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Titel:Gedanken eines Hängengebliebenen - LSD-Bericht
Droge:LSD
Autor:Crystalix
Datum:26.06.2017 14:58
Nützlichkeit:9,63 von 10 möglichen   (518 Stimmen abgegeben)

Bericht::

(Originalbericht aus 2012)

"Mein Religionslehrer hat immer gesagt, die Wolken sind der sichtbare Teil des Himmels. Für uns war der Himmel die Seele, und die Wolken waren unsere Visionen. Nur wenn zu viele Wolken aufziehen, siehst du den Himmel nicht mehr..."

Zitat aus dem Film "Das weiße Rauschen!"

Ein kurzer Überblick: Ich werde nicht allzu ausführlich meine Drogenkarriere erzählen, um mich dann dem eigentlichen Thema zuzuwenden, die Zeit am Ende meiner Konsumphase, als ich auf einem Trip hängengeblieben bin. Ich habe dazu auch kurze Ausschnitte aus Berichten von zwei Kliniken in denen ich war zugefügt, wo Ärzte und Psychologen ihre Meinung zu dem Thema äußern. Ich will mich mit diesem Bericht keinesfalls irgendwie in Szene setzen, ich hatte Lust mal alles aufzuschreiben, hab lange hier dran geschrieben. Außerdem dachte ich der Bericht könnte für User interessant sein, weil er einfach mal ein Beispiel zeigt, was so alles passieren kann und welches Risiko man eingeht, wenn man sich für den psychedelischen Weg entscheidet. Drogenkarriere: Ich habe bis zum Anfang meiner Jugendzeit eine relativ unbeschwerte Kindheit gehabt und bin in gutem Elternhaus aufgewachsen. Als die Schule jedoch immer anspruchsvoller wurde, kam der Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule, gleichzeitig ließen sich meine Eltern scheiden. Ich war 15 Jahre alt als ich den ersten Kontakt mit illegalen Drogen hatte. Auf einem Schulausflug packte ein Kollege einen Brocken Haschisch aus und wir rauchten einen Joint, der jedoch bei mir keinerlei Wirkung zeigte. Aber das Interesse war geweckt und so folgten bald erneute THC Erlebnisse die mir sehr gefielen, da ich an dem Alkoholrausch nie Freude finden konnte. Die folgenden zwei Jahre liefen ziemlich unspektakulär ab, ich schaffte meine Mittlere Reife gerade so, kiffte oft am Wochenende aber konnte mich ganz gut behaupten, eigentlich lief alles zufriedenstellend..

Nach meinem Schulabschluss entschied ich mich dazu, Zivildienst abzuleisten, ich wollte einfach mal raus aus dem Dorf, in dem ich wohnte und wie der Zufall es wollte, landete ich in der offiziell kriminellsten Stadt Deutschlands, in Kehl am Rhein direkt bei Straßburg. Dort lernte ich schnell viele Leute kennen und begann jeden Tag zu kiffen, stieg dann in die Techno Partyszene mit ein und machte meine ersten XTC Erfahrungen.

Während der Woche leistete ich also meinen Zivildienst ab und am Wochenende fuhr ich meist in das Dorf in dem Ich vorher lebte, wo ich einen großen Freundeskreis hatte.. In Kehl gab es Haschisch im Überfluß, und so pendelte ich immer hin und her. Hatte gute Kontakte und großen Spaß an dem Drogenleben, alles umfasste so eine zauberhafte Magie, Langeweile, das Wort kannte ich nicht mehr.. Sessions bei Freunden, Goa Partys, oder einfach nur bei schönem Wetter in der Natur kiffen, der Spaß war unser ständiger Begleiter. Es schien als würden alle gescheiten Menschen kiffen. Die anderen Menschen, die wir nur "Bauern" nannten, wie armselig sie doch waren, immer nur am Alkohol trinken, immer nur diese eine dumpfe Droge, ja wir hatten schon fast Mitleid mit Ihnen. Wenn sie nur mal eine unserer Sessions miterleben würden...

Einmal diese Magie spüren.. Mein erklärtes Ziel war es, alle Menschen zu den Drogen zu bringen, mein Motto war: Wer Alkohol trinkt löst darin seine Sorgen auf, wer Drogen nimmt geht auf eine Abenteuerreise...

