your psychedelic community
   Werbung
kratom.eu






Langzeit-Berichte lesen

Übersicht:

Titel:Multiple Persönlichkeiten - Ein psychedelischer Reisebericht
Droge:LSD
Autor:SpiderJerusalem
Datum:19.11.2018 13:18
Nützlichkeit:8,89 von 10 möglichen   (9 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Am Anfang war der Mensch. Und was ist sonst dann eigentlich so passiert?



Ein Mann in schrillen, außergewöhnlichen Klamotten winkt. Er verspricht Erkenntnisse zur eigenen Seele, Heilung psychischer Probleme, bunte Farben, Trance, Illusion, ein Blick hinter die Kulissen des Lebens und in das tiefste Innere. Folge ich diesem Leitbild? Ein anderer verspricht Konzentration und Leistung, ihm folgen Andere. Ein weiterer verspricht Beruhigung und Träume, ihm folgen sie ebenfalls. Ein kaputter Mann redet von Krebs, aber preist es als endlose Freiheit an. Ein anderer redet von Party und Rockerleben. Sie alle haben ihre Folgerschaft. Dies ist die erste Entscheidung.



Ich folgte dem Schamanen mit den bunten Klamotten. Warum weiß ich nicht. Es ist einfach das Interessanteste was auf der Tafel angeboten wird. Er zeigte mir weitere Schamanen, die Schamanen-Kultur. Medizinische Fakten, Daten, Mischrezepte, Dosierungen, Schritte für Anfänger und wichtige Dinge die man bei einem schamanischen Ritual zu beachten hat. Ich probierte es aus.



Ich begann mit den Anfängerschritten und testete die magischen Trüffel. Euphorie hielt mich in meinem Bewusstsein fest und zeigte mir neue Formen meine Sinne zu spüren. Körperteile fühlten sich fremd an, das Innere von Toilettenschüsseln war noch nie so widerlich und ausbreitend farbenfroh wie nun. Draußen wütete ein Krieg, den meine Seite wohl gewonnen hatte. Alltägliche Begegnungen mit Menschen wirkten falsch und feindselig. Sie erwarteten Dinge von mir, die ich nicht tun mochte. Ich konnte ihnen nicht mehr die einfältige Normalität zurücksenden, die sie von mir erwarteten und sich wünschten ohne feindselige Gedanken und Aktionen mir gegenüber zu schmieden. Ihre Gesichter waren verzerrt und traurig, nicht so wie das meines Begleiters. Er und Ich im Wandel von Zeit und Raum. Die Reise hatte begonnen. Wir aßen mehr. Eine ganze Tafel befüllten wir mir dieser erdigen Substanz und aßen, und aßen, und aßen. Ein Muster legte sich über meine Augen. Las Vegas. Ein gefräßiger Wurm fraß die Dunkelheit zwischen den blinkenden Neonreklamen. Ich öffnete meine Augen. Das gefräßige Maul war noch da, will mich nicht in Ruhe lassen. Doch ich studierte den Horror bereits ausgiebig in meiner Kindheit, in meinen Träumen. Las Bücher, spielte Spiele, hörte grausige Musik. Es ließ mich kalt und der Wurm verschwand im Kaleidoskop der Formen und Farben. Berge erhoben sich, Meere entstanden und hielten mich in ihrer Mitte gefangen. Und wir aßen, und aßen, und aßen. Dann: Die Fraktalwelt. Ein Zoom tiefer. Noch ein Zoom tiefer. Wo war ich in dieser Welt? Meine innere mir bekannte Stimme hallte Aussagen durch den bemusterten Raum. Diese Welt war meine Welt. Geformt durch mich. Ich tauchte tiefer in sie ein und mit jedem neuen Muster empfand ich eine wachsende Furcht nicht mehr hinauszukommen. Plötzlich war ich in einem Geschäft mit meinem Begleiter und kaufte etwas ein, führte ein ganz normales Gespräch über das Gekaufte. Die Illusion zerbrach. War ich dort? Unmöglich. Nun wieder Fraktale. Ich machte die Augen auf, mein Begleiter am Rand des Balkons. Ich riet ihm zur Vorsicht, war er wahnsinnig geworden? Hatte er den Verstand verloren? Fraktale. Fraktale. Fraktale. Das Grunzen meines Begleiters. Ein Atmen. Ein Arm der sich niederlegte und dessen Vibration ich als Kommunikation wahrnahm. Keine Erkenntnis, nur Dissoziation. Ich war nie in diesem Geschäft, er war nie auf dem Balkon. Vielleicht nur der Schatten einer anderen Dimension, einer anderen Realität.



