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Langzeit-Berichte lesen

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Titel:Euch die Uhren, uns die Zeit...
Droge:Crystal
Autor:Frosty
Datum:24.11.2012 15:52
Nützlichkeit:9,42 von 10 möglichen   (222 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Ein freundliches Hallo an Alle, die hier durch irgendeinen dummen Zufall gelandet sind !



Ich leg gleich los....

Zu mir: Ich bin um die 20, habe ein recht gutes Abi in der Tasche und gute Aussichten auf einen Studienplatz zum Sommersemester. Ich lebe in einer Kleinstadt in Bayern, die Art Klein-"Stadt" in der man schwer suchen muss, um etwas spannendes zu finden ;) .



Fangen nicht alle solche Texte von Junkies mit den Worten >>Wir waren uns sicher: So etwas kann uns nicht passieren!<< an??

Ich weiß jetzt wieso: Weil es stimmt.

Egal um wen und was es geht, spielt man sich immer eine heile Welt vor; Ich hab das noch alles voll unter Kontrolle, ich kann jederzeit aufhören, nur am Wochenende ist doch okay, der xxxx ist doch eh viel krasser unterwegs und dem gehts doch auch super!!

Seht es endlich ein:

Das alles sind Lügen. Die krassesten Lügen, die es überhaupt geben kann, weil wir sie uns selbst andrehen... Tag für Tag schafft es ein Teil von mir, dem kompletten anderen Teil einen fetten Bären aufzubinden!



Ich hasse mich für so ziemlich alles, was im letzten halben Jahr passiert ist - aber am meißten stört mich, dass ich mir selbst mein eigenes Vertrauen gebrochen hab... Nie hätte ich gedacht, dass Menschen zu so etwas in der Lage sein könnten, trotz "Requiem for a dream", "Wir Kinder von Bahnhof Zoo", "The Basketball diaries", "Trainspotting" und unzähligen weiteren Warnungen.



Als ich zu meinem ersten Konsum kam, hatte ich gerade eine zweimonatige Pause von allen Substanzen hinter mir - inklusive Nikotin und Alkohol. An die Zeit davor wiederum kann ich mich nur noch an Fragmente erinnern; Es gab viel Amphetamine, Alkohol, Shit, Ketamin, Methylphenidat, Koffein, Nikotin, Heroin, LSD, MDMA, Oxycodon, Benzodiazepine und einiges weiteres. Täglich.

Wieso? Naja, gerade das Abi geschafft, einen Ausbildungsplatz für eine lächerlich einfache Ausbildung bekommen und die erste richtige eigene Bude! Das waren zumindest so die Argumente, die ich ständig meinem eigenem Gewissen vorbetete;

Wie in meinem anderen Bericht erwähnt, versuche ich jede Substanz mit verschiedensten Konsumformen zu genießen... Ich bin überzeugt, dass wenn man etwas anders zu sich nimmt, sich der Charakter der Droge vollkommen ändert - oder mir einfach nur eine weitere neue Erfahrung beschert ;)

Zum Beispiel Speed, Pep, Amphe oder wie immer man es nennt:

Geschluckt kann man es prima hernehmen, um sich länger auf eine Sache konzentrieren zu können - Geschnupft schiebt es einen plötzlich um einiges mehr an - injiziert öffnet es gelegentlich die Pforte zu einer anderen Welt :)

Wieso hatte ich aufgehört? Wirklich gerissen hat mich keins von allem und ich bekam körperlich einige Probleme. Mein Herz fiel aus dem Rhythmus, meine Lunge gab nicht mehr so wahnsinnig viel her und meine Venen waren metertief unter die Haut gekrochen;

Probleme mit Entzugserscheinungen oder Ähnlichem hatte ich keine, wie gesagt: Keine Substanz, egal wie in meinen Kreislauf gelangt, hatte mich wirklich beeindruckt.



Funkelnd und glitzernd lag sie jetzt vor mir: eine schöne, gerade Line von circa 0,15 Gramm Methamphetamine!

Na, was mich so nett anlächelt.... Aber vor dieser speziellen Droge hatte ich ziemlich Schiss. Meine Eltern standen nicht vielem wirklich richtig ablehnend gegenüber - außer gerade Crystal. Schon als Kind bekam ich Bücher, die grauenhafte Geschichten von Meth-heads erzählten, so dass mir "Wir Kinder von Bahnhof Zoo" wie ein nettes Kinderbüchlein vorkam! Bei jeder Gelegenheit wurde mir unterbewusst eingehämmert: "Meth ist der Teufel!" "Trash bringt dich um!" "Einmal genommen - Nie mehr weggekommen!"

