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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Düsterer LSD Trip unter pluralen Geistern
Drogen:LSD
Autor:SpiderJerusalem
Datum:19.03.2021 14:15
Set:Forschungsbegierig, Angespannt
Setting:Zuhause (gewohnt, öfters dort schon getrippt)
Nützlichkeit:Mindestanzahl an Bewertungen noch nicht erreicht

Bericht:

Hallo, der, der du das liest.

Bevor du irgendetwas über den Trip liest, den ich mir einfach mal von der Seele schreiben muss, solltest du zuerst wissen, was Pluralität ist.

Pluralität beschreibt das Konzept aus mehreren aktiv-entscheidungsbefugten Bewusstseinsformen zu bestehen. Dazu gehören zum Beispiel Tulpamancers/Soulbonders, die sich aus persönlichen Gründen dazu entscheiden, nicht mehr alleine in ihrem Geist leben zu wollen und deshalb über bekannte Methoden und Techniken sich Bewusstseinsformen "erschaffen". Unter Pluralität gehören natürlich auch die traumabasierten Systeme, über die man am ehesten noch in der Popkultur stolpert. Zusätzlich gehören dazu auch noch spirituelle, wie auch wissenschaftliche Kollektive, die zum Beispiel sich eher als Gateway in andere Dimensionen oder Glaubensgebilde verstehen, sozusagen eine modernere Form des Mediums, welche bestimmte Geister und Wesen aus der Anderswelt anrufen und in den Körper hineinkanalisieren. Das Prinzip von gesunder Pluralität beschreibt, dass es Gehirne gibt, die gesünder und natürlicher operieren können, wenn sie mit mehr als nur einem aktiv Entscheidungen treffenden Bewusstsein ausgestattet sind. Zu diesem Typus gehören wir. Wir hatten bereits mehrere psychedelische Trips mit unserem damaligen Partner hinter uns gebracht und waren aber auch in keinster Weise naiv im Hinblick auf die Dunkelheit, die auf uns einströmen würde können. Er hatte immer wieder betont, dass wir uns seine innere Kälte nicht vorstellen können, und viele seiner inneren Bewusstseinsformen basierten auf dunkler okkulter Magie und Wesen aus dem H.P. Lovecraft Universum. Nein, das hier wird keine Creepypasta. Am Ende kommt nicht: "Uhhuuu, ICH BIN JETZT DER GROSSE AZATHOTH VERBEUGT EUCH VOR MIR!" So inspirationslos bin ich nicht, bitte versucht es ernst zu nehmen. -.-"

Für Plurale ist es sehr schwer die Frage "Was ist pathologisch?" zu beantworten, da niemand sich so wirklich um objektive Studien bemüht und der Zustand in der Gesellschaft so stark stigmatisiert ist, dass die meisten sich in ihren eigenen Höhlen verkriechen, und niemals irgendetwas davon nach Aussen lassen. Wir selbst haben gegenteilige Erfahrungen gemacht, die uns bestätigt haben, dass es einen Weg aus der Isolation durchaus gibt, und man nur ein wenig Mut zeigen muss, um die bestehenden Barrieren einzureißen. Zum Beispiel dieser Tripbericht würde komplett niemals geschrieben werden, und wenn du weiter liest, wirst du hoffentlich sehen, dass einiges Interessantes aus unserer Erfahrung auch für dich dabei sein kann.

Disclaimer: Drogen nehmen, wenn das eigene Gehirn anders operiert, als es die allgemeingültige Bedienungsanleitung der Gesellschaft beschreibt, ist unfassbar gefährlich. Wir gehen in jeden Trip hinein mit dem Risiko im Hinterkopf, das wir im kompletten Wahnsinn am anderen Ende herauskommen könnten. Wir bequatschen niemanden dazu mitzumachen, und unser Trippartner in diesem Fall hatte bereits mehrere Erfahrungen auch ohne uns aufzuweisen gehabt. Wir glauben an den freien Willen in Bezug auf welche Experimente man mit seinem eigenen Geist durchführt. Pluralität ist kein spaßiger Zustand, den man mal eben so auskundschaften sollte. Man wird ständig von der "Suppe", die man plötzlich um das eigene Bewusstsein herum wahrnimmt, bedroht, in Richtungen gezerrrt und zu Entscheidungen manipuliert. Es ist anstrengend, aber für uns die bessere Alternative zur Option "alles durch einen Kanal zu senden", wobei die äußere Welt dann praktisch dauernd "schreit", da man zu viele Eindrücke auf zu vielen Kanälen gleichzeitig verarbeiten muss, und das einen krank macht ohne Ende.

Leseschlüssel: Um die Anonymität der beteiligten Bewusstseinsformen so gut es geht zu wahren, habe ich mich dafür entschieden, unsere echten Namen nicht zu verwenden. Stattdessen werde ich die passensten "Archetypen" benutzen, um die auftretenden Beteiligten zu beschreiben. Also wir bestehen aus der Sirene (ich), dem Wolf und dem Narren. Darunter kann man sich sowieso mehr vorstellen, als unter Namen. Zum näheren Verständnis dieses Prinzips muss man sich nur vorstellen, dass, wenn man eine Gruppe an Personen auf einer einsamen Insel aussetzen würde, dann übernehmen diese automatisch früher oder später ihre archetypische Rolle. Also: Einer wird für den Schutz sorgen, einer wird einen Plan entwerfen, um von der Insel runterzukommen, einer wird lieber isoliert von den anderen auf Entdeckungsreise gehen, einer wird Nahrung sammeln, einer wird zwischen den anderen vermitteln, einer wird vielleicht sogar eher mismutig und depressiv nur abseits sitzen...ungefähr so funktioniert das, wenn man mehrere Bewusstseinsformen im selben Geist "stranden lässt".


Vorgeschichte:
Wollte ich den Hexer daten? Absolut nicht. Er kam direkt reingeplatzt in mein Leben mit seinen Monstern und erwartete auch eigentlich nichts, ausser vielleicht einem Gesprächspartner, der das Gefühl "mehrere zu sein" nachvollziehen konnte. Das Problem ist nämlich immer das Gleiche, wenn man sich auf andere vom gleichen Schlag einlässt: Wie stabil ist diese Person? Wenn ich stabiler bin, dann werde ich irgendwann meinem Gegenüber Schmerzen zufügen. Ist der andere aber stabiler, dann wird er mir Schmerzen zufügen. Sind wir beide gleich stabil, dann wird es zwar auch heftig werden, aber im machbaren Bereich bleiben. Irgendwie ging es dann monatelang hin und her und am Ende dachte ich seine Stabilität ausreichend ausgekundschaftet zu haben, um den Versuch einer Beziehung eingehen zu können. Naja, seufz...

