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Langzeit-Berichte lesen

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Titel:Mein Weg in die Psychose
Droge:Cannabis
Autor:eindichtermann
Datum:25.03.2021 19:53
Nützlichkeit:9,12 von 10 möglichen   (33 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Dieser Langzeitbericht wurde im Herbst 2020 verfasst. Ich habe meine Geschichte bis zum Zeitpunkt, an dem ich meinen Status quo beschrieben habe, der im Herbst 2020 vorherrschte, leicht korrigiert und ergänzt. Falls ihr den Bericht schon einmal gelesen habt, würde ich mich doch sehr darüber freuen, wenn ihr es noch einmal macht, da jetzt doch einiges mehr enthalten ist als zuvor. Alles, was ich zu meiner Situation kommentiert habe, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorherrschte, habe ich eingeklammert und mit Anführungszeichen gekennzeichnet.



Im LdT gibt's aktuell ja eher wenig neue Berichte, daher habe ich mich dazu entschieden, einen Langzeitbericht über meine Erfahrungen mit diversen Drogen und den Auswirkungen, welche der Konsum bei mir mit sich brachte, zu schreiben. Ich habe Cannabis als Hauptdroge gewählt, weil Gras eine zentrale Rolle in meiner „Drogenkarriere" spielt. Ich bemühe mich, leserlich und orthografisch zu schreiben.



Also fangen wir mal an: Meinen ersten Kontakt mit Drogen hatte ich, als ich 12 war und zusammen mit einem Schulfreund Zigaretten kaufte. Ich war nicht sehr begeistert vom Rauchen und beließ es auch erst einmal dabei, dies nicht mehr zu tun. Mit 13 hatte ich die erste Auseinandersetzung mit Alkohol und damit gleichzeitig meinen ersten Absturz. Mein Onkel füllte mich an Heiligabend ab. Ich wurde schnell betrunken und konnte gar nicht genug bekommen, da mir die Wirkung sehr zusagte. Als ich später ins Bett gebracht wurde und mich hinlegte, merkte ich, wie sich alles drehte und mir plötzlich ziemlich übel wurde. Ich war leider nicht mehr in der Lage, zum Klo zu rennen und göbelte die gesamte gebratene Ente inklusive Rotkohl und Kartoffeln aus. Aufgrund meines hohen Pegels war ich nicht mehr dazu in der Lage gewesen, zur Toilette zu rennen oder zumindest mich neben dem Bett zu entleeren. Am Ende landete alles auf meiner Bettdecke. Zum Glück kam Oma schnell und machte die Sauerei weg. Am nächsten Morgen habe ich mir natürlich geschworen, nie wieder Alkohol zu trinken. Einen Kater hatte ich, dieser verflog aber nach einem ausgiebigen Frühstück, das mir bei Oma immer geboten wurde.



Einige Monate später fingen in meinem Freundeskreis viele an, Alkohol zu trinken. Ich habe mich selbstverständlich mitreißen lassen. Einige weitere Abstürze folgten, jedoch brachte ich es mir bei, meinen Konsum so zu regeln, dass ich gut dicht war, aber nicht kotzen musste. Ich saß nachts nach Saufeskapaden oft aufrecht in meinem Bett, um auszunüchtern, da ich erfahrungsgemäß wusste, dass sich im Liegen alles drehen würde. Diese ausgeklügelte Methode bei zu starker Trunkenheit, dem Kotzen auszuweichen, hat sich bis heute bei mir bewährt. Kann ich nur empfehlen.



Ich war mittlerweile von meinen Eltern auf ein Internat geschickt worden, weil meine Noten in der Schule sehr zu wünschen übrigließen und ich auch sonst nur Mist baute. Hinzu kam noch, dass meine Eltern arbeitstechnisch stark eingespannt waren und somit nicht die erforderliche Zeit aufbringen konnten, sich um mich zu kümmern. Im Internat kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Cannabis. Mit 15 rauchte ich zusammen mit einem Zimmerkollegen einen Joint. Der Geschmack war grauenhaft (lag am Tabak, wie ich später herausfand), aber ich rauchte trotzdem weiter. Die Wirkung gefiel mir anfänglich sehr: Lachflashes ohne Ende, lobenswerte Laune und ein entspanntes Gefühl. Später saßen wir im Quartier und waren am TV schauen. Der Raum war leicht schief, so habe ich es zumindest in Erinnerung (das Internat ist ein altes denkmalgeschütztes Gebäude) und der THC Rausch verstärkte diesen Eindruck spürbar. Mir wurde ziemlich übel, daher bat ich meinen Freund, mir den Mülleimer zu reichen. Nachdem ich mich meines Mageninhaltes erleichtert hatte, legte ich mich ins Bett und aß fünf Kinder Buenos am Stück. Danach ging es mir blendend und ich war vom tollen Geschmack des Schokoriegels begeistert. Kiffen wurde schnell auf meinem Quartier sehr populär und nahezu jeder hatte es zumindest mal probiert. Es gab auch einige Experten, die sich jeden Tag zudröhnten und sich regelmäßig nach der Nachtruhe auf dem Klo getroffen haben, um sich mit Joint und Bong abzudichten. Ich habe in meiner Schulzeit im Alter von 15-19 vielleicht alle ein bis zwei Monate mal Cannabis konsumiert. Mir gefiel der Geschmack einfach nicht und mir wurde oft schlecht oder ich bekam Kreislaufprobleme. Hinzu kam eine starke Paranoia, da wir stets auf der Hut waren, von unserem Erzieher erwischt zu werden.



