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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Floating-Tank und Acid
Drogen:LSD
Autor:Kraeuterhexe
Datum:23.07.2018 11:38
Set:Gut gelaunt und sehr neugierig
Setting:Im Floating Tank eines Psychonauten
Nützlichkeit:9,43 von 10 möglichen   (21 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Vorbemerkungen zum Tank

Vor einiger Zeit ergab sich eine für meine Acid-Forschungen sehr fruchtbare neue Bekanntschaft. Ein "Freund eines Freundes", nennen wir ihn Mike, besitzt einen Floating-Tank. Dabei handelt es sich um ein ovales, ca. 2,5m x 2m großes Becken mit einer Kuppel, die den Innenbereich vollständig licht- und schalldicht umschließt. Die Flüssigkeit, auf der man liegt, ist eine gesättigte Wasser-Magnesiumsulfat-Lösung. Man schwebt förmlich darin, daher der Name „Floating“-Tank. Die Wassertemperatur im ca. 30 cm tiefen Becken beträgt etwa 34,2° - 34,4° und entspricht damit in etwa der Oberflächentemperatur des menschlichen Körpers.
Laut Mike ist es gar nicht so einfach, ideale Bedingungen für so einen Tank herzustellen. Belüftung, Raum- und Wassertemperatur, Wasserdurchmischung, Wasserhygiene und noch viele andere Faktoren müssen klaglos und auch möglichst geräuschlos funktionieren.
In einem solchen geschlossenen, verdunkelten und völlig lautlosen Tank regungslos zu schweben bedeutet, dass sich das Gehirn um viele Sinnesdaten, die es sonst verarbeiten müsste, nicht mehr zu kümmern braucht und somit eine Menge Hirnressourcen frei werden. Da jedoch das Gehirn darauf konditioniert ist, aus dem gewohnt dichten Sinnesdatenstrom eine unseren Bedürfnissen entsprechend komplexe Umwelt zu konstruieren, versucht es nun, die entstandenen Datenlücken durch „Eigenproduktionen“ (z.B. Halluzinationen) zu ersetzen.


Mike, Lilo und Svenja

Mike, ein lustiger, an den Schläfen ergrauter Mittesechziger, ist wahrscheinlich einer der wenigen „Verrückten“, die sich solch ein Ding privat leisten und zusätzlich in psychonautischer Weise ernsthaft damit arbeiten. Viele interessante Gespräche mit ihm und seiner Frau Lilo folgten auf unser erstes Kennenlernen, bis wir endlich zur gemeinsamen Auffassung kamen, dass es für mich Sinn machen würde, mit Acid in den Tank zu steigen. Mike war anfangs sehr vorsichtig und prüfte genau, ob ich mit diesem ganz besonderen Setting auch zurechtkommen könnte. Er hat ähnlichen Forscherdrang wie auch ich ihn habe. Auch er dokumentiert akribisch alle Erfahrungen mit Experimenten psychonautischer Art. Er ist u.a. auch ein Kenner der Literatur von John C. Lilly, und er hat auch jahrelange Erfahrung mit Drogen wie LSD und DMT.

Lilo, Mikes Frau, ist ebenfalls ein verrücktes Huhn, eine untersetzte Frau mit einer platzgreifenden, beinah schon ehrfurchtgebietenden strohblonden Afromähne. Sie lacht gerne und unterstützt ihren Mann bei seinen Experimenten.

Meine liebe Freundin Svenja, von der auch schon in einigen meiner anderen Tripberichte zu lesen war, ist diesmal nur aus Neugier und zu meiner moralischen Unterstützung mitgekommen. Sie selbst wird heute nicht trippen.

Ich habe vor, etwa zwei bis drei Stunden im Tank zu verbringen, vielleicht aber auch länger, je nachdem, welche Prozesse ablaufen.


Die Einnahme

Ich nehme anderthalb Gelatineplättchen (ca. 180 Mikrogramm LSD) mit Fruchtsaft zu mir. Ich warte nicht, bis die Wirkung des Acids spürbar wird, sondern steige sofort nach der Einnahme in den Tank, da ich bereits voll akklimatisiert sein will, wenn die Wirkung des Acids einsetzt.