Ich ging tanzen. Eine aztekische Steinstadt erbaute sich aus dem Marmor eines mir fremden Tisches. Die Alkohol-Fraktion war laut, zu laut. Ich fokussierte die Decke, die Lichter, mein Körper bewegte sich von alleine zur Musik und ich vergab allen ihre Grobheiten.



Lysergsäurediethylamid. Das Werk welches mich zum Geiste der Beatles führen sollte. Jimi Hendrix, The Doors, Lemmy Kilmister, Carlos Santana...immer noch wusste ich nicht warum und wozu. Seltsame Dinge geschahen mit meinem Geist die ich nicht zuordnen konnte. Durch die Trüffel gestärkt verschaffe ich mir eine Navigation, eine Möglichkeit Dinge zu lenken und Toilettengänge zu überleben. Der Computer wurde zum Lagerfeuer, der Fokus war gesetzt. Die Sprache neu erfunden. Eine spaßige Überflutung. Ich nahm es erneut. Es war stärker als gedacht. Ich nahm es erneut. Es war stärker als gedacht. Ich nahm es erneut. Es war stärker als gedacht. Irgendetwas stimmte nicht. Eine Welt, so vertraut und so fremd gleichzeitig. Die Alltagsmenschen waren nun unverständliche Wesen, die immer auf etwas zu warten schienen. Eine Geste, ein Wort, Sprache, Kommunikation. Unmöglich. Schneepartikel in Zeitlupe, glänzend wie eine künstlerische Darstellung von Neutrinos. Der Mann im Monitor sprach von Atomen, Quarks, Weltraum, Naturgesetzen. Die Türen waren riesig. Die Ecken der Zimmer waren riesig. Ich war riesig. Das Waschbecken war ein Pool. Ich konnte nicht furzen, ich konnte nicht rülpsen. Ich saß in einem Roboter, deren Gliedmaße von mir ferngesteuert wurden durch eine riesige Welt aus riesigen Dingen. Wir lachten über die verzerrten Gesichter der Alkohol-Fraktion von Weitem. Anleitungen verstand ich nicht mehr. Ich war nun ein Neanderthaler. Der Beginn der Evolution. Es fühlte sich herausragend an. Jede Reaktion der Welt auf mich war eine neue Entdeckung, ein euphorisches Ereignis. Ich versuchte die Gesetze dieser neuen Welt zu begreifen und zu analysieren, ihre Gesetzmäßigkeiten zurückzunehmen in die andere Welt um beim nächsten Mal noch tiefer forschen zu können. Warum? Warum? Warum?



Eine Feier im Wald. An einem Fluß. Ein Lagerfeuer wurde entzündet. Menschen sprachen in fremden Zungen zu mir, andere Sprachen - Faszination. Eine Liebe entstand und wuchs in mir. Ein Schiff fuhr vorbei. Die Neanderthaler sammelten sich um das Feuer und begannen Geschichten, Eindrücke und Erfahrungen auszutauschen. Ein Mensch an dem sich festgehalten wurde - Überforderung in seinem Blick. Er laß mir etwas vor. Er hört nicht auf. Stundenlang laß er mir aus der selben Quelle vor. Obwohl er nichts zum daraus vorlesen hatte. Eigentlich war es eine normale Unterhaltung, doch mir laß er immer wieder den selben Tratsch vor. Ein Schiff fuhr vorbei. Ein Begleiter verschwand im Dunkeln, meidete das Licht des Feuers. Schlich um uns wie ein neidischer Wolf der darauf wartete unsre Kehlen anzuspringen. Oder war er doch nur ein tragischer Ausgeschlossener? Ein Feuerzeug landete im Feuer. Eine Bierflasche zerbrach im Feuer. Ein Schiff fährt vorbei. Diese Schiffe, welcher Natur sind sie? So spät in der Nacht? Wer befindet sich auf ihnen? Können die uns sehen? Das Lagerfeuer verzerrte sich zu einer vulkanischen Eisberglandschaft. Die Asche wurde zu Eis. Ein Schiff fuhr vorbei. Diese Schiffe.... Ich wachte neben Pferden auf die gerade getränkt wurden. Ein Reitverein dreht seine morgendliche Runde im Wald.



