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Titel:Mein Weg in die Psychose
Droge:Cannabis
Autor:eindichtermann
Datum:15.01.2021 21:03
Nützlichkeit:8,82 von 10 möglichen   (22 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Im LdT gibt's aktuell ja eher wenig neue Tripberichte - daher habe ich mich dazu entschieden, einen Langzeitbericht über meine Erfahrungen mit diversen Drogen und den Auswirkungen, welche der Konsum bei mir mit sich brachte, zu schreiben. Ich habe Cannabis als Hauptdroge gewählt, weil Gras eine zentrale Rolle in meiner Drogenkarriere spielt. Ich bemühe mich leserlich und orthografisch zu schreiben.



Also fangen wir mal an.. Meinen ersten Kontakt mit Drogen hatte ich, als ich 12 war und zusammen mit einem Schulfreund Zigaretten kaufte. Ich war nicht sehr begeistert vom Rauchen und beließ es auch erstmal dabei, dies nicht mehr zu tun. Mit 13 hatte ich die erste Auseinandersetzung mit Alkohol und auch gleichzeitig meinen ersten Absturz. Mein Onkel füllte mich an Weihnachten ab und mir schien die Wirkung von Alkohol sehr zuzusagen. Als ich später ins Bett gebracht wurde und mich hinlegte, merkte ich wie sich alles drehte und mir plötzlich ziemlich schlecht wurde. Ich war leider nicht mehr in der Lage zum Klo zu rennen und göbelte die komplette gebratene Ente samt Rotkohl und Kartoffeln auf meiner Bettdecke aus. Zum Glück kam meine Oma schnell und machte die ganze Sauerei weg. Am nächsten morgen habe ich mir natürlich geschworen nie wieder Alkohol zu trinken.



Einige Monate später fingen in meinem Freundeskreis viele an zu trinken und ich habe mich natürlich mitreißen lassen. Ich lernte nach einigen weiteren Abstürzen schnell, meinen Konsum so zu regeln, dass ich gut dicht war, aber nicht Kotzen musste. Ich saß nachts nach Saufeskapaden oft aufrecht in meinem Bett um auszunüchtern, da ich wusste, dass sich im Liegen alles dreht und mir schlecht werden würde.



Ich war mittlerweile von meinen Eltern auf ein Internat geschickt worden, weil meine Noten in der Schule sehr zu wünschen übrig ließen. Im Internat kam ich zum ersten mal in Kontakt mit Cannabis. Mit 15 rauchte ich zusammen mit einem Zimmerkollegen einen Joint. Der Geschmack war grauenhaft (lag am Tabak wie ich später herausfand), aber ich rauchte trotzdem weiter. Die Wirkung gefiel mir anfangs sehr: Lachflashes ohne Ende, gute Laune und einfach ein entspanntes Gefühl. Später saßen wir im Quartier und waren am TV gucken. Der Raum war leicht schief (das Internat ist ein altes denkmalgeschütztes Schloss) und der THC Rausch verstärkte diesen Eindruck sehr. Mir wurde ziemlich übel und ich bat meinen Freund mir den Mülleimer zu reichen. Nachdem ich mich meines Mageninhaltes erleichtert hatte, legte ich mich ins Bett und aß 5 Kinder Buenos am Stück. Danach ging's mir blendend und ich war vom tollen Geschmack des Schokoriegels begeistert.



Kiffen wurde schnell auf meinem Quartier sehr beliebt und nahezu jeder hatte es zumindest mal probiert. Es gab auch einige Experten, die sich jeden Tag abgedichtet haben und sich regelmäßig nach der Nachtruhe auf dem Klo getroffen haben, um sich mit Joint und Bong breit zu machen.



Ich habe in meiner Internatszeit im Alter von 15-20 vielleicht alle 1-2 Monate mal Cannabis konsumiert. Mir gefiel der Geschmack einfach nicht und mir wurde oft schlecht. Hinzu kam eine starke Paranoia, da wir immer auf der Hut waren von unserem Erzieher erwischt zu werden.



