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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Das war zu viel!... Soll ich nachlegen?
Drogen:Psilocybinhaltige Pilze
Autor:Vandal38
Datum:03.05.2020 16:12
Set:Psytrance Festival: Kaffee-Stand, Zelt
Setting:Sehr aufgeregt, neugierig
Nützlichkeit:Mindestanzahl an Bewertungen noch nicht erreicht

Bericht:

Das war zu viel!... Soll ich nachlegen?

Vorwort
Ich habe es endlich mal geschafft meinen ersten Pilz-Trip zu Papier zu bringen. Dieser ist bereits 4,5 Jahre her. Das wollte ich eigentlich schon seit einer ganzen Weile mal machen, doch habe ich nie recht die Zeit und Motivation dazu gefunden. Nachdem ich jetzt aber schon zwei Tripberichte geschrieben habe (einer davon hier veröffentlicht, den zweiten bisher noch nicht) habe ich festgestellt, dass mir das Schreiben und Formulieren tatsächlich sogar Spaß macht. Außerdem ist es eine schöne Art eine Erinnerung zu festigen und zu bewahren.

Da ich beschlossen habe, dass mir die Uhrzeit auf Goa-Festivals egal ist (außer es legt ein DJ auf, den ich unbedingt sehen möchte), hatte ich weder Uhr noch Handy bei mir. Daher mache ich diesbezüglich nur sporadische und geschätzte Angaben.


Prolog
Juli 2016, mein erstes richtiges Musik-Festival stand bevor. Ich war etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite freute ich mich darauf, da die Idee von M kam, der wiederum von seinem Arbeitskollegen dazu eingeladen wurde. Und naja… Aktivitäten mit M sind eigentlich immer cool. Daher hatte ich zugestimmt. Andererseits war ich etwas skeptisch: Ich wusste nicht so recht was mich erwarten würde und auch die Impressionen, die ich aus einem YouTube-Video von derselben Veranstaltung aus dem Vorjahr erhielt, ließen mich an diesem Vorhaben noch etwas zweifeln. Ich hörte zu dem Zeitpunkt bereits seit etwa 2 Jahren Goa. Ich hatte mit Sicherheit auch schon einige Partys besucht glaube ich… Meine Erinnerungen an Ereignisse von vor 4-5 Jahren in Bezug auf das Festival chronologisch in vorher und hinterher einzuordnen fällt mir beim Schreiben gerade gar nicht so einfach. Jedenfalls fiel mir in besagtem Video auf, dass sämtliche Menschen sehr im Stil der Hippies gekleidet waren. Und da ich damit zu dem Zeitpunkt nichts anfangen konnte (und heute eigentlich auch nicht so recht), war mir die ganze Kulisse etwas suspekt. Heute jedoch denke ich etwas anders darüber: Dieser Kleidungsstil auf entsprechenden Festivals trägt enorm zur Atmosphäre bei. Da ich mir jedoch in diesen Klamotten etwas verkleidet vorkäme aber den Charme auch nicht kaputt machen möchte, beschränke ich mich meist auf eine schwarze Cargo-Hose und T-Shirts ohne großen Marken-Aufdruck. Was mich an dem Video jedoch faszinierte war die Natur und die Dekoration, die mit viel Liebe zum Detail gemacht war und entgegen meiner Erwartungen vorwiegend aus Holz und Metall bestand – so gar nicht üblich für Goa dachte ich mir damals.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich bezüglich berauschender Substanzen nur Erfahrung mit Alkohol, Cannabis und Speed. Ich war aufgrund von regelmäßigem Lesen im LdT zwar schon sehr angetan von anderen Substanzen (vor allem Psychedelika), hatte jedoch noch relativ großen Respekt davor und ließ es daher vorerst bleiben. An der Stelle sei gesagt: Den Respekt habe ich auch nach wie vor noch und den sollte man auch nie verlieren. Jedenfalls hatte ich nicht geplant auf diesem Festival irgendwelche Experimente zu machen.