Nach meinem Abitur erfüllte sich ein Traum von mir und ich zog nach Berlin, um Geographie zu studieren. Schon auf einer Klassenfahrt in der zehnten Stufe, die mich in die Hauptstadt führte, war mir klar, dass ich hier studieren muss. Ich war bereits mit 16 sehr fasziniert von der House- und Techno-Szene in Berlin und ging im Vorfeld regelmäßig im Ruhrpott feiern. Dort wurde mir dann das erste Mal bewusst, wie viele es doch gibt, die in so einem Szenario zu illegalen Drogen greifen. Einige meiner Freunde waren ebenfalls auf Paste unterwegs. Ich lehnte aber gewohnheitsmäßig dankend ab und war der Meinung: Ich brauche keine Drogen; Drogen sind gefährlich; ich habe meinen Alkohol und kann auch so acht Stunden durchtanzen. Mir waren die ganzen Druffis sehr suspekt. Wie ich heute feststellen muss, ist so eine Denkweise ziemlich banal.



Zurück zu meinem Traum, der in Erfüllung ging. Gerade in der Hauptstadt angekommen, ging auch schon die Feierei in den Nachtclubs los. Alle zwei Wochen waren wir auf der Piste (mein Kumpel aus der Heimat und ich - das Trinker-Duo schlechthin), um uns komplett mit Alkohol wegzuschießen und die Raves von Berlin unsicher zu machen. Unsere Expertise war es, vor Touristen mit unserem heftigen Alkoholkonsum zu prahlen: "We're professional alcoholics“. Es war echt extrem grenzwertig, was wir in den Clubs regelmäßig abgezogen haben. Egal, ob wir Touristen verarscht haben, wie man am besten ins Berghain kommt oder jeden nur damit vollgelabert haben, wie hart wir es uns doch reinziehen können. Mein Kumpel war teilweise so besoffen, dass er an einem Abend mehreren Frauen an den Hintern packte und damit ohne weitere Konsequenzen davonkam. Er meinte am Morgen danach völlig überzeugt zu mir: „Frauen stehen auf kranke Besoffskys, da sind wir die richtigen Ansprechpartner“. Ich stimmte natürlich zu, obwohl meine Erfahrungen mit Frauen, in Kombination mit Alkohol, durchweg negativ behaftet waren.



normaler-abend-in-berlin.png

Chatverläufe + Clubstempel vom Golden Gate und der Renate auf meinem Arm



Mir gefiel das Leben in der Großstadt aber irgendwie nicht. Es kostete mich eine Menge Überwindung vor die Tür zu gehen, um z.B. den wöchentlichen Einkauf zu erledigen. Ich wurde dann zu meinem Glück auf einen Supermarkt aufmerksam, der Online-Bestellungen unterstützte und diese direkt Nachhause lieferte. Genau das Richtige für mich. Zu Freunden fuhr ich nur noch, wenn es auf einen Rave ging. Ich ging nur noch vor die Tür, wenn es absolut nötig war. So stapelten sich die Müllbeutel in meiner Wohnung teilweise über Wochen, besonders dann, wenn ich frei hatte und nicht zur Uni musste. Je mehr Zeit ich in meiner Wohnung verbrachte, desto schwieriger wurde es für mich, wieder vor die Tür zu gehen. Ich musste mich immer zwingen. Wenn es auf Partys ging, machte ich es mir einfach. Bevor ich aus der Tür trat, trank ich immer Alkohol, um mich meiner Angst vor der Großstadt zu entledigen. Nüchtern und alleine auf der Straße war ich immer um die Gedanken anderer Menschen besorgt: „Was denken die von mir". Öffentliche Verkehrsmittel waren der Horror für mich, besonders auf dem Nachhauseweg nach Clubnächten. Das waren, wie ich heute feststelle, die ersten Frühwarnzeichen für meine psychische Erkrankung (Prodromalphase?).



Nach einem halben Jahr brach ich mein Geographie Studium ab und studierte nun Tontechnik. Ich war schon immer begeistert von Musik, Deejaying und Produktion, daher sagte mir das Fach sehr zu. Die Leute in meinem neuen Studiengang waren im Vergleich zu meinen Geographie-Kommilitonen ein komplett anderer Schlag. So gut wie jeder baute Beats oder war Deejay. Fast alle waren überzeugte Kiffer. Auf dem Campus wurde illegalerweise jeden Tag ohne Ende Ott konsumiert und zum Teil auch gehandelt. Teilweise saßen meine Mitstudenten sogar dicht im Unterricht. Ich konnte mich nie wirklich mit denen identifizieren. Ich rauchte zwar immer mit, allerdings nur mit herkömmlichen Zigaretten.



Die Feierei nahm in der Zeit etwas ab, weil es zunehmend anstrengender wurde, den Alkoholkater am nächsten Tag zu ertragen. Auch verlor ich irgendwie meine Ausdauer und wurde beim Feiern schneller müde. Es war also Zeit für etwas Neues: Speed! Mein erstes Mal Speed war bemerkenswert: Ich war begeistert von dem Zusammenspiel von Alkohol und Amphetamin. Enthemmt, euphorisiert und trotzdem dazu in der Lage, gerade zu laufen und kohärente Sätze zu reden. Ein neuer Gift-Cocktail war geboren.



