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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Psychonautenstammtisch Teil 1
Drogen:Salvia Divinorum
Autor:Kraeuterhexe
Datum:11.02.2018 23:36
Set:Neugierig, immer bereit, neue Erfahrungen zu machen.
Setting:In einem Wiener Lokal, mit ein paar wirklich tollen Leuten
Nützlichkeit:8,50 von 10 möglichen   (12 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Psychonautenstammtisch Teil 1

Vorweg: Dieser Text ist vielleicht nicht ganz den hier sonst üblichen Tripberichten zuordenbar. Einige Triperfahrungen stammen nicht von mir selbst, sondern von Freundinnen und Freunden. Ich bin also nicht in jedem dieser Berichte die "Hauptprotagonistin". Ich will euch aber die Erfahrungen, die ich damals mit diesen wunderbaren Menschen machen durfte, nicht vorenthalten. Es ist schon ein paar Jährchen her, da trafen ein paar Studienkollegen und ich uns regelmäßig in einem Wiener Lokal zum "Psychonautenstammtisch". Den Kern dieser Gruppe machten etwa 15 Leute aus. An diesem Stammtisch tauschten wir nicht nur Erfahrungen aus, die wir mit psychedelischen Drogen gemacht hatten, sondern auch andere Erfahrungen, die über das Alltagserleben hinausgingen, wie etwa Meditation, Holotropes Atmen, Psychotherapie, Biofeedback oder Grenzerfahrungen bei bestimmten Sportarten. Sinngemäß ist alles authentisch - ich führe sein vielen Jahren fast schon "zwanghaft regelmäßig" Tagebuch :-)), aber natürlich musste ich da und dort kleinere Erinnerungslücken erzählerisch ergänzen, damit es gut lesbar bleibt. Und alle Namen sind natürlich geändert. So werde ich, falls es euch weiter interessiert, in Zukunft hie und da einen Bericht von unserem Psychonautenstammtisch hochladen. Nun denn:

Ich kam direkt von einer Vorlesung und hatte mich aus diesem Grund etwas verspätet. Ich drängte mich durch den dicken schwarzen Windfang und trat in das Lokal. Wie immer hingen (damals noch) bläulicher Zigarettenrauch und der Duft nach frisch gebrautem Kaffee in der Luft. Die Tische waren alle dicht besetzt. Ich eilte auf das Extrazimmer zu, das wir für unsere Meetings zu reservieren pflegten.

Als ich den Extraraum betrat, waren bereits alle Andern anwesend und das Gespräch schon voll im Gange. Und während ich Einen nach dem Anderen mit meinen winterkühlen Wangenküssen beehrte und meine Jacke ablegte, war Bennie, ein süßer zartgliedriger Rotschopf und Medizinstudent, bereits voll am Reden:

Ich sage euch, plapperte Bennie aufgeregt, ich sage euch, das war ein ganz fieser Trip. Ich hatte da noch ein wenig Extrakt vom Salvia Divinorum, den wollte ich ex machen. Dabei fuchtelte er mit den Händen herum, als wollte er etwas für uns in die Luft zeichnen.

Im Hintergrund wummerte Neurofunk. Der Bass massierte sanft unsere Pobacken und die kleine Kellnerin brachte die Getränke.

Salvia, sagte Bennie, ist eine Sau. Es macht dich, wenn du's richtig rauchst, vollkommen flach, ehe du nur japs sagen kannst. Set und Setting müssen hundertprozentig passen, versteht ihr? Du musst gut drauf sein, und rundherum muss alles stimmen, sonst bist du auch schon am Arsch. Aber auch gutes Set und gutes Setting sind keine Garantie. Ich mache also meine Bong klar, zieh mir einen ordentlichen Kopf voll rein, halte den Rauch so lange es geht in den Lungen, da kommen plötzlich diese Vibrationen. Du fühlst dich, als säßest du auf der Ladefläche eines Pickups, der mit Megatempo durch Myriaden von Schlaglöchern kracht. Ich halte mich also irgendwo an, damit ich nicht umkippe (in Wahrheit liege ich natürlich auf meiner Couch), und plötzlich bin ich das mit Kreide an eine Wand gekritzelte Bild einer Cracknutte.