Ich will Drogen mit diesen Sätzen nicht verherrlichen, ich will nur meine damaligen Gefühle wiedergeben..

Ich rauchte nun täglich Haschisch, oft schon morgens vor dem Arbeiten. Am Wochenende war ich auf Partys unterwegs, Chemie von Freitag bis Sonntag, Einstieg in die Goa Szene. Im Bekanntenkreis wurde man immer wichtiger und erarbeitete sich einen guten Ruf. Ich war auf Wolke sieben, genauso war mein Leben perfekt. Eigentlich war alles eine einzige Party. Ich war sowas von begeistert von diesem Lebensstil. Drogen, das war unser Lifestyle, unsere Lebenseinstellung. Ein Bekannter von mir hatte damals ein eigenes Haus und das war für uns alle wie ein Zuhause, und ein legendärer Ort an dem wir unzählige Sessions feierten, lachten und uns einfach des Lebens freuten. Das alles ging ca 1 Jahr lang, in dieser Zeit machte ich auch meine erste Psilocybin Erfahrung,über die ich auch einen Tripbericht hier im Forum verfasst habe.

Das Hinzukommen von Pilzen veränderte alles, wir haben ca. ein halbes Jahr lang jedes Wochenende auf Pilzen getrippt. Nach dieser Zeit waren wir alle psychisch sehr verblasen, auf der anderen Seite haben wir auch unglaubliche Erlebnisse gehabt.. Ich hatte in Kehl eine Ausbildung begonnen, wo ich allerdings immer größere Probleme bekam. Rauchte schon vor Arbeitsbeginn Haschisch und ging teilweise auch auf Mdma, Kokain oder sogar Pilzen zur Arbeit. Eine Weile lang hat das funktioniert, man war auch zufrieden mit mir.

Nach einem Arbeitsplatzwechsel, bei dem gleichen Arbeitgeber aber andere Abteilung, nahm alles immer mehr Überhand und ich wurde auffällig, hatte dann viele Gespräche mit meinem Chef und wegen Fehlzeiten 2 Abmahnungen .. Schließlich wollte ich meine Ausbildung hinschmeissen, ich war 20 Jahre alt, Abhängig von Thc, Amphetaminen, Kokain und konsumierte noch viele andere Drogen, typischer Fall von Polytoxikomanie.

Vergessen waren die unbeschwerten Zeiten von denen ich gerade eben noch berichtet habe. Es war Winter 2004. es ging Allen aus unserer Clique nicht besonders gut, der Spaß am Konsum ist allen mehr oder weniger vergangen, aber das bedeutet eben genau nicht, dass nun alle aufhörten und vernünftig wurden. Viele Versprechungen wurden gemacht, kaum eine wurde durchgehalten, die Drogen hatten uns fest im Griff, das wurde mir aber erst später bewusst. Mein Arbeitgeber drängte mich, eine Therapie zu beginnen und so kam es, dass ich mich in der Suchtberatunggstelle vorstellte. Ich willigte ein eine Therapie zu machen. Min. 80 % werden trotzdem rückfällig sagte mir der Pädagoge, aber es liege an mir ob ich zu den 80% oder zu den 20 % gehöre. Die 3 Monate Wartezeit verbrachte ich in dem Dorf wo unsere Clique war. konsumierte noch weiter, jedoch hauptsächlich Thc. stabilisierte mich Psychisch etwas. Ca. 2 Wochen vor Therpieantritt war ich auf einer Goa Party, wo ich zusammen mit zwei Kumpels zwei Trips kaufte, um diese an einem einsamen Ort im Wald zu konsumieren. Das war für mich als Abschied aus der Drogenszene gedacht, ein Trip zum Abschied, das erschien mir würdig... Genau auf diesem Trip bin ich nun seit 6 Jahren. Der Trip verlief zunächst eigentlich relativ normal, ich nahm zunächst einen halben, habe dann später nochmal einen viertel Trip nachgeschmissen. Als ich dann irgendwann morgens nachhause gekommen bin und mich schlafen legen wollte, hatte ich krasse Halluzinationen und verbrachte einige Stunden in einem LSD - Halbschlaf, war komisch, aber solche Erlebnisse kennt, denke ich, jeder der öfter getrippt hat... Dann bin ich nochmal kurz fast runtergekommen, am nächsten Tag fühlte ich mich gut, war zwar ziemlich verpeilt und ein immer stärker werdendes Glücksgefühl kam auf.