Auf dem Festival angekommen stellte sich die Truppe von Ms Arbeitskollegen (den ich bereits kannte und auch sehr schätze) als sehr nette Menschen heraus, welche einen großen Erfahrungsschatz bezüglich Substanzen besaßen. Nicht dass das ihre einzigen Kompetenzen gewesen wären, jedoch zog ich aufgrund dieses Umstands das erste Mal einen Psychedelika-Konsum auf diesem Festival in Erwägung. Dazu kam, dass diese im Schnitt etwa 10-15 Jahre älter waren als ich, was jedoch bezogen auf den Umgang absolut keine Rolle spielte. Wir haben uns super verstanden!

Am zweiten Nachmittag beschloss ein Teil der Gruppe MDMA zu konsumieren. M und ich waren von dieser Idee recht angetan und beschlossen spontan uns dem Vorhaben anzuschließen. Lustigerweise war es für uns beide das erste Mal. Ich war der Meinung, dass ich aufgrund des Settings und des Wissens, das ich mir in den Monaten zuvor bereits über diese Substanz angeeignet hatte, bereit für diese Erfahrung war. Lange Rede kurzer Sinn: Da ich gelesen hatte, dass es gut sei, wenn man viel Wasser trinkt, kippte ich dieses nur so in mich hinein. Nach etwa 1-2 Stunden verließen gefühlt 3 Liter Flüssigkeit meinen Magen auf demselben Weg, wie sie hineingekommen waren. Das war wohl zu viel des Guten. Bis dato hatte ich allerdings auch keine Wirkung von der gering gewählten (empfohlenen) Dosis von 80 mg gemerkt. Naja, so ist das mit Theorie und Praxis. M dagegen hatte richtig Spaß.


Einnahme
Nächster Tag. Meine MDMA-Erfahrung vom Vortag hatte mich leider nicht so umgehauen wie erwartet, doch das war Schnee (-kristalle) von gestern. Nach dem gestrigen heftigen Regenschauer schien die Sonne heute wieder freundlich und erweckte im Kollektiv das Verlangen dem Hedonismus in Form von erneutem Konsum zu frönen. Die Wahl fiel auf magische Pilze. Ermutigt durch unseren gestrigen Vorstoß in die Substanzen-Welt beschlossen M und ich dem Projekt aktiv beizuwohnen. Mit 1 g Golden Teacher waren wir dann kurz darauf mit von der Partie. Ich erinnere mich noch, dass jemand spaßeshalber vorschlug, dass einer von uns nur Hüte und der andere nur Stile essen solle, um zu testen welcher Bestandteil wohl den höheren Wirkstoffgehalt aufwies. Haben wir zwar nicht gemacht und wäre wegen des subjektiven Empfindens ohnehin nicht messbar gewesen, ist aber grundsätzlich eine interessante Frage, die mir jetzt beim Schreiben erst wieder in den Sinn kommt.

Wir verließen nach der Einnahme das Camp und gingen über den Campingplatz in Richtung der Marktzeile. Auf der rechten Seite des 3 Meter breiten staubigen Weges aus ausgetrockneter Erde befanden sich Zelte in denen allerhand Kleidung, Schmuck, Rauchutensilien und ähnliches verkauft wurden. Auf der gegenüberliegenden Seite reihten sich auf dem Boden die ausgebreiteten Decken der fliegenden Händler aneinander, welche ein vergleichbares Sortiment aufwiesen. Dieser Weg endete an einem großen Kreis, der von Essensständen gebildet wurde und in dessen Mitte sich Bänke und Tische befanden, die mit einer großen Zeltplane überdacht waren. Direkt am Anfang dieses Kreises auf der linken Seite befand sich ein Stand welcher Kaffee-Spezialitäten verkaufte.

Wir müssten zu diesem Zeitpunkt einschließlich mir etwa zu fünft oder sechst gewesen sein. Nachdem wir alle mit verschiedenen Kaffee-Varianten versorgt waren setzten wir uns in das dazugehörige… Ja wie nennt man das denn? Also der Kaffeestand war im Grunde ein zweigeteiltes 2,5 Meter hohes Zelt mit fehlenden Seitenwänden (außer hinten). Links fand der Verkauf mit Tresen statt und rechts war die Erde mit einem Teppich ausgelegt auf dem verschiedene Sitzmöglichkeiten und kleine Tischchen standen. Ich weiß, man soll keine Erwartungen an einen Rausch haben. Wusste ich damals aber nicht. Meine Erwartung war die folgende: An der rückwärtigen Zeltwand befand sich ein Wandbehang mit Mustern darauf. Ich sagte zu den anderen: „Ich möchte, dass sich diese Muster bewegen!“. Taten sie aber nicht. Ich weiß nicht, welche Initialdosen die anderen Teilnehmer dieses Unterfangens sich eingebaut hatten. Jedoch beobachtete ich, dass sie jeweils pärchenweise ein Baggie mit weiteren Pilzen besaßen, aus welchem sie hin und wieder zu naschen schienen. So aß ich (entgegen meiner Vernunft) auch noch 3-4 kleine Pilzchen, die schätzungsweise einem Gewicht von 0,3-0,4 g entsprachen. Dies war etwa 45 Minuten nach der Einnahme der Initialdosis. Also zu früh. Wenn Geduld doch nur mein Ding wäre, hätte ich mir die folgende Panik erspart.