♪ ♫ I'm a speed king, you got to hear me sing

I'm a speed king, see me fly♪ ♫




Das Feiern nahm wieder etwas zu und meine Ausdauer war wieder wie mit 18 Jahren. Ich hatte eine Menge Spaß und fing dann an, mich langsam für andere Drogen zu interessieren und entdeckte das Land der Träume. Es dauerte aber noch ein Jahr, bis ich mich an eine neue Substanz wagte. So habe ich mich z.B. vor meinem ersten MDMA-Konsum regelrecht totinformiert. Bis es dazu kam, machte ich aber noch einige Speed-Erfahrungen. Eine negative Nebenwirkung von Speed war die Paranoia beim Runterkommen. Ich feierte immer bis 10 Uhr, teilweise auch bis 12 Uhr in der Früh. Um diese Zeit hatte der Alkohol längst nachgelassen und mein Wille, noch mehr Paste zu ziehen oder wieder Alkohol zu trinken, war nicht mehr existent. Einer meiner Lieblingsclubs war das Watergate, das direkt an der Spree liegt und riesige Fensterfronten besitzt. Es wurde morgens immer hell in dem Laden und die Leute jagten mir um diese Zeit nur noch Angst ein, da es einem erst im Hellen klar wird, wie verklatscht das Publikum in solchen Läden eigentlich ist. Dazu kam eben noch, dass ich nicht mehr so viel intus hatte, daher nahm ich auch mehr wahr. Der Heimweg wäre eine Tortur gewesen, gäbe es keine Taxis. Ich weiß nicht, wie viel Geld ich in meiner Zeit in dieser Stadt für Taxen rausgekloppt habe. Vermutlich mehr als für Alkohol und alle anderen Drogen zusammen.



Mit 23 nahm ich dann das erste Mal MDMA. Es ist bis heute meine prägendste Erfahrung mit Drogen und ich hänge den alten Zeiten sehr nach. Ich verstand plötzlich den Spirit von Housemusic und Clubkultur. Es war magisch. Alle waren plötzlich so freundlich. Ich konnte die Musik besser wahrnehmen und gefühlt auch besser tanzen. Naja, bis sich dann der klassischen E-Kater ankündigte. Nach den Wochenenden, an denen ich MDMA konsumiert habe, war ich von Montag bis Donnerstag zu nichts mehr zu gebrauchen. Totales Gehirngemüse und starke Depressionen. Aber ich nahm das oft in Kauf.



Einige Monate vergingen und ich erwartete Besuch aus der Heimat. Zwei ehemalige Internatskollegen kamen mich besuchen. Sie waren heiß wie Nachbars Lumpi auf die exzessiven Partys in Berlin. Sie brachten eine Menge an Ott mit - inklusive Bong und etwa zwanzig fertig gerollten Tüten. Wir feierten ausgiebig zwei Tage hintereinander in den Clubs Die Wilde Renate und Watergate. Einer von meinen Kumpels war so verwirrt, dass er sich an dem Abend, an dem wir in der Renate waren, in dem Laden derartig verirrt hatte. Wir waren nach den zwei Abenden, wie es wohl ersichtlich sein muss, alle komplett Schrott. Mir wurde immer mal wieder von Freunden dazu geraten, etwas Gras zu rauchen, da ich mich so von meinem Kater ablenken könne. Ich rauchte also Bong. Dieses Mal jedoch ohne den verhassten Tabak. Es war etwas komplett anderes. Mir wurde nicht mehr übel und es schmeckte tatsächlich gut. Auch die Wirkung war etwas anders. Ich war begeistert. Als meine Kollegen sich auf den Heimweg machten, bat ich sie, mir die Bong und etwas Gras dazulassen. Gesagt, getan. Nun hatte ich meine eigene Bong und mein eigenes Ott. Ich kiffte nun fast jeden Tag und fing wieder an Musik zu produzieren (ich hatte in der Zwischenzeit immer wieder aufgrund von kreativen Blockaden aufgehört). Es war die ideale Droge für mich, um Beats zu bauen und mich komplett in meinem Musikprogramm zu verlieren. Ich verstand plötzlich jeden meiner Mitstudenten. Das ging dann ein ganzes Jahr so, bis meine Bachelor Arbeit anstand. In dem Zeitraum hörte ich für zwei Monate auf zu Kiffen und trank abends nur etwas Bier, um wenigstens Schlafen zu können. Meine Bachelor Arbeit samt Präsentation schrieb bzw. hielt ich auf Ritalin. Ich bekam die Bestnote für die Präsentation.



Nach meinem Studium blieb ich noch einige Monate in Berlin, um noch etwas zu feiern. Ich kiffte wieder regelmäßig und hatte mich inzwischen schon an andere Substanzen wie Ketamin, Tramadol und Kratom gewagt. Mein „Cocktail of Choice“ war allerdings Alkohol, Speed und Gras. Alkohol für die Enthemmung, Speed, um den negativen Effekten von Alkohol entgegen zu wirken und Pot, um die Sache mit einer gewissen Wärme abzurunden. Seltener war auch MDMA mit im Spiel. Das reduzierte ich allerdings stark, da es aufgrund von zu kurzer Konsumpausen schnell seinen Reiz verlor. Meine letzte Party, an der ich teilgenommen habe, war im März 2017 im Golden Gate. Zusammen mit ein paar anderen Lokalitäten ist dieser Club meiner Meinung nach einer der ranzigsten Läden, die die „große Toilette“ so zu bieten hat. Sehr schräge Leute, die einfach nur im Exzess leben und sich komplett dem Rausch hingeben (genau mein Ding). Bis heute, den 18.03.21, war ich nicht mehr Feiern.



