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Titel:Cannabis als Weg zum Inneren
Droge:Cannabis
Autor:anonym
Datum:31.01.2014 23:06
Nützlichkeit:9,28 von 10 möglichen   (68 Stimmen abgegeben)

Bericht::

In diesem Tripbericht möchte ich von meinen Erfahrungen während und nach meiner ca. zweijährigen "Cannabiszeit" erzählen und die Veränderungen in meiner Person und der meiner Kollegen reflektieren. Ich bin nun 22 Jahre alt, Student und habe diesen Bericht in erster Linie für mich selbst geschrieben; um Ereignisse zu ordnen und um die Entwicklungen, die meine Person in dieser Zeit durchgemacht hat, zu verstehen.

Es fing alles damit an, dass mein bester Freund und ich auf die Idee kamen Cannabis anzubauen. Wir hatten dabei keinerlei finanzielle Interessen, unsere Absicht war einfach den persönlichen Eigenbedarf zu decken und sauberes Gras zu haben. Aber auch die Pflanzen und die Natur im Allgemeinen interessierte uns beide schon immer, und so machte uns schon alleine das Anbauen fast so viel Spaß wie die getrockneten Blüten später zu rauchen..



Wir waren fast 18 Jahre alt als wir damit starteten - ich kurz vor meinem Abitur und mein Kumpel am Anfang einer Ausbildung - hatten vorher auch schon einige male was geraucht, waren aber im großen und ganzen noch ziemlich unerfahren was das breite Wirkungsspektrum von Cannabis anging. Zu der Zeit war meine Vorstellung einfach, dass wir da jetzt ein schönes Kraut anbauen, das uns später einige schöne Lachflashs bescheren wird und unsere Laune hebt. Und im Grunde lag ich damit ja auch richtig.

Inzwischen sind also knapp 5 Jahre vergangen und ich habe schon so einige Cannabissorten geraucht, die extrem stark sein sollten, darunter das beste Zeug, was wir in Amsterdam bekommen haben, und ich glaube ich kann guten Gewissens behaupten, dass unser Gras dem wirklich in nichts nachsteht bzw nachstand.



Irgendwann kam also der Tag an dem wir ernten konnten. Natürlich waren wir super gespannt, wie die Wirkung von unserem eigenen, hundertprozentig sauberen Gras ausfällt, und da wir nicht warten wollten, bis das ganze Chlorophyll abgebaut wurde um es dann rauchen zu können, haben wir uns aus einer Hand voll Buds gleich einen Kuchen gebacken. Wie die Wirkung ausfiel, kann sich bestimmt jeder, der schonmal eine ordentliche Cannabismenge oral eingenommen hat vorstellen: Wir aßen beide zusammen den halben Kuchen und wollten erstmal die Wirkung abwarten, bis wir vllt. noch mehr zu uns nehmen würden. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Wir saßen im Zimmer und guckten Lucky Number Slevin. Nach ca. einer Stunde merkte ich dann die ersten Veränderungen. Meine Augen wurden sehr trocken, wodurch meine Kontaktlinse mir rausfiel, ich wollte also ins Bad um sie wieder reinzubekommen und merkte, dass meine Beine zu schwer zum gehen waren. Das war so lustig, dass ich laut loslachen musste und mein Kumpel wurde natürlich angesteckt und so saßen wir dort erstmal eine gefühlte Ewigkeiten und haben einfach nur gelacht. Zwischendurch hatten wir immer mal wieder einen klaren Gedanken und uns wurde bewusst, dass wir etwas leiser lachen sollten, da die Eltern im Zimmer nebenan schliefen. Irgendwann kam ich auch ins Bad und bekam meine Kontaktlinse wieder rein und blickte in meine roten und vom Lachen tränenden Augen, was mich dort wieder veranlasste laut loszulachen. :) Als ich wieder ins Zimmer kam setzten wir den Film fort und waren nun auf dem Höhepunkt des Rausches angelangt. Die Lachflashs ließen nach und wir beide schweigten die meiste Zeit und befassten uns in Gedanken mit unserem Bewusstseinszustand; d.h. zumindest ich befasste mich damit, denn mein Kumpel war nicht mehr anwesend, er wurde zu Slevin, der (soweit sich meine Erinnerung nicht ganz täuscht, denn wirklich viel weiß ich nicht mehr vom Film), gefesselt auf einem Stuhl saß und mit einer Pistole bedroht wurde.

