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Übersicht:

Titel:Organismus Elektrofestival mit introspektivem Afterglow - Teil 2
Drogen:Mischkonsum von LSD, Alkohol, Crystal und Cannabis (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Sol
Datum:13.10.2018 21:32
Set:relativ entspannt, Näheres im Bericht (Teil 1)
Setting:Eintageselektrofestival, Bett
Nützlichkeit:8,11 von 10 möglichen   (9 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Organismus Elektrofestival mit intensiv introspektivem Afterglow - Teil 2

Hinweis: Der Bericht ist für das Formular zu lange, deswegen habe ich ihn in 2 Teilen hochgeladen.
Lesezeit geschätzt 45 Minuten für beide Teile.

Link zu Teil 1: Organismus Elektrofestival mit intensiv introspektivem Afterglow - Teil 1


Übersicht

Einleitung - 14222 Zeichen

Kapitel 1, Das Anfluten - 5898 Zeichen

Kapitel 2, Der Trip bis zur Ruhe - 15540 Zeichen

Kapitel 3, Das Leiden und die Erkenntnisse - 20382 Zeichen

Kapitel 4, Rauschen, Folgetag und Folgen - 7885 Zeichen


Kapitel 3, Das Leiden und die Erkenntnisse

Im Bett angelangt dachte ich daran, nun endlich verdient schlafen zu können. Doch das Gezucke und Getriggere der Musik und ihrer Beats wollte mich nicht verlassen. Außerdem fühlte es sich so an, als hätte ich meine Sonnenbrille noch immer auf. Dies ist durchaus nachvollziehbar, denn ich hatte das Teil die letzten 12 Stunden auf. Insbesondere die Beats lagen mir noch recht stark im Ohr und im präfrontalen Cortex, der Teil vom Hirn hinter der Stirn, und ließen mich so nicht zur Ruhe kommen. Nach relativ kurzem im Bett herumliegen und von A nach B wenden, bemerkte ich erst wie krass der Trip in meinen Gedanken eigentlich noch vorherrschend ist und wie ausgepowert ich doch auf der anderen Seite bin. Nach gefühlt 15 – 20 Minuten musste ich schon wieder für kleine Jungs, machte das, trank einen Schluck Wasser, weil meine Kehle total trocken / kratzig war und legte mich im Anschluss wieder hin. Außerdem hatte ich wieder meinen Bierdünnschiss, wie am vorherigen Montag des Grauens. Diesmal war es jedoch nicht sehr dramatisch, da ich ja kaum etwas gegessen hatte. Dies kam mir erst als ich auf dem Klo herumsaß, irgendwie war mir vorher gar nicht bewusst, dass ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte, es spiele die ganze Zeit irgendwie gar keine Rolle.

Ich war nach diesem mal noch mindestens 4 weitere male auf der Toilette, jedes mal höchstens im Abstand von einer halben Stunde und jedes mal hatte ich recht starken Harndrang. Ich schätze das war das ganze Wasser, welches ich am Festival getrunken hatte. Neben dieser eher nervigen Angelegenheit kam der sehr kratzige und trockene Hals und meine inzwischen recht stark verstopfte Nase hinzu, die es mir beim im Bett herumliegen und dem Versuch einzuschlafen, mit der Atmung nicht allzu einfach gemacht hatten. Atmen durch den Mund trocknete / reizte die Kehle, atmen durch die Nase war kaum möglich. Hin und wieder konnte ich mir durch räuspern den Schleim in der Nase / Kehle in Richtung Mund befördern, aber da ich im Bett lag und keine Energie hatte aufzustehen um das Zeug irgendwo hinzuspucken, schluckte ich den Rotz einfach. Während der Toilettengänge konnte ich zumindest ab und an in das Waschbecken rotzen, in dem ich später als es hell wurde richtig schwarze Rückstände fand. Irgendwann bin ich auch mal auf die Idee gekommen, mich zu Schneuzen, wobei recht heftig dunkler Rotz, heftiger als nach dem Schnupfen von Schnupftabak, zum Vorschein kam. Dies erklärte auch das schlechte Atmen, da die staubige Luft des Festivals nicht nur meine Nase verstopft hatte, sondern wohl auch meine Lunge und den Rachenbereich penetriert hatte.

