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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehn
Drogen:Mischkonsum von Ecstasy und Lachgas (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:stravaganza
Datum:01.11.2006 17:56
Set:entspannt, gut drauf, Vorfreude auf das schöne Wochenende
Setting:zunächst Wohnung, dann Fußgängerzone, Spielplätze; alles bei Nacht und mit bester Freundin
Nützlichkeit:8,81 von 10 möglichen   (26 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Dass man auf MDMA prima tanzen kann, weiß man ja.

Doch hätte ich nie gedacht, wie bereichernd ein MDMA-Trip einer anderen Art sein kann...



Es war das fünfte Mal, dass ich Ecstasy genommen habe und alles begann an einem Donnerstagabend. Meine Freundin B. und ihr Freund waren zu Besuch und wir hatten beschlossen ein verdrufftes WE zu durchleben. Die Teile (blaue X-Files mit BR) hatten wir davor schon getestet und waren zufrieden mit der Wirkung. Um den Abend ruhig angehen zu lassen, nahmen wir gegen 22:30 zunächst eine. Wir hatten noch keinen genauen Plan, wo wir dann hingehen wollten und wir sollten auch keinen brauchen, wie sich später herausstellte.

Während wir auf den Wirkungseintritt warteten, sahen wir uns eine Folge ’Spooks’ an (BBC-Serie über den MI5).

Der Tripverlauf folgte dem Spannungsaufbau in der Folge, an manchen Stellen war es am Ende kaum noch auszuhalten. Allerdings auf eine eher negative Art. Besonders die Musik beeinflusste mich alles andere als positiv.

Um für etwas Ablenkung zu sorgen, beschloss ich einen Ballon Lachgas zu mir zu nehmen. Doch das half auch nichts und so sah ich hilfesuchend B. an und stellte fest, dass es ihr auch nicht besser ging, dass sie sich genauso gefangen in der Situation fühlte. Mit einem kurzen Blickwechsel waren wir uns einig mit dem Entkapsler und Zubehör im Schlafzimmer zu verschwinden, wo wir erstmal kichernd aufs Bett fielen. Wir konnten einfach nicht begreifen, wie die anderen beiden dort sitzen bleiben konnten... eek

Nach ein paar Albernheiten und einigen Ballons beschlossen wir ein weiteres Teil einzubauen.

Plötzlich setzte ein Aktivitäts- und Spieltrieb ungeahnten Ausmaßes ein.

Wir rannten zurück ins Wohnzimmer und erklärten, dass wir jetzt aufbrechen zum spielen. Und schon waren wir zur Tür raus und lachten über die Gesichter der beiden anderen, die die Situation nicht begreifen konnten.



Draußen bemerkte ich als erstes den Wind, der durch mich hindurch wehte. Ich wollte mich auflösen und mit ihm davonfliegen...

Ich hatte noch nie in meinem Leben so tief eingeatmet, die Luft erfüllte meinen ganzen Körper mit Leben.

Wir rannten ein paar Meter zu einem Brunnen bei uns in der Fußgängerzone, setzten uns auf den Rand und genehmigten uns noch einen Ballon. Kaum war der Lachgasflash vorbei, packte uns wieder der Bewegungsdrang und wir rannten auf dem Rand um den Brunnen. Plötzlich zog B. ihre Schuhe aus und hielt einen Fuß ins Wasser. Mich interessierte auch, wie sich das Wasser anfühlt und ich war überrascht. Mein Verstand sagte mir, dass es kalt sein müsste, aber das war es nicht. Doch diesen inneren Konflikt vergaß ich während des Planschens.

Dann überrollte mich plötzlich eine Welle der Liebe und ich konnte mich nicht mehr halten. Ich musste losrennen, musste den Wind um mich und in mir fühlen. Ich sprang über jede Bank, die ich finden konnte, bis mich eine Flut an Ideen einholte.

Die erste war, auf so tierförmigen Schaukeldingern für Kinder zu wippen und es fühlte sich an, als würde man für all die Momente, wo man nicht ungestört Kind sein durfte, entschädigt werden.

Doch bald wurde der Drang nach Bewegung wieder übermächtig und wir rannten mit ausgebreiteten Armen und fast schon hysterischem Lachen weiter. Bis wir an ein bisschen Stadtbegrünung vorbeikamen und beschlossen Blumen zu sammeln und zu tauschen. Da fiel mir das erste Mal meine tiefe Naturverbundenheit auf. Trotzdem habe ich die Blumen gepflückt, sie sollten mich daran erinnern, wie wichtig Natürlichkeit sein kann. Ich hielt sie ganz fest in der Hand und konnte mir nicht vorstellen jemals etwas Schöneres gesehen zu haben.