Ich zog zurück zu meinen Eltern, mit der Intention, einen Aushilfsjob bei meinem Vater in der Firma anzunehmen und mich auf meine Musikproduktion zu konzentrieren. In der Zeit kiffte ich sehr viel, da ich nur 15 Stunden pro Woche arbeiten musste. Nach Feierabend dann jedes Mal das Dichtungsmittel einbauen. Das ging genau ein ganzes Jahr gut, bis ich mich zur Jahreswende 2017/18 dazu entschlossen hatte, Alkohol, Gras und Masturbation an den Nagel zu hängen, weil ich mit vielen Sachen in meinem Leben nicht zufrieden war. Ich merkte nach einigen Tagen Abstinenz, wie es mir besser ging. Ich hatte konstant gute Laune und konnte mir sogar beim Arbeiten das Lachen nicht verkneifen. Ich hatte unendlich viel Energie und fing an, Laufen zu gehen, weil ich nicht mehr still sitzen konnte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich da bereits manisch gewesen bin und war der Auffassung, dass meine Beendigung der Masturbation für die positiven Effekte verantwortlich war. Ich war viel auf Reddit unterwegs und viele Leute, die "Nofap" betrieben, machten ähnliche Erfahrungen. Das war zumindest das, was ich auf der Plattform gelesen hatte. Heute weiß ich nicht mal mehr genau, ob ich mir das nur zusammengesponnen hatte. Die Manie ging munter weiter und ich war nicht mehr zu stoppen. Nach einigen weiteren Tagen konnte ich nicht mehr wirklich schlafen. Nachts hatte ich in meinem Halbschlaf krankhafte Fieberträume und war jedes Mal klitschnass im Bett. Ich traf die Entscheidung, zumindest nachts wieder etwas zu rauchen, um schlafen zu können. Es hatte aber überhaupt keinen Effekt mehr, also ließ ich es wieder bleiben. Ob sich meine Manie hierdurch sogar gesteigert hat, kann ich nicht genau sagen.

Arbeiten gestaltete sich als zunehmend schwieriger, da sich meine gute Laune und mein unendlicher Antrieb mittlerweile aufgrund von mehrtägigem Schlafentzug in Wahnvorstellungen und paranoide Gedanken umgewandelt hatten. Ich sprang von einem Gedanken zum nächsten und entdeckte in jedem kleinen Detail meiner Umgebung einen Bezug zu mir selbst (Bezugswahn). Ich war davon überzeugt, dass jemand hinter mir her ist und mich einsperren will (Verfolgungswahn). Ich dachte, ich sei Jesus (ich bin Atheist) und hätte übermenschliche Kräfte erlangt (Größenwahn). Ich sagte zu meinen Freunden, ich müsse zu Elon Musk, da nur er mir helfen könne, die Welt und mich selbst zu retten.



Elon.jpg

Screenshot via Youtube "Elon Musk smoking a blunt" https://youtu.be/kQoxbDOWjf4



Egal, wie sehr man auf mich einredete, ich schien meinem Gegenüber immer überlegen und konnte jeden noch so absurden Gedanken rechtfertigen. Von den Wahnvorstellungen her, würde ich mich als Mischtyp einordnen, da ich wirklich ein breites Spektrum abdeckte, was diese Symptomgruppe anbelangt. Nun war ich auch noch psychotisch. Das ging dann mehrere Tage. Schlafen war gar nicht mehr möglich und ich hatte inzwischen bestimmt schon fast eine Woche nicht mehr richtig gepennt. Ich wurde körperlich extrem schwach und meine Wahnvorstellungen wurden immer intensiver. Ich hatte nur noch Angst. Sogar vor meinen Eltern. Auch meine Stimmung schwankte von totaler Euphorie bis hin zu tiefer Trauer. Meine Eltern und Freunde machten sich große Sorgen. Keiner hatte irgendeinen Dunst, was mit mir los war. Ich landete dann irgendwie bei meinem Hausarzt und meine Mutter schilderte ihm alles. Ich saß daneben und sagte nicht allzu viel. Als mein Arzt das Wort Cannabis im Zusammenhang mit Schlaflosigkeit hörte, fragte er mich nur, ob ich denn kein Bier trinken könne, um abends zu schlafen, da ich ihm nur mitgeteilt hatte, ich könne nicht mehr schlafen. Bier wäre doch wohl auch gut zum schlafen. Ich war überzeugt davon, dass wenn ich mal wieder richtig durchpennen würde, meine Gedanken klarer werden würden. Er verschrieb mir eine Packung Clorazepat (Tranxilium), welche ich aber erstmal nicht anrührte, weil ich Angst hatte, meine übersinnlichen Kräfte würden davon schwinden. Außerdem riet er meiner Mutter, mich in die nächstgelegene Psychiatrie zu bringen. Das gefiel mir aber gar nicht. So gelang es mir, meine Mutter irgendwie dazu überreden, mich erstmal Zuhause zu lassen. Am Abend nahm ich dann eine Tablette. Ich konnte gefühlt eine Stunde schlafen. Meine „komischen" Gedanken waren allerdings immer noch präsent und so gegen drei in der Früh machte ich seit langem mal wieder eine richtige Entscheidung. Ich weckte meine Eltern und meinte, es würde nicht mehr gehen. Wir fuhren also in die nächste Psychiatrie.