Mit jedem Rotz, den ich nach oben räusperte, ging es mir ein winziges Stückchen besser. Bei den späteren Toilettengängen bemerkte ich, wie sich mein Verdauungssystem durch das zwischenzeitliche Fasten mehr und mehr reinigte, es ging mir gut in Magen und Darm um, ohne dass ich etwas gegessen hätte. Das kenne ich wenn ich auch sonst mal weit über 12 Stunden keine feste Nahrung aufnehme. Ich lag wach bis zum Morgen und habe bis Sonntag Abend nicht eine Minute geschlafen, obwohl ich es über 8 Stunden versucht habe.

Soviel zum Leiden.

Bei dem Versuch einschlafen zu können drehte und wälzte ich mich ständig hin und her, dann war es wieder zu kalt, dann wieder zu warm unter der Decke, wie man das eben so kennt. Auch wenn die Erinnerung und weitere Hirnfunktionen während des ganzen Zeitraums, zu dem ich versuchte einzuschlafen schon wieder ganz gut funktionierten, so war der Trip trotzdem noch voll präsent. Er hatte seine Qualität geändert, relativ deutlich geändert.

Das hauptsächliche körperliche Leiden kombiniert mit der Unfähigkeit einzuschlafen, haben dazu geführt, dass ich tief in mein Inneres schaute und dabei so einige Dinge glaube erkannt zu haben. Zu diesem Zweck hatte ich mal eine zu geringe Dosis Iboga (10 g Wurzelrindenpulver) getestet, die für diesen Zweck einfach heillos unterdosiert war, ich hatte auch Ayahuasca zu diesem Zweck getestet, aber auch hier bin ich weniger zu Erkenntnissen gekommen, als in dieser Nacht. Angesichts meines akuten Leidens, das nahezu auschließlich auf den Gebrauch von Drogen, allen voran Alkohol, zurückzuführen war, hatte ich mich nach dem warum gefragt. Ich hatte mich auch nach dem Warum beim vorherigen Wochenende mit dem Montag des Grauens gefragt. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass es das Leiden nach einem Rausch durchaus brauchen kann und es sinnvoll ist und von daher nicht durch irgendwelche Kopfschmerztabletten oder Ähnliches verringert werden sollte. Bisher hat mir das Leiden jedoch wenig gebracht. Und dann habe ich mich gefragt ob es denn überhaupt irgendwann mal einen Sinn haben wird, da ich in meinem Leben schon sehr oft, viel und hart an den Folgen des Drogenkonsums gelitten habe und ich konnte keinen rechten Sinn im Leiden finden.

Wenn aber das Leiden schon wenig Sinn hat, dann stellt sich auch die Frage, welchen Sinn der Exzess, der bei den Drogengelagen immer wieder herausgefordert wird hat. Und auch hier bin ich nicht wirklich auf eine gute Antwort gekommen. Natürlich macht die Sache Spaß, aber sie macht auch dann Spaß, teilweise oft mehr, wenn man sich nicht vollkommen herunter richtet. Und dann irgendwie ist mir wieder in den Kopf geschossen, dass ich heute vor allem eines gerne gemacht hätte, rumschmußen. Mir wurde klar, dass die Drogenexzesse recht wahrscheinlich eine Kompensationshandlung für den Mangel an Liebe ist, unter dem ich wohl weit aus mehr leide, als ich mir eingestehen wollte oder als ich überhaupt mitbekommen habe. Bereits Wochen vorher hatte ich in einem primär psychedelischen Rausch die These aufgestellt, dass man unter Psychedelika einfach etwas aufmerksamer wird, aufmerksamer seiner Umgebung gegenüber, aber auch sich selbst gegenüber. Diese These würde erklären, warum ich nun endlich mal etwas aufmerksamer im Bezug auf meine Person bin und dabei bemerke, welche Dinge falsch laufen, und diesen allen voran geht das Leid durch Liebesmangel. Auf diese Schiene der erhöhten Achtsamkeit sich selbst gegenüber gekommen bin ich wahrscheinlich weil ich nach der Autofahrt nach Hause feststellte, dass wenn ich jetzt nicht auf meine Ruhe, die ich nun einfach brauchen würde, bestehe, ich möglicherweise einen Schaden davontragen würde.