Er schaute erwartungsvoll in die Runde.

Prompt fragte die süße Thaïs durch den dichten Vorhang ihrer üppigen dunkelschwarzen Haare: Was bitte ist eine Cracknutte?
Wir sahen sie an und ließen das erst mal so stehen.

Es ist unglaublich, lachte Bennie. Ihr könnt euch einfach nicht vorstellen, wie es ist, eine Kreidezeichnung zu sein. Noch dazu das Abbild einer Drogennutte. Sein schelmischer Blick streifte dabei Thaïs, die, neben ihm sitzend, von ihrem penetrant riechenden Wodka Red Bull nippte. Es ist so... so abstrakt, einfach nur abstrakt. Und ich, im Minirock, wie ich mich offensichtlich gerade vor einen Freier bücken will. Aber es ist trotzdem auch nicht zum Davonlaufen. Eine Zeit lang kannst du das schon aushalten, nur hatte ich dann plötzlich Angst, dass der unsichtbare Freier mich anpissen könnte, mich so also quasi von der Wand runter löschte und ich mich auflöste. Mein "realer" Körper war irgendwo oder vielleicht auch nirgendwo mehr. Jedenfalls konnte ich nicht einmal mehr einen realen Finger krümmen. Ich konnte bloß das an die Wand gemalte Abbild einer sich gerade bückenden Cracknutte im Minirock sein. Dabei hatte ich mit der Zeit das Gefühl, dass meine Striche verblassten, während irgend eine total kranke Musik ihre Drumbeats in die Luft donnerte. Mit jedem Beat fielen ein paar Kreidebrösel von der Wand. Und dann auf einmal verstand ich die Logik hinter dieser ganzen bizarren Geschichte!

Und die wäre? fragte ich.

Bennie schaute mich mürrisch an und schüttelte den Kopf. Keine Ahnung! Ich hab's eben in dem Moment verstanden, wo es passierte. Das heißt nicht, dass ich es jetzt auch noch verstehe. Ich bin nüchtern, Schwester. Dabei klingelte er mit den Fingernägel gegen sein feucht bereiftes Bierglas, das noch immer vollgefüllt vor ihm stand.

Die ganze Szenerie war gewissermaßen nur die Spiegelung einer Spiegelung einer Spiegelung meines Unterbewussten, sagte er dann, und man konnte den Eindruck gewinnen, dass Bennie jetzt ärgerlich wurde, weil ich seinen Trip hinterfragte.

Für mich ist das alles nur Neuronengewitter, sagte nun Jan, der Philosoph und Radikalinski in unserer Gruppe. Ein kleines, nettes Abenteuer, das sich unser Gehirn zusammenreimt, um das Nichts zu überbrücken. Da ist kein tiefenpsychologischer Sinn dahinter. Oder hast du irgend eine Beziehung zu Cracknutten?

Na ja, das nicht, aber ich wäre gerne eine Frau...

Einige von uns horchten auf.

Nein, im Ernst, natürlich keine Prostituierte, fuhr Bennie fort, aber ich hatte schon als Sieben- oder Achtjähriger einschlägige Fantasien, wollte eben lieber ein Mädchen sein. Bennie wirkte nun etwas nervös und trank sein Bier in einem Zug aus.

Ach was, scheiß drauf! Ich brauch mich hier doch nicht zu rechtfertigen!

Also wirklich, meinte Jan, das ist ja das Nächste: Jetzt redest du dir vielleicht auch noch ein, du wärst eine Transe. Nur weil dein nucleus acumbens klingelt, wenn du ein pinkfarbenes Höschen überziehst. Meinst du vielleicht, du wärst eine Frau, gefangen im Körper eines Mannes?

Niemand von uns lachte jetzt mehr, außer Jan, der die Situation sichtlich genoss.

In Wahrheit hast du vielleicht nur ein paar Mädels zu wenig flachgelegt in deinem bisherigen Leben, die du dir nun dadurch ersetzt, dass du in ihre Rollen schlüpfst und dich so an dir selbst begeilst. Aus Mangel, verstehst du. Eine Wichsfantasie eben. Ist es nicht so?