Vom Aufnahmegespräch weiß ich nicht mehr viel, nur noch, dass es um Drogen ging und dass sie mich erstmal dortbehalten wollten. Sie führten mich durch das Krankenhaus an eine verschlossene Glastür. Endstation: Die Geschlossene. „Na super", dachte ich mir. Sämtliche Wahnvorstellungen haben sich bestätigt und ich wurde tatsächlich eingesperrt. „Ob die mit mir hier irgendwelche Experimente machen oder mich an Maschinen anschließen, an denen ich für den Rest meines Lebens hängen würde? Dann wäre ich immerhin unsterblich und würde jeden, der mir lieb war, sterben sehen“. Absolute Todesangst. Man gab mir direkt eine Deluxe-Dosis Lorazepam und 500 mg Amisulprit (Antipsychotikum). Ich weiß nicht mehr genau, was in den ersten Tagen dort alles passiert ist. Ich schlief zwei Tage lang (mehr oder weniger) durch und hatte wieder einige klare Gedanken fassen können. Die Ärzte haben mich mit einer Substanz-induzierten Psychose diagnostiziert. Da der Drogentest positiv auf Cannabis reagierte, schien es also eindeutig.



♪ ♫ „Ich hab zu viel Gras gepafft, jetzt zahl’ ich Raten ab“ ♪ ♫



Bei jeder Visite bat ich darum, mich wieder gehen zu lassen. Ich dachte, dass alles im Lot sei. Nach langem Hin und Her wurde ich schließlich gegen Rat des Arztes entlassen und durfte wieder Heim. Im Entlassungsgespräch machte mein Vater gegenüber dem Arzt noch eine Bemerkung wie: „In Kalifornien ist Cannabis ja seit Neustem legal, da muss mein Sohn dann wohl hinziehen.“ Ich ging wieder arbeiten. Schlafen ging auch wieder gut. Nach einigen Tagen konnte ich allerdings wieder nicht mehr richtig pennen und meine Gedanken fingen wieder an zu rasen. So machte sich schnell wieder die Manie bemerkbar, worauf die psychotischen Gedanken folgten. Ich landete wieder auf der Geschlossenen und war emotional einfach nur noch ein Wrack. Starke Trauer machte sich in mir breit. Rock Bottom. Ich wurde wieder auf Neuroleptika eingestellt und meine Gedanken wurden jeden Tag klarer. Diesmal blieb ich länger und landete so nach einer Woche auf einer offenen Station, wo es einigermaßen erträglicher war. Mein Zimmerkollege war diesmal kein aggressiver Kokain-Psychosen-Spezi, sondern ein sehr entspannter syrischer Flüchtling, der unter Schizophrenie litt. Er lag den ganzen Tag im Bett und war am pennen wie ein Stein, da ihn die Medikamente derartig ausgeknockt hatten.



Gegensätzlich dazu stand ich, der nicht einmal mehr vier Stunden schlafen konnte. Tagsüber war ich so unruhig, dass ich kaum irgendetwas machen konnte. Es war körperlich so extrem anstrengend, die Unruhe/Agitation durchzustehen, dass ich teilweise echt dachte, es wäre besser tot zu sein. Ich hörte jeden Tag den Zug, der stündlich durch das angrenzende Dorf schepperte. Bei jedem Mal, als die Hupe des Zuges ertönte, die wirklich jedes Mal ertönte (warum auch immer), dachte ich mir, naja, was dachte ich mir hier wohl? Wäre ja nicht weit gewesen, einen Ausflug zu den Bahnschienen zu machen.



Es wurden einige weitere Medikamente ausgetestet, bis ich schließlich Promethazin bekam, was die Unruhe etwas beseitigte und beim Schlafen half. Teilweise machte es mich aber sehr matsche. Des Weiteren waren meine Gefühle nicht mehr vorhanden. Weder Freude noch Trauer. Ein emotionaler Zustand, der steriler nicht hätte sein können. Ich hatte die Fähigkeit verloren, mich zu konzentrieren und hatte enorme Schwierigkeiten dabei, Gespräche zu führen, da mein Kopf komplett leer war. Hinzu kamen eine starke Antriebslosigkeit und Apathie. Meine neue Diagnose: Schizo-affektive Psychose.



Nach einigen Wochen wurde ich in eine Tagesklinik verlegt, wo ich von Zuhause aus jeden Tag hinfuhr. Meine Symptome verschwanden nicht und man gab mir mittlerweile Antidepressiva. Die Aktivitäten in der Tagesklinik gaben mir nichts. Egal ob Ergotherapie, Entspannungsübungen oder Sport - nichts brachte irgendwas. Folgend auf die sechs Wochen in der Tagesklinik war ich wieder Zuhause. Meine neue Psychiaterin hatte mich vorerst krankgeschrieben. Ich verbrachte die meiste Zeit im Bett und starrte abwesend an die Decke. Ab und zu ging ich mal spazieren, was eine gute Ablenkung war. Ich fing dann nach einigen Wochen wieder an, drei Stunden am Tag zu arbeiten. Es war so anstrengend, jeden Morgen aufzuwachen, mit dem Wissen, gleich zur Arbeit zu müssen, obwohl es nur drei Stunden waren. Auf der Maloche konnte ich keine oder nur magere Konversationen führen und jedem war aufgrund meiner langen Fehlzeit klar, dass irgendwas vorgefallen sein musste. Es war die Hölle. Monate vergingen und nichts änderte sich. Ich hatte inzwischen drei verschiedene Neuroleptika und zwei weitere Antidepressiva probiert - ohne Erfolg. Nebenwirkungen hatte ich zum Glück keine schwerwiegenden. Das Einzige, was mir etwas half, war Promethazin.