Das Acid hat mir mehr oder weniger gelehrt, jetzt nicht nochmal der großen Sause zu huldigen, sondern mich einfach mal hinzulegen und zu entspannen, wenn von Körper und Geist klare Signale kommen, dass dies nötig ist. Sonst oder bisher bin ich ausgezeichnet darin gewesen diese Signale zu ignorieren und zu überstimmen, mit irgendwelchen schleierhaften Zielen. Diese Ziele sind aber, wenn Sie gegen die Signale von meinem Körper und Geist gerichtet sind, die falschen. Einige der vorgelagerten Vorgänge wie das Vögeln einer afrikanischen Prostituierten im ziemlichen Vollrausch ohne Gummi weswegen ich am Montag des Grauens eigentlich zum Aidstest gehen wollte, was ich wegen Rauschfolgen nicht geschafft hatte, wurden zu Dingen die sich für mich klar durch Liebesmangel erklären lassen. Entweder betrinke ich mich um an etwas Liebe heranzukommen, wenn auch von einer Prostituierten, oder aber ich betrinke mich einfach kontinuierlich so sehr, dass es mir vermeintlich egal ist. Anders kann ich mir dieses permanente Herunterrichten meiner selbst gar nicht so gut erklären.

Ein weiterer Punkt an vorgelagerten Ereignissen ist der, dass ich in den Wochen vor dem Trip immer wieder online nach Prostituierten geschaut habe und zunehmend darauf geachtet habe, dass im Service auch Zungenküsse angeboten werden, damit es sich möglichst echt anfühlt. Irgendwie habe ich mich aber nie getraut bzw. wollte dann einfach doch nicht dort anrufen. Die ganze Entwicklung geht mehr in die Richtung, dass ich etwas Ehrliches möchte, eine ehrliche Beziehung wahrscheinlich. Als Ersatzhandlung, weil ich mich nicht getraut habe, eine Prostituierte anzurufen, habe ich stattdessen einer Bekannten, die keinen Freund hat und auf die ich durchaus stehe ein übriges Ticket für das Festival des Trips anzubieten. Damit habe ich mich schon mal etwas besser gefühlt als nichts zu machen.

Auch das schon fast krankhafte streben nach Erfolgen bei was auch immer, in der Arbeit, bei privaten Projekten, beim Investieren oder sogar einfach in der Freizeitgestaltung, wobei wir wieder bei Räuschen und anderen Dummheiten, wie häufiger Masturbation, Hanf- und Pilzzüchtung und vielen vielen weiteren Ersatz- oder Kompensationshandlungen angelangt wären, all diese Dinge scheinen einfach nur davon ablenken zu wollen was ich im tiefsten Inneren brauche. Gut vergraben unter allen diesen Dingen, ab und an mal wieder irgendwo hervor scheinend, aber dann immer wieder recht schnell zugeschüttet. Bei der Erkenntnis, dass ich eigentlich primär nichts anderes und das dermaßen und schon seit grob 15 Jahren mehr brauche als eine Frau, Liebe, war ich schon hin und wieder angekommen. Aber Sie wurde immer wieder begraben, durch äußeren Stress, Schwachsinn, Spaß, Räusche usw. Die Ursache dafür ist mittlerweilen nicht nur mehr Angst vor den Frauen oder einer Festlegung in dieser Richtung, es ist auch Gewohnheit und Organisationsschwierigkeit dazugekommen, weil ich die Fähigkeit vergessen habe, den ganzen belanglosen Ersatzhandelsschwachsinn bleiben zu lassen, es scheint als könnte ich nicht ohne. Eine Mitschuld trägt gewiss auch der wilde Wille nach ständig wechselnden Sexpartnerinnen, von denen eine besser als die andere aussieht, was natürlich mit einer vernünftigen geistigen Beziehung wenig gemein hat.