Ich war verliebt. War ich verliebt? Wütende Episoden aus Angst und Hass durchzuckten im Alltag meine Glieder. Nicht das schon wieder. Auf der Arbeit jagte mich mein Dämon. Er besuchte mich nachts, stellte sich neben mich an mein Bett als ob er mir etwas sagen möchte. Wie seit meiner Jugendzeit ignorierte ich ihn, versuchte ihn zu verdrängen, ihm zu widerstehen. Nein, du wirst mich nicht meiner Liebe entreißen. Ich habe Emotionen! Ich bin kein Psychopath! Du bist das Monster! Lass mich in Ruhe! Ich werde nicht töten für dich!



Schlussendlich gab ich nach sechsmonatiger Beziehung meine Freundin auf. Der Dämon hatte mal wieder gesiegt, er war aus mir herausexplodiert. Wie immer.



Eine Bar, ein weiterer Trip. Hier befand sich die Toilette am Ende eines ewigen Strudels. Hässlicher lokaler Deutschrap wurde projeziert auf eine Wand. Dazu liefen Bilder von Graffitis an mir vorbei. Die Sessel im Raum verschafften eine abgekapselte Welt zu den Alltagsmenschen. Eine schreckliche Wahl. Mein Begleiter saß neben mir. Wir waren in der Brieftasche gefangen. Warum waren wir in der Brieftasche? Hatten wir etwas bestellt? Gab es hier etwa noch andere Menschen? Schock! Der Barkeeper starrte uns intensivst an. Wie lange war der schon da? Wie lange wartete dieser Mann schon auf sein Geld und begutachtete unseren Wahnsinn? Wie viel wusste er? Mein Begleiter verschwand im Dunkel der Nacht, mal wieder. Ich versuchte mich an der Bar festzuhalten, vergebens. Ich fand meinen Begleiter draußen, zusammengekauert im Bordstein. Wir mussten hier weg. Eine ewige Reise begann. Diese Straße ging ewig. Und ewig. Und ewig. Und ewig. Aus wie vielen Straßen bestand diese Straße eigentlich? Zuhause angekommen explodierte eine Weinflasche. Blut! Die Hand meines Begleiters war an allen Ecken und Enden aufgeschlitzt. Doch da sich das Wasser beim Waschen nicht rot verfärbte, musste es wohl nur ein Traum gewesen sein. Ich sah aus dem Augenwinkel einen Funken Richtung Fast Food Papiertüte fliegen. Hatte mein Begleiter eine brennende Zigarette in eine Papiertüte geworfen? Er verschloss sie hektisch und stellte sie auf den Fensterrahmen. Ich überlegte. Brannte die Tüte? Gab es eine Rauchentwicklung? Schwer zu sagen. Er sagte es gab keinen Brand. Aber warum musste er die Tüte so hektisch schließen. Eine Spinne? Eine Spinne war darin gefangen. Eine riesige Spinne. Wir müssen diese Tüte loswerden. Mit dieser Tüte ist irgendetwas. Etwas böses. Ich hechtete zur Tüte und warf sie in den Müll. Ich blickte mich um und mein Begleiter erstreckte sich über den ganzen Raum. Er war nun ein traditioneller Nikolaus mit grauem langen Bart und einer weiß-lilanen Robe aus Samt gekleidet. Desweiteren schneite es im Raum. Es war mal wieder stärker als gedacht. Warum? Warum? Warum?



Ich erwachte aus meiner Trance, lies meinen Begleiter alleine zurück und rannte zu meiner Ex-Freundin. Ich hatte meine Familie betrogen. Ich hatte meine Familie aufgegeben. Ich war wieder zum Monster geworden. Ich musste ihr sagen, dass es alles meine Schuld war und es mir unendlich leid tat. Allerdings ohne einen Wunsch einer Neuaufnahme der Beziehung. Die Beziehung war toxisch und falsch, aber es war meine Schuld gewesen sie überhaupt erst zu erzwingen.