Die Medien hatten ihnen eine Meinung gebildet - Und alle sind sie voll von dem Grauen und Schrecken, der den Kristallen vorauseilt...

Jetzt hatte ich aber zufällig gerade erst eine ganz vernünftig recherchierte Doku über Spoof gesehen, in der das Zeug immerhin wesentlich weniger schlecht davonkam wie sonst üblich;

Überzeugt, dass das weiße hier auch nicht groß anders sein könnte wie das übliche Amphetamin aus der Stammküche, zog ich es mir rein.

Meine Nase brannte wie Feuer

In meinem Hinterkopf begann sich ein deutliches Stechen auszubreiten

Augenblicklich fühlte ich mich frisch und voller Energie

Die Gewissheit, dass ich alles zum Guten regeln kann

Tina regeln kann

egal.

Die nächsten Stunden quatschte ich diverse Leute mit diversem Mist zu, räumte mein Zimmer penibelst auf und verbrachte mehrere Stunden damit, auf meinem Laptop ein passendes Hintergrundbild einzurichten.

Alles war interessant und neu - alles machte auf einmal unheimlich viel Spaß - alles wurde aber auch ein wenig bedrohlich und beängstigend....



Müsste ich das Gefühl, den Flash mit Worten beschreiben würde ich es bezeichnen als sofortige Rückbildung in ein kindliches Wesen - voller Wissbegierde, Unvernünftigkeit und getrieben von dem Drang, alles zu erforschen oder einfach nur damit zu "spielen".



So. In den nächsten Wochen hatte ich viel zu tun; Die Arbeit war stressig, die Vorbereitungen auf die Bewerbungen für mein Studium standen an und meine Familenkontakte mussten auch mal wieder gepflegt werden. Deswegen kam ich nicht dazu, diesen Flash weiter zu erforschen...



Ziemlich genau einen Monat später erstand ich aus einer spontanen Laune ein Gramm Meth - Ehrlich ich hatte es nicht gezielt getan und hatte auch zunächst keine Verwendung dafür!

Nun ja, das Wochenende darauf gönnte ich mir mal wieder eine Nase und erst jetzt begann ich langsam, Gefallen an den Millionen von Gedanken zu finden, die wie Blitze durch mein Gehirn zuckten... ;)

Aber ich war nicht zufrieden und wollte weiter "forschen";

So schluckte ich die Droge und war bitter enttäuscht - Es hielt gnadenlos lange wach, aber ohne jegliche weitere Veränderung außer einer übertriebenen Fixiertheit auf diverses ^^

Geraucht war es seltsam: Es haute mir einen vor die Rübe wie ein Fausthieb und hieb weitere 30 Minuten auf mich ein. Danach flaute es plötzlich ab und ich bin überzeugt, dass die Wirkung irgendwie nach dieser halben Stunde komplett verflogen war.



Es naht, was kommen musste.... Die Nadel....

Das war der fatale Fehler, den ich machte - diese Erfahrung war genau die, die ich niemals hätte machen dürfen!

Es waren ziemlich genau 0,1 Gramm in der Spritze, als ich ihren Inhalt in meine Blutbahn entleerte...

Mein Tripbericht sagt genug über das aus, was folgte...

Es war so weit:

Nach allem, was ich locker weggesteckt hatte, allem was ich ignorieren und unterdrücken konnte - Herr Gott nochmal, ich hatte Heroin gespritzt und es seitdem nie wieder getan!

Todsicher überzeugt von der eigenen Immunität...



Jeder Mensch sucht in meinen Augen etwas bestimmtes: Ein Gefühl, ein Erlebnis, ein Ziel, Traum - was auch immer. Wenn er es gefunden hat, dann wird er es versuchen zu konservieren, zu bewahren - und den Zustand ewig zu erhalten...

Es war wie wenn ich etwas gefunden hätte, was ich überhaupt nicht gesucht hatte - Aber dass mir so sehr gefehlt hätte, als wäre ich zuvor nur ein halber Mensch gewesen.

Egal! Jetzt war ich ja endlich ganz geworden!



Zu jedem Zeitpunkt war ich mir all dieser Tatsachen bewusst. Genau dieses Wissen macht mich bis heute noch fertig. Das ständige unterdrücken all der Wahrheiten, um sich selbst mit fahlen Trugbildern zu täuschen! Der ständige Kampf gegen sich selbst... Die Stimme des eigenen wahren Ichs wird zwar später immer leiser - aber verstummen tut sie nie. Keine Minute, keinen Gedanken hat man Ruhe vor der drohenden Gewissheit:

Du hast gegen dich selbst verloren.