Ein weiterer Aspekt drängt mich dazu, das Aufbauen einer Beziehung zu einer Frau als nächsten sinnvollen Schritt anzusehen, das Hirn entwickelt sich weg von dem geistigen Behinderungszustand der Liebesunfähigkeit und unvollständigen Verbundenheits- und Vertrauensfähigkeiten hin zu einem vollständigeren, gesünderen, mächtigeren und geilerem Denkwerkzeug. Gerade zwischen Sex und Macht bzw. einfach der Fähigkeit Dinge auf die Reihe zu kiegen sah man und ich auf Acid insbesondere schon immer eine intuitive Verbindung. Als ich das letzte mal bei einer richtig geilen Prostituierten war, da erinnerte mich das an die „Heilphase“, also die Phase nach der krassen Übelkeit meiner vorhergehenden Ayahuascaerfahrung, nur dass es sich zwischenzeitlich noch besser, gesünder und mächtiger, aber auch irgendwie magisch, giftig verhext und psychedelisch, anfühlte. Ich will gar nicht ausschließen, dass es hierbei einfach nur um Testosteron geht und ich davon eine deutliche Erhöhung des Spiegels im Körper benötige und ich mir von einer richtigen Beziehung wesentlich mehr Testosteron verspreche, als von gelegentlichen Fickereien. Letztlich spielt das aber keine Rolle. Die Vorzüge für die Gesundheit und vor allem die Gehirnentwicklung durch die Beziehung zu einer Frau und somit auch für alle Ziele welche über eine bessere Gehirnleistung zu erreichen sind, waren mir auf dem Trip im Bett stark einleuchtend.

Wissenschaftler vergleichen das Gehirn gerne mit neuronalen Netzen, wer gut Musikinstrument spielt, kann auch viele andere Dinge besser, da in seinem neuronalen Netz weit mehr Schichten einbezogen werden wenn er spielt oder übt, als bei Nichtmusikern die nicht spielen oder üben. Genau so regt der liebende, in einer Beziehung stehende ganz neue Hirnareale an und trainiert diese, was in meinem Fall, da diese Areale momentan definitiv unterentwickelt sind, sich sehr vorteilhaft auf Qualität und Quantität meiner Hirnleistung, Moral usw. auswirken sollte. Jemand, bei dem die Sache mit der Liebe / Beziehung funktioniert, so dachte ich, wird jemandem, bei dem das nicht funktioniert immer überlegen sein. Sprich ich habe mir über viele Brücken auf Acid ausgedacht, dass ich durch die Beziehung zu einer Frau einfach wesentlich besser werden kann und dass mir momentan eigentlich nichts mehr schadet als das Fehlen dieser Liebe. Zudem bin ich dabei davon überzeugt worden, dass wenn diese Sache funktioniert, die Liebe, auch die anderen privaten Ziele weitaus besser verfolgt werden können bzw. überhaupt erst erkannt werden kann, welche die richtigen privaten Ziele wären. Ich habe ein Buch über erfolgreiche Männer gelesen und fast alle von Ihnen hatten diese starke und stabile Liebe / Beziehung zu einer Frau, das Buch trifft die Aussage, dass dies ein wesentlicher Bestandteil für Erfolg im Leben ist. Ein paar der Menschen um mich herum mit feineren Antennen, nicht solche, die man jede Woche sieht, aber solche die man hin und wieder trifft oder auch solche die man zum ersten mal trifft, meist älter als ich, haben mich schon darauf hingewiesen, dass ich eine Frau bräuchte, scheinbar merkt man mir den Mangel an Liebe auch an. Im Vorfeld des Trips habe ich auch schon öfter überlegt, die ein oder andere Bekannte einfach mal genau jetzt anzurufen und zu fragen ob ich direkt mal vorbeikommen könne (was eher weniger meine Art ist), irgendwie spürte ich den Liebesmangel wahrscheinlich schon unterbewusst und hatte daher ständig das Gefühl eine entsprechende Reaktion setzten zu müssen.