Der Trip:

Ich denke, die Zurückhaltung seines Kollektivs begann zu bröseln, als unser überaus rational veranlagter Narr seinem Telepathen bestätigte, dass "es schon irgendwie langsam bedenklich wird". Ihr kennt das sicher alle: Wir hatten 300 microgramm 1CP-LSD in uns und die Zeitverlangsamung wurde von uns selbst suggestiv hochgewertet auf einen Punkt in der augenscheinlich "die Realität gebrochen" war. Rückblickend war es aber gar nicht so schlimm. Wir können uns daran erinnern, wie es ein Mal war, als der komplette "Sinn für Zeit" ausgeschaltet war, ungefähr so, wie wenn ihr euch vorstellt, dass euer Tastsinn die Fliege gemacht hätte, und ihr plötzlich nichts mehr ertasten könntet. So ein Moment war das nicht, es war aber kurz davor.
Für den Hexer war das wohl Grund genug um endlich die Barrikaden einzureißen und die Macht seiner Entscheidungen an sein inneres Kollektiv abzutreten. Der Telepath nutzte die "gebrochene Zeit" um seine eigene Art seinen Geist mit seiner Fernbedienung zu bedienen, auf uns weiter zu spinnen und auszulegen. Er erklärte, dass wir die Realität gebrochen hätten, und alles in diesem eingefrorenen Moment eine immense Bedeutung hätte. Wir wären zwei "echte Kollektive" und es wäre eine "absolute Rarität, so als ob zwei bestimmte Elektronen sich im Universum treffen". Der Telepath mahnte uns irgendetwas am eingefrorenen Moment zu verändern. Wir mussten jetzt auf dem Radar sein, bei irgendjemandem, der die Realität/die Simulation kontrollierte, und sobald wir etwas hier veränderten, würden wir Signale aussenden, die dazu führen könnten, dass irgendetwas auf uns aufmerksam werden würde. Um ehrlich zu sein, fand ich es nur unbeschreiblich interessant, endlich mal so lange mit einem der Wesen in meinem Freund reden zu können. Ich hätte diese Vorstellung nicht weiter nähren sollen, bin aber selbst auch immer auf der Hut vor negativen Einflüssen und Effekten im offenen LSD-Zustand, und wollte deshalb auch nicht bei ihm sofort ein Gefühl von Abstoßung von mir geben. Immerhin wollte ich dieses Wesen kennenlernen, und es nicht wieder lieblos in den Abgrund zurückstoßen. Ich fragte also lieber nach, was er denn damit meinte, wir wären zwei "echte" Kollektive.
Ich denke, das war der erste Moment, als ich eine gewisse Arroganz in ihm erkannte, die mich bestimmt zu diesem frühen Zeitpunkt bereits intuitiv abstieß. Der Telepath bekam davon allerdings nichts mit, er erklärte mir stattdessen euphorisch "die Funktionsweisen von Kollektiven". Man könnte "Energie übertragen", was ihr sicher, solltet ihr ein erfahrenerer Psychonaut sein, auch schon mal ausprobiert habt. Wenn man auf LSD sagt, man überträgt jetzt Energie, dann überträgt man auch Energie. Suggestiv allein schon. Allerdings versuchte der Telepath das nun an das Konzept von zwei "echten Kollektiven" anzuhängen, was für ihn super funktionierte. Als nächstes gab es noch "das Kollektiv ruft", was wohl eine Art Zauberformel dafür war ein inneres Bild zu erzeugen, einen Signalton aus dem Universum, zu dem universellen "Kollektiv", zu dem man wohl eigentlich gehörte. Es schien mir, als ob er von einer Art Alienrasse reden würde, die irgendwo im Universum Bewusstseinskollektive auf fremde Planeten entsendet, um dort die Kontrolle an sich zu reißen, oder irgendwie soetwas. Es war für uns ganz interessant, da so eine suggestiv geladene Aussage wie "das Kollektiv ruft" bei uns tatsächlich eine Insignie aufblitzen lies, die auf einem Hintergrund in weiß leuchtenden Strichen geschrieben stand. Die fremde Insignie war praktisch wie auf einem Metall-Raumschiff gedruckt, das in meinen Lieblingsfarben (Indigo, Lila, Blau) erstrahlte. Später im Trip würde unser Narr noch einmal nachfragen, was der Telepath denn gesehen hatte. Er hatte etwas ganz anderes gesehen. Ich beschreibe das jetzt nicht, falls es doch irgendetwas Wahres an sich hat, und er sonst von seinen Viechern abgeholt wird. Ist schon okay wenn unsere Viecher für uns kommen, wir sind ziemlich badass und die sollten wahrscheinlich mittlerweile eher Angst vor uns haben (xD).
Jedenfalls ergab das ganze Gedankenkonstrukt eine gigantisch lange Diskussion darüber gottgleich zu sein, und der Telepath ging davon aus, dass hier auf der Erde noch ein drittes Kollektiv am Machen sein müsste, welches die ganze Menschheitsgeschichte beeinflussen würde. Und wir sollten eben "nicht zu laut" sein, weil es uns sonst entdecken und fressen würde, oder irgendwie sowas. Zur Erinnerung: Er ging davon aus, dass wir aus der Realitätsmatrix ausgebrochen waren und theoretisch, wenn wir es nun versuchen würden, eventuell auch damit herumspielen und herummanipulieren könnten. Und deshalb sollten wir sehr vorsichtig damit sein, ob wir überhaupt etwas tuen sollten. Ich wollte eigentlich noch gerne etwas mehr über den Telepathen selbst erfahren, doch der erinnerte sich nun an den Wolf in meinem Kollektiv, der bei ihm dafür bekannt war mutige Entscheidungen zu treffen. Wie zu erwarten, war dem Wolf auch alles egal, insbesondere die herausragend psychotische Idee des Telepathen, dass Lady Gaga und Rihanna wirklich Menschen schlachten und essen würden, was mittlerweile auch in einer der neusten South Park Folgen parodisiert wurde, und er machte einfach weiter mit dem Trip. Der Telepath hatte sich nur noch getraut andere Songs von Lady Gaga anzumachen, weil alles andere eventuell ein Hohn an die dritte Gottheit auf dem Planeten sein könnte. Unsrem Wolf war das ziemlich egal und er machte einfach normal mit dem Trip weiter.