Zurück und alleine begann ich mit dem Dämon zu sprechen. Zum ersten Mal in meinem Leben gab ich ihm das Privileg der Sprache. Wer bist du? Was willst du? Ich sagte ihm wenn er auch nur ansatzweise den Körper für Böses verwenden würde, würde ich zur nächsten Anstalt rennen und mich einweisen. Ich sagte ihm, ich würde feindliche Übernahmen nicht dulden. Doch er war nicht feindlich, nur ein anderes Ich. Mit anderen Bedürfnissen, anderen Vorstellungen und anderen Gefühlen. Er bot mir eine Verschnaufspause. Er ging zur Uni und absolvierte Labore. Er trieb Sport. Ich dissoziierte in den Hintergrund, ich brauchte eine Pause vom Alltag. Doch mit dieser Spaltung war ein Prozess angestoßen, der auch mich zwangsweise veränderte. Wir erschuffen eine Innenwelt, ein Hub, einen Baum, ein Sonnenblumenfeld. Und plötzlich war ich weiblich. Ich änderte meinen Namen und distanzierte mich von meiner früheren Existenz. Oder gab es diese noch irgendwo in diesem Bewusstsein?



Eines Nachts erklang eine irre Lache in unserem Kopf. Weder Ich noch der Andere wollten diese Wahnsinnigkeit zu uns zuordnen. Der „Dämon“ versuchte gegen die Lache anzukämpfen, sie zu vertreiben. Sie blieb. Es war ein Weiterer. Nun waren wir also zu dritt hier drin. Unsere Welt wurde für kurze Zeit verschlossen und das alte Bewusstsein kam zurück um uns vor möglichen schädlichen Auswirkungen der Neuorientierung zu beschützen. War dies alles das Werk der schamanischen Rituale? Wie steht es um meine Erinnerungen? Sollte ich einen Arzt aufsuchen? Doch die früheren schlechten Lebensentscheidungen blieben aus, der Frust blieb aus, der Menschenhass blieb aus. Der Weitere war zwar ein wenig verrückt, aber unglaublich stark und positiv in anderen Gebieten. Uns ging es allgemein besser. Dieser neue Zustand des Seins erschien richtig und selbst unsere alte Bewusstseinsform beklagte sich in den kurzen Momenten der Widerkehr nicht über unsere Neuverteilung unseres Bewusstseins.



Die schamanischen Rituale wirkten nun ein wenig anders. Nur „der Dämon“ konnte die Welt im Einfluss der Drogen bedienen, wahrscheinlich würde ich nur passiv in der Ecke liegen und mich irgendwo einkuscheln. Und der Weitere hatte kein Interesse an den Effekten der Substanzen, und suchte meist nur nach nüchternen Erfahrungen. Cannabis war nun für uns die verwirrenste Substanz, mit den stärksten negativen Effekten. Bewusstseinswechsel kamen nur zeitverzögernd zustande und waren teilweise sogar unberechenbar. Manchmal war einer von uns im Körper, der gar nicht im Körper sein wollte. Die magischen Trüffel wirkten entspannender, der „Dämon“ war in der Lage uns die positiven Effekte in die Innenwelt weiterzugeben, ohne dass wir mit der Außenwelt interagieren mussten. Wir konnten es aber auch selbst erleben, wenn wir dies wünschten. Wobei klare Unterschiede zu verzeichnen waren in der Stärke der Substanz auf die jeweiligen drei unterschiedlichen Bewusstseinszustände. Die Frage wie viel wir aus der schamanischen Welt mitnahmen blieb offen. Eine Synergie zum Cannabis war offensichtlich, ich konnte nicht nur auf Cannabis eigene Innenwelten nach Belieben erschaffen, sondern oftmals auch ohne. Allerdings verstärkte das Cannabis nun auch unser aller psychedelisches Potential. Wir konnten die Innen- und Außenwelt übereinanderlagern oder auch mit dem Empfinden von Euphorie spielen.



