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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Helmpflicht und Schulterblick
Drogen:Crystal
Autor:Parker Schnabel
Datum:11.02.2017 09:16
Set:Entspannt, voller Tatendrang
Setting:Wohnung der ehemaligen Mitbewohnerin
Nützlichkeit:7,43 von 10 möglichen   (14 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Einleitung:

Das hier wird mein erster Tripbericht, aber nicht mein erstes Mal C. Seit fast zwei Jahren konsumiere ich regelmäßig (Freitag bis Montag, gelegentlich auch unter der Woche) (S)-(Methyl)(1-Phenylpropan-2yl)azan . Crystal. Ice. Crank. Meth. Ich werde mich hier auf den Buchstaben C beschränken.
Chemische Drogen begleiten mich neben dem grünen Gold und bewusstseinserweiternden Substanzen schon lange. Das erste mal C habe ich vor etwa sieben Jahren Silvester in Dresden probiert. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal 13. Dann immer mal wieder zu „besonderen Anlässen“. Zwischendurch habe ich lange in HH gewohnt und die kleinen Kristalle ganz aus den Augen verloren. Dann ging es wieder gen Thüringen, wieder gen C. Umfeld, Zweckgemeinschaft, Clubs in die man gerne geht. Reizüberflutung von allen Seiten.
Mittlerweile bin ich 20 und fühle mich immer noch nicht wohl in dieser Welt die viel zu schnell, zu laut und egoistisch ist und einen kleinen Menschen wie mich einfach auffrisst.


Mein Alltag bestand lange hauptsächlich aus dem Kampf meinen Alltag überhaupt auf die Reihe zu kriegen. Struktur zu erzwingen. Aufstehen, mit dem Hund raus gehen, draußen bleiben, schnorren gehen, eine neue Bleibe suchen, nett lächeln und winken, nicht anfangen zu heulen wenn man beim Bäcker Brötchen für die stetig wechselnden Mitbewohner/innen holt, Fastfood als Hauptnahrungsmittel, Abends durch Meditation und vier oder fünf “Gute Nacht Köpfchen” überhaupt einschlafen zu können.
Ich war der festen Überzeugung das hat alles seine Richtigkeit. Das muss so! Sonst funktioniere ich doch nicht. Die Kristalle waren eine ganze Zeit lang meine Basis. Meine Insel, mein Rettungsring, meine Hand die mich aus sämtlichen Löchern voller Scheiße zieht.
Ich konsumierte um mich schön zu fühlen, mich stark zu fühlen, um all die Scheiße zu verdrängen die um einen rum passiert. Gefühle werden getötet um ein Schutzschild zu errichten. Das funktioniert prima. Doch die Fassade bröckelt jeden Tag ein Stückchen mehr. Viele der Menschen mit denen ich meine Zeit verbracht habe, sind heute komplett andere Persönlichkeiten, werden kalt, egoistisch und es zählt nur noch die Droge. Du belügst deine Freunde, deine Familie, und vor allem Dich selbst.

Ich liebe es mein Verhalten und meinen Körper auf den verschiedensten Substanzen zu beobachten und zu reflektieren. Nüchtern sein ist nach wie vor nicht so mein Ding, aber manchmal möchte ich einen Augenblick mit klarem Kopf genießen und fest halten.


Ein einfaches Wochenende auf C (Couchpotatos, Schildkröten und Faultiere) ohne Feierei.

(Nils und Kira sind Pseudonyme)

Es ist Freitag und gespannt warte ich auf Kira. Gemeinsam fliegen wir dann zum Crew Boss der Schnabeltassentieftaucher (ich nenne ihn hier einfach mal Nils). Wir überlegen im Auto noch wie viel wir holen wollen. Ein Gramm für uns beide, also zwei halbe. Das reicht wenn wir genügsam sind für zwei Wochenenden. Je nachdem was wir geplant haben.

Als wir bei Nils ankommen haben wir ca. 16 Uhr.
Erstmal zur Bank und Geld holen. 80€ für ein Ganzes Gramm wenn Nils einen guten Tag hat, sonst einen Hunni. Dezent muss die Übergabe vonstatten gehen. Schnell rein in die verqualmte und heruntergekommene Mockbude und schnell wieder raus. Frische Luft schnappen und Abfahrt.

16:30 - Autobahnraststätte x : Kira muss pinkeln und ich hole das Tütchen aus meinem Geheimversteck. Große glasklare Kristalle. Im Auto wird die erste Nase penibel klein gemacht und verköstigt. Das brennt und ich versuche meinen Abgang schnell herunter zu würgen.

16:45 – mein Auge tränt und ich merke wie mein Herz schneller schlägt. Wir fahren weiter. Kira erzählt mir in den nächsten 30 Minuten wie ihre Woche war und ich höre aufmerksam und konzentriert zu.
Auto fahren auf C klappt am ersten Tag hervorragend. 1940 haben die Piloten der Wehrmacht Pervitin konsumiert um die Konzentration- und Reaktionsfähigkeit zu erhöhen und außerdem das Schlafbedürfnis reduzieren. Keine Gute Rechtfertigung, ich weiß.

17:25 – Endlich angekommen. Ich parke und als ich das Lenkrad loslasse, hinterlässt meine Hand einen kalt schweißigen Handabdruck. Meine Hände schillern in verschiedenen Farbtönen und sind wie der Rest meines Körpers angespant und verkrampft. Die tun richtig weh. Ich würge den letzten Rest meines bitter schmeckenden Abgangs hinunter. Drinnen lassen wir uns erstmal auf die Couch fallen. Dicke Schweißränder zieren den Pulli den ich trage. Warm ist es nicht, meine Hände sind kalt. Ich schwitze so schon viel, aber Meth sei Dank an den Wochenenden fühle ich mich manchmal wie ein Wasserfall.