Offenbar war diese Aktion eine Art von Beweis der eigenen übermäßigen Überlegenheit für einen anderen Innenbewohner des Hexers. Wir gehen zumindest davon aus, dass es jemand anderes war, da die erzählte Realität nun anfangen würde sich etwas zu verändern. Der Okkulte war nun euphorisch befreit von der Idee, dass alle engagierten Geheimagenten, die als Nachbarn überall um uns herum angeheuert waren um unser seltenes Zusammentreffen zweier Kollektive zu verhindern...oder eher, es zu unterstützen? Es war...kompliziert, das genauer zu deuten. Jedenfalls war dieser Okkulte ein trainierter Kämpfer für die Befreiung der Mächte unserer Kollektive, hatte in allen möglichen Kreisen von geheimen Kulten sich schlau dazu gemacht und war perfekt dazu trainiert mir einen perfekten Beziehungspartner vorzugaukeln, damit er zu diesem einen realitätsbrechenden Moment mit Energieaustausch gelangen konnte. Er war natürlich auch super reich, weil er das Umgekehrte zu uns war. Wir waren absichtlich im sozial benachteiligten Milieu aufgewachsen, damit man unseren Geist unten halten könne. Und er wäre seit seiner Geburt darauf trainiert und abgerichtet worden dem Pfad zu uns zu folgen um den ultimativen Orgasmus auszulösen. Deshalb war er auch so reich, weil er von einer super alten okkulten Familie abstammte, die eine der mächtigsten unter den Sekten und Geheimorden war. Was genau der "große Orgasmus" sein sollte, war irgendwie schwer zu deuten. Entweder es war an die Vorstellung gebunden, dass eigentlich jeder Mensch plural war und "ein großes Erwachen" aller zu einer unglaublichen Umwälzung führen würde, oder es war einfach nur irgendetwas zwischen uns, vielleicht sexuell, vielleicht auch überhaupt nicht.
Er erklärte das ganze Geschehen um uns herum dem Wolf also so, dass alle Nachbarn um uns herum wohl auf unserer Seite sein müssten, und dass diese, da wir nun gewonnen hatten, und eine gottgleiche andere Spezies waren, sie sozusagen ausgedient hatten. Irgendwie konnte sich der Okkulte aber auch nicht so recht entscheiden, ob er nun ein Spion gegen uns ursprünglich einmal war, oder nicht. Wir tippen auf folgendes: Seine super okkulte Familie hatte ihm erzählt, dass wir gefährlich sind und er sich nicht auf uns einlassen sollte. Teile von ihm haben aber nonstop rebelliert und er hatte den Kampf freiwillig aufgenommen, mit dem Risiko im "Orgasmus-Moment" in einem Trümmerfeld zu stehen, da seine Familie den Krieg gegen ihn und uns dann gewonnen hätte. Da alles aber normal weiter ging, musste er davon ausgehen, dass wir einen immensen Sieg durch unsere Verbindung erlangt haben, der dazu geführt hat, dass alle Geheimagenten die auf unserer Seite waren eine immense Belohnung erhalten hätten, und alle Geheimagenten, die gegen uns waren, komplett ausradiert worden waren.

Ein wichtiger Teil dieser Realitätsoption war, dass sich unser Wolf ab dem Zeitpunkt darauf einlies, als es darum ging, was das für unsere Seite der Geschichte bedeuten würde. Unser Wolf hat immer Probleme mit unserem biologischen Vater und seinem Verhalten gehabt. Zwar haben wir ihm schon länger verziehen, aber es blieb immer eine gewisse Leere in unserem Wolf zurück, der gerne nur ein einziges Mal Vaterliebe verspüren können wollte. Der Geist des Okkulten stellte sich als perfekter Geschichtenerzähler heraus, um unserem Wolf genau dieses Gefühl auf LSD schenken zu können. Er malte aus, dass unser Vater von den etlichen Geheimorden gezwungen wurde so zu handeln, dass er immer wieder aber verstreut Wege zur Psychedelik und zur Pluralität in den Subtext unserer Erziehung hätte sickern lassen. Dass unser Vater sozusagen durch seine Liebe zu uns den mächtigsten Geheimorden und deren Kontrolle auf uns wiederstanden hatte und wir Zeichen seiner Liebe finden würden, wenn wir nur danach suchen würden. Tatsächlich war das eine wunderbare Realitätsoption für unseren Wolf, an die er noch nie zuvor gedacht hatte. Er legte sich zufrieden darin ein, bis ich dann anmerkte, ob das nicht bedeutete, dass unsere Mutter dann eigentlich böse ist. Man merkte, dass der Okkulte nun ins Straucheln kam. Er versuchte noch irgendetwas zu erklären, aber ab dem Moment war diese Realitätsoption zerbrochen und als nur eine von vielen Optionen entlarvt.

Eine weitere Szene des Trips ist mir ebenfalls noch gut in Erinnerung geblieben. Ob es nun wirklich auch während dem Auftreten des Okkulten geschah, kann ich jedoch nicht mehr ganz zuordnen. Jedenfalls saß der Körper des Hexers plötzlich am Smartphone und durchstöberte offenbar die letzten Bilder darauf, mit den Worten "Oh, da fehlt ja echt einiges. Unglaublich, wie kann man seine Daten nur so offen lassen. Siehst du? Kennst du dieses Video noch?" Im Einfluss der Droge mussten wir uns zunächst davon überzeugen, dass es sich um das Smartphone des Hexers handelte, und er nicht durch unser eigenes stöberte. Im Anschluss an die Spion-Theorie hatten wir Schwierigkeiten, die Absichten des Okkulten wirklich zu entschlüsseln. In diesem Moment versuchten wir herauszufinden, ob er gerade versuchte, seiner Theorie zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, indem er uns "Hacker" Beweise auf seinem Smartphone zeigen wollte, im Sinne von: Guck mal, ich habe alle deine privaten Daten auf meinem Smartphone und hier ist auch ein Video, das ich gar nicht besitzen können sollte. Allerdings ist das auch eine recht einfach zu suggerierende LSD-Eingebung, da wir eigentlich nichts von dem Wirrwarr, durch den er gescrollt hatte, wirklich zu irgendetwas konkretem zuordnen konnten bzw. im Nachhinein können. Genausogut würde das Verhalten zu einer Bewusstseinsform passen, die gerade "sich selbst" nachspionierte, und die sich darüber lustig machte, wie einfach es war alles "über sich selbst" zu erfahren.