Jan, findest du nicht auch, dass du zu weit gehst mit deinen aggressiven sexistischen Statements, sagte ich, als ich spürte, wie es mir bereits die Magenwände vor Ärger zusammenzog.
Jan ist ein Freak, der darauf stolz ist, jedem seine unverblümten Wahrheiten ins Gesicht zu spucken. Und je unangenehmer oder peinlicher, umso lieber. Jan indessen lächelte mich überlegen an, als hätte er einen Pokal gewonnen.

Bennie reichte der kleinen Kellnerin sein leeres Glas. Ach, was weißt du schon, sagte er dann zu Jan, wieder etwas ruhiger. Ich habe meinen Kopf schon in Wässerchen getaucht, von denen du nur träumen kannst. Außerdem habe ich nie behauptet, eine Frau, gefangen in einem Männerkörper zu sein. Ich hab mich letzthin mit den Gegebenheiten unserer Gesellschaft arrangiert und mich als Mann sozialisiert, nicht zuletzt, weil es so Typen wie dich gibt, die mir das Leben nur schwer machen würden. Ich wäre aber viel lieber als Mädchen aufgewachsen und es wäre für mich traumhaft, hätte ich die Möglichkeit, als Frau durchs Leben zu gehen. Viel in meinem Denken ist eher weiblich.

Thaïs schmiegte sich an Bennies Schulter.
Ich mag dich genau so, wie du bist, hauchte sie, sanft wie der Frühlingswind.

Ein gespielt Mitleid und Zustimmung mimendes "Ooooh" raunte durch die Menge, gefolgt von Lachen. Bennie küsste Thaïs auf den Mund. Niemand von uns hatte bisher mitbekommen, dass die Beiden ein Paar wären. Waren sie wahrscheinlich auch nicht. Aber sie mochten sich sehr. Das sind die Momente, sagte Bennie dann überlegen lächelnd, wo ich auch ganz gerne ein Mann bin.

In den Sechzigern und Siebzigern, sagte ich, gab's noch nicht so viel verschiedene Drogen wie heute. Die Hippies kannten hauptsächlich Cannabis und Haschisch, Mushrooms und LSD. Mein Dad war noch einer von diesen Hippies. Und die hatten auch noch so etwas wie Ideale.

Und sie hatten auch Meskalin, und Opium, Heroin und Cocain, setzte Bennie fort. Außerdem kannten gerade die Hippies auch schon damals Salvia Divinorum, das alte Wahrsagekraut der mazatekischen Schamanen.

Was du nicht sagst, konterte ich gespielt provokant. Schon dabei gewesen?

Du vielleicht? erwiderte jetzt Thaïs, und lehnte sich dabei demonstrativ an den rothaarigen Bennie, der Thaïs´ Zuneigung sichtlich genoss.

Es ist doch so, meinte Jan, mit jetzt etwas friedlicherer Stimme, dass die ganze aktuelle so genannte "Drogenszene" nichts Anderes ist als ein bunter Haufen konsumorientierter Hedonisten. Vielleicht nur jeder Hundertste oder gar Tausendste von denen ist ein wirklicher "Psychonaut" - wenn man schon unbedingt einer sein muss. Dafür aber gibt es heute zuhauf neue, synthetische Cannabinoide und Opioide am Markt. Alle um ein Vielfaches stärker und gefährlicher als die natürlichen Kräuter. Was du heute im Dark Web unter Research Chemicals geboten bekommst, ist teilweise hochgradig gesundheitsschädlich oder gar lebensgefährlich. Da gibt es Stoffe, die sind so stark, dass du sie mit Handschuhen und Atemmaske portionieren musst, um keine Partikelchen einzuatmen, die dir dann vielleicht eine letale Atemdepression bescheren könnten.

Bennie blickte von Thaïs hoch: Da geb ich dir Recht. Das ganze Zeug kann mir auch gestohlen bleiben. Ich wünsche mir einen Blick hinter die Kulissen, verstehst du, nicht einen simplen Rausch aus Langeweile.