Nach meinem Abitur erfüllte sich mein Traum und ich zog nach Berlin um Geographische Wissenschaften zu studieren. Ich war bereits mit 16 schon sehr begeistert von der House und Techno Szene und ging regelmäßig feiern. Einige meiner Freunde waren bereits auf Paste unterwegs. Ich lehnte aber immer dankend ab und war stets der Meinung: Ich brauch keine Drogen; Drogen sind gefährlich; Ich hab meinen Alkohol und kann auch so 8 Stunden durchtanzen. Mir waren die ganzen Druffis immer sehr suspekt. Was eine Doppelmoral, wie ich heute feststellen muss.



Zurück nach Berlin. Gerade in der Hauptstadt angekommen ging auch schon die Feierei in den Clubs los. Alle zwei Wochen gingen wir raus (mein Kumpel aus der Heimat und ich - das Trinkerduo schlechthin), um uns komplett mit Alkohol wegzuschießen und die Raves von Berlin unsicher zu machen. Unsere Expertise war es, vor Touristen mit unserem heftigen Alkoholkonsum zu prahlen. "We're professional alcoholics". Mein Kumpel war teilweise so besoffen, dass er an einem Abend mehreren Weibern an den Hintern packte und damit ohne weitere Konsequenzen davon kam. Er meinte überzeugt zu mir: "Frauen stehen auf kranke Besoffkys wie uns". Ich stimmte natürlich zu, obwohl meine Erfahrungen mit Frauen in Kombination mit Alkohol durchweg negativ behaftet waren.



Mir gefiel das Leben in der Großstadt aber irgendwie nicht. Es kostete mich immer eine Menge Überwindung vor die Tür zu gehen, um einfache Sachen wie Einkaufen oder Freunde treffen zu bewältigen. Ich wurde dann zu meinem Glück auf einen Supermarkt aufmerksam, der Online-Bestellungen unterstützte und diese direkt Nachhause lieferte. Genau das Richtige für mich. Zu Freunden fuhr ich nur noch, wenn es auf einen Rave ging. Bevor ich losging, trank ich immer Alkohol um mich meiner Angst vor der Stadt zu entledigen. Nüchtern und alleine auf der Straße war ich immer um die Gedanken anderer Menschen besorgt: "Was denken die von mir". Öffentliche Verkehrsmittel waren einfach der Horror für mich. Das waren, wie ich heute feststelle, die ersten Frühwarnzeichen für meine psychische Erkrankung (Prodromalphase)



Nach einem halben Jahr brach ich mein Geographie Studium ab und studierte nun Audio-Engineering. Ich war schon immer begeistert von Musik, Deejaying und Produktion - daher sagte mir die Richtung sehr zu. Die Leute in meinem neuen Studiengang waren ein komplett anderer Schlag. So gut wie jeder baute Beats in irgendeiner Form oder war Deejay und fast alle waren überzeugte hardcore Kiffer. Auf dem Campus wurde illegalerweise jeden Tag ohne Ende gekifft. Teilweise saßen meine Mitstudenten sogar dicht im Unterricht. Ich konnte mich nie wirklich mit denen identifizieren und rauchte zwar immer mit, allerdings nur mit herkömmlichen Zigaretten.



Die Feierei nahm in der Zeit etwas ab, weil es zunehmend anstrengender wurde, den Alkoholkater am nächsten Tag zu ertragen. Auch verlor ich irgendwie meine Ausdauer und wurde beim Feiern schneller Müde. Es war also Zeit für etwas neues: Speed!



Mein erstes mal Speed war Bombe. Ich war begeistert von dem Zusammenspiel von Alkohol und Amphetamin. Enthemmt, euphorisiert und trotzdem in der Lage gerade zu Laufen und korrekte Sätze zu reden. Ein neuer Cocktail war geboren.



Das Feiern nahm wieder etwas zu und meine Ausdauer war wieder wie mit 18. Ich hatte eine Menge Spaß und begann damit, mich langsam für andere Drogen zu interessieren - es soll aber noch 2 Jahre dauern, bis etwas neues getestet wird.