♪ ♫ „My guillotine, drank Promethazine“ ♪ ♫



Meine Unruhe, Anhedonie, Antriebslosigkeit und Schlaflosigkeit waren ständiger Begleiter während dieser Zeit und raubten mir jeden Willen zu Leben. Ich empfand weder Freude noch Trauer. Ich war nicht müde und auch nicht hungrig. Kaffee wirkte überhaupt nicht mehr wie früher. Mein Zustand war etwas sehr Paradoxes. Auf der einen Seite war ich antriebs- sowie motivationslos und wollte den ganzen Tag nur im Bett vor mich hinvegetieren. Auf der anderen Seite war ich von der Unruhe stark getrieben und konnte keinen inneren Frieden mehr finden, was mich früh morgens immer dazu zwang, an die Luft zu gehen, um mich zu bewegen, da dies etwas Ablenkung erbrachte. Nach ca. einem halben Jahr wurde ich dann trotz Medikation wieder manisch und leicht psychotisch. Diesmal allerdings ohne die starken Gefühlsschwankungen. Ich erkannte also selber schnell, dass ich wieder Wahnvorstellungen hatte. Ich machte einen Termin bei meiner Psychiaterin und bretterte mit Vollspeed in meinem Automatik-Benz los. Im Gespräch versuchte ich meiner Ärztin dann irgendwie zu verklickern, dass sie mir Cannabis verschreiben müsse, damit es mit mir besser werden würde. Ich war fest davon überzeugt, dass es klappen würde. Sie erhöhte dann mein Antipsychotikum und gab mir noch ein Rezept für Lorazepam mit. Von den Benzos merkte ich allerdings gar nichts, da sie mir nur eine Kinder-Packung verschrieben hatte, bei der die Tabletten extrem klein waren. Die Episode verschwand dann wieder schnell und die Negativsymptome, wie Antriebslosigkeit und Apathie, machten sich wieder bemerkbar.



Ein Jahr später kam ich dann in eine medizinische Reha, in der Hoffnung, dass sich irgendwas bessern würde. Ich wusste was auf mich zukam: Ergotherapie, Sport, kognitives Training und ein Praktikum. „Lel“, dachte ich mir dabei nur. „Wie soll ich nur in meinem Zustand mehr als drei Stunden am Stück arbeiten, geschweige denn dabei etwas Neues lernen?“. Mein neuer Arzt testete einige weitere Medikamente an mir aus, darunter auch Zopiclon zum Schlafen. Selbst dieser stark schlaffördernde Benzo-Abkömmling hatte keinen Effekt auf meine Schlafstörungen. Mein Arzt war verblüfft. Ich fragte ihn, wie lange ich noch Antipsychotika nehmen müsse, da sich mir der Verdacht äußerte, dass meine Negativsymptome durch die Medikamente kamen. Er meinte, dass es in meinem Fall sehr unwahrscheinlich sei, dass ich jemals ohne Medikamente auskommen würde. Er meinte auch, dass die Schäden, die die Psychose hinterlassen habe, irreversibel seien und ich ein Leben lang so bleiben würde. „FML“



Nach fünf Monaten in der Reha beantragte ich vorzeitige Entlassung, da es mir nichts brachte. Meine Mutter besorgte mir einen Termin bei einer Psychologin, die mit Methoden arbeitet, die in Deutschland eher als unkonventionell gelten (da bin ich mir unsicher). Ich hatte eine dreistündige Sitzung bei ihr und wir arbeiteten einiges aus meiner Vergangenheit auf. Sie machte mit mir unter anderem eine Art Traumatherapie, die bei Patienten mit PTBS angewendet wird. Da konnte ich seit langem mal wieder meine Gefühle spüren, wenn auch nur sehr flüchtig. Mir ging es nach dem Termin etwas besser und ich fing wieder an etwas Musik zu machen. Ich ging jeden Tag spazieren und versuchte mich sogar an Meditation (was allerdings erfolglos blieb). Nach ein paar weiteren Monaten entschied ich mich dann gegen ärztlichen Rat, sämtliche Medikamente auszuschleichen. Ich war nun zwei Jahre frei von jeglichen manischen und psychotischen Symptomen und war nach dem Gespräch mit der Psychologin auch fest davon überzeugt, dass es zu keiner weiteren Episode kommen wird.



Pillls.jpg

Mein Nachtschrank (ich hatte noch mehr Zeugs). R.I.P. mein Gehirnvolumen.





18.03.21 - Ab hier folgen eingeklammerte Anmerkungen von mir zu dem, was im Herbst 2020 bei mir abging bzw. das, was ich ich retrospektiv dazu kommentiert habe. Also: Text ohne Klammern=Herbst 2020 / Text eingeklammert=18.03.21



Nun ist es ca. drei Monate her, seitdem ich keine Medikamente mehr nehme. Es hat sich nicht viel gebessert („eigentlich schon; offensichtlich war ich nicht mehr so Antriebslos, sonst hätte ich diesen Bericht nie geschrieben“). Schlafen kann ich nun etwas besser und die Unruhe ist auch einigermaßen milder. Gefühle sind nach wie vor nicht vorhanden. Keine Freude, keine Trauer, keine Motivation („Oh, Really?“), totale Leere im Kopf („entsprach auch nicht ganz der Wahrheit“) - einfach nichts. Ich hoffe, dass sich mit der Zeit noch einiges bessern wird. Es ist nicht klar ersichtlich, ob meine Negativsymptome eine Ursache der Medikation sind oder ob es Folgeschäden der Psychose sind („Korrelation ungleich Kausalität “).