Es war Juni 2005 als ich dann meine Therapie in Frankfurt begann. (zwei Wochen nach dem Lsd Erlebnis).

Ich fühlte mich irgendwie seltsam, hatte leichte Panikattacken, startete aber ganz gut in die Therapie. Es waren echt nette Leute dort und es war insgesamt eine sehr schöne Zeit. Kann wirklich jedem empfehlen der aufhören will, aber denkt, es nicht alleine zu schaffen eine Therapie zu machen. Nach einer Woche Therapie wurde dieses Glücksgefühl, das ich seit dem Trip hatte immer stärker und stärker. Ich war wahnsinnig aktiv, schlief kaum noch. Der Trip kam mit aller Gewalt zurück, was ich jedoch erst später rausgefunden habe. In diesem akuten Moment wusste ich nicht was los war. aber es ging mir gut, viel zu gut... Ich schlief so gut wie gar nicht mehr, war aber trotzdem den ganzen Tag aktiv, habe von morgens bis abends geredet, mir Gedanken über meine Mitpatienten gemacht und mich sogar den Psychologen dort überlegen gefühlt. Ich dachte, dass alle Patienten nur aus dem Grund hier waren, um mich im Gerspräch mit Ihnen zum Superheiler auszubilden.

Den größten Spaß brachte mir die Gruppentherapie, was auch in dem Therapiebericht gewürdigt wurde, die Psychologin schrieb:

"In der Bezugsgruppe schien Herr M. von Beginn an interessiert und engagiert beteiligt, wobei er auffiel durch besonders konstruktive und reflektierte Rückmeldungen an andere."

Ich hatte so dermaßen viel Dopamin im Kopf, ich hatte nie zuvor, egal von welcher Droge, solch einen genialen Rauschzustand gehabt. Das steigerte sich immer weiter, bis ich anfing den Realitätsbezug völlig zu verlieren. Ich hielt mich für einen Superheiler. Ich dachte, dass die gesamten Mitarbeiter der Klinik auf Kokain waren, und dass ich durch meine aktive Beteiligung und meine "besonderen Fähigkeiten" bald in deren Kreis aufgenommen werde und dort eine Stelle als Psychologe bekomme, gutes Geld verdiene und mit Hilfe von Kokain gemeinsam mit den Mitarbeitern die Klinik leiten werde. Außerdem dachte ich, dass bald die BILD Zeitung über mich berichten würde. Eine Mitpatientin hielt ich für meine zukünftige Ehefrau. Später dann hielt ich mich für Jesus und am Ende für Gott persönlich. Dieser Zustand war wirklich im wahrsten Sinne für mich das göttlichste was man sich vorstellen kann. Dass ich mich für Gott oder Jesus hielt habe ich damals den Ärzten nicht mitgeteilt, da diese krasse Ansicht nur einen Tag anhielt. Trotzdem wurde ich dann ziemlich mit Medikamenten abgeschossen, da ich Angst vor einem epileptischen Anfall äußerte. Ich bekam damals Tegretal Saft glaube ich. Der Arzt merkte schnell dass irgendetwas mit mir nicht stimmt und verordnete mir ein Neuroleptikum. Ich erzählte dem Arzt auch, dass ich mich fühle, als hätte ich ein ganzes Kilo Kokain in mir, so fühlte ich mich tatsächlich auch.

Was das alles genau für ein Zustand war, weiß keiner so genau, manche tippten auf eine Manie mit psychotischen Zügen, andere meinten schon eher, dass es eine richtige Psychose war. Meiner Meinung nach war es der Trip der mit voller Kraft zurück kam!

Hier einige Auschnitte aus dem Therapiebericht:

"Die Interaktion zum jungen stets freundlichen, jedoch eher passiv und meist wenig emotional berührt erscheinenden Patienten war insbesondere geprägt durch das Auftreten unerwarteter und bizarrer Geschehnisse im Behandlungsverlauf, die bis zuletzt auch für uns nicht klar einzuordnen waren."