Trip
Etwa 10 Minuten später. Der Himmel war tiefblau und fast wolkenlos bis auf eine einzige kleine aber voluminös wirkende Wolke. In dieser schienen sich auf einmal in Reih und Glied geometrische Muster zu bilden, welche leicht hin- und herschwangen. Cooler Effekt! Das Muster an der Zeltwand jedoch stand noch immer still und wehte nur sachte im Wind.

Ich beschloss die Toilette aufzusuchen. Dazu musste ich nur den Kreis aus Essensständen verlassen und 80 Meter weit laufen. Bereits auf dem Weg dahin fühlte ich mich, als sei die Erdanziehungskraft um die Hälfte reduziert worden. Meine Schritte waren sehr leicht. Als ich auf meine Füße blickte, um dem auf den Grund zu gehen, schienen diese deutlich weiter weg zu sein als die 1,86 Meter, die ich groß bin.

Da standen dann diese Festival-Pissoirs die 2 Meter groß sind und die 3 Menschen gleichzeitig von verschiedenen Seiten nutzen können. Den Abfluss zum Tank bildet ein Loch mit einem Durchmesser von 5 Zentimetern. Wie ich dann so dastand begann dieses Loch auf einmal zu atmen und wurde abwechselnd immer größer und kleiner. Ich war fasziniert. Ich ging zurück zu den anderen und erzählte ihnen begeistert von meiner Beobachtung. Diese entgegneten so etwas wie: „Ja cool! Aber hast du nicht eben erst nachgelegt?“. Verdammt!

Die Mehrheit der Leser hier kennt vermutlich das YouTube-Format „Shore, Stein, Papier“. Vielleicht erinnert ihr euch sogar an die Folge 33, „Erste Mal LSD“. Für diejenigen die es nicht kennen: Der Protagonist hat bereits eine Pappe konsumiert, hat mächtig Spaß und beschließt aus dem Affekt heraus eine zweite Pappe nachzulegen und denkt sich einige Sekunden später: „Alter, den zweiten hättste´ nicht nehmen dürfen. Das war zu viel, Junge. Warum haste´ dir den zweiten genommen?!“. Und genau diesen Gedanken hatte ich nach dem Hinweis auf mein Nachlegen dann ebenfalls. 5 Minuten lang geisterten die Worte „Das war zu viel! Alter, das war zu viel! Die letzten hättste´ nicht nehmen dürfen!“ durch meinen Kopf. Eine fortgeschrittene Unruhe machte sich in mir breit und ich schlug erneut den Weg in Richtung Toiletten ein – diesmal ging ich ins Dixie. Ich versuchte das nachgelegte Pilzmaterial auf demselben Weg aus meinem Körper zu bugsieren, wie ich es den Tag zuvor unfreiwillig mit den 3 Litern Wasser getan hatte. Jedoch erfolglos. Trotz Finger im Hals blieb mein Mageninhalt an Ort und Stelle.

„Ok egal, wird schon“. Wieder kehrte ich zu den anderen zurück doch die Gedanken um die vermeintliche Überdosierung ließen mich nicht los. Ich teilte nun auch den anderen mit, dass ich mich nicht so wohl fühle, welche sofort versuchten positiv auf mich einzureden. Ergebnislos. Die ganze Situation stresste mich. Eigentlich wollte ich wenigstens noch auf M warten, der gerade kurz irgendwo hinwollte (Essen holen oder so) doch nach 5 Minuten hielt ich es nicht mehr aus und verkündete, dass ich ins Zelt gehen würde. Das Angebot der anderen mich dorthin zu begleitet schlug ich aus.