Ich habe in den Monaten zuvor auch ab und zu einiges an Drogen probiert, darunter: Alkohol, Koffein, Nikotin, THC, Ketamin, Phenibut, Kratom und LSD. („Wie dumm kann man sein, alter?“) Alles ohne jegliche Wirkung. Mir ist bewusst, dass es sehr naiv ist, in meinem Zustand Drogen zu nehmen, aber ich bin einfach verzweifelt und will wieder irgendetwas fühlen. In habe inzwischen Reddit für mich entdeckt und tausche mich täglich mit anderen, die mein Leid teilen, aus („scheinbar war ich da auch wieder sozial aktiver"). Es gibt noch einige Sachen, die ich ausprobieren werde, um meine Anhedonie irgendwie los zu werden. Ich habe auch nächste Woche einen Termin bei einem Psychotherapeuten und hoffe, dass er mir irgendwie weiterhelfen kann („wird er nicht, lel)“.





Monatelang habe ich Gras bzw. meinem hemmungslosen Umgang mit diesem Zeug die Schuld zugewiesen. Heute weiß ich, dass es viel mehr Faktoren gibt, die zu Psychosen bzw. Schizophrenie führen. Sachen wie genetische Veranlagung und Traumata sind schlussendlich für dieses Leid verantwortlich. Lange Zeit, bevor ich überhaupt regelmäßig gekifft habe, haben sich mir bereits Symptome geäußert, die auf eine Anfälligkeit für eine solche Erkrankung hingewiesen haben. Ich denke, dass Cannabis lediglich das Ganze beschleunigt hat.



Update 6.12.20



Es ist nun knapp drei Monate her, seitdem ich diesen Bericht geschrieben habe. In dieser kurzen Zeitspanne hat sich überraschenderweise doch so einiges getan. Nach etwa fünf Monaten komplett ohne AP's und SSRI's fühle ich mich deutlich besser als zuvor. Ich habe wieder den gleichen Antrieb wie früher und bin auch wieder sozial aktiv (wie es Corona eben zulässt). Zwei von meinen Hobbys, das Deejaying und Plattensammeln, habe ich ebenfalls wieder aufgenommen.



Was sich leider gar nicht gebessert hat, ist mein stark abgeflachter Affekt. Es amüsiert mich zwar irgendwie wieder ein wenig, mein gesamtes Lauch-Gehalt für Vinyl aus dem Fenster zu werfen, aber die Gefühle von früher kommen beim Hören der Platten leider nicht hoch. Mein Schlafrhythmus hat sich gefestigt. Ich schlafe nun von ca. 1 Uhr bis 7 Uhr durch. Morgens kann ich dann nicht weiter schlummern, so wie es die meisten gesunden Menschen tun würden, wenn sie am Wochenende zu so einer undankbaren Uhrzeit aufwachen würden.



Mein Hauptproblem liegt aber bei dem psychosomatischen Aspekt der Krankheit. Mein Körper fühlt sich insgesamt sehr „unbequem" an. Ich kann mich nicht mehr richtig entspannen und es geht mir jeden Tag grauenhaft. Es ist schwer, dieses Symptom irgendwie in die passenden Worte zu bringen. Jedes Mal, wenn ich einem Psychiater oder einem Freund/Familienangehörigem versuche zu erklären, was eigentlich mein Hauptproblem ist, kann niemand so wirklich nachvollziehen, wie es mir geht oder was ich meine.



Ferner habe ich simultan zu meinem Medikamenten-Entzug eine Art Selbstmedikation mit Nahrungsergänzungsmitteln gestartet. Ich nehme täglich Omega-3, Coenzym Q10, L-Tyrosin, N-Acetyl-Cysteine und Sarkosin. Kaffee lasse ich schon seit 8 Monaten komplett weg (wirkt ja so oder so nicht) und von Nikotin bin ich auch seit über einem Monat runter. Ferner bin ich nun in konventioneller psychotherapeutischer Behandlung (siebte Sitzung mittlerweile). Dort erzähle ich hauptsächlich von meinen alltäglichen Problemen (die nahezu non-existent sind). Meine Lebensgeschichte wurde auch mehrmals durchgekaut, da mein Therapeut entweder nicht mehr der flotteste im Kopf ist oder bei den vielen Patienten, die er betreut, einfach den Überblick verliert.



Was genau mich aus meinem Loch geholt hat, weiß ich leider nicht. Ich denke aber nicht, dass es die aktuelle Therapie war. Sämtliche Traumata habe ich bereits in meiner ersten Psychotherapie-Session, welche nur drei Stunden ging, aufgearbeitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind es wohl die weggelassenen Medikamente oder die Supplements. Vielleicht sogar eine Art Selbstheilung. Naja, eventuell bin ich seit Monaten auch nur wieder manisch und merke davon nichts. Für die Zukunft hoffe ich, dass sich meine Verfassung noch ein wenig bessert, damit ich wieder in der Lage bin, ohne große Qualen eine gesellschaftskonforme 40h Woche hinzulegen.