"Innerhalb von zwei Wochen schien sein Stimmungszustand nicht mehr nur subeuphorisch, sondern ins präpsychotische gehend. Innere Anspannung sowie einer Art Wahnstimmung mit Ich-Störungen (" dass etwas vorgehe um ihn; er sich verändert fühle), bizarre Denkinhalte und ansatzweise Größenideen ("dass sich nun alles füge, er Klarheit über alles habe, auch wisse was in anderen Mitpatienten vorgehe und er das gelungene Expermiment seiner Eltern darstelle") Daraufhin erfolgte ein erstes psychiatrisches Konsil beim Leitenden Arzt und eine Medikation wurde verabreicht. Nachdem es bereits am Folgetag zu einer deutlichen Stabilisierung und Distanzierung des Patienten vom psychotischen Erleben kam, entstand unsererseits der Verdacht auf Substanzkonsum, obwohl sämtliche Screenings negativ waren.."

"Nach dem vom Patienten gewünschten Absetzen der bislang verabreichten Medikation kam es zur Stimmungsverschlechterung, wobei er panikartige Zustände beschrieb, insbesondere die Befürchtung "psychotisch" zu werden. Er schilderte ständig neue Befürchtungen: "auf Drogen hängengblieben zu sein; einen Hirnschaden zu haben; seine Hirnstrukturen durch LSD verätzt zu haben." Damit einhergehend beklagte er weitere Antriebs und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken. da " eh alles zu spät sei; er nicht mehr lebensfähig sei". Interpersoneller Kontakt und Realitätsbezug waren jedoch stets gut herstellbar und er zeigte sich absprachefähig. Es folgte eine unglaublich schlimme Depressive Phase, während der plötzlich viele Lsd ähnliche Symptome auftauchten. In dieser Phase wurde mir bewusst dass dieser letzte Lsd Trip mich noch lange begleiten wird. Das war wirklich der schlimmste Zustand, den man sich vorstellen kann.

Nach einigen Wochen klang die Depression ab und ich wurde auch medikamentös eingestellt. Mit Zyprexa 10 mg und Mirtazapin 30 mg. Die Lsd ähnlichen Symptome blieben jedoch da, zumindest die meisten. die ganz schlimmen Halluzinationen die ich im Ruheszustand hatte, klangen zum Glück schnell ab, was den Zustand erträglicher machte. Die Therapie schloss ich dann planmäßig regulär ab. Bin aber seit dem nicht von dem Trip runtergekommen, was sich alles verändert hat und wie meine aktuellen Symptome aussehen habe ich in meinem Tripbericht "Hochzeitswahnsinn" in der zweiten Hälfte beschrieben, hab den Text aber hier ganz am Ende nochmal hinzugefügt. Ich wohnte nun wieder bei meiner Mutter und versuchte so gut es geht klarzukommen. Ich hab mich auch schnell etwas erholt, ging wöchentlich zur Drogenberatung, aber an Runterkommen war nicht zu denken. Seitdem sind z.B. auch meine Pupillen immer unglaublich riesig, wodurch mich auf Partys immer alle Fragen was ich mir denn eingebaut habe..