Die nächste Idee drehte sich um einen nahe gelegenen kleinen Spielplatz, der über ein schüssel- bzw. kegelförmiges auf dem Boden verschraubtes, aber drehbar gelagertes Ding verfügte. Wir waren uns sicher, dass das Gefühl, dass es in diesem Ding zu entdecken gibt, das Tollste überhaupt sein wird. Also trennten wir uns von unseren Blumen. Doch für Traurigkeit blieb keine Zeit. In totaler Harmonie mit mir und der Welt ließ ich B. den Vortritt und sah zu. Es war einfach kein Platz für Uneinigkeit und ich hatte in ihren Augen gesehen, dass sie es kaum erwarten konnte. Als ich dran war und mich zu drehen begann, wanderten meine Augen zum Himmel, der teilweise wolkenverhangen war. Die Wolken steckten mich mit einem Gefühl von unbeschreiblicher Freiheit an. Davonfliegen…

Noch nie hatte ich den Mond so gesehen, noch nie sein Leuchten so intensiv gefühlt.

B. riss mich aus meinen Gedanken um mich auf die Sandkiste aufmerksam zu machen, in der sie schon die ganze Zeit wühlte und sich fasziniert den Sand durch die Finger rieseln ließ. Ich sprang mit Anlauf hinein und versank förmlich darin.

Und plötzlich war Ruhe, schlagartig sahen wir uns in die Augen und wussten, dass die nächste dumme Idee nicht weit weg war. Wir kicherten und B. sagte:

„Wie gerne würde ich mich jetzt auf eine Wiese legen… mit richtig hohem Gras.“

Und sofort war ich mit ihr einer Meinung, dass das das Größte überhaupt sein müsste.



Wir kamen nur ein paar Schritte, dann war die ‚Wiesenidee’ verschoben und ich hatte eine neue: Ein weiterer Ballon, gleich hier, in der Mitte des ‚Spielplatzvorplatzes’ mit dem komischen Muster aus Pflastersteinen. Genau hier in der Mitte, wie abgefahren…



Dort ließen wir dann auch die Blumen liegen als Symbol für den Rest der Welt am nächsten Morgen.

Ohne ein weiteres Wort über unser Ziel zu wechseln, sprangen wir wieder auf und rannten los, kamen aber auch diesmal nicht weit, da ich nach ca. 50 m (bergab) hinfiel.

Und so saß ich da, meinen Hut in der Hand, Haare zerzaust, Klamotten dreckig und Hände aufgeschürft, aber glücklich und immer noch kichernd. biggrin

B. setzte sich neben mich und sah die wenigen Passanten in der Fußgängerzone misstrauisch an. ‚MI 5’, flüsterten wir und lachten wieder. Das wurde so eine Art running gag.



Als wir endlich an einem kleinen Stück Wiese angekommen waren, war es uns egal, dass es nur eine Art Verkehrsinsel war. Wir ließen uns von dem Gras auffangen, rollten hin und her und badeten in dem kleinen Stück Natur mitten auf der Straße. Ich nahm zum ersten Mal in meinem Leben Wiese richtig wahr, mit ihrer Haptik, den Geräuschen, wenn der Wind durch die Grashalme weht und wie sich das Mondlicht auf selbigen reflektiert. Ich sog das Gefühl in mich hinein, fühlte mich atmen und lebendig sein. Ich war eins mit der Welt und wollte, dass es niemals endet. verliebt

Als ich in B.s Gesicht sah, spiegelten sich meine Gefühle in ihren Augen, deren Pupillen ungeahnte Ausmaße angenommen hatten, wieder. Wir waren uns einig… wie Schwestern.

Das brachte mich auf den Gedanken, wie es wohl wäre jemanden zu küssen. Ich fragte sie und sie schlug vor, es doch einfach zu probieren. Es war unbeschreiblich großartig und gleichzeitig verrückt. Wir taten es noch mal. Mitten auf der kleinen Verkehrsinsel mit dem nassen Gras unter dem strahlend hellen Mond über uns. (und zum Glück in einer verschlafenen Kleinstadt)

Als wir die Augen öffneten, überraschte uns die nächste dumme Idee. Die war: Baden.

In einem Teich. Wir überlegten, wohin wir gehen sollten. Ich hatte Raum und Zeit vergessen, doch B. versicherte mir glaubhaft, sie wüsste wohin. Also machten wir uns auf den Weg.

Als wir an dem Fluss, der bei uns in der Stadt fließt, vorbeikamen, hob ich eine Hand voll Kiesel auf und warf sie von der Brücke: woooooosh. Das beste Geräusch der Welt. Noch mal. Woooooosh. Lachen. Weiter. Motorrad am Straßenrand. Gucken, ob keiner guckt und vorsichtig draufsetzen. Lack anfassen und fühlen. So glatt und kalt und doch weich. Woooosh. Weiter. So abgehackt kam mir unser Verhalten vor und doch gleichzeitig so im Fluss und so schlüssig. Einfach von einer dummen Idee zur nächsten.

Dann kam die Straße. Was für ein Abenteuer. Wir sind einfach drüber gerannt, möglichst laut und lebendig, mit weit geöffneten Armen.

Die nächste Sache, die unsere Aufmerksamkeit forderte, war Matsch auf dem Weg. Wie gut muss da barfuss sein? ‚Lass es uns rausfinden.’

Schuhe aus, kurz zum Testen mit dem großen Zeh reintippen, kichern. Und dann mit Anlauf reinspringen. Und niemand da, der sagt: Mach dich nicht dreckig, Froooolllllein.