So stand ich also auf und begab mich auf den Rückweg zum Camp. Ich nahm denselben Weg, den wir hingegangen waren. Während ich zwischen den Händlern hindurchging gelang es mir das erste Mal einen klaren Gedanken zu fassen und dieser war: „Wow, du bist ja eigentlich noch völlig klar im Kopf“. Das überraschte mich, schienen meine Gedanken doch eben noch zu rasen.

Ich trug eine kurze Hose und ein T-Shirt. Es wehte eine leichte Brise und der Luftzug an meinen nackten Armen und Beinen fühlte sich ganz anders an, als ich es gewohnt war. Es war, als würden Wasserschlieren an meiner Haut vorbei wabern. Ich ließ die Verkaufsstände hinter mir und näherte mich dem Campingplatz. Während des Gehens legte ich mir einen Plan zurecht, was ich bei meiner Ankunft am Zelt machen wollte. Je näher ich mich unserem Camp näherte, desto mehr fiel die anfängliche Last von mir ab und ich begann mich immer wohler zu fühlen. Unser Camp war leer. Auch die anderen schienen unterwegs zu sein. Ich schlüpfte in unser Zwei-Mann-Zelt, zog Hose und T-Shirt aus und kuschelte mich in meinen Schlafsack, der auf einer bequemen 10 cm dicken Luftmatratze lag. Das Körpergefühl ist mit „Pudelwohl“ noch untertrieben. Ich fühlte mich auf einmal sehr geborgen und ganz einfach glücklich. Ein wunderbares Beispiel dafür, welch enormen Einfluss neben dem Set auch das Setting hat!

Eine etwa 40x40 cm große Leinwand mit einem fraktalen Muster positionierte ich neben mir. Ich hatte sie M drei Monate zuvor zum Geburtstag geschenkt und dieser hatte beschlossen sie mit hier her zu nehmen. Eine tolle Idee dachte ich mir, als ich einen der kleinen vereinfacht dargestellten Pilze darauf näher betrachtete. Dieser begann sich etwas zu bewegen und zu verformen. Wie genau weiß ich leider nicht mehr… Aber immer, wenn ich M besuche und die Leinwand, die er inzwischen auf einen Rahmen gespannt hat, anschaue begutachte ich zu aller erst jene Pilze. Im Anschluss trank ich einen Schluck Leitungswasser, was jedoch soweit ich mich erinnern kann recht unspektakulär war.

Danach legte ich mich vollständig hin und schloss die Augen. Ich stellte ein verändertes Körpergefühl fest. In späteren Erzählungen beschrieb ich es folgendermaßen: „Mein Tastsinn war gefühlt 10 Mal so stark wie sonst!“. Tatsächlich empfand ich die Intensität von Berührungen auf meiner Haut als um ein Vielfaches hochgeschraubt. Zuerst streckte ich den Zeigefinger meiner linken Hand aus und legte Daumen und Zeigefinger der rechten Hand auf die Ober- und Unterseite des Fingers. Dann zog ich die rechte Hand, die den Finger hielt, der Längsachse des linken Zeigefingers entlang von Knöchel bis zum Fingernagel. Dies wiederholte ich immer wieder und wechselte auch mal die Hand, sodass Daumen und Zeigefinger der linken Hand auf Ober- und Unterseite des Zeigefingers der rechten Hand entlangfuhren. Hat bestimmt dämlich ausgesehen. Zum Glück waren da die vor Sicht schützenden Zeltwände.

Jedenfalls hatte ich das Gefühl meinen Körper neu zu entdecken. Eine „Nebenwirkung“ die ich jedoch verspürte war, dass meine Augen mäßig stark getränt hatten. Das hatte ich bei späteren Pilz-Trips nie wieder. Wie ich mir mit Daumen und Zeigefinger einer Hand die Tränen aus den Augen wischen wollte, stellte ich auch bei dieser Berührung ein verändertes Körpergefühl fest. Ganz langsam zog ich den mit Tränen benetzten Daumen und Zeigefinger aus den Augenwinkeln hoch bis sie am Nasenansatz aufeinandertrafen und von da an ebenfalls seeehr langsam hinunter bis zur Nasenspitze. Dies wiederholte ich ein paar Mal, wobei die Tränenflüssigkeit quasi als Schmiermittel diente. Da ich für diese geringe Distanz von 4,5 cm (ja, ich habe gerade nachgemessen) entsprechend sehr lange brauchte, kam es mir so vor, als sei meine Nase sehr lang. Auch mein Mundinnenraum und Zunge fühlten sich ganz anders an als sonst. Auch hier bin ich froh, dass mich dabei keiner beobachtet hat.