Im Tank

Ein wenig mulmig wird mir kurz, als sich die Kuppel schließt und Mike das Innenlicht abschaltet. Aber ich kann mich schnell an diese Situation gewöhnen. Außerdem gibt es eine kleine Sicherheitsvorrichtung. Sobald Geräusche eine bestimmte dB-Anzahl überschreiten, ertönt ein Alarm auf Mikes Handy. Wahrscheinlich hat er irgendwo im Tank ein Babyphone installiert. Er kann dann über die App „mithören“ und so entscheiden, ob ein Einschreiten (öffnen des Tanks) notwendig ist. Außerdem lässt sich die Kuppel jederzeit leicht von innen öffnen. Ich habe somit keinerlei Grund zur Angst und kann mich entspannen.

Nun schwebe ich also nackt auf dieser Magnesiumsulfat-Lösung. Zuerst bin ich ein wenig enttäuscht, da ich sehr wohl noch eine ganze Menge an Körpersignalen zu spüren bekomme. Am meisten stört mich zu Beginn das sanfte Kitzeln der Wasseroberfläche an meinen Körperhärchen. Ich entspanne mich bewusst. Als mein Körper mehr und mehr zur Ruhe kommt und ich nur mehr relativ flach atme, verschwindet dieses Kitzeln und es wird immer ruhiger um mich.

Schon bald bin ich mir nicht mehr sicher, in welcher Lage im Raum ich mich befinde. Ich könnte genau so gut auf dem Bauch am Wasser liegen oder sonst irgend eine Lage einnehmen. Nur meine Vernunft sagt mir, dass ich rücklings am Wasser liege. Meine Sinne geben mir darüber keine Auskunft. Ich habe auch keine Ahnung, wie viel Zeit vergeht. Ich kann nicht entscheiden, ob ich schon eine halbe Stunde im Tank bin oder erst wenige Minuten. Jedenfalls stellen sich schon sehr bald erste seltsame Wahrnehmungen ein. Ich habe plötzlich das Gefühl, dass der Tank zu schaukeln beginnt und unterdrücke den Drang, mich instinktiv irgendwo abzustützen. Ich überlege mir allen Ernstes, ob Mike vielleicht so eine Option in seinen Tank eingebaut hat, und nur die mit großer Mühe hergestellte Vernunft beruhigt mich wieder und sagt mir, dass dies ganz bestimmt nicht der Fall sein kann. Lustiger Weise ist damit auch das Schaukeln beendet. Ich bin froh, denn ich hatte schon befürchtet, dass mir bei diesem Schaukeln übel hätte werden können, mit allen unangenehmen Konsequenzen.

Dann, nach einer Weile der empfundenen Leere und Dunkelheit, habe ich mit einem Mal das Empfinden, aus meinem Körper zu steigen!

Es geschieht völlig übergangslos. Bin ich eigentlich schon unter dem Einfluss von Acid? Ich habe keine Ahnung. Aber ich vermute, dass dies immer noch die bloße Wirkung des Tanks ist und das Acid noch ein wenig braucht, bis es kommt. Ein seltsames, nur schwer zu beschreibendes Gefühl der Dissoziation ergreift mich. Ich habe nicht das Empfinden, einfach nur vom Körper getrennt zu sein, sondern eher, dass es den Körper gar nicht mehr gibt. Er ist in sich zusammengefallen wie das letzte Bild am Fernsehbildschirm, wenn man ihn abstellt. Das Bild schrumpft zu einem Punkt und verglimmt. Es ärgert mich ein wenig, dass ich es nicht aushalte und zum Test versuche, mich zu bewegen, um meinen Körper zu spüren. Kein Problem, sofort ist das Empfinden für den Körper wieder da.

Nach ein paar Minuten regungslosen Floatens stellt sich erneut die Empfindung ein, dass der Körper sich auflöst. Diesmal vermeide ich es, mich nochmals zu bewegen.

Aber auch die Wahrnehmung der Körperlosigkeit wandelt sich bald. Plötzlich werden meine Gedanken "groß". Ich habe das reale Gefühl, ein Gedanke, oder, noch besser, ein Gedankenkontinuum zu sein. Der Gedankenstrom ist das einzig Wahrnehmbare und mein inneres Gelaber wird zu meinem „Körper“. Zugleich spüre ich jetzt auch, wie mich das Acid küsst. Musik ertönt. Das einzig Wahrnehmbare ist nun, auf einmal, die Musik, die zugleich ich bin.

Dieses Gefühl gehört zum Geilsten, was ich jemals erleben durfte!