Eine negative Nebenwirkung von Speed war die Paranoia beim Runterkommen. Ich feierte immer bis 8, teilweise auch bis 10 Uhr in der Früh. Um diese Zeit hatte der Alkohol schon lange nachgelassen und mein Wille, noch mehr Paste zu ziehen, war nicht mehr vorhanden. Einer meiner Lieblingsclubs war das Watergate, welches direkt an der Spree liegt und riesige Fensterfronten besitzt. Es wurde also morgens immer hell in dem Laden und die Leute jagten mir um diese Zeit einfach nur noch Angst ein. Der Heimweg wäre eine Tortur gewesen, gäbe es keine Taxis. Ich weiß nicht wie viel Geld ich in meiner Berlin Zeit in Taxen gelassen habe. Vermutlich mehr als für Alkohol und alle andere Drogen zusammen.



Mit 23 nahm ich dann das erste mal MDMA. Es ist bis heute meine schönste Erfahrung mit Drogen und ich hänge den alten Zeiten sehr nach. Ich verstand plötzlich den Spirit von Housemusik und Clubkultur. Es war magisch. Naja - bis auf den klassischen E-Kater. Nach den Wochenenden an denen ich MDMA konsumiert habe, war ich von Montag bis Donnerstag zu nichts mehr zu gebrauchen. Totales Gehirngemüse und starke Depressionen. Aber ich nahm das oft in Kauf.



Einige Monate vergingen und ich erwartete Besuch aus der Heimat. Zwei ehemalige Internatskollegen kamen mich besuchen und waren heiß wie Nachbar's Lumpi auf die exzessiven Partys von Berlin. Sie brachten eine Menge an Ott mit - inklusive Bong. Wir feierten ausgiebig und waren danach wie zu erwarten alle komplett Zerstört. Mir wurde dazu geraten, etwas zu rauchen, da ich mich so von meinem Kater ablenken könnte. Ich rauchte also Bong - diesmal aber pur ohne den verhassten Tabak. Es war etwas komplett anderes. Mir wurde nicht mehr übel und es schmeckte tatsächlich gut. Auch die Wirkung war etwas anders. Ich war begeistert.



Als meine Kollegen sich auf dem Heimweg machten, bat ich sie, mir die Bong und etwas Gras dazulassen. Gesagt getan. Nun hatte ich meine eigene Bong und mein eigenes Gras. Ich kiffte nun fast jeden Tag und fing wieder an Musik zu produzieren (ich hatte zwischendurch immer wieder aufgrund von kreativen Blockaden aufgehört). Es war die ideale Droge für mich als Musiker und ich verstand plötzlich jeden meiner Mitstudenten.



Das ging dann ein ganzes Jahr so bis meine Bachelor Arbeit anstand. In dem Zeitraum hörte ich für 2 Monate auf zu Kiffen und trank abends nur etwas Bier um wenigstens Schlafen zu können. Meine Bachelor Arbeit samt Präsentation schrieb/hielt ich auf Ritalin. Ich bekam die bestmögliche Note für die Präsentation.



Nach meinem Studium blieb ich noch einige Monate in Berlin um noch etwas zu feiern. Ich kiffte wieder regelmäßig und hatte mich inzwischen schon an andere Substanzen wie Ketamin, Tramadol und Kratom gewagt. Mein Cocktail of Choice war allerdings Alkohol, Speed und Gras. Alkohol für die Enthemmung, Speed um den negativen Effekten von Alkohol entgegen zu wirken und Gras für die Wärme. Seltener war auch MDMA mit im Spiel - das reduzierte ich allerdings stark, da es aufgrund von zu kurzer Konsumpausen schnell seinen Reiz verlor.



Ich zog zurück zu meinen Eltern, mit der Intention, einen Aushilfsjob bei meinem Vater in der Firma anzunehmen und mich auf meine Musikproduktion zu konzentrieren. Das ging genau ein ganzes Jahr gut, bis ich mich zur Jahreswende 2017/18 dazu entschlossen habe, Alkohol, Gras und Masturbation (ich war Pornosüchtig) an den Nagel zu hängen, weil ich mit vielen Sachen in meinem Leben nicht zufrieden war.