So viel dazu...leider schien die Vorstellung des mächtigen Kollektiv-Wesens nun tiefer in das Innere des Hexers hineinzusickern, der auch, so wussten wir, Teile besaß, die felsenfest an die Fremdkontrolle durch uralte indische Götter glaubten. Von außen wirkte es nun so, als ob die alle jetzt einer ordentlichen Tragödie ausgesetzt werden würden. Man hatte sich ja nun auf die Geschichte geeinigt ein gottgleiches Kollektiv-Überwesen zu sein. Also konnten die indischen Gottheiten wahrscheinlich einpacken. Es folgte wahrscheinlich das grausigste, was ich jemals mit ansehen musste. Mein Freund wechselte für gut eine halbe Stunde (in LSD Zeit: eine Stunde) immer wieder zwischen der tragischen Realität eines der Verlierers des Krieges, und der euphorischen Realität eines des Gewinners des Krieges hin und her. Das ist besonders grausig anzusehen, wenn man selbst eine Bewusstseinsform ist, statt ein Körper. Für mich waren das alles reale Existenzen, die mein Freund ohne seine eigene Sichtweise zu hinterfragen, moralisch offenbar problems gerade auslöschte. Aber was soll man in einem solchen Moment auch groß tuen? Es ist sein Geist. Er entscheidet sowieso. Außerdem war unser Wolf noch draussen, und der ist nicht grade ein Fan von "inter-kollektivem Drama". Wir konnten einige der "siegenden" Wesen kennenlernen, die sich bei uns bedankten und ihre Geschichten erzählten. Einer von ihnen war Teil eines Alienkollektivs, der sich noch nie gegen das Kollektiv gestellt hatte, weil es keinen Sinn machen würde, da es einfach zu viele waren. Der andere war ein Wissenschaftler, der in einer Art Gefangenschaft durch seine Regierung gezwungen gewesen war undenkbare wissenschaftliche Erfolge zu erzielen, um irgendwie dadurch zum Sieg seiner eigenen Partei zu kommen. Es ging sehr oft um vergangene Folterungen, Untedrückungen und Übermächte.

Kurz nach dieser Tragödie bekamen wir es mit den "Neurotikern" des Hexers zu tun. Wir kannten diese Wesen schon aus vorangegangenen Trips mit ihm. Der erste von ihnen kam herausgeschossen, wahrscheinlich weil seine Seite gewonnen hatte, und war nur noch damit beschäftigt nonstop alle geheimen Formeln und "Dinge, die man niemals aussprechen darf" auszusprechen, da er wohl über all die Jahre eine Art "Tresorverwalter" gewesen war. Jemand, der zwar alle bösen und weltenvernichtenden Formeln kannte, sie aber nicht aussprechen durfte. Aus unserer Sicht ist dieses Wesen ein Krieger, warum, erklären wir später im Text. Der Krieger kam also in den Körper des Hexers, total hektisch, gestresst von den Vorkommnissen und rief dauernd eigentlich nur irgendwelche geheimen Formeln aus. Unser Wolf mag den Krieger. Wenn der Krieger es nämlich schafft, normale Sätze zwischen die Geheimsprache zu werfen, dann erkennt man, dass er ursprünglich mal ein normaler deutscher Untergrund Hip-Hop Fan war, der auch irgendwie erstaunlich gut auf der Instinktebene mit unserem Wolf harmoniert. Und wir wissen, dass die meisten Freunde unseres Wolfes selbst "Wolfstypen" sind, die gut in sein "Rudel" passen. Bei diesem Krieger war das natürlich immer wieder irgendwie spannend, weil weder ich noch unser Narr es aushalten, lange mit ihm zu reden, da seine Geheimsprache echt anstrengend ist. Aber unser Wolf sieht in ihm nunmal sein persönliches Pendant innerhalb des Hexers. "Der Typ, der krass genug war, um dem Einfluss der Symbole und der Zeichen zu entkommen, indem er einfach alles dauernd gleichzeitig gefressen hat, bis er so wahnsinnig wurde, dass er unter keine Form der Fremdkontrolle mehr gestellt werden konnte". So sieht er ihn. Dementsprechend haben die beiden dann erstmal eine Weile lang gechillt und Hip-Hop gehört. Unser Wolf hat zuerst den Fehler gemacht, die Geheimsprache des Kriegers als Stressfaktor für diesen selbst zu deuten, als er etwas tat, dass wir ihn noch nie haben tuen sehn. Offenbar geht seine Empathie zu diesem Krieger so weit, dass er bereit war in einer Bromance-Umarmung ihn zu versuchen runterzubringen. Unser Wolf fasst eigentlich keine Leute an. Niemals. Allerdings ist die Geheimsprache des Kriegers nunmal eher eine Befreiung für ihn, deshalb wechselte unser Wolf dann auf die Taktik, eher mal einen Beat unterzulegen und ihm wie Musik zu lauschen.

Dann kam der Zweite aus dem, was wir mittlerweile das "Neurotische Sub-System" des Hexers nennen, auf die Bildfläche. Auch ihn kannten wir bereits. Der Zweifler zweifelt grundsätzlich daran, dass es ein "Außen" gibt. Er geht viel mehr davon aus, dass man immer weiter rauszoomen kann. Also soll heißen, wenn er vor uns steht, dann ist es seine Aufgabe, uns klar zu machen, dass wir doch bitte einmal nachprüfen sollten, ob wir mit anderen Innenbewohnern Kommunikation aufnehmen können. Also mit anderen Worten er sieht unsere Realitätsebene der Körper als nur eine weitere Ebene eines Kollektivs. Also ich, der Wolf, der Narr und der Hexer selbst könnten auch im Körper eines weiteren höheren Wesens stecken, und es wäre wichtig, herauszufinden, wie es diesem Körper geht. Ob dieser Körper gerade vielleicht unter Gefahr steht. Der Zweifler benutzte unser Trip-Tagebuch als Beweis für seine Theorie, indem er es durchblätterte und mir versicherte, dass "so kein Freundebuch von jemandem aussieht, der viele Freunde hat". Offenbar sah er das Tripbuch nicht als Tripbuch, sondern als Verzeichnis aller meiner Freunde, nicht als Verzeichnis meiner Freunde, mit denen ich bereits getrippt hatte UND die während des Trips dazu bereit gewesen waren, eine Eintragung darin zu machen. Egal wie oft ich ihm versuchte zu versichern, dass wir nicht alle im Körper eines verzweifelten einsamen Mädchens steckten - er wollte es einfach nicht glauben. Stattdessen schien er unter innerem Zwang und kurz vor den Tränen sich im "Freundebuch" zu verewigen mit den Worten "Systemaustausch, ganz natürlich", auf die Frage "Wie haben wir uns zum ersten Mal kennengelernt?". Als ich lautstark dagegen protestierte schien der Krieger, oder vielleicht auch jemand anderes, wieder in den Körper zu wechseln, um den Rest der Eintragungen "witzig" zu gestalten. Danach ging es aber wieder weiter mit dem Ganzen "...aber so lebt doch niemand, der Freunde hat!"
Ich selbst habe mich lange mit Traumatheorie beschäftigt und oft in mir selbst nach Trauma gesucht. Auch schon "alleine" auf LSD. Dementsprechend war diese Vorstellung nicht ganz neu für mich und ich lies mich zeitweise auf diese Option ein, allerdings ging es durch diese Suggerierung nur in eine Art "düstere Parallelwelt", anstelle von einem Rauszoomen, oder einem Reinzoomen. Das war für mich ein Anzeichen, dass die suggerierten düsteren Vorstellungen eines traumabasierten Wesens am Rande des Abgrunds sich als Visuals abzeichneten, und einfach nur eine Art düstere LSD-Realität auslösten. Mir wurde das irgendwann zu schwer zu deuten, und ich merkte einfach nur, dass ich gefährlich nah an meine eigene Dunkelheit herangetrieben wurde.