Orchestermusik, schwebende Septakkorde der Streicher und Holzblasinstrumente. Darüber ein Harfenarpeggio. Ich kann die einzelnen Instrumente meinen Körperteilen zuordnen und sie als solche empfinden. Die Harfe etwa ist meine Stirn und der dahinter liegende Gehirnbereich, das Fagott mein Po und meine Beckenmuskulatur. Ich spiele Musik, die ich noch nie zuvor gehört habe. Sie ist zwar tonal (dorisch), zugleich aber doch auch sehr befremdlich. Vor allem aber ist sie deutlich hörbar. Oder besser gesagt, ICH bin deutlich hörbar. Ich bin (im momentanen Zustand) fest davon überzeugt, dass Mike mich übers Babyphone hören kann, und hoffe irgendwie, dass er die Musik mit seinem Handy aufzeichnet (verrückt im Nachhinein).

Ja, jetzt, so kommt es mir vor, ist das Acid voll da! Überall beginnen sich nun fragile, vieldimensionale Muster zu bilden. Alles bewegt sich um mich herum, während ich Musik bin und nun die Hörner und Posaunen durch mich hindurch blasen. Ich bestehe nur aus Schwingungen, die zusätzlich die Fähigkeit besitzen, zu "sehen".

Ich muss mich im Laufe der nächsten Minuten immer mehr konzentrieren, um mich nicht zu bewegen. Das habe ich mir zuvor leichter vorgestellt. Die Welt um mich herum morpht jetzt, dass es eine wahre Freude ist. Tatsächlich habe ich bisher kaum einen visuell so lebendigen Trip auf LSD erlebt wie diesmal. Ich sehe Dinge, Tiere, Pflanzen, und ich sehe auch deren Aura in den schönsten Farben, die man sich vorstellen kann.

Ich bedaure es auch, dass ich im Moment mit niemandem darüber reden kann. Traurigkeit steigt hoch, und ein beklemmendes Gefühl des Alleinseins. Ich spüre, wie sich eine Spannung in mir aufbaut, und ich spüre auch meinen Körper wieder, der diese Spannung wahrnimmt. Bald schon fühle ich mich wie kurz vor einer Explosion.

Und die geschieht dann auch!

Mein Körper bäumt sich mit einem Mal auf und es entlädt sich in klonischen Bewegungen meine ganze aufgestaute emotionale Energie. Hätte ich auf die völlige Regungslosigkeit verzichten sollen? Nun jedenfalls lasse ich mich darauf ein, mich auch so dann und wann zu bewegen, z.B. um mich zu kratzen, wenn es irgendwo juckt.

Sofort wird es besser, ich fühle mich wohler und kann die Optik nun voll genießen. Immer wieder tauchen Tiere auf, die in merkwürdigen Stellungen im Finstern vor mir schweben. Ihre Auren sehen aus wie buntes Fluidum, das sich zuweilen auch in Fäden zu einem der benachbarten Tiere bewegt, um mit dessen Fluidum vorübergehend zu verschmelzen, was wieder neue Farbnuancen entstehen lässt.

Ein scharfer Lichtstrahl leuchtet vor mir auf, kurz blitzt ein mir bekanntes Gesicht auf, dann wird es wieder dunkel. War das Mike?

Immer wieder taucht auch Musik auf, und mit der Zeit habe ich das Gefühl, dass dies alles eine Art Video ist, in dem nichts zufällig geschieht. Die Musik korrespondiert mit den Bildern. Sie ist jetzt wieder eine eigene Entität und nicht mehr ich selbst. Sie ist immer da. Und auf einmal durchleuchtet mich der Gedanke, dass ich eigentlich IMMER Musik höre. INNERLICH wohlgemerkt. Immer spielt in meinem Kopf irgend eine Musik. Nur fällt mir das normalerweise aus Gewohnheit gar nicht auf. Erst jetzt, wo diese Musik eine ganz besondere Qualität und Intensität der Hörbarkeit erreicht und sich noch dazu so ideal mit dem Gesehenen verbindet, wird mir das ganz klar. Doch was sagt mir das weiter? Dass Musik schon immer meine ganz große Liebe war, hätte ich auch ohne Tank und Acid gewusst. Warum trifft mich diese Erkenntnis also jetzt so heftig? Ich habe nun das Gefühl, dass ich schon mein ganzes bisheriges Leben lang mein Erleben mit Musik illustriert habe. Keineswegs immer die „beste“ Musik. Mal bereits gehörte, mal selbst generierte, und zwischendurch natürlich auch immer wieder mal „reale“ Musik. Während ich darüber sinne, verschwinden die schönen Bilder und die Schwärze des Tanks tritt visuell wieder in den Vordergrund.

Zu viel Denken zerstört das Hier und Jetzt. Diese Erkenntnis ist nicht neu.