Aber genug von Frauen und Liebe. Eine weitere Einsicht, die mir gekommen ist, ist die, dass ich mehr auf mich achten sollte. Die Aufmerksamkeit für viele Dinge wird meiner Erfahrung nach auf Acid geschärft. So auch die Aufmerksamkeit auf das eigene allgemeine Befinden. Und dabei haben sich doch einige Unstimmigkeiten gezeigt. Zum einen ist mir klar geworden, dass ich durch irgendwelche Diätstorys ein irgendwie recht gestörtes Essverhalten entwickelt habe. Sofern mein Verstand sagt, dass ein gewisses Nahrungsmittel ja gesund sei, esse ich davon manchmal weitaus mehr als mit gut tut, was dann oftmals in Verdauungsproblemen resultiert. Hier achte ich einfach zu wenig auf die Signale meines Körpers und handle was die Nahrungsaufnahme angeht eher nach mathematischen Gleichungen, als dass ich auf meinen Körper hören würde. Dieses Verhalten und seine ab und an auftretenden Folgen begleiten mich schon ein paar Jahre. Ich hatte auch schon vorher festgestellt, dass diese ganze Diätsache etc. weit übertrieben werden kann und dann irgendwann auch nicht mehr gesund sein kann, aber erst Acid hat mir bewusst gemacht, dass wenn man genau darüber nachdenkt ich in diesem ganzen Diätkrempel noch immer etwas drin hänge und mir bzw. meinem Magen oft Dinge antue, die kaum gesund sein können, nur weil es rein rechnerisch einer ausgezeichneten Nährstoffaufnahme entspricht.

Dieses Leben, nach irgendwelchen Rechnungen und Regeln, die prinzipiell logisch und vernünftig erscheinen, tatsächlich aber nicht immer die positivsten Auswirkungen auf mich haben, ist ein fester Bestandteil meines Alltages. Die zweifelsohne schädliche Seite dieser Art zu Leben ist mir während der vielen Jahre nie so bewusst geworden wie während meines Trips in Ruhe in dieser Nacht. Weiter wurde mir bewusst, dass das ständige Hetzten von A nach B ohne ein ausgeprägtes Innehalten um sich zu fragen was fehlt oder nicht passt oder auch was eben schon gut ist, leicht dazu führt, nie zu vernünftigen Zielen zu kommen, da man sich selbst kaum kennt und ständig nur irgend einer anderen neuen Sache hinterherläuft, die einem ein Erreichen der einfachsten, logischsten und auch vom Dümmsten zu verstehenden Ziele verspricht, wie Reichtum, Macht, Liebe, Anerkennung und Glück. Dieses Hetzen führt zu einem Auflösen der Persönlichkeit in irgendwelchen Denkmustern und -gebäuden, die nicht die eigenen sind, was letztlich zum Verlust der eigenen Identität führt. Ich sage hier nicht, dass Acid zu nehmen, die eigene Identität stärkt, aber ich denke es hat mich begreifen lassen, was meine Identität schwächt, wie sich dies für gewöhnlich zuträgt und auch ein wenig, wie sich das in Zukunft etwas einschränken lassen sollte. Nämlich durch Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gegenüber mir selbst und meinem Umfeld gegenüber. Ohne die Feinfühligkeit und Sensibilität der Umgebung und auch mir gegenüber einschränken zu wollen, sollte ich meine leichte Beeinflussbarkeit und Sprunghaftigkeit im Verfolgen immer neuer Ansätze und Ideen, die letztlich dazu führt, dass nichts wirklich funktioniert, etwas eindämmen.

Viele dieser Gedankengänge habe ich vorher in irgendwelchen Büchern schon gelesen oder in Talksendungen gehört, sodass sich auch die Frage stellt, ob ich hier viele im Unterbewusstsein vorhandene Gedankengänge während des Trips nicht einfach zur Synthese gebracht habe, da sie ja im Grunde alle bereits vorlagen. Ich denke das beschreibt es ganz gut, was in dieser Nacht im meinem Kopf passiert ist. Natürlich stellt sich dann wieder die Frage, inwiefern diese Gedankengänge meine Eigenen sind, sodass man wieder zu der Überlegung kommen kann, dass man reines Konstrukt seiner Umgebung ist.

Eine weitere Erkenntnis, die sich mir in den sehr frühen Morgenstunden herauskristallisiert hat war die, dass ich meinen Freund, der mich vor Jahren mal mit Meth angeschalten hat, keinesfalls mit einer Dosis wie meiner heutigen auf die Reisen schicken dürfte. Auch wenn ich die Lehren des Acids über mein Leben als recht weise und gut empfinde, so hat mich dorthin doch ein recht leidvoller Weg geführt. Sehr oft während des Trips in der Ruhe, auch zuvor schon auf dem Festival, da jedoch mit anderem Turn und nicht so extrem, schoss mir der sinngemäße Satz in den Kopf und floss mir auch manchmal über die Lippen „Fuck Alter, ist das übel, ist das krass, alter ist die Scheiße mächtig“, da ich wie bereits erwähnt oftmals an die Grenzen meiner zerebralen Kapazität gestoßen bin und da sich dann vor allem während der Ruhe immer wieder die gleichen teilweise auch leidvollen Gedankengänge während meiner ausgeprägten körperlichen und geistigen Erschöpfung ständig in hoher Geschwindigkeit wiederholt hatten, ähnlich einer endlos for Schleife in der Programmierung.