Ich merkte nach einigen Tagen Abstinenz wie es mir besser ging. Ich hatte gute Laune und konnte sogar mir beim Arbeiten das Lachen nicht verkneifen. Ich hatte unendlich viel Energie und fing an Laufen zu gehen, weil ich nicht mehr still sitzen konnte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich da schon bereits psychotisch war und war der Auffassung, dass meine Beendigung der Masturbation für die positiven Effekte verantwortlich war. Ich war viel auf Reddit unterwegs und viele Leute, die "Nofap" betrieben, machten ähnliche Erfahrungen.



Nach einigen weiteren Tagen konnte ich nicht mehr wirklich schlafen und hatte krankhafte Fieberträume. Ich traf die Entscheidung, zumindest nachts wieder etwas zu Rauchen, um Schlafen zu können. Es hatte aber überhaupt keinen Effekt mehr, also ließ ich es wieder bleiben.



Arbeiten gestaltete sich als zunehmend schwieriger, da sich meine gute Laune / unendliche Energie mittlerweile aufgrund von mehrtägigem Schlafentzug, in Wahnvorstellung und paranoide Gedanken umgewandelt hatte. Ich sprang von einem Gedanken zum nächsten und entdeckte in jedem kleinen Detail meiner Umgebung einen Bezug zu mir selbst. Ich war davon überzeugt, dass jemand hinter mir her ist und mich einsperren will. Ich dachte ich sei Jesus (ich bin Atheist) und hätte übermenschliche Kräfte erlangt. Ich sagte zu meinen Freunden, ich müsste zu Elon Musk, da nur er mir helfen konnte, die Welt und mich selbst zu retten. Egal wie sehr man auf mich einredete, ich war meinem Gegenüber immer überlegen und konnte immer jeden noch so absurden Gedanken rechtfertigen.



Das ging dann mehrere Tage. Schlafen war gar nicht mehr möglich und ich hatte inzwischen bestimmt schon fast eine Woche nicht mehr gepennt. Ich wurde extrem schwach und meine Wahnvorstellungen wurden immer intensiver. Ich hatte nur noch Angst. Sogar vor meinen Eltern.



Wir waren beim Arzt und meine Mutter schilderte ihm alles. Ich saß daneben und sagte nicht allzu viel. Als mein Arzt das Wort Cannabis im Zusammenhang mit Schlaflosigkeit hörte, fragte er mich nur, ob ich denn kein Bier trinken könnte. Das wäre doch auch gut zum Schlafen gehen.



Er verschrieb mir dann eine Packung Clorazepat (Tranxilium), welche ich aber erstmal nicht anrührte, weil ich Angst hatte, meine übersinnlichen Kräfte würden davon schwinden. Außerdem riet er meiner Mutter, mich in die nächstgelegene Psychatrie zu bringen. Das gefiel mir aber gar nicht und ich konnte meine Mutter irgendwie dazu überreden, mich erstmal zuhause zu lassen. Am Abend nahm ich dann eine Tablette. Ich konnte gefühlt eine Stunde schlafen. Meine komischen Gedanken waren allerdings immer noch vorhanden und so gegen drei in der Früh machte ich seit langem mal wieder eine richtige Entscheidung. Ich weckte meine Eltern und meinte es würde nicht mehr gehen. Wir fuhren also in die Psychatrie.



Vom Aufnahmegespräch weiß ich nicht mehr viel, nur das es um Drogen ging und das sie mich erstmal da behalten wollen. Sie führten mich durch das Krankenhaus an eine verschlossene Glastür. Endstation: Geschlossene Station.



Na super, dachte ich mir. Sämtliche Wahnvorstellungen haben sich bestätigt und ich wurde tatsächlich eingesperrt. Man gab mir direkt die maximal Dosis Lorazepam und 500mg Amisulprit (Antipsychotikum). Ich weiß nicht mehr genau, was in den ersten Tagen dort alles passiert ist. Ich schlief drei Tage lang mehr oder weniger durch und habe wieder einige klare Gedanken fassen können. Die Ärzte haben mich mit einer Drogen-induzierten Psychose diagnostiziert. Da der Drogentest positiv auf Cannabis reagierte, war es also eindeutig.