Nachdem die Untersuchung des Körpergefühls abgeschlossen war lag ich wieder still da. Es stellte sich ein Mindtrip ein. Ich hatte viele Erkenntnisse, welche ich so gerne aufgeschrieben hätte, was mir mangels Stifts und Papier jedoch nicht möglich war. Die meisten habe ich natürlich leider wieder vergessen. Es war beeindruckend: Das Gehirn schien auf einmal unglaublich leistungsfähig zu sein. Ihr kennt das sicher: Ihr liegt abends im Bett und könnt nicht einschlafen, weil euch immer wiederkehrende Gedanken durch den Kopf schießen. Dinge, über die man dann ewig grübelt und zu keinem Ergebnis kommt. Genau solche Dinge kamen mir in den Kopf, ich dachte einen Bruchteil bis maximal einige wenige Sekunden darüber nach, kam zu einem Ergebnis und wie ein Blitz gelangte der nächste Gedanke in meinen Fokus!

Eine wesentliche Erkenntnis, an die ich mich in Folge dessen erinnere, war, dass ich das Gefühl hatte das Wort „psychoaktiv“ verstanden zu haben. Ich meine klar, ist ja an sich selbsterklärend: die Psyche aktivierend. Aber durch diese Erfahrung hatte ich endlich eine Vorstellung davon bekommen, welch außerordentlichen Umfang diese Aktivierung durch den Konsum psychoaktiver Substanzen auf Gehirn und Unterbewusstsein hat! Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass die Leistung unseres Gehirns im Alltag bei unter 40% liegt. Das ist natürlich von vielen Faktoren abhängig und ich habe diesen Wert gerade auch nur kurz kontrolliert und bin dabei auf 35% gestoßen. Das ist auch nicht so wichtig, denn ich ziehe diese Zahl nur für einen Vergleich heran: In meiner Erkenntnis lief mein Gehirn nämlich statt auf 40% auf ganzen 80%! Diesen Vergleich in Kombination mit diesen blitzartigen Gedanken halte ich auch heute noch für eine gute, kurze Erklärung des Wortes „psychoaktiv“.

Der Trip schien recht wellenartig zu verlaufen. Eine Zeit lang fühlte ich mich quasi auf dem Peak und danach ließ die Wirkung wieder merklich nach. Dies wiederholte sich. Ein wiederkehrender Gedanke während der Phasen, in denen die Wirkung nachließ, war, dass ich gerne nachlegen würde. In den Peak-ähnlichen Phasen wiederum dachte ich „gut, dass du jetzt nicht raus bist und die inzwischen zurückgekehrte Truppe um mehr gebeten hast, so ist es perfekt“.

Den weiteren Verlauf des Mindtrips würde ich so beschreiben, als ob das Denken komplett aufgehört hatte. Ich hatte keinen Gedanken mehr in meinem Kopf. Offensichtlich hatte ich schon alle existierenden Gedanken zu Ende gedacht… Lustige Vorstellung. Auf jeden Fall hatte ich nun anstatt Gedanken Bilder in meinem Kopf. Im Sekundentakt erschienen vor meinem inneren Auge ständig neue fantastische Fraktale und Bilder. Ich erinnere mich noch an eine sehr bunte, senkrecht ausgerichtete Spirale deren Besonderheit es war, dass sie auch Gold beinhaltete. Ich kann mich nicht mehr recht erinnern in wie fern dieses Gold darin vertreten war. Ich glaube es war nicht sonderlich dominant aber aus welchem Grund auch immer: es ist mir einfach in Erinnerung geblieben. Auch besaß die Spirale im Blickfeld meines inneren Auges weder einen Anfang noch ein Ende. Interessant eigentlich, da dieses Blickfeld ja theoretisch unendlich groß und nicht durch Augenlider o.ä. begrenzt ist, oder?