Es handelte sich aber nicht um nur eine endlos for Schleife, sondern um viele verschiedene, die teilweise abwechselnd bis parallel durchlaufen wurden und in die immer wieder zurückgesprungen wurde. Aber anders als bei einer starren endlos for Schleife, konnte ich bei jedem Durchlaufen der einer Schleife ein klein wenig Erkenntnis mitnehmen, Erkenntnis, die teilweise auch für die anderen Schleifen von Nutzen war, die Erkenntnis pro Durchlauf war aber sehr minimal, sodass man doch immer wieder das Gefühl hatte gar nicht weiter zu kommen und im Wahnsinn dieser Schleifen / Gedankengänge gefangen zu sein. Es war auch in keinster Weise möglich, hier irgendetwas anzuhalten, die Gedankengänge kamen immer wieder und wieder und wieder, ungefragt und recht erbarmungslos, ohne Rücksicht auf meinen erschöpften Zustand. Und das habe ich mir gedacht, ist bestimmt nichts für jedermanns Geschmack bzw. auch nicht für jedermanns genetische Veranlagung was die Gehirnstruktur angeht. Insbesondere dann, wenn man sich nicht schon vorher auf den Trip einstellen konnte oder diesen dann auch noch unfreiwillig erlebt, erscheinen mir bleibende psychische Schäden beim Tripenden als sehr reales Risiko.

Auch ich hatte schon zeitweise mit dem Gedanken gespielt, vom Trip einen leichten Schaden davonzutragen. Zwar bin ich ein halbwegs erfahrener Psychonaut und habe auch durchaus Übung darin, die Bedeutung und Wahrhaftigkeit der Gedankengänge während eines Trips herunterzuspielen bzw. diese soweit zu leugnen, dass Sie mich nicht mehr wirklich auf die Palme bringen können, aber ganz konnte ich leichte Zweifel nicht ausmerzen. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass dieses Acid mehr als vieles andere meine Aufmerksamkeit erhöht hatte, und das auch im Bezug auf die Beachtung meiner Gedanken, die es natürlich auch stark beeinflusste. Lange Rede, kurzer Sinn, meine acidinduzierten Gedankenendlosschleifen haben mich auch zu der Erkenntnis gebracht, dass ich meinen Freund nicht oder zumindest nicht mit einer solchen Dosis anschalten sollte, da es durchaus sein könnte, dass er es psychisch nicht aushält und er somit einen geistigen Schaden davontragen könnte. Ich kam zu dem Entschluss, dass er mit der Mächtigkeit dieser Substanzen nicht unfreiwillig in Kontakt gebracht werden sollte, da die Restwahrscheinlichkeit für einen bleibenden Schaden einfach zu groß ist, egal wie die Vorgeschichte zwischen Ihm und mir aussieht. Sehr wahrscheinlich gab es noch viele weitere Erkenntnisse, aber natürlich konnte ich nicht alle aus der Sprache des Trips in meine Alltagssprache übersetzen, sodass ich viele nicht mitnehmen konnte.

Kapitel 4, Rauschen, Folgetag und Folgen

Nach diesen für mich durchaus wertvollen Erkenntnissen noch ein paar Bemerkungen am Rande. Während der Morgendämmerung (im gut erschöpften Zustand und noch immer trippend) hörte ich ein seltenes Vogelpfeifen. Es begann relativ freundlich und nach einer Weile hatte ich das Gefühl dass sich ein weiteres, sehr ähnliches Vogelpfeien dazugesellte, es klang wie zwei Vögel der gleichen Art. Das Pfeifen wurde immer bunter und lebendiger bis es irgendwann in eine obszöne bis vulgäre Tonart umschlug. Es war als hätte sich ein Vögelpärchen ganz freundlich und harmlos kennen gelernt und dann so lange herumgeturtelt, bis sie schließlich beide total aufgegeilt davon überzeugt waren, jetzt heftigen und schmutzigen Sex mitten in der Luft zu haben. Keine Ahnung, ob es sich hier tatsächlich um Paarungsgezwitscher handelte, oder ob ich durch meine Gedankengänge mit Frauen und Liebe einfach nur so fixiert auf das Thema Paarung war, etwas Vergleichbares hatte ich vorher noch nicht bewusst wahrgenommen. Ich denke es war nach dem Vogelgeschrei, als ich mal wieder aufstand, um mich auf den Weg Richtung Toilette zu machen.