Es folgte ein ziemlich ereignisloses Jahr, ich war clean, nahm Medikamente, konnte aber nicht arbeiten. Versuchte so gut es ging klarzukommen, was mit vielen unangenehmen Aufgaben verbunden war. Ich musste allen Verwandten und Freunden und eben allen Menschen die ich kannte, erklären was nun mit mir los sei, obwohl ich selbst nichtmal ganz verstand, was eigentlich mit mir war. Ca 1,5 Jahre nach dem Ereignis entschied ich mich, zu versuchen wieder arbeiten zu gehen. Ich schrieb einige Bewerbungen in dem Ort in dem ich wohnte und bekam schnell eine 400 Euro Stelle angeboten in einer Metallfabrik. Dort arbeitete ich ein Jahr. Ich war teilweise sehr überfordert und hat ständig Angst Fehler zu machen aber ich hielt durch und meine Vorgesetzten dort waren auch sehr nett zu mir und mann muss auch sagen dass ich die Arbeit gut gemacht habe obwohl es schwer war, z.B eben auch die Kommunikation usw. Stellt euch mal vor ihr geht auf nem Trip in eine Metallfabrik und müsst 4 Stunden dort irgendwie rumbekommen, möglichst unauffällig. Ich war ganz langsam am Runterkommen, war psychisch stabil und setzte auch das Mirtazapin ab. Nach einem Arztwechsel kam ich zu einer Psychiaterin, bei der ich äußerte dass es mir gut gehe aber ich mich von dem Zyprexa sehr müde fühle. Daher wurde ich umgestellt auf 15 mg Abilify, das war der wohl größte Fehler den man sich vorstellen kann, wie sich nach 2 Wochen herausstellte. Zunächst war ich begeistert von diesem Medikament, war total fit und aktiv. Machte die Nächte durch, war wie druff von dem Zeug. Nach 2 Wochen Einnahme schoss es den Trip, der in mir wirkte von der einen auf die andere Sekunde in schwindelerregende Höhen! Ich war auf einmal wieder sowas von krass drauf, aber nicht positiv. Angststörung, Soziale Phobie, allgmeines Druff sein, Halluzinationen, Stimmen Denken (nicht hören). Natürlich habe ich sofort dieses Medikament abgesetzt, die neuen Symptome die das Abilify mit sich brachte blieben jedoch da und haben sich auch bis heute kaum zurückentwickelt. Ich musste meine Arbeitsstelle aufgeben und war eigentlich nicht mehr gesellschaftsfähig. Konnte nicht mehr mit anderen Menschen an einem Tisch sitzen und essen, hab mich so gut wie gar nicht mehr aus dem Haus getraut, aus Angst Leute zu treffen, die ich kenne und mich vor diesen zu blamieren. Hinzu kamen Reizüberflutung und eine leichte Depression aufgrund meines verschlechterten Zustands, die Depression war jedoch nicht sehr stark.

Es folgten 2 Klinikaufenthalte, Ärzte und Psychologen waren ratlos was meinen Zustand betrifft, meine Erklärungen wurden zwar aufgenommen, aber irgendwie kannte sich auch niemand so wirklich aus. Von HPPD hatte noch niemand was gehört. Formales Denken weitgehend geordnet, manchmal Gedankensprünge und konkretistisches Denken. Befürchtung sich vor anderen Menschen zu blamieren, Fehler zu machen. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stark reduziert. Wahnhaftes Denken und Erleben wird vom Pat. verneint. Die sozialen Ängste des Pat. (Angst vor "Blamage", vor Ablehnung und Zurückweisung) wirken jedoch übersteigert, haben bedrohliche Ausmaße ("Ich traue mich gar nichts mehr") V.a narzisstisch gefärbte Inhaltliche Denkstörungen ("psychedelisches Denken über das Leben"). Stimmung etwas gedrückt, Affekt abgeflacht. Antrieb und Belastbarkeit deutlich vermindert, Reizüberflutung in komplexen Situationen.

Psychomotorisch stark angespannt und unruhig, Zittern. "Nervositätszustände", Angstattacken, Bewegungsstereotypien. Der Patient distanziert sich glaubhaft von akuter Suizidalität. Extremer sozialer Rückzug, Isolation.

Im Kontakt freundlich und kooperativ.

Diagnostisch gehen wir am ehesten von dem Vorliegen einer undifferenzierten Schizophrenie mit formalen und Inhaltlichen Denkstörungen, optischen Halluzinationen, Anspannungs- und Angstzuständen aus.

Seit diesem letzten Klinikaufenthalt sind zwei Jahre vergangen. Ich habe mich gut stabilisiert, bin nur leicht depressiv, Ängste haben sich gebessert. Wohne noch in einer betreuten Wg. Will aber bald nach Stuttgart ziehen, dem steht eigentlich auch nichts im Wege, Meine Betreuer sind zufrieden mit meiner aktuellen Entwicklung. Habe seit letztem Jahr einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad von 100 %.

Bin nun seit über 5 Jahren clean, eben seitdem ich hängengeblieben bin, versuche so gut es eben geht mein Leben zu meistern, was auch ganz gut klappt. Geh auch noch ab und zu auf Partys, war letztes Jahr eben auch auf der Nature One und geh dieses Jahr vermutlich wieder hin..