Bei jeder Visite bat ich um Entlassung. Ich dachte alles wäre wieder im Lot. Nach langem Hin und Her wurde ich schließlich gegen Rat des Arztes entlassen und durfte wieder Heim. Ich ging wieder arbeiten und schlafen ging auch wieder gut. Nach einigen Tagen konnte ich allerdings wieder nicht mehr pennen und meine Gedanken fingen wieder an zu rasen. Ich landete wieder auf der Geschlossenen und war emotional einfach nur noch ein Wrack. Diesmal blieb ich länger und wurde nach einer Woche auf eine offene Station verlegt, wo es einigermaßen erträglicher war. Ich wurde wieder auf Neuroleptika eingestellt und meine Gedanken wurden jeden Tag klarer.



Jedoch war ich tagsüber so unruhig, dass ich kaum irgendetwas machen konnte. Es war körperlich so extrem anstrengend, die Unruhe/Agitation durchzustehen, dass ich teilweise echt dachte, es wäre besser tot zu sein. Es wurden einige weitere Medikamente ausgetestet, bis ich schließlich Promethazin bekam, was die Unruhe etwas beseitigte und beim Schlafen half. Des Weiteren waren meine Gefühle nicht mehr vorhanden. Ich hatte die Fähigkeit verloren, mich zu konzentrieren und hatte enorme Schwierigkeiten Gespräche zu führen, da mein Kopf komplett leer war. Hinzu kam eine starke Antriebslosigkeit und Apathie. Meine neue Diagnose: Schizo-affektive Psychose.



Nach mehreren Wochen wurde ich in eine Tagesklinik verlegt, wo ich von zuhause aus jeden Tag hin fuhr. Meine Symptome verschwanden nicht und man gab mir mittlerweile Antidepressiva. Die Aktivitäten in der Tagesklinik gaben mir nichts. Egal ob Ergotherapie, Entspannungsübungen oder Sport - nichts brachte irgendwas.



Nach 6 Wochen in der Tagesklinik war ich wieder Zuhause. Meine neue Psychiaterin hatte mich vorerst krank geschrieben und ich verbrachte die meiste Zeit im Bett und starrte an die Decke. Ab und zu ging ich mal spazieren, was eine gute Ablenkung war. Ich fing dann nach einigen Wochen wieder an, drei Stunden am Tag zu arbeiten. Es war so anstrengend jeden Morgen aufzuwachen, mit dem Wissen gleich zur Arbeit zu müssen, obwohl es nur 3 Stunden waren. Es war einfach die Hölle. Monate vergingen und nichts änderte sich. Ich hatte inzwischen drei verschiedene Neuroleptika und zwei weitere Antidepressiva probiert - ohne Erfolg. Nebenwirkungen hatte ich zum Glück keine schwerwiegenden. Das einzige was mir etwas half, war Promethazin. Meine Unruhe und Schlaflosigkeit waren ständiger Begleiter in der Zeit und raubten mir jeden Willen zu Leben. Ich empfand weder Freude noch Trauer. Ich war nicht müde und auch nicht hungrig. Kaffee wirkte überhaupt nicht mehr wie früher.



Nach ca. einem halbem Jahr wurde ich dann trotz Medikation wieder leicht psychotisch. Diesmal allerdings ohne die starken Gefühlsschwankungen. Ich erkannte also selber schnell, dass ich wieder Wahnvorstellungen hatte. Ich machte einen Termin bei meinem Psychiater und bretterte mit Vollspeed in meinem Automatik-Benz los. Im Gespräch versuchte ich meiner Ärztin dann irgendwie zu verklickern, dass sie mir Cannabis verschreiben muss, damit es mit mir besser wird. Ich war fest davon überzeugt, dass es klappen würde. Sie erhöhte dann mein Antipsychotikum und gab mir noch ein Rezept für Lorazepam mit. Von den Benzos merkte ich allerdings gar nichts, da sie mir nur eine Kinder Packung verschrieben hatte, bei der die Tabletten extrem klein waren. Die psychotische Episode verschwand dann wieder schnell und die Negativsymptome wie Antriebslosigkeit und Apathie machten sich wieder bemerkbar.