Was für ein Gefühl, so natürlich.

Der Matsch kroch unsere Hosenbeine hoch, aber es hatte einfach keine Bedeutung. Ich fragte mich, warum sich immer alle Welt so ein Stress um saubere Klamotten macht. Ist das wirklich wichtig? (normalerweise lege ich da auch gewissen Wert drauf)

Und wenn schon, wir wussten, wie wir den Matsch wieder loswerden. Nämlich mit Wasser. Am besten aus der Pfütze ein paar Meter weiter. Anlauf… und rein. Wahnsinn.

Und endlich wusste ich, warum man barfuss läuft. Ich wollte die ganze Welt unter meinen Füßen spüren, das Nächstbeste waren ein paar Bahnschienen.

Das Metall, so glatt und so kalt und als Kontrast dazu die Holzplanken dazwischen, die sich so warm und lebendig anfühlten. Ich konnte das Holz fast atmen hören und ich wünschte mir, ich könnte für immer über Bahnschienen laufen.



Plötzlich klingelte mein Handy. Das Geräusch schien aus einer anderen Welt zu kommen, so mechanisch-technisch irgendwie. Aber nicht negativ, nur anders. Ich ging ran. Es waren die Jungs, die sich Sorgen machten. Wir waren schon zwei Stunden weg. Ich erzählte von den Bahnschienen und sie machten sich noch größere Sorgen. Also mussten wir versprechen, woanders zu spielen. Das war kein Problem, da das hohe Gras daneben im Selben Moment viel verlockender aussah. Wir sprangen hinein und ließen uns komplett von den Halmen umarmen. Wir küssten uns noch mal und umarmten uns. Ich stieß mich ab und wir rollten gemeinsam den kleinen Abhang hinunter ins noch höhere, feuchte Gras. Und noch mal. Woooooosh. Und noch mal. Wooosh.

Die nächste Wahrnehmung beinhaltete die Schaukeln auf dem Spielplatz, an dem wir rausgekommen waren. Sie waren einfach da. Wie simpel. Und schön. Wir waren immer noch Kinder. Schaukeln, ja das war, wonach ich mein ganzes Leben gesucht hatte. So kam es mir vor. Wir öffneten noch jeder eine Kapsel und die Welt flog vor und zurück.



Der Plan mit dem Baden stand auch noch und der Fluss war ja noch ganz in der Nähe….

Also haben wir eine geeignete Stelle gesucht, uns ausgezogen und sind in den Fluss geklettert, haben uns nass gespritzt und unsere Erfüllung gefunden. Tief zufrieden wieder auf dem kleinen Betonvorsprung oberhalb angekommen, haben wir uns angezogen. Noch nie war ich so glücklich in meinen Klamotten. Warm und dreckig. Wie Erde an einem Sommertag. Großartig.

Mit nassen Haaren und zitternden Händen machten wir uns eine Kippe an und rauchten schweigend im Versuch, all das wirken zu lassen, bis ich in meiner Tasche ein paar Himbeerbrausebonbons fand. Normalerweise mag ich kein Himbeer, deswegen waren sie auch noch übrig, aber jetzt gab es nichts Besseres. Das Prickeln in meinem Mund breitete sich über meinen ganzen Körper aus und irgendwie auch in die Umgebung. Alles prickelte und war lebendig und echt. Die Welt war in Sekt mit vielen kleinen Blubberblasen getaucht.



Dann beschlossen wir den Rückweg anzutreten. Der war noch sehr lang, aber unterhaltsam und entspannt. Eigentlich hätten wir ewig laufen können und hätten an jeder Ecke was Einzigartiges gefunden.

Der Trip war jetzt fast vorbei und an der Haustür angekommen, nutzten wir das letzte bisschen und fassten uns an den Händen um uns laut lachend um uns selbst zu drehen.



Als wir völlig erschöpft und dreckig an die Wohnung kamen, waren die Jungs entsetzt. Um die schlechte Stimmung zu vermeiden, schlossen wir uns im Bad ein. Idee! idee

Baden in richtig heißem, dampfendem Wasser. Mit Schaum. Gesagt, getan. Eingetaucht.

Woooosh. Das war Entspannung pur. Wir saßen in der Badewanne, spielten mit dem Schaum, küssten uns ein letztes Mal und hörten den Geräuschen unter Wasser zu, bis es kalt wurde. Woooosh.



Geblieben ist ein gutes Gefühl in mir und mehr Aufmerksamkeit für die Dinge um mich herum. Nachwirkungen am nächsten Tag hatte ich keine.

Ich werde mir jetzt viel Zeit lassen bis zum nächsten Mal. Eine so wertvolle Erfahrung darf nicht so verschwendet werden. Es wird mir schwer fallen, es nicht zu übertreiben, in der Hoffnung, mal wieder so eine Nacht zu erleben. Aber ich bin guter Dinge und die Erinnerung an dieses Erlebnis ist auch für sich vollkommen ausreichend.



So, dann danke fürs lesen und liebe Grüße










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