Abilify mit sich brachte, blieben jedoch und haben sich auch bis heute kaum zurückentwickelt. Ich musste meine Arbeitsstelle aufgeben und war eigentlich nicht mehr gesellschaftsfähig. Ich konnte nicht mehr mit anderen Menschen an einem Tisch sitzen und essen, hab mich so gut wie gar nicht mehr aus dem Haus getraut, aus Angst, Leute zu treffen, die ich kenne, und mich vor diesen zu blamieren. Hinzu kamen Reizüberflutung und eine leichte Depression aufgrund meines verschlechterten Zustands, die Depression war jedoch nicht sehr stark.

Es folgten zwei Klinikaufenthalte, Ärzte und Psychologen waren ratlos, was meinen Zustand betraf, meine Erklärungen wurden zwar aufgenommen, aber irgendwie kannte sich auch niemand so wirklich aus. Von HPPD hatte noch niemand etwas gehört. „Formales Denken weitgehend geordnet, manchmal Gedankensprünge und konkretistisches Denken. Befürchtung, sich vor anderen Menschen zu blamieren, Fehler zu machen. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stark reduziert. Wahnhaftes Denken und Erleben wird vom Pat. verneint. Die sozialen Ängste des Pat. (Angst vor ‚Blamage‘, vor Ablehnung und Zurückweisung) wirken jedoch übersteigert, haben bedrohliche Ausmaße (‚Ich traue mich gar nichts mehr‘). V. a. narzisstisch gefärbte Inhaltliche Denkstörungen (‚psychedelisches Denken über das Leben‘). Stimmung etwas gedrückt, Affekt abgeflacht. Antrieb und Belastbarkeit deutlich vermindert, Reizüberflutung in komplexen Situationen. Psychomotorisch stark angespannt und unruhig, Zittern. ‚Nervositätszustände‘, Angstattacken, Bewegungsstereotypien. Der Patient distanziert sich glaubhaft von akuter Suizidalität. Extremer sozialer Rückzug, Isolation. Im Kontakt freundlich und kooperativ. Diagnostisch gehen wir am ehesten von dem Vorliegen einer undifferenzierten Schizophrenie mit formalen und inhaltlichen Denkstörungen, optischen Halluzinationen, Anspannungs- und Angstzuständen aus.“ Der eben geschilderte Ausschnitt stammt von einer Klinik aus dem Jahr 2009. Damals hieß es: „Der weitere Verlauf muss abgewartet werden.“ Ich war nach dem Aufenthalt ca. zwei bis drei Jahre richtig bettlägerig, habe 23 Stunden am Tag nur im Bett gelegen, mir auch tagsüber viele Medikamente eingeworfen und lag nur da, hab immer versucht zu schlafen und dachte einfach, ich werde eh niemals wieder runterkommen. Ich hatte damals auch Angst, in einen tiefen Traum zu fallen und gar nicht mehr richtig aufzuwachen.

Heute im Jahr 2017 hat sich viele getan, „Manchmal frage ich mich, war das der Traum, den wir von dem aufregenden Drogenleben hatten? Ist der Traum geplatzt oder sind wir mittendrin und der Traum ist nur ganz anders wahr geworden, als wir uns das vorgestellt hatten? Ich werde nie eine Antwort darauf bekommen, weil es keine gibt …“ Die Gesellschaft verlangt aufgrund meiner Geschichte nun von mir, alles, was irgendwie mit Drogen zu tun hat, zu verteufeln, nach dem Motto: „Du siehst ja, was passieren kann.“ Doch würde ich Drogen verteufeln, würde ich gleichzeitig mein komplettes „Ich“ ablehnen. Ich musste viel Leid erfahren, ja, aber ich habe durch diese Vorkommnisse und durch dieses tiefe Abtauchen in die psychedelische Gedankenwelt einen Einblick in unglaublich komplexe und sublime Vorgänge des Lebens bekommen. Bei dieser Meinung bleibe ich, auch wenn Ärzte dies als „narzisstisch gefärbte inhaltliche Denkstörungen“ bezeichnen. Zitat aus dem Film „Das weiße Rauschen“: „Für die Ärzte war ich schizophren, für die meisten Anderen einfach nur ein Spinner. Mir war das eigentlich egal, wie die Leute mich nennen. Wonach ich suchte, das war ein Leben, das ich führen kann. Das weiße Rauschen, das sind alle Visionen aller Menschen aller Zeiten in einem Augenblick, hatte mir Eno erklärt. So was wie Gott oder das ganze Universum auf einmal. Wer das weiße Rauschen sieht, hat den Zustand der höchsten Erleuchtung erreicht. Und wisst ihr, was er noch gesagt hat? Das weiße Rauschen, das sei der ultimative Trip. Wer das weiße Rauschen sieht, der wird sofort wahnsinnig. Außer wenn er schon wahnsinnig ist, dann wird er normal. Der Trick besteht darin, den Pfad der Erleuchtung sozusagen rückwärts zu gehen. Am Anfang dieses Pfades, da hört das Chaos im Kopf auf und da beginnt das ganz normale Leben. Da bin ich mir sicher …“

Dieser Bericht kann auch als Warnung verstanden werden: Macht euch bewusst, dass Halluzinogene euer Leben möglicherweise mehr verändern, als ihr es euch vorstellen könnt. Trotzdem kann ich jeden Menschen verstehen, der sich dafür fasziniert, es ist halt eine ganz private Entscheidung, ob man Erfahrungen mit Halluzinogenen wagen will, denn nur man selbst muss danach mit den Veränderungen klarkommen, die sicher da sein werden. Ich kenne aber auch sehr viele Leute, die daraus großen Nutzen gezogen haben. Ich denke, viele werden verstehen, dass der Trip mir viele Dinge gezeigt hat, die andere nicht sehen werden. Im Positiven wie auch im Negativen, von Gott-Gefühlen bis zu Suizidgedanken. Ich habe zehn Jahre meines Lebens praktisch nichts gemacht, außer versucht klarzukommen. Das ist schon nicht ganz leicht, diese Erkenntnis auch zu verarbeiten. Viele sprechen ja immer davon, dass Set und Setting bei einem Trip sehr wichtig sind. Ich konnte mir die letzten Jahre kein Setting auswählen, sondern musste überall klarkommen, von der Familienfeier bis zum Arbeitsplatz. Ich habe mich aber mit dem Trip versöhnt, was anderes blieb ja auch nicht übrig. Ich habe verstanden, dass mein Leben nicht einen normalen Weg geht, sondern immer etwas abseits der Gesellschaft, aber das macht mir mittlerweile nichts mehr aus.

Ich habe vor längerem mal einen weiteren Bericht geschrieben, wo es um meine psychedelischen Gedanken geht: https://www.land-der-traeume.de/langzeit_lesen.php?id=698

Ich habe auch ein Buch über die ganze Geschichte geschrieben, ist bei allen Händlern als Ebook erhältlich, z.B hier: Amazon Link

LSD-Trip in die Ewigkeit - Gedanken eines Hängengebliebenen

Erreichbar bin ich bei FB: Crys Talix, oder unter crystalix32@gmail.com

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