Dieses durch das Marihuana krass gesteigerte Empathieempfinden war es wahrscheinlich auch, was uns beide in den Jahren unseres Graskonsums am meisten beeinflusst und verändert hat.



Kurz zu unseren Persönlichkeiten: Wir beide kennen uns seit der Grundschule und besagter Freund ist neben meiner Mutter die einzige Person, bei der ich das Gefühl habe, dass sie in der Lage ist mein Innenleben zu verstehen und ich seines. Und das, obwohl wir eigentlich nie über Gefühle oder Probleme reden. Und auch habe ich das Gefühl, dass wir anders denken als der Großteil der Menschen um uns herum. Das war auch schon vor unserer Cannabiszeit so. Ich denke wir beide zeigen deutliche Zeichen von Hochsensibilität; er allerdings noch um einiges mehr als ich. Wenn man sich also auf Wikipedia die Definition von Hochsensibilität durchliest treffen - ausnahmslos - alle Anzeichen auf ihn zu, während diese bei mir in der Kindheit noch ausgeprägter waren, da ich mich zu Beginn der Pubertät auch einfach gezwungen habe wie die anderen zu sein und damit manche Eigenschaften mehr oder weniger erfolgreich unterdrückt habe. Erst jetzt - und das ist wohl (auch) ein Effekt des Konsums - wurde ich gezwungen mich meinen unterdrückten Eigenschaften zu stellen und diese wieder zuzulassen, das möchte ich an dieser Stelle aber auch erstmal nicht weiter ausführen. Jedenfalls waren wir trotzdem immer mehr oder weniger beide in der Schule und der "normalen" Gesellschaft integriert, in der Schule habe ich auch immer sehr gute Freunde gefunden, aber diese Bekanntschaften sind - auch die, die nun schon jahrelang bestehen - trotz regelmäßigen Kontakts, im Gegensatz zu der Freundschaft zu meinem besten Kumpel von einer gewissen Oberflächlichkeit geprägt. Jedenfalls sollten man hierdurch zumindest einen kleinen Eindruck in unsere Persönlichkeiten bekommen und ich möchte auch niemanden langweilen, aber da ich in diesem Bericht ja generell auf unsere inneren Veränderungen eingehen möchte sehe ich diese Punkte als recht wichtig an und darum werden sie im weiteren Text auch noch weiter ausgeführt werden.



Wir hatten nun also unseren ersten, richtig heftigen Rausch und haben uns beide sogleich in diese wunderbare Pflanze verliebt. Beim Konsum verzichteten wir auf Tabak und da wir so eine unglaublich große Menge zur Verfügung hatten, haben wir uns nun täglich mindestens eine pure Tüte reingezogen. In der Woche nur am Abend und am Wochenende auch nachmittags sowie am Abend dann mitunter noch noch was mit anderen Freunden.

Diese Zeit, vor allem die Anfangszeit, war aufjedenfall eine der schönsten meines Lebens. Obwohl wir täglich rauchten war doch jede Tüte etwas besonderes. Zum einen, da mein Kumpel Perfektionist ist und mit jedem gebauten Joint seinem Ideal der vollkommenen Tüte näherkam und zum anderen, da wir uns jedes mal den perfekten Platz zum rauchen suchten. Dabei war unsere erste Anlaufstelle der benachbarte Wald an unserer Kleinstadt, den ich nun inzwischen in und auswendig kenne. Auch heute noch kann ich mir kaum etwas schöneres vorstellen, als im Sommer kurz vor Sonnenuntergang sich auf die Bank am Waldrand zu setzen, unsere pure Tüte zu rauchen und die Natur zu beobachten. Diese Erlebnisse haben mich auch stark geprägt und mich zu meinem kindlichen Verstehen der Natur zurückgeführt.