Alkohol vertrage ich auch schon seit 2 Jahren nicht mehr. Das ist schade, da es mir immer geholfen hat, meinen Zustand ab und zu von einer anderen, nicht nüchternen Perspektive zu sehen. Das ging bei mir sogar durch einen leichten Alkoholrausch. Unsere Clique von damals besteht tatsächlich noch. Allerdings waren mittlerweile 5 Leute infolge von Substanzkonsum in der Psychiatrie, einer von uns ist im Moment gerade mal wieder stationär. Einer ist vor 3 Jahren bei einem Autounfall gestorben. Aber wir halten echt gut zusammen. Manchmal frage ich mich, war das der Traum, den wir von dem aufregenden Drogenleben hatten? Ist der Traum geplatzt oder sind wir mittendrin, und der Traum ist nur ganz anders wahr geworden, als wir uns das vorgestellt haben... ich werde nie eine Antwort darauf bekommen, weil es keine gibt....

Die Gesellschaft verlangt aufgrund meiner Geschichte nun von mir, alles was irgendwie mit Drogen zutun hat zu verteufeln, nach dem Motto: "Du siehst ja was passieren kann".

Doch würde ich Drogen verteufeln, würde ich gleichzeitig mein komplettes "Ich" ablehnen.

Ich musste viel Leid erfahren, ja, aber ich habe durch diese ganzen Vorkommnisse und durch dieses tiefe Abtauchen in die psychedelische Gedankenwelt einen Einblick in unglaublich komplexe und sublime Vorgänge des Lebens bekommen.. bei dieser Meinung bleibe ich, auch wenn Ärzte dies als "narzisstisch gefärbte Inhaltliche Denkstörungen" bezeichnen. Dieser Bericht kann auch als Warnung verstanden werden, macht euch bewusst, dass Halluzinogene euer Leben möglicherweise mehr verändern als ihr es euch vorstellen könnt.

Wer Fragen oder Anregungen hat kann sie hier im Forum stellen oder mich anschreiben. vega.vincent431@googlemail.com FB: Crys Talix

Beenden will ich diesen Langzeitbericht mit einem weiteren Zitat aus "das weiße Rauschen", das gut in meine Situation passt: "Für die Ärzte war ich schizophren, für die meisten Anderen einfach nur ein Spinner. Mir war das eigentlich egal wie die Leute mich nennen. Wonach ich suchte das war ein Leben, das ich führen kann.

"Das weiße Rauschen, dass sind alle Visionen, aller Menschen, aller Zeiten in einem Augenblick, hatte mir Eno erklärt. So was wie Gott oder das ganze Universum auf einmal. Wer das weiße Rauschen sieht hat den Zustand der höchsten Erleuchtung erreicht. Und wisst ihr was er noch gesagt hat? das weiße Rauschen dass sei der ultimative Trip. Wer das weiße Rauschen sieht, der wird sofort wahnsinnig. Außer wenn er schon wahnsinnig ist, dann wird er normal. Der Trick besteht darin, den Pfad der Erleuchtung sozusagen rückwärts zu gehen. Am Anfang dieses Pfades da hört das Chaos im Kopf auf und da beginnt das ganz normale Leben. Da bin ich mir sicher....."

Zitat aus dem Film "Das weiße Rauschen!

Hier nochmal eine Beschreibung meiner aktuellen Symptome...