18:30 – Wir reden immer noch über Belanglosigkeiten, Exfreunde und Hundefutter und merken nicht wie schnell die Zeit vergeht.Nebenbei und unbewusst streiche ich mit meiner schwitzigen und dreckigen Hand immer wieder über wunde offene Stellen in meinem Gesicht. „Pickeln“ , wie wir dieses Hobbie nennen ist eine furchtbare Angewohnheit und entwickelt sich vor allem unter dem Einfluss von C zu einem echten Zwang.

19:00 – Endlich haben wir es geschafft uns aus diesem Gesprächswahn zu befreien, ich räume die Spülmaschine aus, Kira legt zwei neue Nasen. Die Kristalle klopfen gegen meine Nasenschleimhäute und ich habe erneut Tränen in den Augen. Kira übergibt sich. Mir wird hauptsächlich schlecht, wenn ich nebenbei Gras durch meine Bong geraucht habe, deswegen verzichte ich am Wochenende auf solche Spielchen (zum runterkommen bzw. Schlaf finden rauche ich schon ganz gerne.) Kotzen gehört dazu, deswegen widmen wir uns unbekümmert den Hunden. Wir gehen eine große Runde Gassi. Draußen fühle ich mich wie unter eine Glocke, ich kann ganz ich sein. Mir ist es egal was die Leute denken wenn ich auf die Mauer der Kirche klettere. Ich kann die Welt um mich abschalten.
Nur Kira, die Hunde und ich sind wichtig.

21:00 – Gegen neun geht Kira duschen,ich schminke mein Gesicht ab. Natürlich kratze ich nebenbei an Pickeln die nicht existent sind. Meine Haut ist rot, fleckig, fettig und blutig. Nicht sehr schön anzusehen, aber manchmal bekomme ich das einfach nicht in den Griff. Ich sitze in einer verkrampften unbequemen Haltung vorm Spiegel und meine Füße sind schon lange eingeschlafen. Wie ein Rentner lasse ich meine Gliedmaßen in die richtige Position gleiten und stehe auf. Mein vollkommen trockener und fester Mund erinnert mich daran mal einen Schluck zu trinken. Ewig eiere ich vor dem Glas hin und her und schaffe es dann doch einen Miniatur Schluck in meinen leeren Magen zu gießen. Jedes noch so kleine Vorhaben dauert ewig. Wie eine Schildkröte bewege ich mich durch die Wohnung.

23:30 – Kira ist fertig mit duschen. Ich bin auf einem Mandala Ausmal Buch „hängen geblieben“mit dem ich mich die letzten zweieinhalb Stunden beschäftigt habe. Für solche Dinge habe ich in anderen Zuständen kaum Motivation. Ich bin glücklich über meine fertigen Ergebnisse und mache mich auch duschfertig.

00:00 - Bevor ich es in die Kabine schaffe pickel ich noch fleißig auch Rücken und Oberschenkel auf. Ich dusche viel zu heiß, wird mir im Nachhinein bewusst. Meine Haut ist knallrot, meine Zehen dunkelblau und meine Hände weiß. Aber das duschen hat gut getan. Die eklige fettige Haut, Dreck und Hundehaare.. alles weg. Für die nächste halbe Stunde. Ich schwitze schon bevor ich überhaupt richtig angezogen bin.

So geht es auch den ganzen Samstag weiter. Pickeln, Gassi, Schminken, Abschminken, festgehen auf dieses und jenes, Gliederschmerzen, Würgreiz, kaum Flüssigkeit

Hier mache ich einen kurzen Zeitsprung. Mittlerweile haben wir Sonntag Nachmittag ca 16:00
– Wir ziehen die letzte Nase für heute, da Kira morgen also Montag an die Arbeit muss und vorher schlafen möchte. Wir haben schon zu der Nase um 12:00 heute Mittag betont hinzugefügt das das unsere letzte für heute ist. Aber wie das so ist.Eine gaaanz kleine geht noch. Täglich grüßt das Murmeltier. Konsequent inkonsequent.

Mittlerweile kann ich mich ab und an nicht mehr richtig artikulieren, nuschle und schiele in alle Himmelsrichtungen. Ich sehe aus wie eine dieser Frauen aus den amerikanischen Anti-Meth Kampagnen.

Ich bin dumm und glücklich.
Körperlich am Arsch, Hauptsache alles tot gemacht.
Ziel erreicht.

Gegen 22:00 Uhr versuchen wir uns ein paar Kartoffel Ecken einzuverleiben. Jetzt wird auf der Couch gesessen und DMAX geschaut. Kira schläft gegen 02:00 ein, ich döse zwischen 05:00 und 06:00 morgens ein bisschen vor mich hin, liege dafür die ganze Nacht wie ein steifer Tierkadaver in meiner Sofaecke und versucht gegen den Drang anzukämpfen, meinen Körper zu verunstalten.

Lachen oder weinen ich bin mir nicht sicher. Ich liebe diese positive Blase die C erzeugen kann, die Abgründe werden schnell nebensächlich. Zu schnell.

Man bewegt sich wie ein Seiltänzer zwischen Himmel und Hölle und man darf nicht das Gleichgewicht verlieren. Ein viel zu dünnes Seil, ein viel zu tiefer Abgrund.
Also bitte denkt an Helmpflicht und den Schulterblick bevor ihr mit dem Helikopter den sicheren Boden verlasst.






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