An dieser Stelle muss ich auch noch was zu unserem Gras sagen: Ich habe ja schon erwähnt, dass es bis heute das stärkste Zeug war, was ich jemals geraucht habe. Wenn man mal richtig gutes Amnesia Haze geraucht hat, kommt dies unserem schon nahe, da es eine ähnlich ausgeprägte Sativakomponente besitzt, aber ich muss ehrlich sagen, dass unser Gras noch stärker war als mein gestestes Holland-Zeug, was mir auch viele (sehr) erfahrene Kiffer bestätigt haben (wie wir das hinbekommen habe, ist mir ein Rätsel :D.. ). Aber uners Gras war nicht nur verdammt stark, es hatte auch die Eigenschaft (und bis heute ist es die einzige Sorte, die ich kenne, bei der es so ist), dass sich bei uns keinerlei Toleranz bildete. Wir waren beide jeden Tag genau so dicht, als wenn es die erste Tüte unseres Lebens wäre und ich denke, dass auch gerade dadurch das Cannabis so einen großen Einfluss auf uns hatte.



Ich habe neben dem Gras auch zweimal Pilze genommen und einmal LSD und bei keinem Rausch hatte ich so starke Gedankenflashs wie bei unserem täglichen Kiffen.

Das erste Jahr spielte sich also ungefähr so ab: Abends zum Kumpel fahren, Tüte bauen, den perfekten Platz suchen, rauchen. Nach dem ersten Zug waren wir dann dicht, denn es war keine Sorte, bei der die Wirkung allmählich anflutet und nach 15 Minuten den Höhepunkt erreicht. Im Grunde waren wir nach ein paar Zügen schon super fett high und haben den Rest eigentlich nur geraucht, da es so lecker schmeckte und wir eh mehr als genug davon hatten.

Zur Wirkung: Im ersten Jahr hatten wir jedes mal riesige Lachflashs. Unsere Gedanken rasten und unsere Kreativität war unerschöpflich. Es waren einfach Gedankengänge, die man im nüchternen Zustand niemals erreichen würde. Ich war regelmäßig nicht mehr in der Lage zu sprechen. Bevor ich meine Gedanken aussprechen konnte waren schon wieder neue da die ausgesprochen werden wollten, doch sie waren einfach zu schnell für mich, an Reden war nicht mehr zu denken. Das einzige was ich machen konnte war, sie zu beobachten und mich darüber kaputt zu lachen; es war wunderbar. :)



Und nicht nur in meinem Kopf taten sich neue Welten auf: Blickte man nach außen in die Natur wurde ich regelrecht überwältigt von den Eindrücken. Der einfache Baum, neben dem man eben noch saß, war plötzlich eine Persönlichkeit wie du und ich. Da gab es keine Trennung mehr, er konnte zwar nicht verbal reden, aber man verstand sich einfach. Dass auch das alles sehr humorvoll und begleitet von heftigen Lachflashs vonstatten ging versteht sich von selbst. Wir tauchten ganz einfach wieder in die Welt ein, in der man sich als Kind befand. Als würde man das alles um sich herum zum ersten entdecken. Alles war losgelöst von den Begriffen mit denen wir unsere Welt zu beschreiben versuchten. Die Biene, die neben einem landete war keine Biene mehr, sie war einfach dieses fliegende, summende, gelb-schwarze Ding mit einem Stachel hinten dran, dass man auf eine unbeschreibliche Art und Weise sah, und die es nun schaffte, das eigene Bewusstsein völlig in ihren Bann zu ziehen um in ihr Erkenntnisse über die Natur zu erblicken, die auch in einem selbst schon immer vorhanden waren. Doch mit dem Ende der Kindheit hat man diesen Blick auf die Dinge irgendwann verloren.