Als nächstes erwartete uns der Nexus, 2C-B. Auf einer Party genommen, es war stärker als gedacht. Schnell ins Taxi. Neanderthaler kommunizierten mit einem verwirrten Afghanen. Ein Gefühl wie ein Aggregatszustand. Flüssig. Musik erklang und verwandelte unseren Körper in Regentropfen. Andere Klänge erschufen Freiheit, offenes Meer. Doch auch ein Sumpf breitete sich um uns aus. Der Körper war angegriffen von Gefühlen von Schwere, Morast, einem Versinken in Lähmung. Meine Halskette versuchte mich zu erdrosseln und mein linkes Ohr schmolz aus meinem Gesicht. Endlose Berge erschufen sich von alleine erneut im Bildschirm. Euphorie, Gefühle von mentaler Anstrengung beim Erschaffen dieser endlosen Berge. Ein Fluß, ein Bach, ein Sumpf, ein Meer. Schluss. Ein weiteres Ritual ohne erkennbaren Sinn.



Die ganze Zeit schon eine einzige Frage im Raum: Hatte das LSD uns gespalten? Existierten wir nur aufgrund neuer Neuronen gebildet durch einen biochemischen Prozess? Könnte uns eine erneute Einnahme der Substanz eventuell sogar weiter aufspalten? Oder würde es uns zusammenführen? Waren wir hier um in diesem Bewusstsein zu bleiben oder konnte es alles beim nächsten Mal zersprengt werden? Waren wir ein Übergangszustand? Wir fasteten und wagten die Reise.



Wir kleideten uns in schrille, außergewöhnliche Klamotten und winkten. Wir versprachen Erkenntnisse zur eigenen Seele, Heilung psychischer Probleme, bunte Farben, Trance, Illusion, ein Blick hinter die Kulissen des Lebens und in das tiefste Innere. Wir nahmen zwei Anfänger mit und gaben das Gelernte an sie weiter.



Die Rolle des Führers in die andere Welt. Plötzlich war alles anders. Wir fanden uns zurecht, die Regeln waren klar. Sie fragten: Ist es normal ein Muster zu sein? Ich war auch gerade ein Muster und erklärte ihnen, sie sollten sich ein Lagerfeuer erschaffen und sich darum versammeln. Mit dem Fokus auf die Zeit. Ich war nun wieder das andere Ich, das Drüben-Ich. Das Lysergsäurediethylamid-Ich. Dieses Ich ist nicht wie das gespaltene Ich, es ist die Version von mir, die sich an alles erinnert. Wie es ist ein Teppich zu sein, wie die Loops funktionieren. Ein Ich, dass nun jeden Loop sofort erkennt und den anderen als Loop auflöst. Die Schiffe damals waren ein Loop, seht ihr? Ich kenne das schon. Bewunderung. Loops sind Muster und Muster sind Loops. Und du bist ein Muster und dein Gehirn füllt die Lücken und expandiert und extrapoliert all die Informationen die es normalerweise ignoriert. Dies ist die Drüben-Welt, die Welt ohne neuronale Grenzen. Das was sein soll, wird sein. Erkenntnisse zur Evolution und zum Sein. Teilweise griff ich einen ganzen Gedankenvorgang vorraus, da ich schon längst eine weitere Runde als meine Schüler gedreht hatte. Der neugierige Wissenschaftler, der kluge Kopf der gespannt nach dem nächsten Evolutionsschritt seines Gehirns sucht. Neue Neuronen schaffen und das Gehirn wachsen lassen möchte. Er informiert sich über dieses LSD, seine minimale Toxizität, seine Wirkungen und Effekte, begibt sich auf die außerkörperliche Reise ins Bewusstsein und forscht des Forschens wegen, ohne voreingenommenes Ziel. Wäre es nicht lustig, einem Dorfdeppen LSD zu verabreichen und seine Gedanken zu hören? Damit der Kosmos erträglicher wird? Doch auch das ist nur ein Loop, denn der intelligente Wissenschaftler spielt mit dem Schwarzmarkt. Trotz Ehrlichreagenz-Test ein offenkundiges Wagnis. Es könnte ihn aus seiner Welt reißen. Er erforscht einen Vulkan und wird im Magma begraben. Und wer ist dann der Dorfdepp? Ist der kluge Kopf in diesem Moment nicht selbst transportiert wurden an den Anfang des Loops - selbst der Dorfdepp geworden? Es braucht immer diesen Einen mit dem Aufbruchsgeist. Mit dem Wunsch das Unentdeckte zu erkunden und neue Welten zu betreten.