Ein Jahr später kam ich dann in eine medizinische Reha, in der Hoffnung, dass sich irgendwas bessern würde. Ich wusste bereits was mich erwartete: Ergotherapie, Sport, kognitives Training und ein Praktikum. Mein neuer Arzt probierte einige weitere neue Medikamente mit mir aus, darunter auch Zopiclon zum Schlafen. Selbst dieser stark schlaffördernde Benzoabkömmling hatte keinen Effekt auf meine Schlafstörungen. Mein Arzt war verblüfft. Ich fragte ihn, wie lange ich noch Antipsychotika nehmen müsse, da sich mir der Verdacht äußerte, dass meine Negativsymptome durch die Medikamente kamen. Er meinte, dass es in meinem Fall sehr unwahrscheinlich wäre, dass ich jemals ohne Medikamente auskommen würde. Er meinte auch, dass die Schäden, welche die Psychose hinterlassen hatte, irreversibel seien und ich ein Leben lang so bleiben werde. Das gefiel mir mal gar nicht.



Nach 5 Monaten in der Reha beantragte ich vorzeitige Entlassung, da es mir einfach nichts brachte. Meine Mutter besorgte mir einen Termin bei einer Psychologin, die nach amerikanischen Modell arbeitet. Ich hatte eine dreistündige Sitzung bei ihr und wir arbeiteten einiges aus meiner Kindheit auf. Sie machte mit mir unter anderem eine Art Traumatherapie, die bei Patienten mit PTBS angewendet wird. Da konnte ich seit langem mal wieder meine Gefühle spüren. Mir ging es nach dem Termin etwas besser und ich fing wieder an etwas Musik zu machen. Ich ging jeden Tag spazieren und versuchte mich sogar an Meditation (was allerdings erfolglos blieb).



Nach ein paar weiteren Monaten entschied ich mich dann gegen ärztlichen Rat, meine Medikamente auszuschleichen. Ich war nun zwei Jahre frei von jeglichen Wahnvorstellungen und war nach dem Gespräch mit der Psychologin auch fest davon überzeugt, dass es zu keiner weiteren Episode kommen wird.



Nun ist es ca. 3 Monate her, seitdem ich keine Medikamente mehr nehme. Es hat sich nicht viel gebessert. Schlafen kann ich nun etwas besser und die Unruhe ist auch einigermaßen milder. Gefühle sind nach wie vor nicht vorhanden. Keine Freude, keine Trauer, keine Motivation, totale leere im Kopf - einfach nichts. Ich hoffe, dass sich mit der Zeit noch einiges bessern wird. Es ist einfach nicht klar sichtbar, ob meine Negativsymptome eine Ursache der Medikation sind oder ob es einfach Folgeschäden der Psychose sind.



Ich habe in den Monaten zuvor auch ab und zu einiges an Drogen probiert, darunter: Alkohol, Koffein, Nikotin, THC, Ketamin, Phenibut, Kratom und LSD. Alles ohne jegliche Wirkung. Mir ist bewusst, dass es sehr naiv ist, in meinem Zustand Drogen zu nehmen, aber ich bin einfach verzweifelt und will einfach wieder irgendetwas fühlen. In habe inzwischen Reddit für mich entdeckt und tausche mich täglich mit anderen die mein Leid teilen aus. Es gibt noch einige Sachen die ich ausprobieren werde um meine Anhedonie irgendwie los zu werden. Ich habe auch nächste Woche einen Termin bei einem Psychotherapeuten und hoffe, dass er mir irgendwie weiterhelfen kann.



Monatelang habe ich Gras die Schuld zugewiesen. Heute weiß ich, dass es viel mehr Faktoren gibt, die zu Psychosen bzw. Schizophrenie führen. Sachen wie genetische Veranlagung und Traumata sind schlussendlich für dieses Leid hauptverantwortlich. Lange Zeit bevor ich überhaupt regelmäßig gekifft habe, haben sich mir bereits Symptome geäußert, die auf eine Anfälligkeit für eine solche Erkrankung hingewiesen haben. Ich denke, dass Cannabis lediglich das Ganze beschleunigt hat.