Dieser kindliche Blick auf die Dinge ist für mich gleichbeutend mit dem mystischen Blick. Mit dem großen unaussprechlichen Geheimnis hinter den Dingen, das ich als Kind so oft gefühlt habe. Schon im Kindergartenalter war ich mir bewusst, dass es irgendetwas hinter unsere Wirklichkeit gibt. Das war für mich auch ganz normal und es ist für mich auch bis heute nicht erklärbar, woher dieses Denken bei mir kommt. Meine Familie ist alles andere als religiös oder in irgendeiner Weise interessiert an geistigen Vorgängen und doch bete ich seit ich mich erinnern kann jeden Abend ganz selbstverständlich zu Gott, der für mich schon immer etwas anderes war, als das, was unsere Kirche, zu der ich schon immer eine gewisse Abneigung verspürte, uns vermittelt. Warum ich das erwähne ist, dass mich diese Rauschzustände in der Natur wieder an meine inneren Erfahrungen als Kind erinnerten. Seit ich im Marihuanarausch wieder das kindliche Gefühl von einer Verbundenheit mit der Natur verspürte kamen mir innerhalb des Jahres auch immer wieder ganz plötzliche Erinnerungen an Ereignisse aus meiner Kindheit in den Sinn, die mich als Kind tief berührt hatten und von denen ich nicht gewusst habe, dass sie sich noch irgendwo in meinem Gedächtnis befinden. Darunter auch immer eigentlich ganz unwichtig erscheinende Ereignisse, z.B. wie ich als Kind mit meinem Opa Beton anrühre, von denen ich erst heute bewusst verstehe, was sie dennoch für einen Einfluss auf meine Entwicklung hatten.



Wieder zum Gras: Uns taten sich nun also wieder ganz neue Welten auf und im Grunde schien alles perfekt zu laufen. Auch in der Schule war ich besser denn je: Auf einmal interessierten mich die Gedichte im Deutschunterricht und auch mein Lehrer meinte er sei ganz erstaunt gewesen, als er meine Klausur zu Goethes Werther korrigierte, da ich doch im Unterricht nie Interesse gezeigt hätte und nun eine der besten Klausuren geschrieben habe. Auch in Physik, in dem ich in der 11. Klasse noch mit Mühe und Not eine knappe 4- erreichen konnte, wuchs mein Interesse stark an als wir die Quantentheorie durchnahmen, und ich weiß noch wie es bei mir Klick machte, als wir mit dem Doppelspaltversuch bewiesen, dass Licht Teilchen- und Wellencharakter besitzt und ich im Abiturzeugnis mit 14 Punkten auf einmal Klassenbester war. Ich bin zu hundert Prozent sicher, dass ich dieses Interesse niemals gezeigt hätte, wenn ich nicht jeden Abend in diese andere, bekiffte Welt eingetaucht wäre, in der sich mir, vorausgesetzt ich konnte zumindest noch einiger Maßen klar denken, die Zusammenhänge in Physik, Mathematik, Deutsch oder worin auch immer ganz einfach erklären ließen.

Auch gaben mir die besseren Schulnoten nun natürlich eine gewisse Rechtfertigung für das Kiffen. Ich war gewissermaßen natürlich auch stolz darauf, dass wir uns beim Kiffen in solchen komplexen Gedankenwelten bewegten und nicht nur stoned in der Ecke lagen, was wie gesagt auch an der unglaublichen Sativa-Wirkung unseres Krauts lag. Aber natürlich gab es auch die bekannten Fressflashs mit 3 Packungen Chips, Schokolade und Eis und dazu eine Folge Simpsons oder South Park oder irgendwelche anderen Filme. Doch - vor allem im Sommer - war die Natur das Gebiet, das es zu entdecken gab und mit ihr die Zusammenhänge des Lebens.