♪ ♫ „Walk on, walk on, with hope in your heart

and you'll never walk alone


you'll never walk alone“ ♪ ♫




Update 18.03.21



So. Ich habe fertig. Zumindest mit der inhaltlichen und grammatikalischen Korrektur. Zu meiner aktuellen Situation: Es geht mir aktuell sehr gut. Ich arbeite mindestens 35 Stunden pro Woche, laufe sozial derartig rund, dass meine Freunde, die zum Teil mit ihren Jobs, der Uni, ihren Perlen oder mit sich selbst beschäftigt sind, nicht mehr hinterherkommen, auf meine Nachrichten zu reagieren. Ich mache momentan ein Praktikum, das mich sehr erfüllt, auch wenn es aufgrund der Fahrtkosten ein Minusgeschäft ist. Ich habe mich sehr über die Beiträge im Diskussion-Thread hier im LdT zu diesem Bericht gefreut. So habe ich mit zwei Mitgliedern Kontakt aufgenommen. Mit dem guten Opioidlover telefoniere ich sehr oft. Wir haben eine sehr ähnliche Diagnose und ich konnte von ihm einiges lernen und vice versa. Ich habe bereits Pläne für die Zukunft. Ich werde wohlmöglich wieder eine Runde studieren, um mich weiterzubilden bzw. besser aufgestellt zu sein, für den Karriereweg, den ich einschlagen möchte. Bedenken habe ich hierbei definitiv, da ich mir nicht 100-prozentig sicher sein kann, jemals wieder einen Rückfall zu erleiden und wieder den gleichen Scheiß durchmachen zu müssen, den ich von 2018 bis fast 2021 durchlaufen habe. Corona geht mir mittlerweile auch wie jedem anderen normalen Mensch auf den Sack, da ich gerne mal wieder Feiern gehen würde. Drogen werde ich bis zu meiner Rente mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr anrühren, ausgenommen davon sind vielleicht Opiate/Opioide. Diese würde ich mir mal gerne einfahren, um zu entspannen. Das einzige Symptom, was mich noch stört, ist das Residuum der Unruhe, unter der ich Jahre gelitten habe. Mein Körpergefühl ist nicht so wie früher, aber es ist erträglich und ich kann mich davon leicht ablenken. Meine Gefühlswelt ist auch wieder etwas bunter, allerdings bin ich mir unsicher, ob ich jemals wieder dazu im Stande sein werde, intensiv bestimmte Gefühle so wahrzunehmen, wie früher. Freude, Stress und Besorgtheit fühle ich wohl, wenn auch in einer anderen Form als vorher. Man merkt mir äußerlich nichts mehr an, da ich normal Emotionen äußern kann, was vor einem Jahr noch nicht möglich war. Die Schizophrenie-, Psychose- und Anhedonie-Subreddits habe ich mittlerweile verlassen, schaue aber ab und zu mal rein. In meiner Freizeit höre ich viel Musik, schreibe viel, kommuniziere mit Freuden oder bin damit beschäftigt, Shitposts mit meinem verifiziertem Albert-Hofmann-Facebook-Account zu verfassen, mit dem ich Leute trolle oder meine drogenverherrlichende Agenda vorantreibe. Auch, wenn ich selber keine Drogen mehr nehmen werde, finde ich es gut, dass es sich die Leute noch reinziehen. Egal ob Gras, Alkohol, LSD, MDMA, Heroin oder Felgenreiniger, es entzückt mich, wenn jemand von seinem Recht auf Rausch Gebrauch macht und ich dabei zusehen kann, wie derjenige sich in andere Dimensionen katapultiert. Die Leute, die MDMA konsumieren, werden mir wohl am sympathischsten bleiben, da es schlichtweg meine "Lieblingsdroge" ist, die das Verständnis für Musik, Zusammengehörigkeit und Empathie erweitert, was in unserer digitalen Gesellschaft, in der fast alles fake ist, für mich von hoher Importanz ist. Ich freue mich schon, wenn die Clubs wieder aufmachen. Meine erste Amtshandlung als „Mr. Ich-nehme-nichts-bin-hier-nur-um-zu-gucken,-wie-ihr-es-euch-reinzieht“ wird sein, die Raves von Berlin wieder unsicher zu machen und den Frauen, die sich gerade auf einem Ecstasy-Peak befinden, ganz tief in ihre großen Augen zu blicken und zu sagen: "Hey! Fun Fact: Im Mittelalter haben sich die Frauen regelmäßig Tollkirschen reingezogen, um größere Pupillen zu bekommen. Danke, dass ihr dieses Schönheitsideal auf Kosten eurer Gesundheit aufrechterhaltet."



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Screenshot via Instagram @onlytechno_official https://www.instagram.com/p/CMhIs50hUVq/?igshid=9fp7k6az7xd9



PLUR - PEACE–LOVE–UNITY–RESPECT



Schön, dass ihr bis zum Ende gekommen seid und euch den Rotz in der Gänze reingezogen habt. Das Schreiben hat mir auf eine therapeutische Art und Weise sehr geholfen, Revue passieren zu lassen und hat mich insgesamt zu einem selbstreflektierterem Dude gemacht. Ich habe aber noch eine Menge zu lernen.



Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr im Diskussion-Thread was postet. Ob Lob oder Kritik, für Feedback jeglicher Art bin ich dankbar.





♪ ♫ „If only I could, I'd make this world a better place“ ♪ ♫






























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