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Übersicht:

Titel:Hochdosierte Umstellung von Methadon auf Buprenorphin
Droge:Opium
Autor:Pyrimidin
Datum:10.07.2021 08:57
Nützlichkeit:7,83 von 10 möglichen   (6 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Ravensburger Strategie / Ravensburger Modell



Hallo liebe LdTler,

ich möchte euch hier die Möglichkeit eröffnen auch bei hochdosierter (Levo)methadon (Polamidon)-Gabe ohne vorheriges Abdosieren von (Levo)Methadon auf Subutex (Wirkstoff: Buprenorphin) zu wechseln. Ich habe 4 Jahre lang 18ml Polamidon bekommen und bin vor dem Klinikaufenthalt auf 15ml Pola runter.

Die Umstellung für langjährig hochdosierte Methadon-Patienten ist mögich mit der Ravensburger Strategie nach Dr. Frank Matschinksi und wird in diversen Kliniken in Deutschland angeboten. Da die Umstellung bei hochdosieren Patienten länger als 3 Wochen dauert, führen die meisten Kliniken diese Art der Umstellung nicht durch. Mein Substitutionsarzt meinte, dass ich einfach von 18ml Polamidon (Levomethadon) auf Subutex (Buprenorphin) wechseln kann. Ich solle doch einfach am einen Tag 18ml Pola nehmen und am nächsten Tag 24mg Subu.

Wie ich allerdings von ungefähr 10 anderen Patienten und auch vom Pflegepersonal weiß, ist diese Umstellung mit einem Turbo-Entzug verbunden bedingt durch den Antagonismus von Buprenorphin an einer bestimmten Rezeptoren-Gruppe. Die Ravensburger Strategie bietet die Möglichkeit den Entzug durch den Antagonismus langsam über 20-30 Tage zu verlagern.



Hier findet ihr den Link zur Ravensburger Strategie: https://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/buprenorphin/10819-umstellung-von-methadon-polamidon-auf-buprenorphin-die-ravensburger-strategie

Direkt-Link zum PDF: https://www.forum-substitutionspraxis.de/images/Download/PDF/Umstellung_von_Methadon___Polamidon_auf_Buprenorphin__die_Ravensburger_Strategie.pdf



Ich habe durch ganz Deutschland telefoniert um eine Klinik zu finden welche die Ravensburger Strategie durchführt. In der Nähe des Wohnortes meiner Schwester (Hamburg) habe ich dann die AMEOS Klinik in Lübeck gefunden (damals unter dem Namen "Fachklinik Holstein" bekannt). Ich musste nur anrufen und 10 Tage später war ich auch schon aufgenommen. Die Umstellung fand vom 25.05. bis zum 23.06.2021 statt. (Siehe unten für Kontaktdaten zur Klinik)



Das Personal in der Klinik ist echt große klasse ebenso wie die Stationsärztin. Nur mit dem Oberarzt kamen die meisten Patienten nicht klar.

Ich stelle hier alles circa einen Monat nach der Umstellung zusammen so gut es ich im Kopf habe.

Eigentlich soll die Polamidon-Dosis bis zum Tag des Absetzens gleich bleiben und das Pola dann abrupt abgesetzt werden. Ich habe allerdings darauf bestanden schon vorher langsam mit dem Polamidon runterzugehen.



Bedarfsmedikation:

2x am Tag 2mg Lorazepam bei Unruhe und Angstzuständen – das habe ich aber nur ungefähr alle 3 Tage 1x abgeholt

3x am Tag 500mg Novalgin bei Kopfschmerzen

1x Macrogol gegen den Hartschiss durch Polamidon

1x Sumatriptan bei Migräne

2x Magnesium

3x Clonidin (habe ich aber noch nie ausprobiert)



Hier meine tägliche Dosierung:

1. Tag 7ml Polamidon morgens und 0,2mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends

2. Tag nochmal dasselbe

3. Tag 7ml Polamidon morgens und 0,4mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends

4. Tag 6ml Polamidon morgens und 0,6mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends

5. Tag nochmal dasselbe

6. Tag 6ml Polamidon morgens und 0,8mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends

7. Tag 6ml Polamidon morgens und 2,0mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends – Erste Entzugserscheinungen: Starker Schwindel, Frieren, Übelkeit, Rumoren des Verdaungstrakts, später dann Schweißausbrüche