Irgendwann kam dann der Wendepunkt. Es muss nach ungefähr anderthalb Jahren nach unserem ersten Kuchentrip gewesen sein, als unsere Lachflashs nachließen. Wir rauchten noch immer täglich, doch irgendetwas war nun anders. Dieser Vorgang ging recht schleichend vonstatten, doch nach und nach ließ die euphorische Wirkung des Cannabis nach und was blieb war ein veränderter Bewusstseinszustand und rasende Gedanken, die nun, da die Lachflashs und Euphorie nachließ, sich nicht mehr nur um lustige Filmideen, kreative Erfindungen und die ersehnte positive Veränderung für unser aller Leben, die so nahe schien, drehten. Auch hatte ich mein Abitur, und obwohl doch alles so schön und einfach schien, wusste ich nicht wohin mit meinem Leben.

An einem Freitag haben wir dann wieder was geraucht und sind durch die Stadt gegangen. Da kamen wir an einer Disko vorbei, die auch ich ab und zu mal mit paar Kumpels (meistens sehr betrunken) besuchte. Wir waren völlig high und guckten an der Hinterseite des Gebäudes durch die Fenster nach innen. Auf einmal spürten wir beide die absolute Sinnlosigkeit in den Leben der Menschen, die wir dort sahen. Nicht falsch verstehen: Ich möchte hier nicht über die Leben der Menschen urteilen, die wir dort sahen (ich war ja auch wie gesagt selbst öfters mal in der Diskothek), aber vielmehr hatten wir das Gefühl, als würde auf einmal in allem der Sinn fehlen. Diese Menschen arbeiten 5 oder 6 Tage die Woche, von morgens bis abends und gehen dann an einem Freitagabend in die Diskothek um sich zu betrinken, ihren Verstand auszuschalten, Zeug zu reden und Sachen zu machen, die sich sich nüchtern nicht trauen, um am nächsten morgen mit einem Kater aufzustehen und Montags wieder zu arbeiten. Ich glaube, dass dieser Moment der große Wendepunkt war, an dem das Kiffen auf einmal keinen Spaß mehr gemacht hat.

In der Zeit danach lief das erstmal alles so weiter: Abends treffen und Joints rauchen. Mit der Zeit wurden wir immer mehr verschlossener. Klar hatte man noch ab und zu diese super lustigen Gedanken und Ideen, was man alles so machen könnte, doch auf einmal hing dieser Nachgeschmack der Sinnlosigkeit an allem, was man dachte und an allem was man aussprach. Ich interessierte mich weiterhin für Quantenphysik und all dem Kram, der auf Gras so einen Sinn ergab, doch alles war auf einmal eingebettet in diesen Zustand der Sinnlosigkeit.

An einem Augustabend wollten wir dann den angekündigten Sternschnuppen-Schauer beobachten. Wir waren zu dritt rauchten eine dicke Tüte und chillten auf dem Rasen, guckten einfach nur in den Himmel und beobachteten die vorbeiziehenden Sternschnuppen. Das war der Moment, der das Ende unserer Cannabiszeit einleitete. Am nächsten Tag verbrannte mein Kollege den Rest von unserem Gras, einige Gläser voll, und wären wir ins Grasgeschäft eingestiegen hätte man sicherlich noch einen schönen Kleinwagen davon kaufen können. Doch mit dem Ausspruch "die Sternschnuppen hätten wir uns auch nüchtern angucken können" wurde unser mit so viel Liebe angebautes Gras mitten im August in den Kamin geworfen. Ein Wunder, dass die Nachbarn (u.a. ein Polizist) nichts bemerkten.

Es hat uns einfach nichts mehr gegeben, und ich respektiere meinen Kumpel unglaublich stark für seine Entscheidung, es zu verbrennen. Die zwei veränderten Bewusstseinszustände, die man jeden Tag erfuhr wurden einfach zu viel. Am Tag war man diese in die Gesellschaft integrierte Person und am Abend, nach einer übertrieben Portion Weed gingen die Gedanken in die entgegengesetzte Richtung.