Manchmal neige ich auf Acid zum Grübeln. Und ich hasse diesen Zustand. Deshalb versuche ich, wieder abzutauchen in mein Selbst, um mich von dessen Kreativität überraschen zu lassen. Nach einer Weile tauchen die Tierbilder, es sind jetzt rosarote Flamingos, wieder auf, nur dass sie mich diesmal an etwas erinnern. Ich erinnere mich an ein Video mit Dua Lipa. Zu Beginn und am Ende des Videos tauchen diese Flamingos auf. Genau da kommt vermutlich meine Vision her. Das Video finde ich choreografisch äußerst gelungen. Auch die Assoziation der Tänzerinnen mit den Flamingos am Schluss des Videos ist genial. Partizipiert mein acidgetränktes Gehirn von den Ideen Anderer? Und wenn ja, was wäre so schlimm daran? Ich orte nun noch mehr meiner typischen Acid-Bilder, zu denen sich Vorbilder aus Filmen, Videos oder surrealer Malerei finden ließen. Aber ist das nicht ganz normal? Gibt es „eigene“ Fantasien überhaupt. Ist da nicht ein kollektiver Fundus, aus dem wir alle schöpfen und zu dem wir auch alle beitragen?

Wieder ertappe ich mich beim „Denken“. Dafür aber habe ich für eine ganze Weile vergessen, dass ich mich im Tank befinde.

Ich habe nun auf einmal das dringende Bedürfnis, diesen Tank zu verlassen und mit Svenja, Mike und Lilo über meine Erlebnisse und Gedanken zu reden. Ich vermute, dass ich seit etwa drei Stunden im Tank bin und gebe schließlich diesem Wunsch nach. Ich öffne den Tankdeckel und rufe nach Mike, der das Licht hochdimmt.


Nach der Tankerfahrung

Das sanfte, rötliche Licht wirkt etwas befremdlich. Ich fühle mich schwer wie eine volle Regentonne, als ich aus dem Tank steige. Svenja begleitet mich zur Dusche. Das ist gut so, denn der Boden wankt ziemlich und meine Füße sind glitschig.

Es ist nun angenehm, diese Brühe wieder vom Körper zu spülen. Ich verschwinde in weißem Wasserdampf.

Wie lange war ich im Tank? höre ich meine Stimme unter der Dusche fragen.

Ziemlich genau 41 Minuten! antwortet Svenja.

Was! Nein, das kann nicht sein. In der Zeit flutet bei mir normalerweise erst das Acid an! Ich komme aus der Dusche und hülle mich in ein großes rotes Badetuch.

Svenja deutet auf ihr iPhone: Stoppuhren lügen nicht!

Ich bin mehr als überrascht. Nein, das kann wirklich nicht sein. Es morphte ja, dass die Wände wackelten. Sowas kann sinnliche Deprivation alleine nicht auslösen!

Ich spüre, während wir darüber diskutieren, wie das LSD mich wieder ganz in Besitz nimmt. Wieder? Oder fängt es jetzt gerade erst an?

Musik in meinem Kopf illustriert das aktuelle Geschehen. Wir gehen in Mikes Wohnzimmer, wo auf der Couch auch Lilo sitzt, die mich unter ihrer exorbitanten Afromähne etwas seltsam anblickt.
Na, war´s spannend? fragt sie, gefolgt von einem ungefähr eine Minute andauernden Lachanfall, der mir fast ein wenig Angst macht.

Kann man wohl sagen, hauche ich dann, während ich das Gefühl habe, dass sich unter dem Teppich kleine Krokodile befinden. Natürlich glaube ich das nicht wirklich, aber es fühlt sich eben so an. Und sicher ist sicher. Ich überschreite den Teppich also mit größter Vorsicht und bin schließlich froh, als ich, eingehüllt in mein großes knallrotes Badetuch, auf der Couch neben Afro-Lilo lande. Sie lächelt auf merkwürdige Weise. Ich zupfe am Badetuch herum, das meinen ansonsten nackten Körper nur sehr knapp verhüllt. Die Situation ist mir etwas unangenehm, zumal ich auch merke, dass Mike mich nun ständig von der Seite anschielt.

Wieso stehe ich nicht auf und ziehe mir meine Sachen an? Und wieso habe ich mich überhaupt noch nicht bekleidet?

Also hoch mit mir und nochmals diesen Krokodilstümpel von Teppich überqueren. Ich muss dabei an „Jackass The Movie“ denken.