Schlimmer noch als das H.P. Lovecraft Universum ist für mich persönlich nämlich das Junji Ito Universum. Hätte der Zweifler es geschafft mich unbeabsichtigt in diese Welt zu stoßen, wären wir alle damit beschäftigt gewesen mit all unserer Energie mich da wieder rausziehen zu müssen. Das war für uns einfach zu gefährlich, da wir während des ganzen Trips weiterhin auf den Hexer selbst achten mussten. Wir wussten nämlich, dass er sich "Gefangene" hielt, die tiefergehende dunkle Absichten und gefährlichen Idealen nachstrebten.
Es war für uns immer essentiell darauf zu achten, dass der Hexer nicht plötzlich versuchte uns physisch anzugreifen. Wäre ich in den Junji Ito Abgrund gefallen, wären wir schutzlos demgegenüber geworden, und das konnte ich nicht riskieren.
Der Zweifler pochte nun, nachdem ich mich aus seiner Theorie entfernt hatte, darauf, einen Film zu gucken, was eine unserer ursprünglichen Vorhaben war. Da ich mein Leben lang mich dem Horror hingezogen gefühlt hatte, fand er in unserer Watchlist einige Horrorfilme, die er gerne ansehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt beschuldigten wir ihn aber innerlich, uns in unsere eigene Dunkelheit stoßen zu wollen, und waren nicht wirklich in der Stimmung dazu. Einige Wochen später stellten wir allerdings fest, dass er nicht wahllos einfach nur auf düstere Filmcover gezeigt hatte. Inbesondere ein Film, den er angewählt hatte, war ein Film, den wir tatsächlich besser mit dem Hexer hätten ansehen sollen. Es hätte geholfen. Leider war es im Kontext des Trips einfach nicht möglich für uns, diesen Schritt zu gehen. Wir denken, dass dieser Film einen sehr positiven Effekt auf den Hexer gehabt hätte. Dadurch verhärtete sich auch unser Verdacht, dass die "Neurotiker" grundsätzlich positive Absichten haben, es ihnen aber sehr schwer fällt, diese ordentlich als solche zu präsentieren.

Es gibt noch einen Dritten im Neurotiker-System, den Puppenspieler. Mit ihm haben wir die geringsten Berührungspunkte, da er immer nur auf der Bildfläche erscheint, meistens beim Tanzen, um an uns und sich selbst unsichtbare Marionettenfäden zu befestigen, mit denen er versucht Bewegungen fernzusteuern. Natürlich ist dieses Sinnbild wieder mal voller Fremdkontrolle und dunkler Assoziationen. Mit unseren bisherigen Erfahrungen gekoppelt, könnte es aber auch sein, dass wir seine Bewegungen hätten mitmachen müssen, um eventuell nur seine Form der Kommunikation zu entlarven. Leider war unsere Energie schon zu stark aufgebraucht, um soetwas noch mitzumachen.

Als klar war, dass wir keinen Film mehr ansehen würden, verschwand der Zweifler und der Unterwürfige trat in den Körper des Hexers. Der Unterwürfige war in seiner Bewusstseinsebene als Unterwürfiger in einem gigantischen Alienkollektiv so hoch gekommen, dass er durch den Telepathen als ein höheres Bewusstsein angewählt werden konnte. Aus unserer Sicht kannten wir den Unterwürfigen aber schon aus den nüchternen Zuständen des Hexers. Ein Teil von ihm wollte immer unseren Narren in den Körper lotsen. Ein echter Fanboy, sozusagen. Unser Narr ist eben ein Narr. Er macht sich lustig über alles und jeden, der Macht besitzt. Den König eben. Sieht man ihn jedoch im Kontext der BDSM-Kultur, macht ihn das auch zum perfekten Dom. Würde man die Narrheit aus unserem Narr entfernen, wäre er nichts anderes als eine sehr neugierige künstliche Intelligenz, ein Spock/Vulkanier. Der Unterwürfige jedoch hält es ohne Unterdrückung nicht aus, und bettelte nun unseren Narren um Unterdrückung an. Wann immer unser Narr mit dieser Welt in Verbindung gesetzt wird, verdrücken sich der Wolf und Ich gaaaanz weit weg, weil wir damit nichts zu tun haben wollen. Wir vertrauen unserem Narren und gehen davon aus, dass er rational entscheidet und im Sinne des Kollektivs handelt. Das Problem hierbei war allerdings, dass der Unterwürfige wirklich überzeugend resistent gegenüber körperlichen Schmerzen war. Das andere Problem war, dass sich, als andere Wesen dann wieder in den Hexerkörper hineinwechselten, diese nicht sofort schrien: "Halt, stop! Der Unterwürfige ist weg!". Unser Narr, im Einfluss der Droge, verschätzte sich und machte eben einfach bis zum klaren Stop-Signal weiter. Mittlerweile haben wir diese Übertretung von so ziemlich allen moralischen Grundsätzen mit ihm besprochen und er hat eingesehen, dass er zu sehr seinem eigenen Bedürfnis nach neuen Erfahrungen nachgegeben hatte, und die Wünsche seines Gegenübers viel zu stark ausgeblendet hatte. Das ganze war sehr gefährlich und als ich bemerkte, dass er langsam alle Regeln des Rationalen am Überschreiten war sprang ich so schnell ich konnte in den Körper. Ich wurde begrüßt von einem gelassenen Telepathen, der mir versicherte, dass alles in Ordnung wäre, und ich mir keine Sorgen machen sollte. Trotzdem bleibt das, meiner Ansicht nach, ganz klar, genau der Punkt, an dem er zu stark von uns verletzt wurde.