Der Entzug war erstaunlich schwierig. Wir haben auch immer gesagt, wir könnten locker eine Pause machen und müssten gar nichts rauchen, aber die größte Pause hielt dann in den 2 1/2 Jahren höchstens mal eine Woche. Als wir es dann von 0 auf 100 komplett absetzten machten wir beide eine ziemlich krasse Zeit durch. Ich möchte da gar nicht näher drauf eingehen, aber in unseren Gedanken hatte sich so manches angestaut, was nun raus wollte. Kurz gesagt, waren wir beide recht strange drauf. Bei meinem Kumpel hatte ich kurz Angst, er wäre an Schizophrenie erkrankt, heute weiß ich, dass ein Teil von ihm, der durch das Cannabis wohl in gewisser Weise geweckt und gleichzeitig in normalen Leben total unterdrückt wurde, an die Oberfläche wollte. Bei mir war es zum Glück nicht so stark, in den Grundzügen habe ich aber das gleiche durchgemacht. Auch geschlafen habe ich kaum, und wenn ich dann mal eingeschlafen bin hatte ich die intensivsten Träume, die man sich vorstellen kann.

Nun rauchen wir höchstens mal was, wenn irgendwelche Kollegen was dabei haben, aber bei mir gibt es auch kein Verlangen mehr danach.

Im Grunde hätte ich alles noch viel detaillierter beschreiben können, aber da dies in erster Linie auch eine kleine Übersicht für mich selbst darstellen sollte, habe ich erstmal darauf verzichtet. :)



Das war also ein kleiner Überblick über meine persönliche Cannabiszeit, die eine positive und eine negative Seite hatte, doch an die sehr gerne zurückdenke. Sie hat einen Prozess der Selbsterkenntnis in mir losgelöst, der mich bis heute nicht loslässt und der dazu führte, dass ich mich täglich mit den grundlegenden Fragen des Lebens beschäftige. Was mir vor allem Hoffnung gibt, sind die kleinen Erkenntnisse, die ich dadurch immer wieder erlange, sodass ich heute sagen kann, dass ich das Gefühl habe, auf dem richtigen Weg zu sein. Ich habe ja auch schon gesagt, dass ich schon Trips mit Halluzinogenen hinter mir habe und verglichen damit war jeder Cannabisrausch auch ein kleiner Trip, ausgelöst durch dieses unglaublich starke Gras, das wir hatten. Es hat mich wieder mehr zu meinem inneren geführt und diese besonderen Erlebnisse der Natur und des eigenen Ichs haben mich wieder zur Erfahrung meines alten, kindlichen Ichs gebracht. Es ist, als hätte ich mit Beginn meines Jugendalters so vieles aus den Augen verloren, was ich jetzt langsam wiederentdecke, allen voran das Gefühl des Verbundenseins mit der Natur, das - da bin ich mir sicher - jeder kennt und jedem offensteht, aber das heutzutage kaum noch jemand in sich zulässt.





Ein kleines Update:

Ich bin gerade auf einen Text gestoßen, der wie ich finde sehr gut meinen Bericht abschließt:



"Die Menschen wollen altübernommene Glaubensüberzeugungen abstreifen. Sie sehnen sich unbewußt nach dem Wissen der frühen Kindheit, dem dunkel erinnerten Erleben einer Erfahrungswelt, in der das Unerwartete als "magisches Geschehen" ganz selbstverständlich und das Natürlichste der Welt war. Diese Menschen beginnen ihr Leben mit anderen Augen zu sehen, mit einem Blick, der aus der Natur selbst und aus ihrer persönlichen Eigenart eine anmutige Mühelosigkeit, eine fast vergessene Freiheit heraufzubeschwören sucht. Sie gewinnen eine neue Einstellung zu ihrem eigenen Leben, eine eher natürliche, eine magische. Unter solchen Umständen erscheinen die Elemente der Bewahrung in Natur und Gesellschaft nicht mehr so zwingend wie früher. Überraschende Vorkommnisse, die früher vertuscht oder ignoriert wurden, häufen sich; überall macht sich eine beschleunigte Entwicklung geltend und bringt die Menschen dazu, daß sich ihre Erwartungen im Hinblick auf die Geschehnisse in ihrem eigenen Leben und auf das von anderen erwartete Verhalten allmählich ändern."

aus: Seth - Die magische Einstellung








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