Innerhalb weniger Wochen baute ich körperlich und geistig rapide ab. Soziale Kontakte pflegte ich keine mehr, essen trinken duschen waschen putzen -> alles war nicht mehr wichtig!

Nichts war mehr wichtig, wenn ich in dieser anderen Welt war: Diese Welt, in der nichts falsch war, nichts unmöglich...

War ich bisher ein äußerst hygienischer Fixer gewesen, so sammelte ich jetzt stumpfe Spritzen aus stinkenden, vergammelten Mülleimern.

War mir mein Auftreten und Ordentlichkeit immer wichtig gewesen - jetzt lag ich tagelang zwischen einem Chaos aus blutigen Tüchern, Löffeln, Kanülen, Alufolie und ein paar Filtern herum.

Uninteressant!



Natürlich habe ich dabei jedes Zeitgefühl verloren, weshalb ich leider nichts genaues berichten kann... Monate waren Minuten, Tage dauerten Wochen... Verfall...



Einmal ertappte ich mich dabei, wie ich durch die Gegend am Boden herumkroch wie ein Tier: Auf der Suche nach Kristallen! Vollkommen außer Stande, noch vernünftige Gedanken zu formen, die nicht auf das eine ausgerichtet waren - den nächsten Flash.

Das nächste High - Die nächste Gelegenheit, der immer unerträglicher werdenden Realität zu entfliehen - Das nächste Mal sich selbst ein wenig mehr vorlügen und ein weiteres kleines Stück Selbstachtung zu verlieren...



Bilder tauchen vor meinen Augen auf, wie ich wie ein Wilder auf Arme, Beine, Füße einhacke - auf der Suche nach einer brauchbaren Vene. Jene waren selten geworden mit der Zeit, hatten Schutz unter der grau werdenden Haut gesucht.

Egal! Dann würde ich halt länger herumbohren müssen. Ihr verdammten blauen Schläuche werdet mich nicht verarschen! Niemand und nichts wird mich davon abhalten können, die immer größer werdenden Mengen Methamphetamine in meinen Körper zu jagen!



Ab einem gewissen Zeitpunkt fing mein Körper an, das Crystal abzuwehren; Ich musste nach dem Schuss kotzen, mir war gar nicht mehr so wohl, jedes gute Gefühl war weg und unerreichbar. Selbst wenn ich mit einem Druck über ein Gramm hineindrückte!

Verloren das Gefühl...

Egal irgendwann muss es ja wiederkommen!



Im Nachhinein war das wahrscheinlich der Wendepunkt, an dem ich jeglichen Lebenswillen verlor und aufgab. Das Menschsein aufgab.

Frieden damit fand, den letzten menschlichen Zug aufgegeben zu haben.

Das war kein schlechtes Gefühl, eher würde ich es als befreiend bezeichnen; Endlich konnte ich aufhören, mir Gedanken zu machen - machen zu müssen. Egal wie leise diese inzwischen geworden waren... Einfach frei sein verkacktes verdammtes endendes Leben weiter führen können!

Endlich ohne Scham in einem Blutbespritzten Bad nach einem Kollaps mit dem Kopf im Mülleimer zu sich zu kommen!

Mit Armen voller Blutkrusten in seiner eigenen Kotze aufzuwachen!



Alles Gute ist mit etwas gleichwertig Schlechtem verbunden - so viel ist sicher...

Ein gutes Essen ist oft mit Verdauungsproblemen und Müdigkeit verbunden.

Eine gepflegte Kippe legt heimlich eine winzige Menge Teer in deine Lunge.

Ein abgefahrener Trip kann dich noch Jahre später für den Rest deines Lebens an eine geschlossene Psychiatrie binden.

Ein kleiner Schuss Tina kann dich fliegen lassen, lässt dich danach Tagelang zu einer leblosen Hülle mutieren.

Ein Leben für Tina lässt dich unheimlich hoch fliegen -



Der Rest bleibt wohl besser der Phantasie überlassen ;)



Die verlorene Zeit bleibt verloren und gewisse Dinge werden nie ganz heilen - vor allem das Loch im Selbstvertrauen wird glaube ich nie mehr zuwachsen...

Erinnerungen bleiben mir eigentlich ehrlich gesagt -

Keine.

Gott sei Dank.






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