Ich selbst bin zu tief in diese Gedankenwelt abgetaucht. Normalerweise kommt man durch solche Substanzen in einen heftigen Zustand, kommt aber danach wieder einigermaßen in der Realität an. Die Religion, die man durch solche Substanzen bekommt bleibt zwar, aber man wird wieder nüchtern nach abklingen des Rausches. Bei mir ist das anders. Ich habe die Landung verpasst, Ich bin nun seit sechs Jahren auf dem Trip. Und an Runterkommen ist nicht zu denken. Ich kann nichts tun ohne mir dabei bewusst zu machen was ich im Moment tue. Wenn ich z.b. aus dem Auto aussteige und die tür zumache, denke ich darüber nach. Ich denke dann so in etwa, dass ist eine Autotür, die ist da um sie auf und zu zu machen und ich schließe sie im Moment. Ich mache mir also diesen Vorgang bewusst. Ziel des Drogenkonsums ist es ja sich Dinge bewusst zu machen, aber bei mir hat dieser Vorgang überhand genommen. Ich kann fast kein Gespräch führen ohne ständig darüber nachzudenken was der Andere gerade denkt, wie er reagiert, warum er dass gesagt hat. Es hat auch viel mit Psychologie zutun. Psychedelisches Denken ähnelt auch dem psychologischen Denken. Ich denke sehr viel über meine Mitmenschen nach, versuche alles psychologisch zu ergründen. Warum ist einer so geworden, hat es was mit seiner Kindheit zutun. Projiziert er eigene Schwächen auf Andere und ist dadurch unfreundlich usw... Solche Gedanken zu haben ist interessant und viele werden sagen dass es doch positiv ist so zu denken aber bei mir hat das alles Überhand genommen. Gedanken zu haben die in diese Richtung gehen ist absolut positiv, aber wenn man sie so arg hat wie ich, hindern sie einen auch im normalen Leben zurecht zu kommen, man ist ständig beschäftigt mit Nachdenken und sich Dinge bewusst zu machen. Ich kann auch z.b nicht fern sehen, ohne mich ständig zu fragen, wie komisch es ist dass die Menschen auf so eine Glasplatte schauen und anderen Menschen zusehen was sie machen. Oder ein Handy, was für ein Wunder dass ich überall mit jedem Menschen auf dieser Erde kommunizieren kann, egal wie weit er weg ist. Dass Menschen überhaupt so etwas erfunden haben. Dass das wirklich funktioniert. Ein Wunder das nicht zu begreifen ist. Für "normale" Menschen ist das alles normal.

Für mich ist es so sublim dass ich es kaum fassen kann. Desweiteren habe ich starke Assoziationsstörungen. Manche Verbindungen laufen fehl in meinem Kopf. Es kommt vor dass ich Zähne putze, und dieser Vorgang erinnert mich dann an irgendein Erlebnis was mit der Sache gar nichts zutun hat. Was ich auch noch habe sind kurze Sequenzen die in meinem Gehirn ablaufen. Wenn ich z.b. ein Messer in die Hand nehme läuft vor meinen Augen kurz ein ganz schneller Prozess ab. Ich sehe dann z.b. wie das Messer eine Orange mit Wucht durchschneidet. Das dauert nur Millisekunden. Oder wenn ich Holz auf einem Ofen nachlege sehe ich kurz wie dieser Ofen explodiert. Seltsame fragen tauchen auf. Ein Freund fragte mich mal als er auf einem Lsd Trip war, in welches Auge ich einem Menschen schaue wenn ich mit Ihm rede. Eine Frage mit der man sich im Zustand eines Trips lange beschäftigen kann. Wenn ich die Augen zumache sehe ich seltsame Gedankenhalluzinationen. Ich sehe Zahnräder die ineinanderlaufen, Formen die sich verändern dann plötzlich verschwinden, neue Gegenstände tauchen auf, verändern sich wieder, oder zerschlagen sich plötzlich in ihre Einzelteile. Sobald ich schlafe träume ich ständig. Ich fange schon an zu träumen obwohl ich noch wach bin. Das stört mich aber nicht weiter, ich habe mich daran gewöhnt. Wenn ich auf einer Party bin, sehe ich kurz immer nur die Gehirne der Menschen und mache mir bewusst dass 90 % der Gehirne unter Drogen oder Alkoholeinfluss stehen. Das fasziniert mich dann irgendwie. Auf Partys bin ich meistens etwas abwesend mit meinen Gedanken. Ich denke dann darüber nach dass jetzt hier alle Feiern aber einer von diesen Menschen wird der nächste sein der stirbt. Wer wird das wohl sein? Jetzt feiert er aber bald ist er tot. Aber er weiß nichts davon. ..

Ich kann nicht anders als ständig über solche Dinge nachzudenken. Was auch noch gestört ist, ist das Zusammenspiel von Serotonin, Dopamin und Adrenalin. Drogen wirken auf diesen Haushalt der Hormone sehr stark. Dieser Haushalt ist bei mir sehr durcheinander, meiner Meinung nach verursacht durch den Konsum. Da zeigt sich was Drogen alles können, in dieser Beziehung aber im negativen Sinne.










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