Bennie hat Recht, pflichte ich ihm bei. Die Meisten von uns haben eine medizinische Ausbildung und betrachten die Sache auch aus diesem Blickwinkel. Natürlich soll das Ganze auch Spaß machen, aber dieser "Blick hinter die Kulissen", wie Bennie es nennt, erscheint auch mir als wichtigstes Motiv. Gerade der Umgang mit Psychedelika ist ja auch nicht immer so einfach. Ein LSD-Trip kann anstrengend sein, zuweilen auch nicht ganz ungefährlich. "Hedonistisch" würde ich schon aus diesen Gründen unsere Absichten nicht nennen, wenn wir trippen. Es ist eher wie eine Exkursion zu den weißen Flecken der psychischen Landkarte.

Da werdet ihr nicht viel finden, hinter euren "Kulissen" oder bei euren "weißen Flecken" meinte Jan, nun wieder ganz auf Angriff. Das weiße Rauschen eurer unterbeschäftigten Neuronen und Rezeptoren wird durch diese Wirkstoffe ein wenig durchgeschüttelt, da und dort stellt sich vielleicht irgend eine Fantasie ein, und sofort projiziert ihr in diese Fantasie etwas hinein, ladet sie mit Bedeutung auf. Dann sagt ihr vielleicht: Ich habe dies oder das erkannt, laber, laber, laber... Aber hinter dem Leben und der Natur steht in Wirklichkeit nur das Leben und die Natur, mehr nicht. Manche können diesen Gedanken nicht ertragen und dann beginnt die Suche. Die Suche nach...

Ich finde übrigens auch, dass die Erfahrung mit Salvia extrem sein kann, schneidet nun der hagere Erik neben mir Jan das Wort ab. Offenbar wollte er Jan's Monolog damit beenden. Ich war mal meine eigene Armbanduhr auf Salvia. Mit Leuchtziffern.

War ich nie, flüsterte er mir mit der Mimik eines Bauchredners zu.

Ist wirklich total schräg, setzte er dann lauter fort. Trotzdem ist es fast ein Sakrileg, sowas zu konsumieren, verstehst du, ich sagte: k o n s u m i e r e n. Es ist doch eine Heilige Droge, wie zum Beispiel auch Ayahuasca und viele andere.

Jan beugte sich über den Tisch zu Erik und Bennie: Mich stört weniger, dass eure Drogen "heilig" sind, sondern dass ihr sie offenbar braucht, um eure Fantasie anzuleiern oder um zu einer Erkenntnis zu gelangen.

Es gibt Erkenntnisse, die kannst du mit Promiskuität eben nicht machen, stichelte Bennie, in Anspielung auf Jan's bekannterweise kompliziertes Liebesleben.

Und es gibt auch Erkenntnisse, die die Welt nicht braucht, versetzte Jan.

Hey, Leute, was ist denn mit euch los! sagte ich. Wollt ihr hier nun stundenlang aufeinander hacken, oder wollen wir nicht alle wieder ein bisschen runterkommen?

Und während Bennie und seine süße Verbündete Küsschen austauschten, zog Jan seine Geldbörse aus der Jackentasche und warf ein paar Euro auf den Tisch. Der Rest ist für die Kellnerin, knirschte er. Ich will heute noch ein bisschen Spaß. Dann zog er sein Handy aus der Jackentasche und marschierte im Stechschritt zum Ausgang.

Schleich dich, murmelte Erik kaum hörbar.

Wir alle atmeten auf, als Jan verschwunden war. So beruhigte sich die Atmosphäre wieder. Während die Musik weiterfloss und die Kellnerin eine Runde Wodka brachte, die irgend ein freundlicher Gönner für uns bestellt hatte, mussten wir lachen. Natürlich war er ein Revoluzzer, dieser Jan. Aber warum war er noch immer einer der Unseren? Warum kam er immer wieder und warum hatten wir ihm bisher noch nie den Eintritt zu unserem Stammtisch verwehrt? Vielleicht, weil er ein wichtiges Mitglied unserer Gruppe war, kein angenehmes wohlgemerkt, aber ein wichtiges. Er setzte den Kontrapunkt zu unserer Arbeit. Er war das Umkehrmotiv - und ein Teil vom Ganzen. Das wussten die Meisten von uns, auch Bennie und Erik und Thaïs.

Wir beschlossen, bei nächster Gelegenheit der Sache mit Salvia genauer auf den Grund zu gehen, mit Tripsitter, Tripprotokoll und Videoaufzeichnung.

Doch das ist eine andere Geschichte.






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