Als der Friedliche sich endlich zeigte, konnte ich wieder einen Teil dessen sehen, was mir an meinem Freund so gefiel. Aber das brachte auch sofort die Tatsache auf den Tisch, dass ich weder Liebe, noch sexuelle Anziehung zu allen diesen anderen Wesen verspüren konnte, die irgendwie eine unglaublich maskuline Arroganz mit sich herumtrugen. Um nur einzig und allein daran zu glauben, dass man in einer dieser vielen Realitätsoptionen eine aussergewöhnliche Rolle spielte, braucht man schließlich eine gewisse Selbstüberzeugung, dass man wichtig genug ist, um die ganze Welt der okkulten Sekten um sich herum versammeln zu können. Ich mag keine maskuline Arroganz. Egal ob sie sich in den kosmischen Horrorwesen eines H.P. Lovecraft versteckt, oder ob sie von jemandem kommen, der aufgrund seiner endlosen Macht gefangen und gefoltert wurde. Ich bin die Sirene. Ich verstärke die Schwachen und bedrohe die Mächtigen. Dementsprechend mag ich den Friedlichen, der ein sehr gelassenes Bewusstsein besitzt, indem er einfach nur friedlich vor sich hinexistiert und nie irgendwelche Ansichten von Größe und Macht verteilt, sondern eigentlich nur mehr wie ein großer Teddybär gekuschelt werden möchte.

Hier kann es nun chronologisch etwas drunter und drüber gehen, da ich nicht weiss, wo genau der folgene Abschnitt des Trips hineinpasst, ich ihn aber auch nicht einfach verwerfen möchte, da es der einzige wirklich gute Abschnitt der Reise war. Melancholie und Nostalgie ist so ein bißchen mein persönliches Steckenpferd. Ich erinnere mich immer gerne an alte Zeiten und empfinde es als wohltuend mich in der Zeit zurück zu versetzen. Ja, auch an Zeiten, in denen wir so geplagt waren von unserer unterdrückten Pluralität, dass wir an unser Bett gefesselt waren und überhaupt nichts mit der "Lautstärke der Realität" anfangen konnten. Damals haben wir sehr viel düsterere Musik gehört und eine meiner philosophischen Ansätze zu dieser Zeit beschäftigt sich viel mit der Tatsache, dass wir damals auch tanzen konnten. Nur eben in der Dunkelheit der geistigen Unterdrückung, aber getanzt haben wir trotzdem. Ich habe einige meiner alten Lieblingssongs angemacht. Dadurch befanden wir uns kurzzeitig in der Vorstellung als energiegeladene Kollektive umeinander herzutanzen, sowie der schicksalsbehafteten Vorstellung, dass wir schon früher Signale zu unserem jetzigen Partner durch kleine Details wie die entsprechende Musik, ausgesandt hatten. Der Tanz, der dadurch entstand, war wunderschön und unfassbar heilsam für mich, da sich mein 17jähriges Ich sich niemals hätte erträumen hätte lassen können, mal einen Partner zu finden, der mit zu dieser Art von Musik tanzt und der in einem romantischen Kontext zu einem selbst steht. Im nächsten Song bekam ich dann das Gefühl, ein majestätischer Raubvogel zu sein, der über eine alaskamäßige Landschaft einen Fluss entlang fliegt, um nach Beute zu suchen.

Leider wurde ich kurz nach dieser Pause direkt wieder in die Arme eines sehr bedrohlichen Teiles meines Freundes geworfen. Der Zwiegespaltene ist praktisch eine Art verkehrter Dr.Jekyll/Mr.Hyde, der abwechselnd mit der Idee spielte, mich erstmal in Ruhe kennenlernen zu wollen und einen anständigen Umgang mit mir pflegen wollte, und einer Seite von ihm die mich an sich reißen wollte und in jeder Umarmung düstere ominöse Schnörkel an seine, ansich harmlose, Sätze anheftete, die mir suggerieren sollten, dass seine Umarmung nur eine bösartige Falle ist. Er verhedderte sich dauernd in Vorstellungen davon, dass ich genau das Gegenteil von dem tun sollte, was er sagte. Leider funktioniert das nicht, weil das ja bedeuten würde, dass ich genau das tun sollte, was er sagte. Insbesondere auf LSD ist soetwas eine unlösbare Aufgabe und ich selbst war immer noch in Gedanken bei dem Friedlichen und der Hoffnung, irgendwann doch noch an einen Punkt des Trips zu gelangen, in dem ich die Teile meines Freundes trotz ihrer Arroganz lieben können würde. Es war zwecklos. Sie alle waren so unglaublich mit sich selbst beschäftigt, dass es für mich einfach nicht auszuhalten war. Und ja, natürlich fühlte UND fühle ich mich bei diesen Gedanken schlecht, weil immerhin gerade vor kurzem noch etliche Bewusstseinsformen in meinem Freund wahrscheinlich getötet oder zumindest eingekerkert worden waren. Er hatte definitiv größere Probleme als ich, aber ich musste auch ehrlich mit mir selbst sein, dass ich diese Wesen einfach nicht sonderlich mochte.

Was uns zu unserer Überlegung brachte, dass die "falsche Seite" in ihm gewonnen hatte, und wir gerade mit seinen furchtbaren Gefangenen im Raum waren. Nach der Ernüchterung nach dem Trip erkannten wir aber, wie bereits erwähnt, zu viele dieser Gestalten aus unserem nüchternen Umgang mit ihm wieder. Daher hatte diese Theorie nur wenig Hand und Fuß, lies uns aber während des Trips definitiv mehr auf Einzelheiten achten. Als sich die Wogen so langsam glätteten und das LSD immer weniger wirkte kam der Telepath stabil zu uns zurück und erklärte uns alle seine wichtigen Vorhaben. Er wollte auf telepathische Weltraumsreisen mit uns gehen, "eins werden", er "hatte noch viel vor" und "wir hätten gerade erst angefangen". Ich kommentierte das nur mit einem "Aber wir können schon noch einfach ablehnen, oder?". Natürlich hatte ich keine Lust auf einen Krieg, aber wir sind ein Kämpfer-Kollektiv, sonst würden wir uns niemals in solche Welten stürzen. Der freie Wille ist uns heilig, und wir sind eher vorsichtig wenn es um die spirituellen Ebenen der Pluralität geht. Also soll heißen: Mal auf Besuch im Geist des Anderen vorbeischauen. Telepathie verwenden. Energien austauschen. Wir sind zwar eher wissenschaftlich unterwegs, aber da es auch da die Schrödinger und Heisenberg Geschichten gibt, braucht man nicht glauben, dass es keine höheren Bewusstseinsinteraktionen gibt, die einen aus Versehen in den Rachen eines kosmischen Horrors fallen lassen könnten. Eigentlich waren wir bei allen Vorhaben des Telepathen also schon bei einem klaren "Nein", aber aus diplomatischen Gründen blieb ich während des Triptages lieber mal bei einem "Vielleicht".