Das Grauen

Ich bin froh, als ich wieder meinen eleganten schwarzen Jumpsuit überstreife und mich kurz vor dem Spiegel frisch machen will. Aber was ist das? Mein Haar sieht entsetzlich aus! Ich habe normalerweise langes, dunkles Haar, das mir fast bis zu den Hüften reicht. Und ich liebe es. Nun ist es zerzaust, um mehrere Stufen heller und mit der Bürste so gut wie nicht glatt zu bekommen.

Oh my god! Das ist jetzt aber wirklich der Horror!

Ist das die Magnesiumsulfatlösung? Oder ist es der Trip? Ich spüre schon sehr intensiv, wie das Acid weiter anflutet und mich richtig ergreift. Aber das mit meinem Haar ist doch keine Halluzination. Ich versuche, mir aus diesem Gestrüpp irgendwie einen Dutt zusammenzudrehen und gehe wieder zu den Andern. Ich setze mich diesmal zu Svenja auf den Fauteuil.

Was sagt ihr zu meinen Haaren? frage ich.

Spieglein, Spieglein an der Wand… stichelt Svenja.

Natürlich hast du das schönste Haar im ganzen Land, sagt sie dann.

Aber ist es nicht stumpf und grau und irgendwie auch ganz formlos?

Alle müssen lachen.

Offenbar ist alles in Ordnung mit meinem Haar. Ich halte also lieber den Mund. Du siehst halt ein bisschen aus wie eine Chefassistentin, mit deinem eleganten Overall und dem strengen Dutt.
Was ist den los mit Svenja? Wieso stichelt sie so?

Aber ich nehm‘s mit Humor und hole auch noch meine Brille aus der Handtasche, die ich sonst nur aufsetze, wenn ich vorübergehend meine Kontaktlinsen nicht trage. Lasziv blicke ich über den Brillenrand. Die perfekte Chefsekretärin, da sind sich alle einig.


Erleichterung

Als ich das nächste Mal pipi gehe, kontrolliere ich den Zustand meines Haars erneut. Diesmal ist es dunkel, glänzend und, als ich den Dutt wieder öffne, hüftlang. Ich bin erleichtert.
Hast du in den Tank reingeschaut? frage ich Mike etwas später. Ich glaube, ich habe kurz dein Gesicht gesehen. Mike lächelt mich an. Es gab Babyphone-Alarm, sagt er. Aber als ich dann durch die Sichtluke in den Tank reinleuchtete, lagst du wieder friedlich am Rücken und tripptest vor dich hin. Somit konnte ich dich in Ruhe lassen.

Gut, wenn man sich so sicher fühlen kann!

Der weitere Verlauf meines Acidtrips bleibt unauffällig. Wir haben noch einen netten Abend. Ich schilderte nur kurz meine Erlebnisse im Tank, war aber eigentlich noch voll am Trip und verschob weitere Berichte auf später. So hören uns danach bei Rotwein und kleinen Snacks Mikes Vorträge zum Thema „Wie baut man einen Floating-Tank“ an.


Resümee

Jetzt, beim Schreiben dieses Tripberichts, überlege ich, was der Tank dazu gebracht hat, zum Acid. Oder auch umgekehrt: Was hat Acid dem Tank hinzufügt.

Eigentlich vor allem Verwirrung!

Denn ich habe keine Ahnung, was von den Visionen und sonstigen Erfahrungen auf das Konto von Acid geht und was auf das Konto des Floating Tanks. So unwahrscheinlich es vielleicht klingen
mag, aber ich glaube fast, das Meiste dem Tank zuschreiben zu können. Ich benötige meistens etwa eine Stunde, bis LSD bei mir kommt, manchmal vielleicht auch nur eine dreiviertel Stunde, selten noch weniger. Aber auch dann, wenn das Acid schon anflutet, habe ich üblicherweise keineswegs gleich solch intensive Erfahrungen.

Aber natürlich sind das nur Vermutungen.

Ein Fehler war, zuerst mit Acid in den Tank zu steigen. Nach all den langen Gesprächen, die wir vorab führten, ist es eigentlich seltsam, dass wir das nicht schon vorher so sahen. Richtiger wäre es auf jeden Fall gewesen, zuerst ohne LSD Erfahrungen im Tank zu machen und dann, beim nächsten Mal, zu sehen, was mit Acid noch dazu kommt. Wahrscheinlich war ich viel sehr darauf aus, eine “ganz besondere Erfahrung“ zu machen und suggerierte damit die Entscheidung, mit Acid zu beginnen.

Es gilt also, einen weiteren Versuch zu unternehmen, mit den gleichen Bedingungen, jedoch ohne LSD.

Fortsetzung folgt...






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