Ein weiteres Bild, das vor meinem inneren Auge erschien, war ein flächenmäßig betrachtet sehr kleiner einfacher Tempel, der von seiner Bauweise her an die Antike erinnerte. Zur besseren Beschreibung habe ich ihn mir tatsächlich gerade aufgezeichnet. Schade, dass sich hier nicht ohne Weiteres Bilder hinzufügen lassen. Den Boden bilden zwei übereinander liegende, jeweils stufenhohe, rechteckige, graue Steinplatten. Die Seitenlängen der oberen Platte sind jeweils etwas kürzer, sodass die überstehende Fläche der unteren Platte eine umlaufende Stufe bildet. Auf der oberen Platte steht in der Mitte ein ebenfalls grauer massiver Steinquader: Etwa 2 Meter breit und je etwa 1 Meter hoch und breit. Auf dem Quader befand sich nichts, doch von der Größe her erweckte er den Anschein, als wäre er dazu geschaffen, dass Menschen darauf liegen. An jeder Ecke der oberen Steinplatte befand sich eine riefenbesetzte Säule. Darauf lagen erneut zwei Steinplatten, die das Dach bildeten. Diesmal in umgekehrter Reihenfolge: erst die kleine Platte, dann die große. Dieser Mini-Tempel stand in keiner Umgebung, sondern war wie ausgeschnitten. Der gesamte Hintergrund bestand aus einem gewellten Karomuster in den Farben Rot und Lila. Dieses Surreale Bild betrachtete ich aus der Vogelperspektive.

Eine kurze Szene, an die ich mich noch erinnere, spielt sich in der Natur ab. Ich blickte aus Augenhöhe auf einen Trampelpfad und den unteren Teil eines weißen Weidenzaunes. Der Pfad führte an diesem Zaun entlang. Der Zaun war einfach gehalten: Zwei parallele waagerechte Holzlatten von 10 cm Breite waren vielleicht in 50 und 110 cm Höhe an 2 m auseinanderstehenden senkrechten Holzpfosten befestigt, die in der Erde steckten. In dieser Szene passiert eigentlich nichts und dennoch habe ich es quasi als „Video“ in meinem Kopf abgespeichert und nicht wie die anderen beschriebenen CEVs als Bilder. Warum ich diese unspektakuläre Szene erwähne? Gerade deshalb. Weil sie im Vergleich zu den anderen CEVs so unglaublich normal wirkt, erscheint sie mir wiederum total absurd.

In der Zeit, in der ich im Zelt lag, habe ich dieses 2-3 Mal verlassen, um an dem wenige Meter hinter unserem Camp stehenden Zaun der das Gelände begrenzte pinkeln zu gehen. Wenn mich die anderen dann immer fragten, ob alles gut bei mir sei entgegnete ich nur vergnügt, dass ich gerade auf der Durchreise sei. Ich nehme an, dass ich das in Anlehnung an meine Gedankenreise gesagt habe. Aber das konnten die ja nicht wissen, klang bestimmt merkwürdig. Hinter dem Zaun war eine langgezogene große Wiese, auf der sich auch eine Start- und Landebahn für Segelflugzeuge befand, welche jedoch kaum genutzt wurde. Ganz in der Ferne, wo sie zu Ende war begann ein Wald soweit ich das erkennen konnte und noch weiter dahinter in 4-5 km Entfernung befanden sich verteilt eine ganze Menge Windräder.

Inzwischen war es schon dunkel und ich war fast wieder vollständig in der Realität angekommen. Wie gefesselt beobachtete ich wie die roten Lichter der Windräder alle gleichzeitig aus und wieder an gingen. Von Mal zu Mal wurden es jedoch immer ein paar Lichter mehr. Sehr interessant! Als ich in eine Windrad-freie Richtung blickte leuchteten dort ebenfalls im selben Rhythmus die roten Lichter auf, als wäre die Anordnung auf meiner Netzhaut gespeichert worden. Einige der roten Lichter leuchteten gelegentlich auch mal in blau statt in Rot. Das war nochmal ein lustiger optischer Effekt zum Trip-Ende.

Im Anschluss daran ging ich mit einem sehr positiven Gefühl die paar Meter zum Camp zurück und setzte mich zu zwei Leuten unserer Truppe und erzählte etwas von dem erlebten. Ich glaube anschließend sind wir noch tanzen gegangen.






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