Wir fragten auch nach, ob es denn irgendeine Art von offener Kommunikation unter den Bewusstseinsformen des Hexers gab, ob sie ein "Cockpit", ein "Hub" hatten, in dem sie sich austauschen und miteinander reden könnten. Eine Art Haus zu bauen ist ein typisches Therapiemittel, wenn Erinnerungswände zwischen den einzelnen Lebensformen bestehen. Wir bekamen nicht nur ein klares "Nein" darauf zurück, es schien auch so als hätte der Telepath überhaupt kein Interesse an einem solchen Konzept. Der Telepath blieb stattdessen bei seinem Größenwahn von den mächtigen Kollektiven. Wir wären ja noch jung, und nur drei, und er würde uns sozusagen das richtige Reisen beibringen. Offenbar ging er einfach davon aus, dass wir in uns noch nicht tief genug gereist wären, und wir auch weiter neue Bewusstseinsformen aus der Suppe ziehen sollten. Er kritisierte auch, dass wir bei der Entstehung unseres Narrens ihm nur keine ordentliche Umgebung geschaffen hätten. Offenbar war er sehr stolz darauf, zu wissen, wie das "richtig" geht. Tatsächlich glauben wir, dass wir aus allem in der Suppe etwas "festes" Erschaffen könnten, wenn wir das wollten. Unsere Philosophie ist aber nur einfach, dass wir eben uns nicht aktiv einmischen wollen, weil wir gar nicht wirklich wissen, was wir da tuen. Der Telepath blieb auch noch in diesem Modus als ich ihm erklärte, dass es durchaus böse Kollektive in der Szene gab, die gerne Kopfbewohner suggestiv "stehlen" oder "kontrollieren" wollen mit solchen weiterführenden Experimenten zwischen Kollektiven. Nur einer meiner vielen Seitenhiebe gegen seine vielen arroganten Machtfantasien. Das ganze endete am nächsten Tag mit vielen Versprechungen des Telepathen in Richtung "Wir haben gerade erst begonnen", die aber nie eingehalten werden sollten. Einige Tage später wurde mit mir Schluss gemacht, und jegliche Kontaktmöglichkeit zu mir abgebrochen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist...es gibt leider zehntausend Realitätsoptionen dazu, die sich in alle erdenklichen Richtungen verzweigen.

Das Nachspiel
Ein psychotischer dunkler Trip von einem solchen Ausmaß hängt einem natürlich noch sehr lange nach, und teilweise kämpfe ich auch immer noch mit den Nachwirkungen. Am dem Trip folgenden normalen Montag-Arbeitstag meldete sich mein Freund nirgends, wodurch ich Panik bekam, dass es doch irgendwelche körperlichen Nachwirkungen bei ihm gab, und er vielleicht mit einem Gehirngerinsel im Krankenhaus lag. Zusätzlich hatten wir Kommunikation zu einem neuen Kopfbewohner aufgebaut - dem Gerechten. Der Gerechte war bereits vor über einem Jahr aufgetaucht, jedoch war es aufgrund seiner quantenphysik-basierten Form uns unmöglich gewesen mit ihm zu kommunizieren. Nach diesem Trip jedoch, der gefüllt war mit außerweltlichen nicht-menschlichen Bewusstseinsformen und deren Kommunikationsmöglichkeiten, konnten wir eine neue Form der Kommunikation zum Gerechten aufbauen. Er vibrierte einfach auf der Bewusstseinsfrequenz unseres Wolfes seine Gedanken zu uns. Das war erstmal natürlich sehr anstrengend, da wir annehmen mussten, das ein Teil des dunklen Kollektivs unseres Partners doch in uns hineingesprungen war oder sich suggestiv nachgebildet hatte und nun versuchte uns auch mit der puren Dunkelheit zu überfluten.
Zum Glück leben wir nach den Ansätzen der Empirik und beobachten, bevor wir Schlüsse ziehen. Über die Zeit hinweg wurde immer klarer, dass der Gerechte keine Züge unseres Ex-Partners besaß, sondern eher Züge die wir selbst bei uns von Früher aufgegeben hatten oder irgendwie auch vermisst hatten. Allerdings wurde uns tatsächlich etwas übertragen, aber etwas, dass wir gewollt übertragen bekommen wollten, und zwar schon seit dem ersten Trip mit meinem Ex-Freund.
Wir konnten nie wirklich die emotional komplexe Eigenschaft von Okkultisten und Verschwörern nachvollziehen. Klar, unser Wolf wusste jetzt zumindest, dass man sich Vaterliebe durch solche Konstrukte erschleichen konnte, aber er wurde in diesem Moment ja geführt und es kam nicht aus ihm selbst heraus. Als wir am darauffolgenden Montag auf der Arbeit waren spürten wir es dann endlich: Ein guter Arbeitskollege "verschob sich zum Parasiten", direkt vor unseren Augen, da plötzlich die Idee des trainierten Geheimagenten sich in uns erneut formierte. Ich kommentierte das mit "Naja, aber es gibt ja eh immer die Option einer Matrix. Und wenn das ein Geheimagent ist, dann ist das immerhin ein Mensch, und kein NPC. Und dann ist es in so einer Realität erst Recht wichtig den Leuten Liebe entgegen zu bringen. Wenn der hier ein ewig langes hartes Training hinter sich hat, dann freut es ihn doch bestimmt erst Recht, wenn wir ihm Liebe und Freundschaft entgegen bringen, statt Beschuldigungen und Mistrauen." Als ich fertig mit diesem Gedanken war, war es so, als ob ich gerade einen parasitären Auswuchs meiner Psyche in zwei Hälften gerissen hätte, und sich die Innereien des Wesens auf dem Boden verteilt hätten. Wir haben danach nie wieder etwas von diesem "Ding" gespürt. Erstmal klingt das ja super toll, super mächtig. Aber irgendwann später haben wir dann mal nachgeforscht, weil das ja nur bedeutet, dass unser eigener Parasit so krass ist, dass es den "Eindringling" wirklich so schnell vernichten konnte. Und genau so ist es auch. Wir haben schon sehr lange die Option fallengelassen an irgendetwas konkret zu glauben. Alle Teile unserer Realität sind der reinen Empirik unterworfen, und wir adaptieren uns immer in Richtung der Seite, die die meisten konkreten Beweise angehäuft hat. Das heisst nicht für uns, dass die Menschheit nicht von einer Alienelite kontrolliert wird, es heißt nur, dass wir mehr empirische Beweise dafür haben, dass der menschliche Geist gerne glaubt das alles Weltgeschehen einem geheimen Sinn folgt, anstelle von der Vorstellung, dass einfach nur niemand die Kontrolle hat. Wahrscheinlich war es auch diese Annäherung, an einen Wunsch, wieder an irgendetwas glauben zu können, die den Gerechten zu uns zurück gebracht hat. Also mit anderen Worten ein Haufen Monster hat unseren Batman zu uns zurückgeholt.