Ich ging zu meinem Kleiderschrank, der mit einem Spiegel ausgestattet ist und als ich hineinsah hatte ich mich relativ stark erschrocken. Ich hatte brutale Teller (also stark vergrößerte Pupillen). Zu dieser Zeit war es etwa 12 h nach Einnahme der 2 100 µg Pappen. Ich hatte mich beim Blick in den Spiegel so erschrocken, da ich auch sonst einen ziemlich monster- oder zombieartigen Eindruck machte, dass sich nach einem Wimpernschlag meine Pupillen schlagartig verkleinert hatten, nahezu auf Normalgröße. Als der Schreck vorüber war und ich etwas Zeit hatte, mich genauer im Spiegel zu betrachten, wurde ich wieder ruhiger und die Pupillen wieder etwas größer, aber längst nicht mehr so groß wie beim ersten Blick in den Spiegel. Ich denke, die krasse Pupillengröße noch zu dieser Zeit hing auch damit zusammen, dass ich beim Blick in den Spiegel zwar nicht noch im Halbschlaf war (wie man sonst oft sagt, denn schlafen konnte ich ja nicht) sondern noch im „Halbgedankenkarussel“, welches im Bett liegend tiefer ging und schneller drehte, als während der Toilettengänge, auch wenn es nie stoppte.

Etwa als es gerade hell genug war um draußen einen Waldspaziergang zu machen, fiel mir auf, dass es mir über Nacht am ganzen Körper Pickel aus der Haut getrieben hatte. Dass hatte das etwas von Entgiftung. Pickel sind meist schon einige Zeit latent vorhanden, bevor man sie ausdrücken und somit loswerden kann, in dieser Nacht hatte es mir einige davon herausgetrieben, sodass ich sie zwar unter etwas Schmerz, aber letztlich loswerden konnte. Hier hatte ich sofort die Parallele zu den schmerzvollen Gedankengängen über die Dinge in mein Leben gesehen, die nicht richtig laufen. Es war ein wenig so, als hätten sich mein Geist und mein Körper beide zusammen entgiftet was wieder andeutete dass eine Trennung von beiden wenig Sinn macht und man sie auch als Einheit verstehen muss.

Am Morgen so gegen kurz nach 8 hatte ich das Bedürfnis hinaus zu gehen um etwas Sonnenlicht abzubekommen. Ich hatte durch die durchwegs gute Stimmung, Laune und Energie am Vortag die Idee bekommen, dass acidgetränkte Menschen Sonnenlicht etwas besser in Energie wandeln könnten als normale und ich hatte irgendwie das Gefühl, diese Fähigkeit seit gestern keineswegs eingebüßt zu haben. Sprich ich war der Meinung dass ich Sonnenlicht brauchen würde, da es mir etwas Energie und mehr Wohlbefinden spenden könnte. Also brach ich auf für einen kleinen Morgenspaziergang, es war ein schöner sonniger und trockener Morgen mit einer angenehmen Brise erfrischenden Windes. Das wärmende Sonnenlicht half tatsächlich, es ging mir darin besser. Ich ging zu einem Brunnen nicht weit von mir und trank von dem Wasser dort.

Ich kam an einem Getreidefeld vorbei, welches absolut nah bei mir liegt, wenn ich nur aus dem Fenster sehe, kann ich es sehen. Ich schaute mir das Feld an, roch es, spürte es und hörte sein Rauschen im Wind, lies seine strahlende Aura auf mich wirken und war von seiner Schönheit fasziniert. Es hätte mich nicht so berührt, hätte die Sonne es nicht noch so leuchten lassen und der Wind es in solch wellenartige Bewegung versetzt. Auch hier, ich kam viele Jahre an dem Feld vorbei und mir fiel erst jetzt die Schönheit bzw. Aura dieses Getreidefeldes auf, eine Erfahrung, die ich nur noch aus meiner Kindheit kannte und damals öfters machte, als ich um das Bauerndorf meines Großvaters herum streunte. All die vergangenen Jahre war es einfach nur ein Feld, dessen Schönheit mit unbemerkt blieb. Den Rest des Tages verbrachte ich eher mit belanglosem Zeitvertreib, größtenteils jedoch in Gesellschaft von Familie, Freunden und Bekannten.