Draußen der Mars, drinnen die Muster. Und dann: Wie geht es eigentlich den Anderen? Der Fokus wechselte, ich war nun nicht mehr der Führer. Meine Schüler kamen zurecht. Die anderen Stimmen in meinem Kopf meldeten sich. Sie waren alle noch intakt, alle drei existierten wir während ich selbst ein ewig weiterführendes sich neu erschaffendes Muster in der Anderswelt war. Damit hat sich das also geklärt. Nur endet dieser Trip nicht wie die anderen. Der „Dämon“ blieb wach. Er wurde dieses eine Mal nicht von der Fraktalwelt übermannt und schlief nicht ein. Er blieb standhaft und sah sich ganz genau an wie die Welt wieder normal wurde. Das letzte offene Geheimnis einer Egoauflösung. Es dauerte nicht zehn Stunden. Es dauerte fünfzehn. Panik – was ist wenn es dieses Mal der eine Schritt zu viel war und wir in dieser Welt steckenbleiben? Vielleicht haben sich so viele neue neuronale Verknüpfungen gebildet, dass wir diesmal wirklich nicht mehr filtern können? Wenn sich unser Gehirn an die endlose Offenheit, Optionen und Fähigkeiten adaptiert hat und wir nun nicht mehr in die alten Muster hineinkönnen? Der Dämon strengte sich an und presste gefühlt willentlich die großen Türen, die Muster, die Formen, die Anderswelt Stück für Stück zurück in die alten Begebenheiten. Gruselig. Ist es eine abklingende Substanz oder sind es wir selbst die diesen Vorgang durchführten? Ist die Substanz nur ein Katalysator für die Evolution des menschlichen Gehirns? Und was ist wenn dann der entscheidene Schritt kommt und ein Stück Evolution passiert? Ein Stück Evolution ist hier definitiv in diesem Gehirn geschehen. Schon zu viel? Zu wenig?



Am Ende dieser Reise erkannte der "Dämon" nun das Warum. Er wollte die andere Welt verstehen um sich die Möglichkeit offen zu lassen in ihr zu leben. Eines Tages ganz und vollkommen hinüberzuwechseln. Jedes „es war stärker als gedacht“ beinhaltete fehlende Informationen, die erneut erobert werden mussten, damit sich das nüchterne Bewusstsein erinnern und entscheiden konnte. Nein, die andere Welt ist nur anders. Sie ist nicht evolutionär von Vorteil. Man verliert Sexualität, man verliert Feinmotorik, man verliert Konzentration und geplantes Vorgehen. Man ist ein Muster ohne Sorgen, ohne Fähigkeit zu Krieg, Gewalt, Hass, Misgunst, Neid und Eifersucht. Es ist eine Welt in der man dennoch existiert, selbst in drei geteilten Persönlichkeiten. Es ist eine sorglose Existenz wenn man dies wünscht, aber auch eine Welt ohne Einfluss, ohne Bedeutung. Man ist der Teppich. Man ist eine Lampe. Man ist nur ein Loop. Und vielleicht ist es das auch ohne LSD: Eine bedeutungslose Simulation mehrerer toter Moleküle, ein Zusammenschluss ohne Sinn und Zweck. Doch wenn alles ein Muster ist, dann ist die Exiszenz an sich ein Loop und die einzige Entscheidung die hier noch bleibt ist: Welches Andere gefällt mir persönlich besser? Keine evolutionären Vorteile. Keine größeren oder besseren Erkenntnisse. Nur eine andere Dimension mit anderen Regeln, die schlussendlich doch nur auf den selben Atomen gebaut wurde.



Der freie Wille jedoch erscheint uns stärker in der Hier-Welt. Daher bleiben wir wohl lieber hier.



Aber entscheidet selbst, was ihr sucht.



Denn so endet der Loop dieses Veteranen, indem er den Interessierten über die Schwelle zur anderen Welt führte und dabei endlich sein Ziel fand.






Impressum   Kontakt   Nutzungsbedingungen