8. Tag 6ml Polamidon morgens und 2,0mg Subutex sowie 8ml Polamidon abends – Deutlich erträglicher als am Vortag

9. Tag 5ml Polamidon morgens und 2,2mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

10. Tag nochmal dasselbe

11. Tag 5ml Polamidon morgens und 2,8mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends – Das war ganz gut verträglich

12. Tag 5ml Polamidon morgens und 2,8mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends – Trotz derselben Dosis am Vortag war diese10. Tag schwerer erträglich

13. Tag 5ml Polamidon morgens und 3,2mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

14. Tag 5ml Polamidon morgens und 3,6mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends



15. Tag 5ml Polamidon morgens und 4,2mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

16. Tag 5ml Polamidon morgens und 4,8mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

17. Tag 5ml Polamidon morgens und 5,2mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

18. Tag 4ml Polamidon morgens und 5,8mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends

19. Tag 4ml Polamidon morgens und 6,4mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends – Extremes Restless-Legs-Syndrom. Dagegen haben 2mg Lorazepam sehr gut geholfen

20. Tag 4ml Polamidon morgens und 8,0mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends – Extremes Restless-Legs-Syndrom. Dagegen haben 2mg Lorazepam sehr gut geholfen

21. Tag 4ml Polamidon morgens und 10,0mg Subutex sowie 7ml Polamidon abends – Leichtes Restless-Legs-Syndrom



22. Tag 4ml Polamidon morgens und 12,0mg Subutex, die Abenddosis Polamidon habe ich an dem Abend bereits weg gelassen und nie wieder Polamidon angerührt. In den folgenden Tagen konnte ich praktsich gar nicht mehr schlafen. Ich schlief jede Nacht nur ungefähr 3 Stunden. Das hat sich aber nach einer Woche wieder normalisiert.



Ab Tag 22: Bedarf: bis zu 3x am Tag 2mg Subutex sublingual

Bedarf: 1x am Tag 2mg Lorazepam bei Unruhe und Angstzuständen



Meine Fehler war, dass ich es erst mit 14mg Subutex probieren wollte und mir deswegen nicht schon am ersten Tag die vollen 18mg Subutex aus dem Bedarf geholt habe. Anschließend hat man mir einfach den Bedarf gestrichen und meinte es müsse reichen bei 16mg Subutex obwohl ich noch echt entzügig war. Habe mich das ganze Wochenende rumgequält und am Montag - zwei Tage vor der Entlassung - erreicht, dass man mich auf 20mg Subutex setzt womit ich auch sehr gut zurecht komme.



Während 22 von den 29 Tagen fühlte ich mich durchgehend krank und selbst der Weg zur Toilette war oft anstrengend. Nachts bin ich oft unterkühlt und klitschnass verschwitzt aufgewacht und die Tage waren deutlich unangenehmer. Permanent begleitet von Schwindel, Übelkeit und allgemeinem Unwohlsein. Ich bin trotzdem zu den meisten Therapien gegangen und habe mich nur selten befreien lassen.



Vorteile

- Die starken Albträume welche ich über 4 Jahre lang hatte sind komplett verschwunden

- Ich kann wieder mehr unternehmen weil ich weniger schwitze

- Man fühlt sich auch nach über 30 Stunden ohne Subutex kein bisschen entzügig. Bei Methadon musste ich meine Dosis splitten weil ich nach 15 Stunden Hitzewallungen bekam

- Keine Müdigkeit tagsüber

- Meine Stimmung ist zwar zumeist depressiv, aber immerhin ist sie stabil und nicht so wechselhaft bei bei Polamidon

- Die Uhrzeit der Subutex-Einnahme ist irrelevant



Nachteile

- Die praktische Einschlafhilfe namens "Methadon/Polamidon" fällt weg. Ich muss selbst wieder lernen einzuschlafen und verbringe die ein oder andere Nacht wach

- Nach der Subutex-Einnahme bin ich nicht die nächsten zwei Stunden motivierter als sonst, also kriege ich noch schwerer den Arsch hoch





AMEOS Klinikum Lübeck

Haus 4

Weidenweg 9-15

23562 Lübeck

Telefon: 0451 / 5894 271 (Ansprechpartnerin ist die Frau Wachs)



Benötigt werden: Normale gesetzliche Krankenkasse, eine Krankenhauseinweisung, ein vom Arzt ausgestellter Brief mit der aktuellen Medikation, Sportsachen






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