Am Abend traf ich mich mit dem Freund, dem ich nun nicht mehr ohne sein Wissen Acid einflößen wollte. Ich erzählte Ihm von dem Trip, von dessen Heftigkeit und davon, dass ich Ihn nun nicht mehr einschalten wolle. Ich erwähnte auch, dass ich durchaus zu Erkenntnissen kam. Auf die Nachfrage, welche dass denn gewesen seien, antwortete ich nur, mit der Erkenntnis Ihn nicht mehr einschalten zu wollen. Ein für mich typischen Vorgehen, bloß nicht aus sich heraus zu gehen und irgendwem von den Dingen erzählen, die einen im tiefsten Inneren beschäftigen, vermutlich aus Schüchternheit oder durch falsche Ängste bedingt. Bei all der Erkenntnis taugt das Acid bei mir in Richtung Mut zu mehr Extrovertiertheit oder Mut gegenüber falschen Ängsten also nicht. Also zumindest nicht nach dem Trip, währenddessen vielleicht ein wenig. Die Erkenntnisse und deren Wahrhaftigkeit bleiben da definitiv länger. Da ich diese Zeile erst etwa 3 Wochen nach dem Trip schreibe, kann ich aber sagen, dass die Präsenz der Erkenntnisse auch verblasst und somit auch die entsprechenden folgerichtigen Handlungen nicht mit höchster Priorität verfolgt werden.

Im Nachgang des Trips sind mir noch weitere Dinge klar geworden, die auf Erkenntnisse aus dem Trip aufbauen, z.B. dass die Wahrnehmung meines Kurzzeitgedächtnisses oder des Kurzzeitgedächtnisses meines Körpers durch den Alltagsstress und meine Hetzerei irgendwie gestört sind. Dinge wie ein Ergebnis, dass beim HIV Test alles OK war, oder die Tatsache, dass man gerade eben 100 € zum Fenster hinausgeworfen und sich dabei auch noch blamiert hatte, erschütterten einen einst in Mark und Bein blieben somit zumindest ein paar Stunden im Bewusstsein präsent, mein momentanes Ich hat solche Dinge innerhalb einer halben Stunde völlig aus seiner bewussten Gefühlswelt verdrängt. Vor dem Hintergrund der Verarbeitung von Erlebnissen erscheint mir das nicht als der goldene Weg der Gesundheit und ich schätze, dass ich aber schon über Jahre so lebe, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein. Ich denke ohne den Trip wäre mir bis Heute nicht aufgefallen, dass es hier eventuell einen weiteren Missstand geben könnte. Man könnte also sagen, der Trip hat ein instrospektives Denkmuster bei mir hinterlassen, mit dem ich auch im Nachhinein noch etwas anfangen kann.

Ich hatte die zwei Wochenenden nach dem Trip keinen Rausch, nur ein paar wenige Bier oder Radler der Konventionen wegen getrunken. Am dritten Wochenende kam es jedoch wieder zum gewohnten Muster, Saufen, Kiffen und eine kleine Brise Meth, da ich mich nicht aktiv dagegen wehrte. Ein Freund wollte eben eine klassische Geburtstagsparty schmeißen, bei der er schon im Vorfeld angedeutet hatte, dass er enttäuscht wäre, wenn ich Ihn durch meine Abstinenz „im Stich lassen“ würde. Somit handelt es sich hier nicht um einen völlig unedlen Grund. So oder so habe ich das Gefühl durch den Trip tatsächlich noch etwas nachdenklicher und achtsamer geworden zu sein und vielleicht auch etwas besser in der Bekämpfung des inneren Schweinehundes beim angehen meiner eigentlichen Probleme.

Danke für das Interesse und großen Respekt denen, die sich alles durchgelesen haben.






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