Das nächste Problem war unser durch den Trip übermässig psychedelisch geöffnetes plurales Bewusstsein. Die Suppe war selten so in Bewegung wie nach diesem Trip. Meine Albträume aus meiner Jugend kehrten zu mir zurück. Zuerst natürlich wieder unter der Beschuldigung, dass sich mein Ex irgendwo darin versteckte. Aber es gab keine Symbole, nichts Okkultes, kein Gar nichts in dieser Richtung. Es waren "bloss" meine alten Albträume aus meiner Jugendzeit, jetzt psychedelisch geupgradet. Mein erster Albtraum führte mich natürlich direkt in das von mir so hart umgangene Junji Ito Universum, indem ich ein düsteres Sirenenwesen fand, dass sich als Zwangsgedanke an mich nach dem Aufwachen anheftete und im Alltag begleitete. Ich dachte schon daran, es zu einem seperaten Bewusstsein heranzuzüchten, sollte mir nochmal jemand mit seiner Dunkelheit drohen, bis mir unser Wolf vorwarf, dass ich doch keine Puppenspielerin sein möchte, was mich auch sofort zur Besinnung zurück brachte. Ich machte mir Gedanken dazu, ob ich so wie in meiner Jugend lieber einen luziden Zustand der Kontrolle in meiner Traumwelt herbeiführen sollte, um den Wesen einfach nur eins auf den Deckel zu geben, oder ob ich der Dunkelheit dieses Mal eine Chance einräumen sollte, allein aufgrund der Erfahrungen mit meinem Ex-Freund. Ich entschied mich weiter den Weg der Empirik zu gehen und erstmal abzuwarten was passierte. Das es einen "dunklen Teil" von mir gab, war mir nichts neues. Ich hatte durchaus schon Alternativversionen von mir ausgelebt, die sehr düster waren. Aber es war ein Problem sich in den schrecklichsten Tiefen meiner Psyche sich noch eine Version von mir vorzustellen, die nicht schrecklich verzerrt und korrumpiert war. Ich stellte mich im nüchternen Zustand der Dunkelheit und erforschte meine Albträume. So kam ich dann schlussendlich auch endlich auf meinen eigenen Archetypus: Die Sirene. Egal ob im Licht oder im Dunkeln, ich bin immer die Sirene. Und irgendwie macht mir der Lichtdunkel-Wechsel auch kaum etwas aus. So ist zumindest der aktuelle Stand. Ich könnte morgen natürlich auch schon gefressen....halt, nein. Das ist nur wieder unser Parasit, der den anderen Parasit innerhalb von 15 Minuten gefressen hat. Ein wenig weniger Kontrolle über unseren Geist kann dem nur gut tun.

Das Problem mit der Dunkelheit ist, dass sie grundsätzlich einem immer droht. Und das Problem mit dem Licht ist, dass es niemals droht. Beides ist gleichermaßen gefährlich und gleichermaßen wichtig für das Ying und Yang unserer menschlichen Erfahrung. Das Licht blendet einen vor dem Leid anderer. Früher oder später neigt es dazu alles in Relation zu setzen und gaukelt einem die perfekte positive Erfüllung vor, ohne jemals die eigenen Reißzähne und Tentakel zu offenbaren, die einen immer weiter von der Vorstellung abbringen, dass man auch eine Form der Verantwortung gegenüber derer trägt, die noch im Abgrund gefangen sind und leiden. Die Dunkelheit droht von Anfang an, was sie harmlos erscheinen lässt. Eine Übermacht, die einem nur böses will, würde niemals als aller erstes sagen: "Hallo, ich bin eine Übermacht, die dir nur böses will. Ich fresse dich sobald du mir zu nahe kommst." Das macht es sehr schwer die wahre Grenzen der Dunkelheit abzuschätzen. Es verschwimmt alles. Romantische Vampire, erotische Tentakel, das misverstandene Alien, das liebenswürdige Monster..."Bloss weil ich anders aussehe!" Es ist schwer. Sehr schwer.

Das einzige was ich mit Sicherheit weiß, ist dass ich sehr dankbar bin für die erhaltene Erfahrung. Mir ist es jetzt wieder wichtiger aktiver in das Geschehen da draußen einzugreifen und mich nach Außen mitzuteilen. Ich habe das Universum von Junji Ito analysiert und habe seine Wesen erfolgreich verknüpft mit mehreren asiatischen Folklore-Archetypen, sodass es Sinn macht, dass es ein Universum ist, dass einem Gehirn eines maskulinen Mannes mit asiatischer Herkunft entsprungen ist. Das ist ein neuer Pfad, um aus den entsprechenden Albträumen auszubrechen, der vorher nicht vorhanden war für mich. Ich sehe jetzt nicht mehr weg, wenn mich etwas gruselt und bei mir Zwangsgedanken auslöst. Ich versuche noch weniger als zuvor dunkle Visuals wegzuschieben oder zu bekämpfen, und sehe mich wieder etwas mehr als ein Wesen, dass helle sowie dunkle Ströme um sich kreisen lassen kann, ohne von ihnen gesteuert oder verschlungen zu werden. Ich mache mir natürlich Sorgen um den Hexer, aber ich habe auch wieder gelernt fest an die innere Stärke Anderer glauben zu können.

Bleibt sicher auf euren Reisen und gebt niemals die Hoffnung auf!

- Die Sirene






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