Ich hoffe, dass der Text ist einigermaßen gut leserlich und unterhaltsam ist.



Servus







Update 6.12.20 / Titel abgeändert



Es ist nun knapp 3 Monate her, seitdem ich diesen Bericht geschrieben habe. In dieser kurzen Zeitspanne hat sich überraschenderweise doch so einiges getan. Nach etwa 5 Monaten komplett ohne AP's und SSRI's fühle ich mich deutlich besser als zuvor. Ich habe wieder den gleichen Antrieb wie früher und bin auch wieder sozial aktiv (wie es Corona eben zulässt). Zwei von meinen Hobbys, das Deejaying und Plattensammeln, habe ich ebenfalls wieder aufgenommen.



Was sich leider gar nicht gebessert hat, ist mein stark abgeflachter Affekt. Es amüsiert mich zwar irgendwie wieder ein wenig, mein gesamtes Lauch-Gehalt für Vinyl aus dem Fenster zu werfen, aber die Gefühle von früher kommen beim Hören der Platten leider nicht hoch. Mein Schlafrhythmus hat sich gefestigt. Ich schlafe nun von ca. 1 Uhr bis 7 Uhr durch. Morgens kann ich dann nicht weiter schlummern, so wie es die meisten gesunden Menschen tun würden, wenn sie am Wochenende zu so einer undankbaren Uhrzeit aufwachen würden.



Mein Hauptproblem liegt aber bei dem psychosomatischen Aspekt der Krankheit. Mein Körper fühlt sich insgesamt sehr "unbequem" an. Ich kann mich einfach nicht mehr richtig Entspannen und es geht mir einfach jeden Tag grauenhaft. Es ist schwer dieses Symptom irgendwie in die passenden Worte zu bringen. Jedes mal, wenn ich einem Psychiater oder einem Freund/Familienangehörigem versuche zu erklären, was eigentlich mein Hauptproblem ist, kann niemand so wirklich nachvollziehen, wie es mir geht.



Des Weiteren habe ich simultan zu meinem Medikamenten Entzug auch mit einer Nahrungsmittelergänzungskur begonnen. Ich nehme täglich Omega-3, Coenzym Q10, L-Tyrosin, N-Acetyl-Cysteine und Sarkosin. Kaffee lasse ich schon seit 8 Monaten komplett weg (wirkt ja so oder so nicht) und von Nikotin bin ich auch seit über einem Monat runter.



Ferner bin ich nun in konventioneller psychotherapeutischer Behandlung (siebte Sitzung mittlerweile). Dort erzähle ich hauptsächlich von meinen alltäglichen Problemen (welche nahezu non-existent sind). Meine Lebensgeschichte wurde auch mehrmals durchgekaut, da mein Therapeut entweder nicht mehr der flotteste im Kopf ist oder bei den vielen Patienten die er betreut, einfach den Überblick verliert.



Was genau mich aus meinem Loch geholt hat, weiß ich leider nicht. Ich denke aber nicht, dass es die aktuelle Therapie war. Sämtliche Traumata habe ich bereits in meiner ersten Psychotherapiesession, welche nur 3 Stunden ging, aufgearbeitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind es wohl die weggelassenen Medikamente oder die Supplements. Vielleicht sogar eine Art Selbstheilung. Naja, eventuell bin ich seit Monaten auch einfach nur wieder psychotisch und merke davon nichts.



Für die Zukunft hoffe ich, dass sich meine Verfassung noch ein wenig bessert, damit ich wieder in der Lage bin, ohne große Qualen eine gesellschaftskonforme 40h Woche hinzulegen.



Um es mal mit den Worten von Waters und Gilmour zu konkludieren:



♪ ♫ Walk on, walk on, with hope in your heart

And you'll never walk alone

You'll never walk alone ♪ ♫























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